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Das, was so rhytmisch in die Ohren schallt…

Daft Punk und der Hype

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Eine relativ unbekannte Band tauchte Anfang des Jahres aus ihrem Technokellerversteck auf. Daft Punk, eigentlich zwei Franzosen, seit einem unglücklichen Unfall im Studio allerdings zu Robotern mutiert, wechselten im Januar die Plattenfirma und kündigten an, im Mai ein neues Album rauszubringen.
Am Freitag, 17. Mai, ist es soweit.1 Random Access Memories, das vierte Studio-Album Daft Punks, wird erscheinen.

Und was die Daft-Punk-Maschine gerade herum-promotet, das ist ordentlich.
Ein Marketing-Chef der Plattenfirma sagt dazu:

They want to promote the record as if MTV never existed. They control everything.

Das klappt nur, wenn man a) ein etablierter Künstler ist, auf den die ganze Welt brennt und wenn man b) ein Marketing-Budget in der Größe eines durchschnittlichen europäischen Staatshaushalts hat. Oder so. Jedenfalls: Kohle.
Daft Punk wollten einen klassischeren Ansatz an die Albumwerberei, als er sonst so im Moment verfolgt wird. Sie wollten dicke Plakate, die auf das Wichtigste reduziert sind. Das hippe virale Marketing überspringen sie — schließlich machen das die Fans schon ganz alleine für sie.

Eine Zusammenfassung.

Daft Punk Helmets as of Random Access Memories

Background

Daft Punks letztes richtiges Studioalbum war Human After All 2005. Die Platte mit eher knarzigen Songs, wie The Prime Time of Your Life, oder dem bekannteren Technologic. Nominiert für einen Grammy, aber Charts-mäßig nicht so erfolgreich wie der Vorgänger Discovery von 2001. Auf Human After All folgte 2007 eine Live-Tour, zusammen mit Album, Alive 20072. Der Clou: Jedes Lied ist aus zweien zusammengemixt.
Ende 2010 lieferten Daft Punk, passend, den Soundtrack für Disneys Reboot von Tron, Tron: Legacy, ab. Endlich neuer Stoff, weil Filmmusik zwar atmosphärisch und durchaus bassgeladen, aber halt doch etwas lahm zum tagtäglichen Anhören.

Der Anfang der Promo

Für Random Access Memories3 wechselten sie von Virgin zu Columbia, einem Sony-Label, das ihnen vermutlich das beste Angebot für ihr neues Album machte. Schließlich brauchte ihre Promo-Vision Geld.

Mehr als die Pressemitteilungen gab es zu Random Access Memories das erste Mal am 2. März, als Daft Punk einen 15-Sekunden-Spot in der Werbepause der amerikanischen TV-Show Saturday Night Live (SNL) ausstrahlten. Ziemlich reduziert: Der ikonische Bandschriftzug in glitzernder Textur; zwei halbe Helme, die von außen nach innen wandern. Und im Hintergrund, zum ersten Mal seit sieben Jahren, neue Musik. Ein funkiges Gitarrenstück, gleichzeitig so Daft Punk und so Nicht-Daft-Punk. Cool. Aber… mehr!
Das gab’s drei Wochen später. Wieder in Form eines 15-Sekunden-Clips bei SNL. Wieder arg reduziert, allerdings dieses Mal mit dem Albumtitel und typisch Vocoder-verzerrtem Gesang im Hintergrund. Wie sich langsam herausstellte, ein Ausschnitt von Get Lucky, der ersten Singleauskopplung aus Random Access Memories, gesungen von Pharrell Williams.

Irgendwann zu der Zeit ging auch die Webseite zum Album online, die im Wesentlichen exakt das gleiche zeigte.

