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Buch: Jack McDevitt – Die Suche

Chase Kolpath ist Archäologin. An der Seite ihres Chefs Alex Benedict forscht sie im Universum nach Hinterlassenschaften ausgestorbener Provinzen der Menschen. Durch einen Zufall bekommen sie eines Tages eine Tasse in die Hand, die das seltene Logo der Seeker trägt. Die Seeker war vor zehntausend Jahren im Jahr 2250 das erste (und größte) Schiff, was ins Universum aufgebrochen ist, um eine menschliche Kolonie zu gründen. Es wurde nie wieder gesehen, genauso wie seine Insassen. Nur Mythen gibt es über Margolia, so der Name der Zielwelt der Auswanderer, zu genüge.
Chase und Alex treten eine Suche nach dem größten Schatz im Universum an, der nicht nur Hinterhalte, lebensbedrohliche Situationen und einen Besuch bei den Stummen (der einzig bekannten weiteren intelligenten Bewohner im Universum; ziemlich fies anzuschauen, aber eigentlich ganz umgänglich) mit sich bringt.

Der Autor Jack McDevitt ist ein relativ großer unter den Science-Fiction-Autoren. Ich kannte ihn nicht – und so schnell werde ich auch kein Buch mehr von ihm lesen.

Die Suche (wieder mal ein lahmer deutscher Titel, der es nicht schafft die Doppeldeutigkeit des originalen „Seeker“ zu transportieren…) ist nett. Nicht gut, aber bei weitem auch nicht schlecht — einfach nur nett.
Die aus der Ich-Perspektive von Chase erzählte Geschichte tröpfelt so vor sich hin. Dabei ist der Stoff eigentlich gut: Eine Schatzsuche in ferner Zukunft, in der es noch genug Menschliches gibt, dass man sich nicht unwohl fühlt, die aber auch mit neuen futuristischen Sachen aufwarten kann. Das Springen von einem Hinweis zum Nächsten. Das Tüfteln. Die Gefahren (auch hier: konservative Gefahren, wie simple Verräter und futuristische Gefahren, wie das Reisen in ein außerirdisches Universum). Wirkt wie ein Indiana Jones in der Zukunft. Das heißt: Könnte so wirken.
Denn im Gegensatz zu Indiana Jones fehlt der Erzählweise der Elan. McDevitt spult die Erlebnisse von Chase ab. Stück für Stück. Stellt euch vor, Steven Spielberg wäre beim Dreh dauerhaft auf Valium gewesen. Der Film, der dabei herausgekommen wäre, der beschreibt das Gefühl, das ich beim Lesen von Die Suche hatte.

Andersrum ist das natürlich nicht so schlecht. Nicht jedes Buch muss die Grenzen erneut austesten und erweitern. Denn Die Suche ist solide geschrieben und stellt routiniert das Abenteuer dar. Und ein paar gute Ideen hat McDevitt auch in der Hinterhand. Zum Beispiel die Frage, um die es sich in der Mitte des Buchs dreht: Was wäre, wenn alle Menschen die Gedanken der anderen kannten? Was wären Menschen, ohne Lüge und Betrug?
Die erfundenen Zitate am Anfang jedes Kapitels sind durchweg seltsam und ich habe absolut keine Ahnung, was ich von ihnen halten soll.

Wenn man nicht viel nachdenken will und mal eben ein Taschenbuch verschlingen will (z.B. nach einer durchgefeierten Nacht oder wenn man vom Besuch von Orion wieder mal so gerädert zurückkommt), dann kann man mit Die Suche eine durchaus angenehme Lektüre finden.
Für mehr taugt sie aber nicht.1

6 von 10 Archäologieraumfahrten

Buch bei Amazon kaufen (Partnerlink). Ein Kapitel auf Englisch probelesen.

  1. Erst recht nicht das Cover! Oh. Mein. Gott! Word-Art meets Clipart-Galerie meets schlechten Geschmack meets talentlos. Wer kauft sich bitte nach so einem Cover das Buch!? Viel zu hässlich. Sowieso, das scheint so ein Sci-Fi-Problem zu sein: Immer wieder schlechte Cover. Und zwar so richtig schlechte. []

