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Southside 2008, Musikgedanken

Zum ersten Teil meines Southside-Rückblick geht’s hier lang: „Southside 2008, Platzgedanken
Natürlich haben auch ein ‚paar‘ Bands auf dem Southside gespielt.

Donots
Southside 2008: DonotsIch war schlecht vorbereitet: Ich kannte wenig Songs von ihnen. Zu wenig. Der Funke sprang nicht über, auch wenn man dem Frontsänger nicht vorwerfen kann, er hätte es nicht versucht. Von Stück zu Stück wurden Mitgröhlchore eingeübt: „Danke, Lieber Donots, es hat mir sehr gut gefallen.“ – Oder so ähnlich, denn genau wie ich, hatten die meisten im Publikum den Satz wieder schnell vergessen.

Radiohead
Southside 2008: RadioheadEin, wenn nicht der Headliner des Festivals. Die Jungs haben in den letzten Monaten von sich reden gemacht, weil sie ihre Songs über das Internet verschenkten und verkauften. Die Bühnenshow ließ viel erahnen: Von der Decke abgehängt waren dünne Säulen, die über der ganzen Bühne verteilt waren. Während der Show dann leuchteten diese Stangen bunt, im Intergrund wurde atmosphärisches Licht verteilt, auf den Videoleinwänden wurden vier Nahaufnahmen von Bands oder Instrumenten eingespielt. Aber ich fand es langweilig. Damit mache ich mir jetzt keine Freunde unter den Radioheadfans. Die Musik war einschläfernd. Energielos.
Muss nicht sein.

The Kooks
Southside 2008: The KooksWir sind dann etwas früher als nötig zur anderen Bühne abgehauen. Dort spielten The Kooks. Darauf freute ich mich sehr. Wer mein last.fm-Profil kennt, der weiß: Die mag ich.
Frontman Luke Pritchard kam mit Stirnband auf die Bühne und … fetzte! Songs vom neuen, wie auch vom alten Album wurden gespielt, wenn der Herr Pritchard nicht gerade, wahrscheinlich betrunken, seine Lippen an das Mikrofon nuschelte und dem Publikum etwas erzählen wollte. Trotzdem: Die Jungs gingen ab, spielten alle großen Songs.
Erstes Highlight.

Deichkind
Southside 2008: DeichkindDer Samstag startete mit Präparation. Wir wollten zu Deichkind. Am Eingang hatten wir ein paar Müllsäcke extra mitgenommen. Klar, was man in dieser Situation macht: Unser Deichkindkostüm war geboren.
Die Jungs selbst hatten mit großem neonfarbenem Klebeband Buchstaben auf ihre Müllsäcke geschrieben – was könnte es anderes sein als „YEAH“! So betraten sie ihre seltsame Bühne auf der Bühne um sogleich mit tiefen Beats und sinnlosen Texten loszulegen.
Während der einstündigen Dauerjubelei wurden wir Zeuge des wohl abgedrehtesten Konzerts. Nicht nur mit Paddelboot wurde crowd-ge-surft, sondern auch ein großer Wasserring wurde dazu benutzt. Eine große Flasche gefüllt mit Orangensaft (und …?) wurde über der Menge verteilt („Zitze“). Ein Sänger eilte auf den Abmischturm (dicht gefolgt von einem Security, der ihn da direkt wieder runterholte). Und bei dem absoluten Kracher „Yippie Yippie Yeah!“ wurden zwei Trampoline ausgepackt.
Die Jungs machten absolute Party auf der Bühne, das ganze Publikum ging mit. Ich kannte zwar nur ein paar Lieder, aber das war hier völlig egal…
Highlight.