Got Lucky

Langsam kam die Maschinerie ins Rollen. Und erreichte schließlich den Höhepunkt am 13. April, als erst auf dem Coachella-Festival4 und dann auch wieder während SNL ein echter kleiner Musik-Video-Clip lief. Eine Minute lang5 sehen wir Daft Punk, Pharrell Williams und Nile Rodgers in Klitzerkostüm zu Get Lucky abfunken. Das einzige, annähernd Musikvideo-eske, was es zu diesem Song je geben soll.6 Und, wieder, ikonisch-reduziert, mit Stil.

Got Moar

Die langsame Einführung der ersten Single — und damit der Anstoß der Promo zum Album — war durch. Ab jetzt ging’s mit genereller Promo weiter.

Random Access Memories konnte im iTunes-Store vorbestellt werden, bevor überhaupt die Namen der Tracks bekannt waren. Die Tracklist bestand aus einer Reihe von Zahlen und den Abspiellängen der Stücke. Erst am 16. April, drei Wochen nach Vorbestellbarkeit des Albums, gab Columbia via eines künstlerischen Vine-Videos (!) die Trackliste bekannt. Natürlich steht seitdem Random Access Memories ganz oben auf den Vorbestellt-Toplisten.

Mitarbeiter

Am 3. April startete ein wichtiger Eckpfeiler der Online-Promo-Kampagne zu Random Access Memories. In der Kurz-Video-Serie The Collaborators gibt’s Porträts von Künstlern, die auf dem Album mitgearbeitet haben. Und, schaut man sich das Tracklisting an, gibt es nur zwei Stücke, die von Bangalter und de Homem-Christo alleine geschrieben sind.
Natürlich arbeitet Daft Punk nicht mit irgendwem zusammen. Beschränkte sich die musikalische Verbeugung vor der Musikgeschichte in den alten Alben noch darauf, klassische Stück zu samplen, holt das Roboter-Duo für Random Access Memories Musikurgesteine direkt mit in den Schaltkreis. Episode eins gibt die Bühne Giorgio Moroder, weiter geht’s mit Todd Edwards, Nile Rodgers, Pharrell Williams, Panda Bear (Animal Collective), Chilly Gonzales, DJ Falcon und Paul Williams (Links gehen jeweils zum Wikipedia-Artikel, für die Videos nehmt die offizielle YouTube-Playlist).
Immer dürfen die Porträtierten von ihrer persönlichen Historie berichten, was ihnen wichtig ist in der Musik, wie sie sie beeinflusst hat und haben. Und dann natürlich, wie die Zusammenarbeit mit Daft Punk war und wie toll alles ist und Daft Punk und sowieso. Promo eben. Aber, trotzdem, toll anzuschauen.

Klassische Reklame

Während der Tag der Albumveröffentlichung näher rückt, erlischt das Non-Disclosure Agreement, das große Zeitungen nach dem Vorhören der Platte unterzeichneten. Neben etlichen Reviews der Platte gibt’s auch immer mehr Interviews — z.B. dieses ausführliche von GQ. Dazu gibt’s sogar ein Fotoshooting, und eins bei Yves Sant Laurent (!): Obsession — immer reduziert, fancy und subtil ironisches.
Auch sonst: Viele Artikel in sämtlichen relevanten Zeitungen und Nachrichtenmagazinen (z.B. hier und Spiegel Online hat etwas ok-es). Daft Punk sind zurück, Jubelei!

Langsam gibt es Listening Partys, bei denen man als Auserwählter in einen Club eingeladen wird, vernehmlich mit dicken Soundsystem. Dann kommen Menschen, verkleidet als Daft Punk, herein, bestückt mit einem schweren Koffer. In einem dramatischen Akt wird der geöffnet und daraus das neue Album gespielt. Auf Lautstärke-Level 11, mindestens.

Währenddessen fahren riesige Promo-LKWs durch Tokio.7

Das Internet

Natürlich gibt’s neben der offiziellen Daft-Punk-Seite noch einen weiteren Part, der den Hype macht. Das Internet (übrigens die beste Version des Internets, seit seiner Erfindung vor 256 Jahren).

Als Hub, wie so häufig, fungieren /r/daftpunk und diverse Tumble-Logs. Bei Letzterem ist besonders Daft House zu erwähnen. Da werden Bilder gesammelt, Infos geteilt — jeder Informationsbrocken protokolliert.