Buch: Sergej Lukianenko – Spektrum

Martin Dugin ist, ganz anders als es sein Name vermuten lässt, russischer Staatsbürger und lebt in Moskau. Wenn er gerade nicht mit seinem Onkel die unendlichen Weiten der kulinarischen Kochkunst erforscht, betätigt er sich als Privatdetektiv. Sein Spezialgebiet ist alles, was sich außerhalb der Erde abspielt. Ein interstellarer Privatdetektiv sozusagen. Er gehört mit zu den Großen und Erfolgreichen seiner Riege und verfügt über einen guten Ruf. Denn er kann eines besonders gut: Geschichten erzählen.
Vor ein paar Jahren kamen aus heiterem Himmel die Schließer auf die Erde. Eine außerirdische Rasse, die entfernt an haarige Big-Foots erinnert. Sie brachten zwei Hand voll Torstationen auf die Erde und verteilten sie auf die Großstädte aller Kontinente. Die Stationen sind Teleportapparate, die auf mysteriöse Art zu einer anderen Torstation teleportieren. Zuvor muss der Reisende allerdings eine Eintrittsgebühr bezahlen: Er muss die Einsamkeit und die Langeweile der Schließer durch eine gute Geschichte vertreiben. Was gut und was schlecht ist, das scheint völlig willkürlich im Ermessen der Schließer zu liegen. Martin hat die Erfahrung gemacht, dass persönliche Geschichten, Geschichten, die sich mit tiefsinnigen Gedanken auseinandersetzen und idealerweise sogar über eine Sinnesänderung verfügen am sichersten die Reise auf einen anderen Planeten einleiten können.
Eines Tages kommt ein wohlhabender russischer Geschäftsmann auf ihn zu. Seine Tochter Irina ist verschwunden – er vermutet, dass sie sich auf einen fremden Planeten befindet. Martin soll sie wiederfinden. Ist eigentlich nicht so komplex, wie es sich zuerst anhören mag. Martin hat häufiger nach vermissten Personen gesucht. Und auch Irinas Fährte hat er relativ schnell aufgespührt: Sie ist bei ein paar Forscher-Hippies auf dem Planeten „Bibliothek“. Die Gruppe ‚Wissenschaftler‘ möchte herausfinden, was die in Stein gemeißelten Schriften bedeuten, die überall auf dem Planeten verteilt sind.
Martin findet Irina endlich, doch bereits nach einem kurzen Plausch wird sie von einem Tier getötet. Von einem Tier, was normalerweise nie tötet. Das ist gar nicht in seinem Gehirn vorgesehen. Seltsame Sache, aber passiert schon mal.
Irinas letzte Worte schwirren Martin auf der Erde immer wieder im Kopf herum. Als er schließlich herausgefunden hat, was sie bedeuten und er ihnen folgt, steht auf einmal wieder Irina vor ihm. Lebendig.

In sieben Kapiteln, die passend zum Titel des Buches die sieben Farben des Regenbogens tragen1 geht es um die Suche nach Irina und die Suche nach den Schätzen des Universums. Oberflächlich. Eigentlich geht es um wesentlich mehr.

Was ich zu aller erst an Spektrum feststellen musste, war die eloquente Sprache des Herrn Lukianenko2. Zum Anfang hin war das sogar störend. So sehr, dass ich das Buch über ein halbes Jahr zur Seite legte und lieber anderweitig fremdlas. Irgendwann kam ich dann aber wieder auf Spektrum zurück und las weiter. Und nach ein paar Seiten war von der anfänglichen Sprachabstoßung keine Spur mehr. Das Ärgernis wandte sich in erfrischende Andersheit – wenn sie denn überhaupt einmal auffiel.

Apropos Andersheit. Was ich dann feststellte: Russland. Die meisten Geschichten, die ich bisher gelesen habe, waren aus der Sicht eines Amerikaners erzählt. In Amerika. Gut, Deutschland hatten wir auch schon. Der Rest Europas ebenfalls. Allerdings immer Länder, die man im Volksmund als ‚westlich‘ klassifiziert. Russland hatte ich noch nicht. Spektrum spielt aber genau da (zumindest, wenn nicht gerade auf einem anderen Planeten). Zum Einen ist auch das erfrischend. Es gibt andere Sichtweisen (zumal allerdings storybedingt die armen Regionen der Moskauer Vorstädte umgangen werden, die ich zumindest im Kopf habe, wenn ich an Moskau abseits der post-Zar-Ära denke) und andere Charaktere als aus dem typischen amerikanischen Thriller. Zum Anderen ist das befremdlich und seltsam. Besonders gemerkt habe ich das in den vielen Prologen, die sich allesamt um’s Essen drehen. Da werden dann Mahlzeiten konsumiert, von denen ich die Zutaten noch nicht mal in ihrer Sorte bestimmen könnte.

