Schlagwort-Archiv: Elektronische Musik

Soulwax „Part of the weekend never dies“ online anschaubar

Soulwax machen Musik, und das sogar Dreifach: Als 2 Many DJs, als Soulwax und als Radio Soulwax. Einmal legen sie ziemlich drastisch und wild Musik auf, einmal machen sie sie und dann remixen sie sie.

Die beiden Soulwaxer nehmen Musikstücke auseinander und setzen sie neu zusammen – mit ihrem besonderen Touch. Was raus kommt ist interessant und sehr tolle Musik. Meistens eine sehr fetzige Mischung aus Elektro, House und Knarz-Dance.

Auf ihrer letzten internationalen Tour haben sie sich filmen lassen. „Part of the weekend never dies“ verfolgt aber nicht nur Soulwax auf ihrem Weg durch die Clubs vor und hinter den Kulissen, es werden auch immer wieder Interviewschnipsel von befreundeten Künstlern eingeblendet.
Und diese Doku kann man sich jetzt online anschauen1.
Entweder hochoffiziell bei Pitchfork.TV im Stream, oder aber bei Google Video und nach dem Klick.

Allein das Intro der Doku sollte man sich, ganz gleich seines musikalischen Geschmacks einmal zu Gemüte führen. Tolle Typografieanimation!

Und wer jetzt auf den Geschmack von Soulwax gekommen ist: Anfang des Jahres hatte ich den genialen Essential-Mix von Soulwax bebloggt. Sehr zu empfehlen ist auch „Most of the Remixes …2, eine Zusammenstellung der Remixe von Soulwax – nebenbei auch das Album mit dem längsten Titel.

Wenn jemandem noch ein Weihnachtsgeschenk für mich fehlt: Ich nähm‘ dann einmal einen Konzertbesuch bei Soulwax.3 Egal wo. Das fehlt mir noch auf meiner Konzert-Liste.
[via Nerdcore] Continue reading

  1. Ich hab schon vor ein paar Wochen Teile des Films gesehen. Rockt — und man möchte sofort dabei sein und mit der Menge mitwabern, während einem das Licht blendet und der Bass die Knie zittern lässt. Aber ich schweife ab. []
  2. Amazon-Partnerlink []
  3. Und einmal ärgere ich mich, dass ich nicht in Berlin wohne und heute Abend zu Soulwaxmas gehen kann. []

I would have been ready for the floor … — Hot Chip im Gloria

Ich würde ja gerne über meinen Besuch des Konzerts von Hot Chip im Kölner Gloria erzählen.

Ich könnte dann anfangen, wie bei Regen und Sturm eine Kuh auf den Bahngleisen meine Fahrt von Aachen nach Köln immer noch ein Stückchen mehr verspätete, wie ein Zug nach dem Anderen zum Ausfall gebracht wurde und die Ansagen darüber im Regen untergingen. Wie ich dann mit dem ICE doch noch nur 30 Minuten verspätet in Köln ankam und schließlich das Gloria noch garnicht-so-voll erreichte.

Ich könnte erzählen, wie dann um 21:10 The Letter G ein Live-Sample-Mix auf die Bühne legte und dabei mit den Bassboxen zeitweise kleines Augenflimmern erzeugte (ca. 80% des nach ISO-DAFTPUNK Maximalaugenflimmerns). Wie er hinter seinem MacBook stand und an seinen Reglern drehte, dabei Musik produzierte, die ich mir zu Hause ob ihrer Monotonie niemals anhören würde, die im Gloria an dem Abend zu dem Zeitpunkt allerdings einfach nur rockte. Wie ich dann in geschickten Nebensätzen erwähnt hätte, dass der Buchstabe G seinen Namen wohl daher hätte, weil er zeitweise in eben jener Haltung, die im Profil wie ein „G“ aussieht, rhythmisch hin- und herwaberte.

Ich könnte dann erzählen, wie die Roadies eine satte halbe Stunde immer und immer wieder sämtliche Gitarren, Mikrofone, Keyboards und Wasweißichgeräte getestet haben. Bei den Gitarren jede Seite einzeln liebevoll mit unsichtbaren südvietnamesischem Rosenöl (oder Vergleichbaren) eingerieben haben müssen.

Könnte dann endlich dazu kommen, wie um 22:00 Hot Chip auf die Bühne gekommen wären. Begleitet von grellem Gegenlicht ihr Set mit lauten Trommeln begannen hätten. Um dann kaum verständlich, weil sprachlich viel zu schlecht abgemischt irgendwann zu „Boy from School“ zu kommen. Wie sich dann Stück für Stück der Klang doch noch verbessert hätte, während sie sehr tanzbare Versionen ihrer Lieder pausenlos spielten. Wie lustig nerdig der Mensch am Zentral-Synthie ganz hinten aussah. Und wie gefährlich weit sich der tanzende große Mensch im Publikum von seiner Herde entfernte!