Und Reddit? Reddit ist Reddit.
Die Abonnementzahlen steigen steil an.
Man teilt Anekdoten, Bilder seiner Plattensammlung, Bilder der verrücktesten DP-Gadgets, stellt lebenswichtige Fragen (»Hey, gibt’s noch irgendwo die Fake-Kreditkarten von Discovery«?), teilt und diskutiert Leaks und analysiert sie auf ihre Authentizität. In den letzten Tagen besonders Letzteres.

Außerdem: Hunde, die als Daft Punk verkleidet, Get Lucky tanzen.

Conclusion

Daft Punk fahren eine ganz schön krasse Marketing-Maschinerie mit Random Access Memories auf. Das freut mich, immerhin bin ich großer Daft-Punk-Fan.

Ich freue mich auf’s Album.
Allerdings wird’s sicherlich nicht so großartig, wie der Hype verspricht. Versteht mich nicht falsch, das Album wird großartig — komme was wolle, aber bei soviel Dauerbedaftpunkung? Das legt die Messlatte ganz schön hoch.

Freitag wissen wir mehr.

Technisches

Credit, wem Credit gebührt. Die Schriftart, in der der Seitenname andisblog gesetzt ist, Daft Font von MatreroG. Der Titel dieses Beitrags ist gesetzt in V5 Prophit DOT von Roberto Christen. Die Hintergrundbilder sind meine eigenen – vom Alive-2007-Konzert in Düsseldorf.

  1. Vier Tage vor dem Erscheinen in den USA! []
  2. Von dieser Tour entstammen auch meine Bilder im Hintergrund dieses Beitrags. Zumindest, wenn ihr ihn in der Einzelansicht anschaut. TUT DAS. JETZT. []
  3. Eine Anspielung auf den Arbeitsspeicher-RAM in eurem Computer. []
  4. Einen Tag zuvor. []
  5. Die Kohle! []
  6. Jedenfalls nach meinem Kenntnisstand momentan. []
  7. Geogeblocktes Video. []

Musikalische Fastempfehlungen und Erwartungen für den Frühlingsommer

Wenn man dieses Blog liest, dann könnte man meinen, ich würde den ganzen Tag nur hier sitzen, mir über Politik verzweifelt die Haare raufen und dabei irgendwelche amerikanischen Serien anschauen, von denen bis dato noch niemand etwas gehört hat.

Natürlich stimmt das nur begrenzt.
Ich höre nämlich auch noch Musik.

Hier ein paar Empfehlung für Musik, die entweder bereits raus ist und mir gefällt, oder aber erst raus kommt und mir gefallen könnte.

Amazon-Links sind Partner-Links. Wenn ihr über den Link die Mp3s kauft, so unterstütz ihr dieses Blog ganz automatisch ein ganz klein bisschen, ohne selbst etwas mehr zu bezahlen1.
Zwischendurch sind ein paar Spotify-Links versteckt. Toller Service, mit dem man neue Musik hören kann – ein Music-On-Demand-/Streaming-Dienst.

Passion Pit – MannersPassion Pit – Manners
Neue Band, die ich durch die Hype Machine kennengelernt habe2. Spielt irgendwas zwischen Alternative, Elektronik und Pop – aber eine großartige Mischung. Wenn ihr den aktuellen Titel »The Reeling« noch nicht kennt, so aber sicherlich das schon etwas ältere »Sleepyhead«.
In Deutschland ist das Album noch nicht so recht raus, aber beim Soundsystem 78s kann man es sich online anhören und mit etwas Geschick und dem richtigen Firefox-Plugin3 auch in feiner Qualität abspeichern.