Jan Delay & Disko No 1
Southside 2008: Jan Delay and Disko No. 1Nach Deichkind wurde die Bühne erstmal umgebaut. Pause war ganz gut, immerhin hatten wir mehr als Stunde lang wild getanzt.
Jan Delay und seine hervorragenden Disko No 1 spielten um 22:30 und rockten auch ganz schön. Der Herr Delay spielte einen Kracher nach dem anderen und seine Band unterstützte ihn auf diese perfekte Art und Weise, von der man schon lange vorher gehört hatte. Jan Delay machte Udo Lindenberg so grandios nach, dass wir daran zweifelten, ob auf seiner Platte jemals ein echter Udo gesungen hat.
Zur Zugabe wurde dann der Trompetenbeat von „Put Your Hands Up For Detroit“ zu „Put Your Hands Up For Southside“ umgewandelt, bis schleichend in „Yippie Yippie Yeah!“ gewechselt wurde und ein Deichkind noch mal auf die Bühne kam (und ein Sofa versuchte zu zerstören). Krönender Abschluss für ein sonst hervorragendes Konzert.

The Chemical Brothers
Southside 2008: The Chemical BrothersIn der Umbaupause sahen wir Stück für Stück, was uns erwarten sollte. Eine riesige Technikarmada wurde aufgefahren. Im Hintergrund eine große LED-Wand, dahinter noch ein paar Moving-Heads und ein weiterer (einfarbiger) LED-Teppich. Links und rechts zwei große, ins Publikum gerichtete Laser. Vor der LED-Wand dann drei große Racks, in denen Keyboards und Synthesizer aufgereiht waren. Davor schließlich ein großes Pult, hinter das man schließlich zwei kleine Gestalten verschwinden sehen konnte.
The Chemical Brothers lieferten eine atemberaubende Light-Show ab. Musik und Licht waren perfekt aufeinander abgestimmt. Durch den Nebel trieben sich die Laserstrahlen, während Blitzlicht im Takt des Basses die Augen massierte und riesige Roboter auf der LED-Wand auf das Publikum zu kam. Wow.
Aber die Musik? Zwar nicht in der „Langweilig“-Liga von Radiohead, doch trotzdem: langweilig. Die Beats waren hölzern, ohne Leben und es fehlte auch hier der große Funke, der übersprungen musste.
Schade eigentlich. Aber wenigstens konnten wir was sehen. Was Tolles.

The Wombats
Southside 2008: The WombatsDiese putzigen Tierchen spielten nach Mittag am Sonntag. Drei lustige Jungs und sogar der Schlagzeuger mit Mikrofon (sieht man ja eher selten). Sie spielten gut und toll ihre Songs und verliehen ihnen meistens noch ein Stück Liveindividualität, wenn sie für die Outros wild auf ihren Gitarren herumhauten und sie immer weiter und weiter, fast schon episch, an den Verstärkern rückkoppelten. Zu guter letzt biss sogar der Sänger in ein Keyboard.
Abgedreht, aber sehr sympathisch und gut.

Panic At The Disco
Southside 2008: Panic at the DiscoGanz ungeschminkt und mit fast normaler Frisur traten die Herren in so etwas wie Westernklamotten auf. Passend zum Stil ihres neuen Album also. Auf der Bühne war kein einziger Synthesizer zu sehen, denn sie spielten alle ihre Songs völlig un-elektronisch. Besonders die Stücke des ersten Albums wirkten da etwas anders — aber keines falls schlecht! Ich war erstaunt, wie gut Leadsänger Brendon Urie singen konnte. Es machte Spaß zuzuhören, auch die Band auf der Bühne (und mit ihr das Publikum) etwas verhalten war und nicht recht mitging. Die Pausen zwischen den Liedern füllten sie gekonnt mit einem „So, now, we sing a couple more songs“. Immer wieder…
Trotzdem: Anzuhören war es sehr schön.

Maximo Park
Southside 2008: Maxïmo ParkMaximo Park spielten als letztes auf der Blauen Bühne, lieferten dabei eine solide Show ab. Zwischen den alten Klassikern (von denen ich leider manche nicht kannte…) hörten wir sogar ein Stück vom neuen, upcoming Album. Ich hab keine Ahnung mehr wie es ging.
Der Auftritt war unspektakulär aber gut. Routiniert.

Leider habe ich meinen Dezibelmesser im Handformat vergessen, denn es war überall ziemlich laut. Selbst mit Ohrstöpsel erreichte man eine Lautstärke, die ich normalerweise als „laut“ betiteln würde. Aber so ist das wohl (und leise ist ja auch blöd, irgendwie).

