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Ab heute: 3. Staffel Türkisch für Anfänger

Nachdem ich bei Twitter schon viel Werbung gemacht habe, auch hier…
Nur wenige TV-Serien schaffen es, das vom TÜV anerkannte Zertifizierungsmerkmal „von Andi für gut befunden“ zu erhalten und hier bebloggt zu werden.
Das trifft auf noch wenigere deutsche TV-Serien zu. Eigentlich so gut wie keine.
Nur auf eine handverlesene Zahl.

Türkisch für Anfänger ist eine von ihnen.
Wer sie trotz penetranter Erwähnung meinerseits immer noch nicht kennt, hier in kurz: Familie Schneider heiratet Familie Öztürk. Davon betroffen besonders Lena, die neben ihrem eigenen seltsamen Leben jetzt auch noch das Zusammenleben mit Yagmur und Cem hinkriegen muss.

In jeder einzelnen Textzeile steckt dabei soviel Witz und Detailliebe wie in zwei Folgen „Wetten Dass“ alte Menschen im Publikum sitzen1. Nur mit mehr Witz. Und mehr Detailliebe.

Heute Abend geht diese tolle Serie in ihre dritte Staffel, nach ein ein halb Jahren Pause. Und ihr müsst es schauen.
Um 18:50 auf dem Ersten2.

Etwas mehr dazu, z.B. im Fernsehlexikon. Oder auch das kurze Interview mit Serienschöpfer Bora Dagtekin bei den Serienjunkies.

  1. Viel! []
  2. Liebe Kinder, das ist irgendwo weit hinten in der Kanalliste. Aber schreibt doch kurz eine SMS zu euren Eltern neben an im Wohnzimmer — bei denen ist das ganz vorne. []

Serien der Vorsaison 08/09

Bevor am Montag mit dem Start der besten Comedy aller Zeiten1 auch die TV-Serien-Saison in den USA so richtig startet, hier meine Meinung zu den bisherigen Frühstarts der neuen Serien.
Diese beruht allerdings nur auf ein paar wenigen Folgen, kann sich also noch ändern – in die eine und in die andere Richtung…

90210: Das „Beverly Hills“ ist weg, die Postleitzahl bleibt. Ist ja auch hipper. Nur so mit Zahlen. Es geht um das Leben an und um eine Schule voll Reicher in Beverly Hills. Eben genauso, wie damals. Nur hipper. In diesem „Reboot“ der Serie aus den 90ern darf man noch schöneren Menschen beim Leben zugucken. Ich hatte mit viel Schlechterem gerechnet bei der Serie. Es bleibt eine Reiche-Kids-und-ihre-Welt-Serie2, aber irgendwie kann man sie sich ansehen, noch zumindest. Und immerhin hat Veronica-Mars Rob Thomas den Reboot entwickelt..! [#]

Privileged: Bleiben wir beim gleichen Sender und bei ähnlicher Thematik. Steinreiche Frau hat zwei verdorbene Enkelinnen und engagiert Tutorin für sie, damit die beiden gute Noten für die Unibewerbung schaffen. Auch hier, eigentlich klassischer Fall von: Kennen wir schon, hatten wir schon. Aber zum Glück hat diese Version des Stoffs eine herausragende Hauptdarstellerin, die mit ihren wunderbaren Monologen häufig die Serie allein bespielt. Ich find’s ganz ansehbar. [#]

True Blood: Vampirserien kommen jedes Jahr neu, oder? Diese hier läuft allerdings auf HBO, was ja schon prinzipiell „wahrscheinlich gut“ vermuten lässt. Und es wird zu einem „tatsächlich gut“, denn die Serie ist sehr unterhaltsam. In der Welt von True Blood leben Vampire friedlich unter Menschen, nachdem ein synthetischen Blut erfunden wurde. Es geht um Sookie, ihres Zeichens gedankenlesende Kellnerin, die den neuen und einzigen Vampir im Ort kennenlernt. Die Story hat ihren Reiz und die Umsetzung ist auch sehr gut. [#]

