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The Battle for Power on the Internet

What happened? How, in those early Internet years, did we get the future so wrong?
The truth is that technology magnifies power in general, but rates of adoption are different. The unorganized, the distributed, the marginal, the dissidents, the powerless, the criminal: They can make use of new technologies very quickly. And when those groups discovered the Internet, suddenly they had power. But later, when the already-powerful big institutions finally figured out how to harness the Internet, they had more power to magnify.

Sicherheitsmeister Bruce Schneier für The Atlantic über den aufkommenden Kampf über das Internet. Mit einem Vergleich zum Mittelalter, in dem die Bürger dem Lehnsherren dienten und im Gegenzug Schutz bekamen. So, wie wir heute unsere Daten Google und Facebook geben, um dafür deren Dienste benutzen zu dürfen. Unsere Daten sind die Währung mit der die Cloud-Lehnsherren bezahlt werden.
Jeder neue Technologie, so Schneier, wird als erstes von einer kleinen, agilen Subgruppe adaptiert. Als eine Art Filter findet diese heraus, ob der Kram was taugt. Wenn die neue Technologie auch nach langer Zeit noch relevant ist, bewegen sich die etablierten Konzerne und Staatsapparate auf die Technologie zu und beginnen mit großer Kraft, ihren Nutzen zu ziehen. Agilität vs. präetablierte Macht.
Wir seien jetzt an einem Punkt, an dem wir die Zukunft des bisherigen Internets formen. Ein entscheidender und wichtiger Punkt, wenn wir (das Internetvolk) unsere Autonomie und Souveränität behalten wollen.

Ihr merkt: Furchtbar interessanter Essay über die Philosophie unserer1 Zukunft.

→ Bruce Schneier: »The Battle for Power on the Internet«

  1. Wir sind das Internet. []

Eine kurze Einführung in Internet Memes

Ich weiß, für euch 24/7-Nerds ist das alles alter Stoff. Aber ich habe gehört, da draußen gibt es noch ein paar Unwissende! Wirklich wahr.
Das Internet, ne? Toll ist es. So grün, so pink, so sauer, so demokratisch, so riesengroß, so winzig klein, so blaubeerig und so kaugummi. Oder mit anderen Worten: So bescheuert.
Und diese ganze wunderbare Bescheuertheit spitz sich in einem zu. In Internet Memes.

Unter dieser englischen Fachterminologie verbergen sich all die Dinger, die ihr täglich über E-Mail, Instant Messager und Twitter geschickt bekommt. Über die ihr in Blogs lest. Meist lustige Bilder und Videos, manchmal nicht ganz so lustig, manchmal sogar ziemlich grotesk. Zum echten Internet Meme werden diese Bilder und Videos, wenn sie Kultstatus erreichen, ein Eigenleben entwickeln und von anderen Internetusern geremixt werden. Das Remixen kann aus einfachen Parodien oder aus aufwändigen Erweiterungen, oder sogr aus Wasweißich bestehen – die Internetkreativität kennt schließlich keine Grenzen1.
Als grundlegendstes und legendäres Beispiel seien hier die Chuck Norris Facts angeführt, die erst mit ein paar wenigen Fakten starteten, schnell entdeckt, für gut befunden und erweitert wurden und in allen Ecken des Netz verbreitung fanden – bis Chuck Norris selbst schließlich seine Fakten in einer Talkshow vorlas.

Das richtig tolle an diesen Memes ist, dass sie ungefähr 10,3-mal2 soviel Spaß machen, wenn sein Gegenüber sie bereits kennt. Denn dann funktioniert das gemeinsame Lachen darüber noch besser.

Internet Memes gibt es viele. So richtig viele. Den Numa-Numa-Dance3. Die Leute, die Mentos in Cola-Light werfen. Das Kind, was irgendwas mit Star-Wars macht. Menschen, die sich filmen, während sie vorzugeben, ein Video betreffend eines Trinkgefäßes und zweier Menschen nicht des männlichen Geschlechts zu gucken. Selbst Tom Cruise, der irgendeinen scientologischen Schwachsinn labert, hat es zum Internet Meme geschafft. Eine grafische Timeline hat jemand bei dipity eingestellt.

Aber zwei Memes sind besonders wichtig. Weil besonders toll.

Da wäre zum Einen die Rickroll4. Jemanden zu rickrollen heißt, jemanden einen Link zuzuspielen, der auf eine außergewöhnliche Sache zeigen soll – etwa Paris Hiltons neuestes Meisterwerk oder das unveröffentlichte Video von Kennedys Anschlag auf den Mond. Letztendlich führt der Link aber nur5 zu DEM 80er-Jahre-Musikvideo schlechthin, nämlich zu Ricks AstleysNever Gonna Give You Up„, der sich instantan in die ohrwurmzuständigen Gehörwindungen einbrennt wie überkochende Milch auf der Herdplatte (riecht dabei aber besser). Abstrakter wird dann aus dem Link zum Video ein gerickrollter Hörsaal6 oder ein gerickrolltes Konzert.
Wer TubeYou kennt, weiß, dass wir dort total auf Rickrolls stehen. Fleißige Internetmeinzelmännchen haben z.B. aus Schnipseln von Barack-Obama-Videos ein eigenes „Never Gonna Give You Up“ zusammgenschnitten. Und in einem weiteren Video genau mit dieser Version McCain auf einem Parteitag virtuell gerickrollt7.
Am 1. April 2008 hatten die YouTube-Leute jede Menge rickschen Spaß, als sie alle Videos der Startseite auf das Musikvideo von Herrn Astley verlinkten.
Es gibt rickrolltanzende Storm Trooper, rickrollende Muppets und das Video schaffte es sogar in den Podcast von Frau Merkel.