Little Boots – HandsLitte Boots – Hands
Little Boots ist eine dieser britischen Künstlerinnen, die über das Internet bekannt geworden sind. Ihr kennt doch sicherlich ihr grandiose Tenori-On-Cover von Hot Chips »Ready For The Floor«? Und spätestens ihr sehr4 poppiges »New in Town« wird ja auch von diversten Radiostationen gespielt.
Bald (weltweit am Montag, in Deutschland erst am 26. …) bringt sie ihr erstes Album »Hands« raus. Mal abwarten, ob das was taugt.

Gossip - Music For Men(The) Gossip – Music for Men
Gossip waren für mich ja immer ein paar abgefuckte Punkrocker, da konnte mich auch Beth Dittos tolle Stimme nicht zum Albumhören bewegen. Mit »Standing in the Way of Control«, bzw. dem tollen Soulwax-Cover davon fing sich das an zu ändern. Und dann kam »Heavy Cross«. Ein wirklich großartiges Lied, mit seinen Steigerungen und elektronischen und funkigen Elementen5. Und da das das erste Lied aus dem am Monatsende erscheinenden Album »Music for Men« ist, könnte die Platte auch so gut werden. Warten wir’s ab – auch hier.

Kasabian - West Ryder Pauper Lunatic AsylumKasabianWest Ryder Pauper Lunatic Asylum
Auch wenn Kasabian jetzt für mich nie die große musikalische Erfüllung waren, sie machen eine hübsche verelektronisierte Rockmusik. Das neue Album mit dem bescheuerten Namen hört sich nach erstem Anhören auch so an.

The Sounds – Crossing the Rubicon
Die sympathischen6 Schweden von The Sounds haben von mir völlig unbemerkt ein neues Album rausgebracht: »Crossing the Rubicon«. physikMitBlogger André hat es schon ein paar Mal durchgehört und für gut befunden. Ich bin noch nicht so intensiv dazu gekommen.

Billy Talent – Billy Talent III
Auch wenn ich mir hiermit alle Kredibilität kaputt mache: Mir hat Billy Talent II gefallen. Die Musik ist alles andere als komplex, aber doch gut anzuhören. Besonders wenn man mal wieder Nachtstunden aufbleiben und einer ermüdenden Arbeit nachgehen muss.
Jedenfalls gibt’s jetzt »Billy Talent III«. Wollt ich nur mal erwähnt haben.

Moby – Wait For Me
Gar nicht so lange her, da hat Moby »Last Night« rausgebracht. Fand ich gar nicht mal so gut. Aber vielleicht wird ja sein nächstes Album »Wait For Me« (30. Juni) wieder besser.

Dann noch ein etwas weiterer Ausblick:
Im September kommt ein neues Album der Beastie BoysHot Sauce Committee«) heraus. Und mindestens genauso überraschend: Auch Massive Attack planen für den Oktober eine neue Scheibe. Das wird definitiv ein toller Herbst.
Die französischen LieblingsDJs von Daft Punk arbeiten auch an neuer Musik: Sie machen den Soundtrack zur Neuauflage des Sci-Fi-Klassikers Tron (»Tron 2.0« …). Allerdings soll der Film erst 2011 in die Kinos kommen, wir müssen uns also noch etwas Around The World drehen bis dahin…

  1. Ich freue mich darüber, wenn ihr’s wahr nehmt! []
  2. Wie das so ist. Ich hab mir populäre Tracks anzeigen lassen, einen Remix von Calvin Harris entdeckt, ihn für ganz ok befunden und nach der Band gesucht. Und zack. []
  3. FlashGot! []
  4. Etwas zu… []
  5. Ich stehe ja momentan auf jedwede Funk-Verwurschtelung in Songs! []
  6. Das ist ja auch so ein Wort, was in keinster weise zu diesem Star-Business passt. Sympathisch kann einem doch nur jemand sein, den man kennengelernt hat, oder? Jedenfalls: Die Musik ist sympathisch – und das, was man von den Personen so mitbekommt. Ich bin da radiobrenntgebrandmarkt. []

Was gerade mit der Politik und dem Internet schief läuft – oder: Generationswechsel, bitte