Fringe: Einen ziemlichen Hype gab es um diese neue Serie von Kultproduzent J. J. Abrams. Grenzwissenschaftlich wird „The Pattern“ untersucht, eine Ansammlung kurioser Geschehnisse in der Stadt. Akte X 2.0 vs. Eureka vs. Verschwörungstheorie vs. Charaktere. Rockt. Natürlich. [#]

How Not To Live Your Life: In dieser BBC-Three-Serie geht’s um Don. Don ist ein Dickhead. Er kriegt nicht bis überhaupt nichts hin. Als seine Großmutter stirbt erbt er ihr „massiv free house“3. Von wegen free: Es ist noch nicht abbezahlt. Er braucht also einen Untermieter, zwecks Finanzierung – Job hat er schließlich auch verloren. Und das Universum lässt natürlich seine heimliche Jugendliebe Abby bei ihm einziehen. Und so nimmt das grausame Schauspiel seinen Lauf. Don stolpert von einer bescheuerten Situation in die nächste, malt sich J.D.-esk „things, not to do in this situation“ aus und macht alles nur immer schlimmer. Mit anderen Worten: Großartig! Britische Comedy wie man sie sich vorstellt (und wünscht). [#]

Durchgefallen ist bei mir allerdings die Sitcom „Do Not Disturb“ über eine Hotelverwaltung. Zu oberflächlich, nicht-witzig und schlecht besetzt.
Und über „Mutual Friends“ muss ich mir erst noch mein Urteil bilden… [#]

  1. How I Met Your Mother natürlich, was sonst? []
  2. Die lange nicht an The O.C. rankommt! []
  3. samt ‚creepy‘ Altenpfleger, der sich partout weigert zu gehen. []

Diverses Popkulturelles

Damit es nicht in den einsamen Mikroweiten meines Twitter-Accounts unter dem ganzen praktikumsbezogenen Schwachsinn untergeht, hier ein wenig ausführlichtisierte Content-Zweitverwertung:

Ab dem 18. November gibt es neue Folgen der großartigen Multikulti-Familien-Soap „Türkisch für Anfänger“ auf dem Ersten. Ich bin ja bekennender Liebhaber dieser Serie und halte sie für eine der wenigen guten, die es noch in Deutschland gibt (Neben Dr. Psycho und Doctor’s Diary, momentan). Wer Türkisch für Anfänger bisher noch nicht kennt, oder seinen Kenntnisstand auffrischen will, für den strahl das Erste ab 10. September Staffel eins und zwei aus.

Der WDR mag zwar auf Festivals mit seiner Großtechnik dem Publikum im Weg stehen, aber jetzt können wir auch mal davon profitieren. Denn der WDR Rockpalast bietet auf seiner Webseite unter dem Label Rockpalast TV Konzertmitschnitte verschiedener Konzerte und Festivals zum Streamen an. Darunter die Editors, Chikinki, Faithless, Gods of Blitz, Manic Street Preachers, Shout Out Loud und Dokus, u.a. über die Rheinkultur 2007 und über die Beatsteaks.
Ganz viel popkulturelles Bewegtbild also. [via Alles ist Pop]

Serien zur Sommerpause

Auch wenn es momentan nicht danach aussieht, aber ja, es ist Sommer1. Wie sich die Älteren unter euch vielleicht noch erinnern können gab es eine Zeit vor der Klimaerwärmung, in der sich Mensch, Tier und Pflanze im Freien tummelten und gemeinsam auf einer Picknickdecke beim Duft von grillendem Maiskolben Schach spielten. Das war die Zeit, in der die großen amerikanischen TV-Sender ihre großen Serien pausieren ließen und die TV-Landschaft aussah, wie der Mars, nachdem ihn seine Bewohner verlassen hatten.
Aber wir haben die Klimaerwärmung. Und wir haben große TV-Serien im Sommer.2

Hier meine bescheidene Meinung, etwas ausführlicher als es meine Kurzbewertungen bei Twitter ([#]) zulassen.