Nicht ganz so cool und rockig, dafür umso gruseliger ist der Dramatic Prairie Dog. Wahlweise auch Dramatic Chipmunk oder Dramatic Hamster.
Man nehme einen Präriehund (wahlweise auch Streifenhörnchen oder Hamster), lasse es sich auf die Kamera zudrehen, zoome dabei heran und unterlege es mit einem dramatischen Sound. Fertig.
Ein bisschen später filmte jemand seine Katze beim Fernsehgucken. Was dabei rauskam? Natürlich die Dramatic Cat. Einen Lemur hat’s ebenfalls erwischt8.
Das Original wurde dann auch geremixt. Es gibt eine Kill-Bill- und eine Funky-Version, außerdem das Darthmatic Chipmunk – ja, es gibt sogar eine Remix-Compilation inkl. Hitler, dramatic Riesenmonster und Schnurrbart!
Außerdem gibt es diesen lustigen Esel, der ebenfalls den Dramatic Prairie Dog mimt.

Ist das Internet nicht einfach wunderbar?

  1. Ob die Internetkreativitätsgrenzen ungefähr so unbekannt sind, wie die des Universums? These. []
  2. Geschätzter Wert. Mein Taschenrechner hat nicht mehr Stellen. []
  3. Der Urvater des Lip Dub – oder fällt jemandem ein älterer Dub ein? Überhaupt: Lip Dub! Das birgt Meme-Stoff für ein ganzes Posting… []
  4. Das Wort „Rickroll“ kommt aus den Forenweiten der Community 4chan, die indirekt auch für das tolle Massenrollen von Scientology verantwortlich sind. Bevor man dort das Rickrollen erfand, gab es die Duckroll. Prinzip funktionierte genauso: Ein Link führt in die Irre. Allerdings nicht zu einem Rick-Astley-Video sondern zu Ducks mit Rollen. Derjenige wurde ge-duckroll’d. Als man dann Herrn Rick anstelle der Enten benutzte, hielt man den Namen fast bei. Die Rickroll war erfunden. []
  5. „Nur?“ Ach was! „Zum Glück“ muss es eigentlich heißen! []
  6. Gerickrollt, gerickrollt, gerickrollt. []
  7. Was tritt der auch vor einer plain Blue-Box-Wand auf?! []
  8. Der Remix ist auch gut. []

TV im Netz: Dr. Horrible’s Sing-Along Blog

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Online-TV-Serien gibt es ja mittlerweile ein paar. Die bekannteste (und im TV gefloppte) ist wahrscheinlich quarterlife. Bis jetzt.

Denn heute ist der 15. Juni, heute ist die erste Episode von Dr. Horrible’s Sing-Along Blog gestartet. Und, verdammt, wie geil ist das denn?

Joss Whedon ist verantwortlich für großartige Stücke, wie Buffy, Firefly1 und Serenity. Im Herbst wird auf FOX seine neue groß-budgetige Serie Dollhouse starten, wohl nach J.J. Abrams Fringe der meisterwartete Neustart.
Wie der geneigte Serienschauer weiß, war Anfang dieses Jahres in US of A der böse Autorenstreik und viele Autoren durften nicht für ihre Produktionsfirmen schreiben. Was macht ein neurotisch kreatives Hirn in so einer Zeit? Klar, er denkt sich selbst etwas aus und produziert es. Joss Whedon schrieb mit Freunden Dr. Horrible’s Sing-Along Blog – nur für das Internet.

Als Schauspieler konnte er Neil Patrick Harris (Barney aus How I Met Your Mother), Nathan Fillion (Firefly, Serenity, Drive) und Felicia Day gewinnen.

Jetzt ist die erste Episode online. Wir sehen den Super-Bösewicht Dr. Horrible, wie er zwischen Eroberung der Welt und seiner Liebe hin und her stolpert. Captain Hummer vereitelt nicht nur ersteren sondern auch letzteren Plan.
Das Ganze findet statt in Dialogen, wie auch in tollem, muscial-haftem Gesang2.

Die Episoden werden alle zwei Tage online gestellt, wobei jeweils die ältere Episode dann wieder offline genommen wird.
Also: Haltet euch ran!
Lohnt sich!

via viele, aber besonders sablog

Update 17. Juli: Die zweite Episode ist online. Eingangs- und Ausgangsstück sind außerordentlich großartig. Jawohl.
Update 23. Juli: Bereits seit Montagmorgen sind die Folgen von Dr. Horrible wieder offline. Wenn ihr es nicht geschafft habt, sie zu sehen: Mein Beileid. Ihr könntet probieren, sie in irgendwelchen (zwielichtigen) Videoportalen zu sehen, euch die DVD kaufen oder darauf warten, dass Dr. Horrible in der nächsten3 TV-Saison von einem großen Network aufgenommen wird. Das sag ich jetzt mal so. Vielleicht gibt’s aber auch nur eine Fortsetzung im Internet. Und vielleicht auch gar nichts. Was allerdings sehr, sehr schade wäre. Jawohl.

  1. Grandiose Sci-Fi-Raumschiff-Serie im Westernlook []
  2. Worauf ich ja momentan ein wenig stehe, so Musical und so []
  3. gut, vielleicht auch übernächsten []