Ich entschuldige mich an dieser Stelle bereits für einen äußerst langen, polemischen und semi-strukturierten Text über … Politik! Bitte haltet durch, ich komme am Ende zu einem bahnbrechenden Schluss!
Politik, ne?
Find ich ja unsexy. Blöd. Langweilig. Und sowieso.
Da fehlt mir die Ahnung – das ist mir alles viel zu kompliziert. Außerdem wirkt das immer so fern. Packt man das zusammen, dann wird Politik noch langweiliger, ich habe noch weniger Lust, mich damit zu beschäftigen – und es wird noch langweiliger. Ein Teufelskreis. Das heißt, eher eine Teufelsspirale mit negativer Tendenz.
Aber letztendlich war’s 24 Jahre meines Lebens lang nicht so wild. »Da oben«1 wurde entschieden und man selbst bekam das mit, was man davon verstand (oder eben nicht) und… manches war ok, vieles so naja und einiges nicht so. Aber immer war es doch irgendwie begründet und selbst wenn »nicht so«, dann doch noch nachvollziehbar.

Aber dann ist irgendwo auf der Welt irgendetwas passiert. Der Webstuhl des Schicksals ist umgefallen. Und hat dabei einen Schmetterling in Australien angestoßen, der zusammen mit Asthon Kutcher in China einen Sack Reis gepunk’ed hat. Oder jemand hat alle Groschen, die bisher gefallen waren, wieder aufgehoben und zum Mond, zur Sonne oder zu beidem, jedenfalls möglichst weit weg vom Boden, geschickt.

Anders kann ich mir nicht erklären, mit welcher gesammelten Idiotie da auf einmal am Rad gedreht wird2.
Die folgenden Ereignisse sind nicht ganz chronologisch richtig. Sie sind anhand eines äußerst komplexen Schlüssels geordnet, in den u.a. subjektive Warhnehmung, Zeitdilatation, Loch-Ness-Monster, Übersichtlichkeit, stilistischer Klimaxaufbau und eine seltene, südmalaysische Pfeffersorte einspielen.

Alles fing damit an, dass das schwedische Gericht die Jungs von The Pirate Bay tatsächlich verurteilte. Das ist schließlich ganz objektiv ziemlicher Schwachsinn3, besonders wenn man die ganzen Unzulänglichkeiten während des Verfahrens von der Gegenseite in Betracht zieht. Die Revision ist angekündigt, Verschwörungsrufe schallen besonders laut, scheint doch der zuständige Richter mit der Contentindustrie in einem Boot zu fischen.
Gut, das Ganze ist nicht in Deutschland passiert, interessiert mich also nur in meiner Funktion als dauerhaften Internetbenutzer und (utopischen?) Hoffer auf ein modernes Urberheberrecht und Urheberrechtsverständnis.

Dann spekulieren aber auch in Deutschland ein paar Superhirne darüber, die im Ausland so toll angenommene und angekommene4 Three-Strikes-Regel auch hier einzuführen. Wer diese Regel noch nicht kennt: Wenn man gegen das Urheberrecht verstößt, wird man drei Mal darum gebeten, das sein zu lassen. Danach wird einem der Zugang zum Internet verboten und abgeschaltet. Wirklich wahr! Die Musik- und Filmindustrie, im Internet ja mittlerweile liebevoll Contentmafia genannt, tourt mit dieser Three-Strikes-Regel gerade durch sämtliche Staaten dieser Welt und versucht sie mehr oder minder erfolgreich unterzubringen. Wenn man sich näher mit den Vorschlägen beschäftigt, dann wird es nur noch surealer und bescheuerter – ich möchte das wegen akuter Herzinfarktgefahr an dieser Stelle nicht machen.
Hier haben es die Grünen5 glücklicherweise rechtzeitig geschafft, in einer EU-Regelung eine Three-Strike-Klausel herauszunehmen und das dort beschriebene Grundrecht auf Internet ohne Sternchen zu lassen. Der Vorschlag nach einer deutschen Three-Strikes-Regelung wird also aller Voraussicht nach von dem eu-weiten Gesetz getrumpft.
Trotzdem: Wer auf so eine Idee kommt…!