Swingtown
SwingtownEs geht um Susan und Bruce Miller, die in einen neuen Stadtteil ziehen und sich dort mit ihren neuen Nachbarn, Trina und Tom Decker anfreunden. Die Letztgenannten leben ihre Ehe nach dem Prinzip der „Open Marriage“, feiern wilde Parties und genießen ihr Leben. Bruce und Susan lassen sich von dieser neuen Welt anstecken, verfallen aber immer wieder in Zweifel, ob das denn alles so ok ist.
Inhaltlich geht Swingtown weit über den Open-Marriage-Stoff hinaus, bildet die Serie doch die Aufbruch-, die Veränderungsstimmung der 70er ab und diskutiert sie währenddessen in ihren Vorzügen und Nachteilen (Nebenbei: Amüsant wie sich das projizierte Bild samt der Rollenmodellzuordnung der Deckers und Thompsons während der Staffel ändert…). Da geht es um wirtschaftlichen Aufschwung, um Emanzipation, um das Brechen mit alten Werten, aber auch um den Erhalt alter Werte. Sehr Vielschichtig.
Stilistisch ist die Serie darüber hinaus ein absoluter Augenschmaus. Der Soundtrack besteht aus tollen 70er Songs (die man sich bei last.fm anhören kann). Die Kostüme und die Kulisse sind authentisch, die Serie ist mit leichtem Weichzeichner und überstrahlten weißen Farben aufgenommen. Die Krone setzen diese schmalzigen Überblendungen auf, bei denen zum Beispiel eine alte Szene in der Flamme einer Kerze verschwindet.
Absolute Anschauempfehlung. [#, #]
7,6 von 10 Hippiesongs.

Flashpoint
FlashpointEtwas mehr von den Quoten gesegnet ist diese Serie über ein Spezialeinsatzkommando. Während des Streiks von CBS in Kanada zum Dreh aufgetragen geht es um ein Team von Polizisten der SRU (Special Response Unit), das sich mit den etwas heikleren Polizeisituationen auseinander setzen muss, den Situationen, die starke Nerven und fetzige Technik benötigen.
Mit ein paar bekannten Schauspielern besetzt (allen voran Enrico Colantoni, den man sonst z.B. als den Vater von Veronica Mars kennt…) geht es bei Flashpoint viel um Psychologie und den heiklen Einsatz der Spezialtruppe. Ist in gewisser weise just-another-crime-series, aber in gewisser weise auch nicht. Die Charaktere stehen im Vordergrund und alles wirkt etwas tiefgründiger. [#]
7,1 von 10 Geiselbefreiungen

The Cleaner
The CleanerEs geht um William Banks. Einst war er ein ziemlicher Junkie. Doch während der Geburt seiner Tochter machte er einen Deal mit Gott: Wenn er ihm eine zweite Chance geben und die Sache überstehen lassen würde, dann würde er seine Drogenkarriere beenden und anderen helfen, das ebenfalls zu tun. Natürlich ging alles gut und wir sehen Banks als geläuterten Familienvater. Und als Teamchef. Denn er hat sich eine Truppe aus Ex-Abhängigen zusammengestellt, mit denen er durch die Straßen zieht und anderen hilft, vom Drogenkonsum (et cetera) runterzukommen.
Die Serie ist, ganz entsprechend des behandelnden Themas sehr düster angelegt. Viel spielt in der Nacht, im Schatten oder in schlecht beleuchteten Einrichtungen.
Dreh- und Angelpunkt ist William Banks (gespielt von Benjamin Brett, den man aus einer anderen, ganz guten A&E-Produktion Namens „The Andromeda Strain“ kennen könnte…), dem man bei seinem stressigen und bösen, aber hilfsbereiten und verantwortungsvollen Alltag sehr gerne zu sieht. [#]
7,1 von 10 Abhängigkeiten

The Middleman
The MiddlemanDer Middleman ist ein freier Geheimagent, der sich für außergewöhnliche Probleme zuständig sieht. Hochintelligente Mafia-Affen gehören zum Beispiel dazu. Unsere Protagonistin Wendy Watson begegnet dem Middleman zufällig, als bei einem ihrer Aushilfsjobs ein Monster die Belegschaft tötet. Eins führt zum Anderen und Wendy wird die rechte Hand des Middlemans.
Die Serie basiert auf einem Comic. Und das merkt man: Alles ist wunderbar übertrieben und wunderbar übertrieben bunt. Alles glänzt und hat diesen falschen Touch. Abgedrehte Personen mit abgedrehten Handlungen in abgedrehten Geschichten. Dazu noch eine sehr große Zahl an popkulturellen Anspielungen.
Die Quoten sind wohl nicht so toll, wie es sich im Blog der Serie liest. Mehr als eine Staffel wird es also nicht vom mittleren Mann geben. [#]
6,9 von 10 Comicmonster