Martin ist eine Person, die von Lukianenko mindestens genauso ambivalent dargestellt wird, wie meine Wahrnehmung der russischen Kultur ist. Er ist sehr sympathisch, ist der intelligente, fast spießerhafte Genießertyp (wie er sich ja später auch selbst bezeichnet), der immer die Kontrolle über die Situation zu haben scheint, sich ausführliche Gedanken über die Problemlösung macht und uns an ihnen teilhaben lässt. Aber da fängt, zumindest empfinde ich das so, die Ambivalenz an: Wie aus heiterem Himmel, ganz plötzlich hat Martin das Rätsel gelöst; spricht er zu den Schließern in doppeldeutigen Bildern, die komplette sozialanalytische Studien repräsentieren und völlig losgelöst von allem Vorherigem aus dem Nichts erscheinen. Das wirkte wie aus einem schlechten Film, wo der Held nur aus der Schlucht gezogen werden kann, weil zufällig ein Bodybuilder-Wanderer vorbeikommt. Nur auf einer anderen, weil meist theoretischen und dadurch etwas befremdlichen Ebene. Stellenweise fragte ich mich, ob ich zu dumm war, um die Genese seines Gedankens zu verstehen, aber mehrmaliges, genaueres Lesen der vergangen Seiten ließen mich beruhigt „nein“ denken.

Überwältigt war ich stellenweise von den Ideen, die Lukianenko hat. Teleportstationen, klar, sowas ist im Trend, nicht erst seit Stargate. Aber verwaltet von einer anderer Macht, die nichts weiter will als Geschichten? Spoiler: Und das letztlich nur zum Willen des Reisenden, um ihm durch Selbstreflexion ein „Aufstieg“ auf eine höhere Ebene des Seins zu ermöglichen…. Das ewige Spiel zwischen möglicher Vorhersehung, möglicher übergeordneter Macht oder Zufall. Und dann die einzelnen Skizzen von außerirdischen Kulturen und ihren Eigenarten. Ihren limitierenden „Kulturmacken“. Dass gerade der Sinn des Lebens die Macke der Menschen ist. Dann die Skizzen von den Planeten mit ihren fast schon mystischen Besonderheiten.
Und das sind nur die offensichtlichen, aller Ideen Lukianenkos. Wie so vieles in Spektrum, verbergen sich bei genauerem Hinsehen und Nachdenken ein paar interessante Gegebenheiten unter der Oberfläche.

Die Prologe zu den Kapiteln, die allesamt kulinarischen Inhalt haben, erschließen sich mir allerdings nicht so ganz. Das Gefühl habe ich zumindest. Das Buch ist vollgestopft mit tiefsinnigen und bedeutungsschweren, mit metaphorischen Zeilen. Aber in den Prologen kann ich beim besten Willen so gut wie nichts davon finden. Schon wieder: bin ich zu doof, oder sind die Prologe absichtlich sehr künstlerische Brüche mit der Restgeschichte und der Reststilistik, so wie es Martin als (übertrieben) schizophrene Persönlichkeit zwischen Genießertyp und Detektiv ist3?

All das, was mich am Buch stört, kulminiert im letzten Kapitel; in der letzten großen Szene. Ohne hier zu viel über das Ende verraten zu wollen, dort wird schnell gesprungen, Lösungen nur angedeutet, Dilemma in Stichwörter diskutiert und auf einmal ist da die Lösung.
Aber auch alles, was ich am Buch gut fand, kulminiert dort. Im letzten Kapitel. Lukianenko baut geschickt seine Geschichte dorthin gehend auf und schafft es dieses Mal, dass man der Genese folgen kann. Gut, die ‚Schießerei‘ ist etwas episch und langatmig, aber wohl weil ich schon wusste, worauf die Lösung so ungefähr hinauslief und es kaum erwarten konnte, eine Bestätigung zu erlangen.
Die Zeilen sind jetzt etwas kryptisch, für Nichtkenner dieses Buchs. Aber wenn ihr das Buch hinter euch habt, dann könnt ihr ja nochmal vorbei schauen und dann sagen, ob es euch ähnlich ging.

Auch wenn das Buch ein paar negative Eigenschaften hat (und aus meiner Beschreibung könnte man sogar denken, es seien einige — aber das ist nicht so!), ich kann es für (Soft-)Science-Fiction-Möger uneingeschränkt empfehlen. Die sprachgewandte und illustere Schreibweise, die schönen kleinen Ideen, das große Rätsel, welches über allem steht sind absolut lesenswert.