Und wie ich dann nach unterhaltsamen 30 Minuten wieder aus dem Gloria gegangen wäre, weil mein Zug würde fahren müssen.

Ich würde also gerne über meinen Besuch des Konzerts von Hot Chip im Kölner Gloria erzählen.
Tue ich aber nicht. Ich hab schließlich nur 30 Minuten mitbekommen.
Und für meine nächsten Konzertbesuche (Fettes Brot und Digitalism in Köln) werde ich mir frei nehmen. Und mit dem Auto Hubschrauber fliegen. Und die Zeit anhalten. Und einen Notfallfluxkompensator in der Tasche bereit halten. Jawohl.

Rückblick des Jahres 2007: Platten für den Hintergrund

Alle weiteren Teile meines 2007er Rückblicks sind bei der Mutter aller Rückblickposts zu finden.

Bei mir muss immer Musik laufen. Quasi immer. Und soviele Gelegenheiten es gibt, so unterschiedlich passende Musik gibt es auch. Hier meine Liste, der Musik, die ich im letzten Jahr am liebsten im Hintergrund habe laufen lassen. Meistens Elektronisches, was auch klar ist, denn viel Sprache erfordert auch immer größere Konzentration. (Alternative Überschrift übrigens: Platten abseits des Mainstreams.)
Vorhang auf, für die Freakigste aller Kategorien dieses Rückblicks:

Nu:Tone – Back of Beyond
Gut, das Album ist bei weitem nicht jedermanns Geschmack. Es ist eine Mischung aus Electronic und Drum ’n‘ Bass. Sehr schnell und progressiv und forttreibend (Anglizismenredundanz!). Aber trotzdem: Es hat solche Perlen wie System. Oder What’s Your Leisure?. Mir gefällt’s und besonders dann, wenn ich mich wiedermal selbst motivieren will, ist es der musikalische Ansporn.

Nu:Tone bei MySpace, bei der Wikipedia und auf der offiziellen Labelseite. Der Track „System“ bei YouTube.

Deadbeat – Journeyman’s Annual
Auch ein Album aus dem Genre „Electronic“. Aber dieses hier ist wesentlich langsamer. Und Electronic ist es auch nur, weil man sonst Probleme hätte, alle Songs des Albums unter eine Kategorie zu packen. Es werden jazzige Stimmungen, ruhige, fast schon rockige Beats und, ja, auch schnelle, treibenden Rhythmiken angestimmt. Sehr schön zum Kopfmitwippen.
Bei der iTunes-Version des Albums war der grandiose Remix des Saul-Williams-Stücks „Black Stacey“ bei. Eine Perle!

Deadbeat bei MySpace und in der Wikipedia.

Eric D. Clark – E=dC2
Ok, ich gebe zu: Initial aufmerksam geworden auf das Album bin ich wegen des Titels. Verdammt! Ein Titel mit Gleichzeichen! (Und wer errät, woher die Formel kommt, der … hat gewonnen) Durchgehört und für sehr gut befunden. Auch Herr Clark deckt ein weites Spektrum des eher minimalistischen Elektronik ab, experimentiert dabei viel (zeitweise erinnert das Album an Titel von Architecture in Helsinki), unterhält dabei aber auch immer.

Mo‘ Horizons – Sunshine Today
Draußen regnet es, schon wieder, die Herleitung will einfach nicht in den Kopf und der Kaffee hat auch schon mal besser geschmeckt. Manchmal braucht man einfach ein bisschen Sonnenschein. Dafür ist dieses Album wunderbar geeignet. Lockere, leichte, latineske Housestücke, die hintergründig manchmal fast schon an 80er Sounds erinnern. Und wenn dann tatsächlich im Laufe des Albums die Sonne raus kommt (schon erlebt), dann muss man unweigerlich lächeln.

Mo‘ Horizons bei MySpace und in der Wikipedia. Die offizielle Label-Webseite, inkl. Link zum Potcast (!) (MP3). Außerdem: Mo‘ Horizons Discography mit Previews der meisten Songs als MP3 downloadbar! Zwar von einem seltsamen ftpgelegenen MHTML-Dokument (was bei mir nur der IE öffnen will), aber, hey!

VA – reMIXED 4
Die einzige echte Compilation in meiner Liste. Unbekannte Stücke geremixed von unbekannten DJs. Aber wie bei Mo‘ Horizons vorher: Gute-Laune-Musik. Und gutes-Wetter-Musik. Groovige, mitwippende Housestücke die auch gut mal zur Abendinitiierung taugen.

Möglichkeit zum Vorhören (und Kaufen) bei trackitdown. Die unergiebige Webseite des Labels und die Seite bei der Wikipedia.