In Plain Sight
In Plain SightMary ist eine Polizistin, genauer ein Marshal des Zeugenschutzprogramms. Ihre Aufgabe ist es, ehemalige Kriminelle und andere Menschen im Programm zu beschützen und sie zu betreuen. Dass das kein einfacher Job sein muss, zeigt In Plain Sight.
Mary wird als verzweifelter und fast schon misanthropischer Charakter gezeichnet (allerdings gibt es da auch diese hoffnungsvollen Momente, ganz im Gegensatz zu Saving Grace, was ich quasi deswegen nicht weiterverfolgt habe…), der sich so durch sein Berufs- und Privatleben schlägt und versucht, ein wenig Ordnung hinein zu bringen. [#]
6,5 von 10 Zweitelebenimzeugenschutz

Es gibt auch zwei neue Serien, die mir ganz und gar nicht gefallen. Hier also zwei kleine Warnungen:

Bonekickers
Eigentlich hat diese Serie Potenzial: Besetzt durch Adrien Lester, den ich seit Hustle sehr gerne sehe, geht es um Archäologen und das Aufdecken von Fehlern in der Geschichtsschreibung. Aber leider ist das alles so billig, schlecht und uninteressant umgesetzt. Jede Folge ist eine Qual. Es zieht sich und wird nie richtig spannend. Schade eigentlich. [#]

Generation Kill
Wir sind Teil einer Militärtruppe, die in ihren Zelten in der Wüste darauf wartet, endlich den Irak im Jahr 2003 angreifen zu dürfen. Und das war’s. Hier passiert mal etwas, da tritt dieser lustige General auf, hier wird jemand verprügelt. Aber die ganze Story dümpelt so vor sich hin. Klar, das ist aus dokumentarischer Sicht sicherlich hochgradig relevant, die Realität will schließlich abgebildet werden. Nur interessant macht es Generation Kill dadurch noch lange nicht.
Und wenn man sich an den schönen Aufnahmen von Militärfahrzeugen im Wüstensand3 satt gesehen hat, dann gibt es irgendwie gar nichts interessantes mehr in der Serie. [#]

Noch kurz vor dem Ende:
Doctor Who: Die vierte Staffel des Doctors endete geradezu phänomenal. Das Finale vom noch-Showrunner Russell T Davies beendet die zu Anfang recht schwache vierte Staffel mit einem großen Familientreffen-Feuerwerk. Ich weiß jetzt wieder, was mich am Doctor so fesselt. [#]
Burn Notice: Davon hat gerade die zweite Staffel begonnen. Es geht so furios weiter, wie es aufgehört hat. Aber mit neuem, großem Soundtrack, wie mir scheint.

  1. Gut, wenn die meisten von euch das jetzt lesen, ist es sicherlich wieder völlig schön, die Sonne scheint durch die Jalousien und die Luft flimmert nur so vor Hitze. Aber egal. Blog for the moment. []
  2. Ob da ein Zusammenhang besteht möge sich der geneigte Leser selbst erschließen. Aber es passte gerade ganz gut für die Einleitung. []
  3. Das meine ich tatsächlich nicht so ironisch, wie es sich anhört. Die Qualität und die Shots sind schön anzusehen. []

TV im Netz: Dr. Horrible’s Sing-Along Blog

Bild

Online-TV-Serien gibt es ja mittlerweile ein paar. Die bekannteste (und im TV gefloppte) ist wahrscheinlich quarterlife. Bis jetzt.

Denn heute ist der 15. Juni, heute ist die erste Episode von Dr. Horrible’s Sing-Along Blog gestartet. Und, verdammt, wie geil ist das denn?