… der kommt noch auf Einige mehr.
Deutschen Politiker steigern sich auf der Bescheuertheitsskala6 nochmal. Sie fordern eine freiwillige, vom BKA nicht-öffentlich verwaltete Internetzensur der Deutschen Provider ein. Sie wollen den Zugang zu kinderpornogrpahischen Webseiten sperren.
So ein crap! Wer sich diesen Mist besorgen will, der lässt sich doch nicht von einer billigen, provider-DNS-Server-abhängigen Sperre abbringen?! Und selbst das Argument, dass Leute abgeschreckt und abgewehrt werden, die sich »nur mal eben so« oder »zum Einstieg« mit Kinderpornographie beschäftigen, zieht nicht. Denn auch hier: wer sich diesen kranken Schwachsinn ansehen will, kann das auch weiterhin!
Es wird durch diese Zensur eine äußerst gefährliche Technik geschaffen, die beliebig missbraucht werden kann. Erste Rufe, den Zugang zu Webseiten zu zensieren, die Möglichkeit bieten, Raubkopien herunterzuladen, sind bereits zu hören lesen gewesen7.
Eine Zensur des Internets setzt Deutschland, dieses schmucke und so moderne Land, auf eine Stufe zu China, wo ebenfalls der Staatsapparat bestimmt, welche Inhalte der Bürger im Internet anschauen darf. YouTube gehört nicht dazu. Könnt ihr euch das vorstellen? Die wunderbaren Stunden voller Musik, Humor, Kreativität und wasauchnoch, die ihr bereits mit YouTube verbracht habt – einfach, zack, weg?!
Dass eine Zensur explizit laut unseres Grundgesetztes in Deutschland NICHT, und ich wiederhole, vielleicht ist ja gerade ein lauter Zug oder eine brüllen Gewerkschaftsdemo vorbeikommen, NICHT stattfindet, möchte ich gar nicht allzu lange erläutern. Mit der freiwilligen Selbstzensur8 wird zum Brechen des Grundgesetzes aufgerufen. Ziemlich tolle Angelegenheit, oder?
Obwohl ich, der ich den aller größten Großteil meiner großteiligen Freizeit im Internet verbringe, noch NIE, ich wiederhole, ihr wisst schon, der Zug und so, NIE auf eine Kinderpornoseite gestoßen bin, denke ich, dass man etwas gegen Kinderpornographie unternehmen muss – so wie gegen alles Schlechte, Menschenwürdeverletzende! Wenn allein das Geld, der Elan und das geflossene Herzblut dieser ganzen bescheuerten Internetzensurgeschichte dafür eingesetzt würde, die Verursacher ausfindig zu machen, dann wären wir doch schon mal einen Schritt weiter vorne. Wie es scheint sind der Regierung Kinderpornographieseiten ja bekannt – wieso sie also nicht vom Netz nehmen? Das Argument, dass die Rechtslage in ausländischen Gebieten anders aussieht, zählt nicht: Tut sie nämlich nicht. In so gut wie jedem Land dieser unserer Lieblingserde ist Kinderpornographie verboten!

Also nochmal in kurz: Kinderpornographie ist das Allerletzte, schrecklich und muss verfolgt werden. Aber: Internetzensur ist schlecht! Weil: Gegen Grundgesetz (mehrfach sogar), unwirksam9 und eine äußerst gefährliche Technik.
Mehr, detaillierter, beidseitig- und objektiver – und vor allen Dingen fachlicher gibt es eine Argumentediskussion im Wiki gegen Netzzensur.

Dieses Thema hat es immerhin geschafft, dass ich zum esten Mal politisch aktiv wurde und eine Petition unterzeichnet habe10. Bitte tut es mir gleich, auch wenn die für eine Anhörung notwendigen Unterzeichnungen bereits nach vier Tagen erreicht waren. Je mehr, desto besserst.