Southside 2008: SecurityLustig waren die Securities, die immer am Rand stehen mit Handzeichen probierten, Menschen auf den Schultern Anderer zum Herunterkommen zu bewegen. Autoritätsverlust pur.

Ein paar mehr / andere Kommentare habe ich zu den Bildern in meinem flickr-Account geschrieben.

Vergleicht man meine Liste der Bands, die ich gesehen habe, mit denen, die ich sehen wollte, dann habe ich es zu vier Bands nicht geschafft. Razorlight, da war ich schlichtweg zu faul. The Notwist haben im Zelt gespielt, was ich mir bei der Hitze nicht antun wollte. Bei Apoptygma Berzerk haben wir gerade unser Lager abgebrochen, ebenso bei Madsen – da habe ich nur das Ende mitbekommen.
9 von 13 vorgenommenen Bands besucht macht aber immerhin knapp 70%. Passt schon.

Neue Alben für’s Frühjahr: FB, PATD, TK uvvvvm.

In den kommenden Wochen erscheinen ein paar neue Alben, von, zuvor zumindest, delikat hörbaren Bands.
Damit ich zu gegebener Zeit nicht vergesse, mir die Musik zuzulegen — hier meine Erwerbsliste für die nächste Zeit. Vorläufig.
(Toll ist, dass ich zwei der Bands beim Southside Festival und die dritte bei einem Konzert sehen werde. Jawohl. Ich freue mich.)

Cover: Fettes Brot - Strom und Drang.Fettes Brot – Strom und Drang | 14. März
Mit „Bettina“ haben sich die Hamburger anfang des Jahres zurückgemeldet. Und dabei sehr viel aufgewirbelt. Sehr elektrisch (klar! Mit Modeselektor!), und sehr … seltsam. Ich war mir (und bin mir immernoch) nicht sicher, wie ich den Song finden sollte. Oszillierend zwischen „Wow, geht ganz gut ab“, „Joa, ganz nett“ und „Grausam! Was machen die da?!“ habe ich mich, glaube ich, irgendwo am Anfang eingependelt. Mir gefällt’s jedenfalls (noch!).
Dieser Single folgt also ein Album. „Strom und Drang„. Der tiefere Sinn dieses Wortspiels hat sich mir noch nicht aufgelöst, aber das kann ja noch kommen. Mal schauen, ob das Album stilistisch ähnlich elektrisch wird. Oder doch eher sprachakrobatisch.
So oder so: Wird sicherlich gut. Da hab ich vertrauen.

Cover: Panic at the Disco - Pretty. Odd.Panic at the Disco – Pretty. Odd. | 25. März
Panic at the Disco1 kann man für eine Teenieband halten, die im Emo-Fahrwasser dahindümpelt und viel zu exzentrisch daher kommt. Kann man aber auch für eine Band halten, die schöne Lieder macht. Mir gefällt besonders, wie sie auf ihrem ersten Album elektronische Elemente in die sonst ja eher Gitarrensongs gebracht haben. Bleibt zu erwarten, wie sie das auf dem zweiten Album fortgesetzt haben. Die erste Single aus dem Album ist „Nine in the Afternoon“ (hypem.com) und die gefällt mir jetzt schon sehr gut.

Update: Moby – Last Night | 31. März

Update: Gnarls Barkley – The Odd Couple | 8. April

The Kooks - Konk.The Kooks – Konk | 14. April
Konk!? Schrecklicher Titel, aber ihr erstes Album, „Inside In / Inside Out“ habe ich damals hoch und runter gehört und erfreue mich auch jetzt noch manchmal daran (was nach so intensivem Hören nach so langer Zeit wirklich außergewöhnlich ist…). Die erste Singleauskopplung „Always where I need to be“ ist etwas lasch, aber das muss man ja nicht direkt auf’s Album übertragen, ne?