8 von 10 „Einsam ist es hier und traurig.“

Wer selbst einmal hineinschauen möchte, der findet auf der Verlagsseite von Heyne eine recht üppige Leseprobe der ersten 40 Seiten des Buchs. Noch eine Rezension gibt’s auf der Lukianenko Fan-Seite imzwielicht.de.
Direkt kaufen kann man das Buch z.B. über diesen Amazon-Partnerlink, bei dem ich Juwelen im Wert eines kleinen Schlucks Cola mitverdiene!

  1. Der originale, russische Untertitel ist ein Merkspruch, mit dem man sich die Farben in der richtigen Reihenfolge merken kann — wie ich bei meiner Nachherrecherche feststellen durfte. []
  2. Den man übrigens von „Wächter der Nacht / Tag / Bundeslade“ kennen könnte. Spektrum ist allerdings wesentlich weniger Horror, wesentlich weniger Fantasy und dafür viel besser. Jawohl []
  3. Negativ könnte man hier auch Fragen, ob vielleicht die Prologe unbeding als Füllmaterial hineingepresst werden mussten. Tun wir aber nicht. []

Doctor Who

Doctor Who 2005 Logo„Der Doktor“ ist ein darüber hinaus namenloser Außerirdischer der Gattung „Time Lord„. Er sieht relativ menschlich aus, kann aber mit seiner TARDIS, einer von außen wie eine handelsübliche britische Telefonzelle aussehender Zeitmaschine durch die Zeit reisen1. Dabei muss er das ein oder andere Problem lösen, muss gegen die ein oder anderen, meistens allerdings ebenfalls außerirdischen Feinde kämpfen, hat dabei zwischenzeitlich das ein oder andere überaus profane Problem.
2005 ist die neue Version von Doctor Who on Air gegangen. Von 1963 bis 1989 lief bereits die Urserie Doctor Who, die besonders in UK Kultstatus erlangt hatte.

Zeitmaschine? Zeitreisen? Außerirdische? Kämpfe? Weltall? Da denkt man doch gleich an riesige Special Effects. An außerirdische Raumschiffe, die sich durch die Wolken schieben. An perfekt animierte Sternenkampfträger, die glattpoliert das Licht eines fernen Planeten reflektieren. Eigentlich sollte man so etwas also auch von Doctor Who erwarten. Diese Kategorie Filmunterhaltung wäre es zumindest.

Wiedermal: Falsch. Völlig.

Doctor Who hat zwar durchaus ein paar nett anzusehende und gut gemachte Special Effects, aber der Reiz der Serie besteht darin, dass sie es meistens eben nicht sind. Dalek! Dalek!Die weltbekannten Daleks, die Superbösewichter im Doctor-Who-Universum, z.B. sind Staubsauger mit kitschigen Plastikapplikationen (zumindest in ihrer Ursprungsvariante). Doctor Who braucht keine moderne Rechnerleistung um seine Zukunftsvisionen vorgekaut auf den Schirm zu projizieren. Die Arbeit findet im eigenen Kopf statt2.
An guten Ideen mangelt es Doctor Who indes nicht. Da werden ganze Krankenhäuser auf den Mond gebeamt. Da werden dystopische Welten gezeigt, für die es in Buchform sicherlich Preise gegeben hätte3. Und da sind auch Folgen dabei, die mit dem Doctor-Who-Universum im Offensichtlichen gar nichts zu tun haben, aber dann doch ganz großartig sind.

David Tennant als DoktorAllem Voran ist da David Tennant. Selbst ein großer und akribischer Fan der Originalserie spielt er aktuell den Doktor. Und das ganz großartig. Diese Mimik, diese subtile Komik, diese Dauerbeschäftigtheit. Wenn nötig dann aber auch diese Einsamkeit, diese Unentschlossenheit. Hach. Insgesamt, einfach nur super.
Klar gibt es auch Nebendarsteller. Dem Doktor steht immer eine Dame zur Seite. Zur Unterstützung und zum nötigen Knistern. Über die Nebendarstellerinnen könnte man seitenlange Abhandlungen schreiben. Könnte. Nur kurz: Manche sind besser, manche sind schlechter. An die Aktuelle muss ich mich z.B. noch sehr stark gewöhnen. Sehr.

Wer einmal weg will, von den durchgestylten Science Fiction Hollywoods und zurück zu den Science Fiction, die mehr im Kopf statt finden; die durch Ideen und eigenartigen Zukunftsvorstellungen beeindrucken, der sollte Doctor Who schauen. Sollte er. Jawohl.

7,2 von 10 Daleks.
Und ich bin völlig überwältigt davon, was es in der Wikipedia alles zu Doctor Who gibt. Das ist Fan-ismus pur! Toll.