Groove Armada – GA10
Die britischen Mainstreamdancegodfathers von Groove Armada haben letztes Jahr nicht nur ihr mäßiges Album Soundboy Rock rausgebraucht, sie haben zum Jahresende (und ihrem 10. Geburtstag) auch eine Art Best-of-Compilation herausgebracht. Dabei wurden wenige bekannte aber viele unbekannte Stücke der letzten zehn Jahre auf eine 2-CD-Platte gepackt und so gut wie alle geremixed. Ein paar von externen DJs, die meisten von Groove Armada selbst. Die erste CD bildet den eher progressiveren Part, die zweite CD den chilligen, Background-Sound-Part der Groove-Armada-Zusammenfassung.
Mir gefallen besonders die unbekannten Stücke, bei denen man trotz der Unbekanntheit irgendwie immer hört, dass sie doch von Groove Armada sind.

Groove Armada in der Wikipedia, außerdem ihre offizielle Webseite mit einer Reihe vorhörbaren Stücken.

Trentemøller – The Digital Chronicles
Auch der Däne Trentemoller hat Ende des letzten Jahres eine Best-of-CD herausgebracht. Auf der ersten CD eigene Lieder, auf der zweiten CD die besten Remixe, die er gemacht hat (und er macht gute Remixe!). Basslastiger, tiefer Technosound, der aber irgendwie kein klassischer Techno ist, sondern eher wunderbar monotone Loungemusik. Schwer beschreibbar, aber auf jeden Fall immer passend.

Trentemoller bei MySpace mit ganz vielen Videos zum anschauen. Außerdem in der Wikipedia.

Air – Pocket Symphony
Von Air habe ich mir mit ihrem neuen Album viel, viel mehr erwartet. Beim ersten Hören von Pocket Symphony dachte ich nur „Oh, mein, Gott. Das sind Air!?“. Wenn man aber seine Erwartungen einfach von dem legendären Namen der französischen Elektronikern loslöst und runterschraubt, dann ist Pocket Symphony ein schönes, ein beruhigendes Album für die späten Abendstunden. Kann keines Falls mit anderen Songs von Air mithalten aber in dieser Topliste hier passt es ganz gut rein (wenn auch ganz klar weit unten…).

Air in der Wikipedia und auf MySpace. Seite zum Album bei der Wikipedia, offizielle Seite zum Album mit großer Vorhörmöglichkeit.

Die folgenden Platten fallen nicht unbedingt in die Kategorie der Hintergrundmusik, aber ich möchte sie, wie schon bei den bisherigen Kategorien auch, nicht unerwähnt lassen. Sie können zwar zu hintergrundesken Zwecken eingesetzt werden, und ich mache das auch häufiger, allerdings kann ich verstehen, dass das für viele zu anstrengend ist.
(Links auf den Namen gehen zur Wikipediaseite der Band.)

Gusgus – Forever
Die housig-technoigen Islander haben mit Forever ein durchweg tolles Album hingelegt. Hinter einem grünen Pipelinecover verbirgt sich ein großes Spektrum von französisch wirkender (allerdings das Französisch der letzten Generation), härterer Clubmusik. Besonders gut „You’ll Never Change“.

Modeselektor – Happy Birthday!
Als Vocal-Techno könnte man den Stil von Modeselektor beschreiben. Mit der Hilfe viele Gastkünstler wurde da ein treibendes Album abgeliefert. Über das Album hab ich schon mal an anderer Stelle geschrieben.

Underworld – Oblivion With Bells
Sehr schönes Hintergrundalbum von den Opas des Techno von Underworld. Dieses mal eher ruhig und manchmal fast schon Chill-Out.

Moonbootica – Moonlight Welfare
Die aktuelle Single von Moonbootica mit Jan Delay zusammen teasered relativ schön, was auch auf dem Rest des Albums zu finden ist. Dunkle Beats, harte und auch weiche Rhythmen. Vieles eigentlich.

Simian Mobile Disco – Attack Decay Sustain Release
Wäre Justice nicht gekommen, dann wäre Simian Mobile Disco sicherlich nicht nur in meine Alben-2007-Liste eingestiegen, sondern wahrscheinlich sogar relativ weit oben. Aber, ich finde immernoch zu recht, haben die beiden Gerechten die Simian Mobile Disco nach unten verdrängt. Das Album mit dem viel zu langen Titel ist gut und geht ab, ja, aber es wird viel zu schnell langweilig. Ihm fehlt die Abwechslung.
(Justice waren übrigens diejenigen, die mit ihrem Remix von „We are your friends“ der Simian-Mobile-Disco-Vorgängerband Simian den Track so richtig erfolgreich gemacht haben, dabei haben sie noch nicht mal beim We-are-your-friends-Remixwettbewerb gewonnen. Danach wurde dann aus der Gitarrenband Simian die Synth-Elektroband Simian Mobile Disco. Also ich find‘ das irgendwie lustig.)

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