Joss Whedon ist verantwortlich für großartige Stücke, wie Buffy, Firefly1 und Serenity. Im Herbst wird auf FOX seine neue groß-budgetige Serie Dollhouse starten, wohl nach J.J. Abrams Fringe der meisterwartete Neustart.
Wie der geneigte Serienschauer weiß, war Anfang dieses Jahres in US of A der böse Autorenstreik und viele Autoren durften nicht für ihre Produktionsfirmen schreiben. Was macht ein neurotisch kreatives Hirn in so einer Zeit? Klar, er denkt sich selbst etwas aus und produziert es. Joss Whedon schrieb mit Freunden Dr. Horrible’s Sing-Along Blog – nur für das Internet.

Als Schauspieler konnte er Neil Patrick Harris (Barney aus How I Met Your Mother), Nathan Fillion (Firefly, Serenity, Drive) und Felicia Day gewinnen.

Jetzt ist die erste Episode online. Wir sehen den Super-Bösewicht Dr. Horrible, wie er zwischen Eroberung der Welt und seiner Liebe hin und her stolpert. Captain Hummer vereitelt nicht nur ersteren sondern auch letzteren Plan.
Das Ganze findet statt in Dialogen, wie auch in tollem, muscial-haftem Gesang2.

Die Episoden werden alle zwei Tage online gestellt, wobei jeweils die ältere Episode dann wieder offline genommen wird.
Also: Haltet euch ran!
Lohnt sich!

via viele, aber besonders sablog

Update 17. Juli: Die zweite Episode ist online. Eingangs- und Ausgangsstück sind außerordentlich großartig. Jawohl.
Update 23. Juli: Bereits seit Montagmorgen sind die Folgen von Dr. Horrible wieder offline. Wenn ihr es nicht geschafft habt, sie zu sehen: Mein Beileid. Ihr könntet probieren, sie in irgendwelchen (zwielichtigen) Videoportalen zu sehen, euch die DVD kaufen oder darauf warten, dass Dr. Horrible in der nächsten3 TV-Saison von einem großen Network aufgenommen wird. Das sag ich jetzt mal so. Vielleicht gibt’s aber auch nur eine Fortsetzung im Internet. Und vielleicht auch gar nichts. Was allerdings sehr, sehr schade wäre. Jawohl.

  1. Grandiose Sci-Fi-Raumschiff-Serie im Westernlook []
  2. Worauf ich ja momentan ein wenig stehe, so Musical und so []
  3. gut, vielleicht auch übernächsten []

Die Sache mit den Rosinen: Dr. Psycho und Doctor’s Diary

Der Deutsche TV-Weltraum, unendliche Weiten. Und überall nichts als langweiliger, unkreativer Einheitsbrei, der durch mehr oder minder witze Betrüger durchbrochen wird.

Vor ca. einem Jahr begann ein Beitrag ganz ähnlich, in dem ich zwei deutsche Serien ans Herz legte.

Zum einen war das „Türkisch für Anfänger„, in der es um das Leben in einer Multikulti-Patchwork-Familie geht. Es geht um Kulturunterschiede und -gemeinsamkeiten und um das Suchen seiner (ersten) großen Liebe, oder so. Gepackt in kurzweilige 20 Minuten Comedy, deren tolle Hauptdarsteller ganz hervorragende Dialoge in den Mund gelegt bekamen.
Der Macher von Türkisch für Anfänger, Bora Dagtekin, hat sich jetzt eine neue Serie ausgedacht. Ich habe mir die ersten zwei Folgen angeschaut und muss, als alter Serienhase sagen: Doctor’s Diary ist toll!
Fangen wir mit dem Schlechten an: Der Name. Eine deutsche Serie, die einen englischen Namen trägt. Gut. Kann man machen. Aber dann auch noch so einen schnulzigen? Das hört sich doch nach Rosamunde Pilcherkonsalik an. Wenn man sich dann die Beschreibung durchliest, dann denkt man: Kenn ich doch. Scrubs, Grey’s Anatomy, Bridget Jones, ER und noch viele mehr (um von klassischen Soaps gar nicht anzufangen).
Aber, und an dieser Stelle kommen wir fließend zum Guten: Doctor’s Diary mag sich zwar bei vielen anderen Serien bedienen, doch mischt Herr Dagtekin die einzelnen Ingredienzen so gut, gibt ein Stückchen Witz und ganz viel unerwarteten Storytwist hinzu — es kommt eine frische und tolle Ärzte-Soap. Klar, einen kleinen Faible für Kitsch und Soap muss man haben, aber ich habe ihn anscheinend und mir macht das Sehen ganz klar Spaß.
6,9 / 10 internationale Ärztepunkte (=8,3 / 10 deutsche Serienpunkte)
Die ersten beiden Folgen, die am letzten Montag bei RTL liefen, kann man sich im Online-Videoportal RTL NOW (noch?) anschauen. Umsonst. Die URL des (eingebetteten) Videos lässt sich übrigens wunderbar kopieren und in VLC einfügen1