  1. und hat er hat den wohl coolsten aller Kugelschreiber der Welt des Universums aller Zeiten, überall []
  2. Negativer könnte man auch von Trash-Sci-Fi sprechen, aber da stelle mich etwas anderes drunter vor und es würde dem Doktor nicht gerecht werden. Doctor Who ist alles andere als trashig… []
  3. Gut, natürlich hätten sie dafür etwas ausführlicher sein müssen. Aber es könnte ja auch der Unausführlichkeits-Gedächtnispreis sein. Oder so. []

Primeval

Primeval LogoIrgendwo in England tauchen auf einmal Wesen auf, die es eigentlich schon längst nicht mehr geben dürfte. Dinosaurier und viele andere Urzeitviecher. Es stellt sich heraus, dass die Tiere durch glitzernde Portale kommen, sogenannte Anomalien. Diese poppen scheinbar ohne System für einen gewissen Zeitraum auf, bilden ein Fenster in die Vergangenheit und verschwinden dann wieder.
Nick Cutter stellt sich im Auftrag der Regierung ein Team zusammen, was zukünftig für die Untersuchung der Tiere und der Sache an sich verantwortlich ist. Später tritt seine vor einigen Jahren mysteriös verschwundene Frau auf den Plan und verwirrt die Situation noch ein Stück mehr.
Um das in der zweiten Staffel noch zu toppen, hat man eine große Verschwörung eingebaut, die jetzt im Hintergrund als episodenübergreifende Handlung steht und aufgeklärt werden will.

Der Cast von PrimevalDas, was Jonas Armstrong in „Robin Hood“ ist, ist Douglas Henshall als Nick Cutter bei Primeval … nicht. Bei weitem nicht. Denn Nick Cutter besitzt insgesamt gerade mal einen Gesichtsausdruck. Und wird auch sonst sehr bescheiden gespielt: ausdruckslos und emotionslos. Wenn dann doch mit Emotion, dann völlig übertrieben und einfach nur fremdschämend schlecht. Nicks rechte Hand Steven ist da nur ein wenig besser, allerdings sieht er wenigstens besser aus. Aus schauspielerischer Sicht könnte man also denken, die Serie sei ein Reinfall; nur schlecht und blöd und sowieso.

Abby und ConnerFalsch. Denn zum Einen gibt es da die beiden „Quereinsteiger“ Conner und Abby. Tollpatschig, nerdig, sympathisch und ganz gut gespielt.
Und zum Anderen gibt es da den Rest.
So beispielsweise die ansehnlichen (auf keinen Fall hollywoodeske, aber eben ansehnliche) Special-Effects, nette Ideen und immer viel Action. Die slapstick-artigen Einlagen Conners sorgen für reichlich Mitfühlung und machen die manchmal durchgestylte Story dann doch um einiges persönlicher. Diese ist meistens unterhaltsam, wandelt allerdings manchmal etwas haarscharf am ‚bescheuert‘ vorbei…

Wer ein wenig auf Science-Fiction, auf special-effectig eingerahmte ’nette‘ Story mit ein wenig britischem Humor steht, der sollte Primeval mal einen Blick hinüberwerfen. Es erwartet keine großartige Serie, die die Welt verändern wird, aber eine unterhaltsame, leichte Kost.

Wenn er sich beeilt, dann kann er das sogar im deutschen TV tun. Seit letzten Montag, den 7. April, läuft die kürzlich in England zu Ende gegangene zweite Staffel auf ProSieben. Wenn irgendwie möglich, möge er aber auf die Originalvariante zurückgreifen. Wegen des tollen britischen Akzents.

6,5 von 10 Dinosaurierknochen.