In einer ersten (gedanklichen) Version dieses Artikel stand hier noch etwas über die Unsinnigkeit des Paintballverbots. Es läuft jemand Amok? Oh, da müssen wir etwas machen: Wie wäre es damit, hm, Paintball zu verbieten?11
Natürlich wird da auf Menschen geschossen. Im Spiel! Mit Farbpatronen! Man kämpft sportlich gegeneinander. Ich denke, wenn man alt genug ist, Farbkügelchen von Patronenhülsen zu unterscheiden, in all seinen moralischen Facetten, dann kann man auch Paintball spielen12. Um sicher zu gehen, legen wir auf dieses Alter noch 12 Jahre drauf und sind bei 18. Paintball ab 18 halte ich für eine kluge Sache.
Aber zum Glück brauche ich das nicht weiter ausformulieren. Weil: Ist ja eh vom Tisch. War wiedermal nur so eine dumme Sache, die man als Politiker eben zwischendurch mal mit seiner Partei herausposaunt. BEVOR man überhaupt festgestellt hat, ob Paintball gefährlich ist13.

All das ist doch bescheuert, oder?
So bescheuert und realitätsfern, wie könnte ich auf etwas anders, als auf eine Verschwörung tippen?!
In einer äußerst geheimen Sitzung des Deutschen Bundestags gemeinsam mit den Illuminaten wurde beschlossen, etwas gegen das Politikdesinteresse der Jugend zu unternehmen. Das muss es sein!
Aus einer Lostrommel wurde schließlich ausgewählt, mit welchen Mitteln das geschehen soll. Gefüllt wurde diese in den letzten 1000 Jahren von ein paar Affen. Oder so ähnlich. Klingt einleuchtend, oder?

Nein, im ernst.
Das kann doch alles nicht sein. Wie können so wichtige Personen so wenig Ahnung von der Materie haben, über die sie herumschwadronieren und -gesetzifizieren?
Es wird Zeit, dass junge Leute an die Macht kommen, für die Internet nicht dieses furchtbar komplizierte und böse Medium ist, mit dem Terroristen und Kinderpornographen Anschläge auf Plattenfirmen in Kinos planen.

Es wird Zeit für einen Generationswechsel.

Ich könnte ja noch so viel mehr anbringen zu den Themen. Aber mein Puls! Und meine Aufmerksamkeitsspanne!

  1. Was ja auch so eine schrecklich abgedroschene Wendung ist… []
  2. Und das Rad ist noch nicht mal rund! Nee! Das Rad hat Ecken, Kanten, eiert und ergibt wahrscheinlich erst im 18-Multidimensionalen einer höheren, außerirdischen Spezies Sinn. Oder Fruchtzwergen. []
  3. Das Internet funktioniert so nicht! Auch Google bietet ein Verzeichnis für Dateien. Aber das würde hier so weit führen… []
  4. NICHT! []
  5. AFAIK. []
  6. Auf der selbst Didi Hallervorden ganz weit unten ist! []
  7. Zu Faul zur Quellenangabe. []
  8. Freiwillig ist übrigens der lachhafteste Term in dieser ganzen Diskussion. Wie kann etwas freiwillig sein, wenn es jemand anders einfordert!? Für die (sinnvolle) FSK gilt übrigens gleiches… []
  9. Wenn nicht sogar gegenteilig wirksam: hat schonmal jemand darüber nachgedacht, dass eine Zensur der KiPo-Seiten dazu führt, dass sich KiPo-»Konsumenten« in geheimere Bereiche zurückziehen und sich so weniger identifizierbar machen? Nur ein noch nicht tiefgehender eruierter Gedanke. []
  10. …und dieses politische Posting veröffentlich habe. Unglaublich. []
  11. Jaja, ich weiß, dieser Teil ist hochgradig übertrieben und stammtischhaft. []
  12. Und sowieso: Schützenverein anyone? []
  13. Bitte jetzt die Hand von der Maus zur Stirn führen. Danke. []