Zum anderen hatte ich damals Dr. Psycho empfohlen. Eine Serie um Christian Ulmen, der einen Psychologen bei der Polizei spielt, selbst aber eine ganze Reihe von Problemen hat. Zu denen gehören unter anderem seine Kollegen, die ihn nicht akzeptieren wollen, dabei aber ihren Polizeidienst vermurksen, wo es nur geht.
Dienstag startete die zweite Staffel der Serie und … sie ist immernoch hervorragend. Es fehlen zwar Darsteller aus der alten Staffel (in der ersten Folge zumindest), aber die wichtigen Drehpunkte sind immer noch da. Ganz in der Mitte Christian Ulmen, der alle in den Schatten spielt.
7,1 / 10 internationale Polizeipsychologenpunkte (8,7 / 10 deutsche Serienpunkte)

Anguckbefehl für beide Serien. Quote und so. Ihr wisst schon.

  1. Z.B. die URL für das erste Video: mms://217.118.170.10/vod/95/E74167_doctorsdiary_700k.wmv []

Robin Hood

Ich mag keine Mittelalterserien. Überhaupt nicht. Gut, die BBC-Miniserie „Oliver Twist“ war nett1, aber da wusste man schließlich auch, was einen erwartet. Ich war also skeptisch und habe mich lange gewehrt, die 2006er Version von Robin Hood anzusehen. Letztendlich hat mich dann glaube ich ein Review von Christian auf Serienjunkies.de überredet.

Robin HoodUnd das war gut so.

Denn an Robin Hood ist einfach alles toll.

Jonas Armstrong in Robin HoodFangen wir bei den Schauspielern an. Hauptdarsteller Jonas Armstrong passt perfekt in seine Rolle (wie konnte es jemals einen andren Robin Hood geben?!). Er hat eine wunderbar verschmitzte Mimik, die aber immer intelligent bleibt, dann im nächsten Moment aber wieder Amüsement ausstrahlt, als sei er gerade auf der Kirmes und würde Riesenrad fahren. Ein paar Minuten später ist er dann dieser furiose, ungehaltene Waldausgestoßene, der droht irrational und so völlig un-robinhood-artig zu handeln. Dann ist da seine rechte Hand, Much, mit ihm durch Krieg und Frieden gegangen, ein Freund für’s Leben (?), der den liebenswürdigen Trottel der Serie übernimmt. Und auch er macht seine Rolle verdammt gut. Sehr sympathisch und im nächsten Moment aufbrausend, weil er sich wieder hintergangen fühlt. Marian gibt es natürlich auch, und auch sie ist sehr gut dargestellt. Hübsch und anmutig, aber eben auch rebellisch und wild. Keith Allen in Robin Hood als Sheriff von NottinghamUnd dann ist da noch Keith Allen der den Sheriff of Nottingham spielt. Böse, wie man im Mittelalter nur sein kann, und dabei wunderbar anzuschauen. Die kultigste Rolle seit Barney Stinson. „Bla-di-bla-di-bla“ wird von uns hoch- und runterzitiert. Außerdem kann er seinen Zahn wechseln! Seinen Zahn mit pinkem Glitzer! Super.