Buch: Robert Charles Wilson – Quarantäne

Chris ist eigentlich Autor. Sein letztes Buch war zwar viel beachtet, aber ebenso umstritten. Deswegen fristet er jetzt sein unglückliches, in Selbstmitleid suhlendes Dasein als Journalist und reist für eine Reportage mit in das kleine US-Städtchen Blind Lake.
Dort gibt es eine fantastische Maschine: Ein Quantenteleskop. Eine Reihe von O/BEC-Zylinder wurden mit selbsterweiterndem und -verbesserndem Code versehen, so dass sich in den Computern ein künstliches, intelligentes Netz bildete. Wie genau diese Computer funktionieren, das versteht keiner. Man probierte aus, initiierte den Code und ließ die Maschine etwas laufen. Was dabei herauskam, war zu komplex für das menschlichen Verständnis. Aber was dabei herauskam war auch revolutionär.
Die Quantenmaschine bildete ein Teleskop, was den Einblick in eine fremde Welt ermöglicht. Die fremde Welt des Planeten UMa47, auf dem es intelligente Wesen gibt, die sogar in einer Kultur leben. Das Quantenteleskop wurde auf ein einzelnes Wesen dieser Kultur geeicht, welches es immer auf Schritt und Tritt verfolgt.
Chris soll mit seinen beiden Journalistenkollegen eine Reportage über das Teleskop von Blind Lake schreiben.
Doch nach ihrer Ankunft im Ort wird auf einmal das Stadttor geschlossen. Die Stadt von außen hermetisch abgeregelt. Der Fluchtversuch eines Bewohners endet sogar tödlich: Außerhalb des ersten Zauns sind Minen gelegt worden. Was geht dort vor sich? Warum werden alle Netzwerkverbindungen nach außen getrennt, die Stromversorgung aber nicht?
Das Örtchen verwandelt sich in einen Mikrokosmos, der in all seinen Einzelheiten organisiert werden will.
Chris wird, wie alle Zugereisten, bei Einheimischen einquartiert. So kommt es, dass er Marguerite und ihre Tochter Tessa kennenlernt. Außerdem ihren Ex-Mann Ray.
Es folgt eine Geschichte, die langsam das Geheimnis der Quarantäne enthüllt und stetig auf einen Höhepunkt zuzulaufen scheint.

Spin von Robert Charles Wilson hatte mir außerordentlich gut gefallen. Klar also, dass ich mir den chronologischen Vorgänger besorgt habe. Aber Quarantäne kommt bei weitem nicht an Spin heran.
Die Ideen sind ja noch ganz lustig. Da wird ein Quantencomputer erfunden, der sein Eigenleben führt. Da wird eine fremde Zivilisation dargestellt und ihre Beobachtung durch Menschen. Da wird eine Quarantäne eines Ortes dargestellt, der sein Eigenleben entwickelt, wie man es aus Big Brother / Das Experiment / Whatever kennt. Sogar etwas anspruchsvoller als dort. Und dann gibt’s sogar noch eine Reihe ganz nett verquerter Liebesgeschichten und zumindest interessante Ausführungen über Schizophrenie.

Aber das alles ist mit einer derart distanzierten Trockenheit geschrieben, dass mir zumindest der Anschluss an die Story fehlte. Ich fühlte mich immer außen vor. Irgendwie außerhalb der Quarantäne.
Bis etwas in Gang kommt, die Story an Fahrt aufnimmt vergeht einfach viel zu viel Zeit. Die Geschichte stockt in fast regelmäßigen Abständen. Und erst ganz am Ende merkt man, dass man sich doch in einem Science-Fiction befindet (und nicht etwa in einem Sci-Fi-angehauchten Drama).
Diese über Allem hängende Mystik. Was hat Chris da für ein Buch geschrieben? Warum ist er so … seltsam? Was hat es mit Tessas Schizophrenie auf sich? Ist es wirklich ein fremder Planet, den die Computer da beobachten? Und vor allen Dingen: Wieso ist Blind Lake von der Außenwelt abgeschottet?
Das alles wirkt so gewollt, aber nicht gekonnt. Ich mag Rätsel und Mysteries, ich bin schließlich großer Fan von LOST, aber dann muss auch die Spannung entsprechend um diese Pfeiler aufgebaut sein. Und von Spannung ist bei Quarantäne über weite Strecken nichts zu spüren. Das plätschert so vor sich hin und erzählt nach und nach, fast hintergründig, was es mit dem ganzen Kram da auf sich hat.

Ein ganz okes Buch, wenn man sich einmal druchgewühlt hat. Die Idee über das menschliche Unverständnis über selbst erzeugte Maschinen ist ganz nett, und es gibt auch eine weitere Vielzahl von ’netter‘ Aspekte des Buchs. Aber eben nicht mehr als nett. Der letzte Schliff fehlt; das letzte Etwas.
Schade eigentlich.

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Zu Gute halten muss man allerdings das Coverartwork. Wie schrecklich ist bitte dieses Original!?