Update: Booka Shade – The Sun & The Neon Light | 26. Mai

Darüber hinaus, haben auch noch ein paar andere Bands neue Alben angekündigt, die es zumindest im Auge zubehalten lohnt.
Da wären die meeresgöttlichen N.E.R.D, die im Laufe des Frühjahrs N.3.R.D herausbringen werden (gibt’s auch schon eine etwas seltsame Single zu).
Und da wären The Futureheads mit „This Is Not The World“ im Mai, die Großmeister von Coldplay, die sich für keine zu hohen Lobestöne zu schade sind, und Oasis, die es vielleicht dann doch noch mal schaffen, mich zu wiederbegeistern.

Auf welche musikalischen Neuerscheinungen freut sich der geneigte Leser?

Update vom 8. März 2008:
Man stößt ja mit der Zeit immer mal wieder auf Meldungen neuer Musik. Und wenn man vorher einen Blogeintrag schreibt, der genau das zum Thema hat, dann denkt man sich zuerst: „Gut, aber für einen bearbeite ich den Artikel jetzt nicht extra!“. Dann vergeht etwas Zeit und man bekommt wieder mit, dass da doch noch ein Album veröffentlicht werden soll. Man zweifelt kurz, kommt aber dann wieder zurück zu altem Gedanken. „Nee, Bearbeitung lohnt nicht.“ — Wenn das allerdings zum dritten Mal geschieht, DANN, also dann bearbeite ich diesen blöden Blogpost halt. Ha. Und ich geb ihm sogar noch einen extra Teaser-Post. Wicked!

Moby - Last Night.Moby – Last Night | 31. März
Moby (mit Blog!) hat diesen seltsamen, messersschneidigen Stil irgendwo zwischen Minimal, Techno, Rock, Pop und Experimental. Einordnen konnte ich ihn noch nie, aber die meisten seiner Songs gefielen mir relativ gut. Manche gar nicht und manche, wie die aktuelle Vor-Single-AuskopplungDisco Lies“ erst nach mehrmaligem Warmhören. Was das jetzt für’s kommende Album „Last Night“ heißt? Absolut keine Ahnung. Kann schrecklich werden. Kann großartig werden. Wahrscheinlich irgendwo dazwischen.

Gnarls Barkley - The Odd Couple.Gnarls Barkley – The Odd Couple2 | 8. April
Gnarls Barkley waren ja die Revoluzzer der digitalen Musik. Crazy war, soweit ich das in Erinnerung hab, der erste Song, der so richtig stark über das Internet verteilt wurde. Und daraufhin in den schweren Rotationen hoch und runter gespielt wurde. Bis zum Tothören und noch weiter. Sehr schade eigentlich, war der Song doch außerordentlich hörbar und wurde sicherlich nicht zuletzt deswegen von einer Reihe von Künstlern gecovert. Jetzt kommt also tatsächlich noch ein zweites Album von Danger Mouse und dem Mann mit der außergewöhnlichen Stimme, Cee-Lo heraus. „The Odd Couple“ wird bestimmt wieder sehr energetisch (Entschuldigung für das Wort!) und tanzbar. Singleauskopplung „Run“ lässt das jedenfalls erwarten.

Booka Shade - The Sun & The Neon Light.Booka Shade – The Sun & The Neon Light | 26. Mai
Booka Shade sah ich zum ersten Mal vor zwei Jahren als Vorgruppe von Royksopp. Damals kannte sie noch keiner. Beeindruckten mich aber trotzdem; nicht nur durch ihre auf der Bühne rhythmisch wabernden MacBook-Bildschirme, sondern auch durch ihren minimalen, aber trotzdem vollen Clubsound. Sehr toll und haben sich danach richtig in mein Herz (und meine Füße) gespielt. Nachdem sie gefühlte 10.000 Mal geremixt und gesamplet wurden kommt jetzt ein neues Album heraus. Sie bewerben es selbst in einem kleinen YouTube-Filmchen. Die neue Vor-Single ist „Planetary / City Tales“, die es zur Hälfte natürlich auch schon ins Netz geschafft hat… Scheint wieder sehr minimalistisch zu werden, aber bei Booka Shade gehe ich von nichts anderem aus.

  1. Jetzt ohne Ausrufezeichen, ist das nicht absolut phänomenal … uninteressant?! []
  2. Schon wieder „odd“? Ich glaube, diese Albensaison wird ganz schön seltsam []