Das Setting der Serie ist auch ganz wunderbar: Tolle Landschaftsbilder inmitten unberührter Wälder, eine schnieke Burg und detailgetreue Dörfer.
Die Outlaws bei Robin HoodUnd natürlich die Stories. Seien es diese kleinen, abgeschlossenen Handlungen pro Episode. Da hat sich der Sheriff wieder etwas Neues ausgedacht, um die Bewohner der Dörfer auszunehmen. Da hat er eine neue Falle für Robin Hood und seine Crew gestellt. Da ereilt Robin Hood die Nachricht eines verborgenen Schatzes. Immer genug Abwechslung, es wird nie langweilig. Darüber hinaus gibt es auch noch die allumspannende Handlung: Der König Englands kämpf im „Holy Land“ und der Sheriff von Nottingham versucht die Herrschaft an sich zu reißen – erst alleine, später mit Hilfe seiner Black Knights. Diese Geschichte strotzt nur so vor Aktualität, vor kritischen, fast schon politischen Anspielungen und indirekten Statements auf der Meta-Ebene. Aber sie ist natürlich im Offensichtlichen schön anzuschauen und durchweg spannend. Schafft Robin es? Was hat sich der Sheriff jetzt noch ausgedacht?

Die zweite Staffel wird dabei pro Folge immer noch ein Stück besser und endet mit einem ziemlichen Hammer.

7,5 von 10 Pfeile.

Viele Hintergrundinfos, z.B. die ziemlich ironische Story des Mastertape-klaus gibt es in dem sehr ausführlichen Artikel der Wikipedia.

  1. Später mehr… []

Skins

Skins LogoBereits Anfang des Jahres hatte ich diese vermeintliche Teenie-Serie vorgestellt.
O.C. auf Crack LSD.

Wir begleiten eine Handvoll Jugendliche bei ihrem Werdegang und ihrem täglichen Leben. Leben mit Drogen, mit Parties, mit Schuleschwänzen. Aber auch Leben mit Identitätssuche, mit Finden von Freundschaften, von Liebe und dem richtigen Umgang mit zum Teil sehr kaputten Eltern. Eine tolle Serie, die am laufenden Band überzeugt, dass es eben DOCH noch etwas krasser geht, die Kinnlade NOCH etwas weiter herunterklappt, wenn sie bereits ganz unten hängt.

SkinsDie zweite Staffel fängt dort an, wo die erste aufhört. Unser Hauptdarsteller Tony1 ist seltsam geworden. Er benimmt sich anders als vorher (ich möchte ja an dieser Stelle nicht zu viel verraten). Aber er ist auf dem Weg der Besserung und wird langsam wieder der Alte.

SkinsOb es etwas mit seiner Genesung zu tun hat? Ich weiß es nicht, aber der Anfang der zweiten Staffel ist schleppend. Klar, die erste Folge ist wieder in jeder Hinsicht krass, aber danach? Es dümpelt so langsam. Man ist einfach (zu?) viel gewohnt von dem Betkreis bei Skins. Das ist vielleicht ein Dämon der Serie, aber wer seine Story mit immer außergewöhnlicheren, immer krasseren Wendungen forttreibt, der desensibilisiert sein Publikum auch, das zombiegleich vor der Kiste hängt und zähnefletschend nach mehr und mehr und mehr verlangt.
Nach dem Anfang kriegt es aber das dann auch: Die Story gewinnt wieder an Tiefe. An Charakter. An toll.

Also definitiv weiterhin eine Empfehlung, und selbst die ersten paar Folgen sind immer noch so toll, dass ich selbst diese uneingeschränkt empfehlen würde. Es geht hier um ein Abfallen von 220 % toll auf 190 % toll. Oder so.

8,5 von 10 Sternen.

Wer sich als Skins-Fan weiterbilden will, dem sei die offizielle Seite von E4 empfohlen. Da gibts haufenweise Zusatzinfos, Blogartikel, Onlineepisoden. Alles, was das Fanboyherz begehrt.

  1. Wieso habe ich eigentlich immer noch das Gefühl, Tony sei eine Art Hauptdarsteller? Seine Geschichte wird mehr oder minder gleich beleuchtet, wie die der anderen Kids. Sid steht sogar von der Hierarchie fast über Tony. Und trotzdem bleibt dieses Gefühl, Tony wäre der Zentralkörper unseres Planetenlustspiels. Zumindest Anfang der 2. Staffel []