Buch: Michael R. Baier – Coruum

Donavon McAllon ist Analyst alter Sprachen. Hieroglyphen und so was. Gerade ist er aber mit seiner Familie auf den Schottischen Highland-Games, als ihn ein Anruf seiner Studienkollegin Karen Whitewood erreicht. Diese befindet sich gerade in Guatemala, ganz in der Nähe der alten Mayastadt Tikal. Dort wurde ein unterirdischer Raum gefunden – ein Raum inklusive seltsamer Stele. Letztere besteht aus außergewöhnlich glattem Gestein, das zu dem noch warm ist. Eingeritzt sind Symbole, die keiner der bisher bekannten Kulturen entstammen. Und deswegen will Karen Donavon vor Ort haben, er besitzt einfach das beste Gespür, wenn es um die Entschlüsselung neuer Inschriften geht.
In Südamerika angekommen beginnt Donavon zusammen mit Karen und ihrer Kollegin Sinistra so gleich mit der Untersuchung der mittlerweile von schwerem Gerät freigelegten Stele. Donavon findet eine geheimnisvolle Scheibe, die er einsteckt und später zusammen mit seinem in England gebliebenen Institutsleiter Fergus untersucht. Es scheint sich um einen spacigen Kalender zu handeln. Sehr spacig, denn aus einem unbekanntem Material und total hipp beleuchtet. Etwas später, in einer nächtlichen Aktion, erforschen Donavon und Karens Team eine neu gefundene Stätte in der Nähe der Stele, das allerdings hinter dem Rücken der sich immer restriktiver verhaltenden offiziellen Seite vor Ort an der Ausgrabungsstelle.
Was sie dort unten finden, ändert alles.

Die Scheibe passt in eine Vertiefung in der Wand und gestattet den Forschern das Eindringen durch ein rotes Kraftfeld in einen kleinen, mit Schriftzeichen übersäten Raum, ein Archivraum. Als die Schriftzeichen berührt werden erscheint in der Mitte des Raumes ein drei-dimensionale Hologramm, die genau das, was auch in den Schriftzeichen zu stehen scheint, hautnah darstellt: Aus dem Himmel landet ein Raumschiff, ein menschlich aussehender Besucher steigt aus, wird von den Bewohnern der Stadt empfangen und verschwindet mit dem König wieder. Was das Team schon vermutet hatte: Die Ruinen, die sie dort gerade ausgraben, sind nicht von Menschenhand.

Was das Team allerdings nicht vermutet, ist, dass ihr Eintritt in den Archivraum quer durch die halbe Galaxis übertragen wird. Bis hin zum großen Saal der Winterresidenz von Torkrage Treerose, seines Zeichens einer der Herrscher über die Sieben Königreiche, einem der drei großen Bünde im Universum. Torkrage erkennt die Bedeutung der Übermittlung, immerhin scheint in den Aufzeichnungen, die die Fremden da abrufen, Harkcrow Treerose zu sehen zu sein. Torkrage schickt so gleich seinen besten Mann, Merkanteer Kaleeze zum Planeten Ruthpark, von dem das Signal kommt.
Aber auch eine andere Ecke des Universums kriegt den Archivraumbetritt mit, zwar nicht wie Torkrage mit Bild, dafür mit ähnlicher Gespanntheit. Ashia, ihres Zeichens Mitglied einer äußerst geheimen Einheit des Geheimdiensts Z-Zemonthy des Zentrums (welches mit den religiösen Nebelwelten die drei Bünde komplettiert) wird sofort nach Ruthpark geschickt.
Als in der Ausgrabungsstelle wenige Tage später der Schlüssel in die Stele gesteckt wird und sich der Eingang zu einem riesigen, unterirdischen Lager öffnet, wissen die Erdbewohner noch nicht, dass sie schon bald mitten ins Kreuzfeuer beim Kampf zweier außerirdischer Kulturen kommen werden.

Michael schrieb bei sich im Blog über Coruum, das Buch von Michael R. Baier (ja, genau, mit richtig tollem, literarischen Zwischenbuchstaben!), für das er keinen großen Verlag fand und es dann „einfach“ im Eigenverlag herausbrachte (und deswegen nur via Amazon Marketplace bezogen werden kann). Die Geschichte interessierte mich: Maya meets Außerirdische. Indiana Jones and the visit from above. Verborgene Schätze, rätselhafte Artefakte, mysteriöse Enthüllung, rasante Verfolgungsjagden – und dann noch eine unheimliche Begegnung der dritten Art? Könnte gut werden! Und? Es wurde sogar noch besser, noch viel, viel besser. Continue reading

Buch: Iain Banks – Der Algebraist

Fassin Taak ist Seher. Langsamen-Seher. Er begibt sich in kleinen Kapseln in die Atmosphäre von großen Gasplaneten, im Speziellen in die Atmosphäre von Nasqueron (größter Planet des Ulubis-Systems), um Informationen mit den dort lebenden Dwellern auszutauschen. Die Dweller leben schon seit Milliarden Jahren auf den verschiedensten Gasplaneten des Universums. Haben also schon viel gesehen, und noch mehr Informationen.
Eigentlich ist Fassin nur einer von vielen Sehern in seinem Sept Bantrabal. Bis er eines Tages zu einer Versammlung in die Hauptstadt gerufen wird. Ihm, wie einer Reihe weiterer Ausgewählte wird von den Vorsitzenden des größten Völkerzusammenschlusses des Universums, der Merkatoria, eröffnet, dass eine riesige Flotte von Sternenschiffen zum Ulubis-System unterwegs ist, um dieses einzunehmen. Eine Merkatoria-Flotte sei ebenfalls unterwegs, werde aber erst ein paar Monate nach der Angreiferflotte eintreffen, da auch kein Wurmlochzugang mehr im Ulubis-System existiere (dieses wurde vor mehr als zwanzig Jahren von den ulubiseigenen Beyonder-Rebellen zerstört). Der Grund für den Angriff sind Informationen über eine geheime Liste der Dweller, die Fassin zufällig vor einiger Zeit bei einen seiner Spaziergänge auf Nasqueron, unwissend, entdeckt hatte. Die Liste soll Daten enthalten zu einem gerüchtweise existierenden, Milliarden Jahre alten Wurmlochsystem der Dweller. Die Merkatoria könnte es u.a. nutzen, um noch rechtzeitig vor dem Angriff in Ulubis anzukommen.
Fassin wird wieder auf Nasqueron geschickt, um näheres über die Liste herauszufinden — vielleicht ja sogar die Liste selbst!
Während er sich dort und auf anderen Planeten mit den seltsamen Dwellern auseinandersetzt, rückt gleichzeitig die Bedrohung des Angriffs immer näher. Bis die Flotte schließlich im Ulubis-System ankommt, natürlich bevor Fassin die Liste gefunden hat und bevor die Einheiten der Merkatoria der Verteidigung Ulubis helfen können.
Existiert die Liste? Wer wird Ulubis erobern? Was sind das für seltsame Zwillinge? Und wie kommt man auf die ganzen lustigen Namen?

Der Algebraist“ war langweilig. Continue reading

Rezension: Robert C. Wilson – Spin

Der zehnjährige Tyler Dupree sitzt mit seinen beiden besten Freunden und Nachbarn Diane und Jason auf der Wiese im Garten und beobachtet mit einem Fernrohr den Himmel. Die Party der Eltern im Großen Haus kracht ordentlich, Jason schwärmt über die Welt und Gott, Diane über Gott und die Welt und Tyler für Diane. Alles scheint in üblicher (Un-)Ordnung. Als plötzlich die Sterne verschwinden. Direkt merkt das irgendwie so recht niemand. Erst am nächsten Tag wird gerätselt, was das für ein seltsames Phänomen ist. Woher kommt es? Ist es schlimm? Wie lange wird es bleiben? Diese Fragen verbreiten sich allerdings nur sehr langsam. Denn sämtliche Satelliten sind ausgefallen. Eigentlich ein Totalschaden für E. D. Lawton, Jason und Dianas Vater. Er ist nämlich ein ziemlich globaler Spieler in der Raumfahrtindustrie. Aber er ist auch ein verdammt gerissener Kopf, und deswegen hat er schon schnell eine neue Idee parat: Kommunikationsballons, sogenannte Aerostaten. Als auch nach mehreren Monaten keine Sterne wieder auftauen, wird E. D.s Patent ein richtiger Kassenschlager und er gewinnt immer mehr Geld. Und Einfluss. Vor allen Dingen Einfluss.
Das Trio, Tyler, Jason und Diane wächst also in einer Welt ohne Sterne auf. Nungut. Könnte Schlimmeres geben. Wäre da nicht das dieses seltsame Vater-Sohn-Verhältnis von E. D. zu Jason. Letzterer ist äußerst intelligent und wird deswegen so gut es nur geht von E. D. gefördert – um später einmal in seine Fussstapfen zu treten. So kommt es, dass Jason mehr und mehr über das Verschwinden der Sterne herausfindet und seinen besten Freunden weiter gibt: Die Sterne sind verschwunden, weil sich eine seltsame Membran, der sogenannte Spin, um die Erde gelegt hat. Auch die eigentliche Sonne ist verschwunden, eine perfekte, aber künstliche Nachbildung erhellt jetzt den Tag.
Später erfährt E. D.s zur Erforschung des Spin eingerichtete Insitution „Perihelion“, und damit dann auch Jason, dass das noch lange nicht alle Eigenschaften des Spins sind. Außerhalb der sterneverschlingenden Membran geht die Zeit anders. Für jede auf der Erde vergangene Sekunde, vergehen außerhalb der Spinmembran 3,7 Tage. Continue reading