Kategorie-Archiv: Film & Serie

Wer Red John nicht war (fast spoilerfrei)

Am Sonntag lief in den USA Folge 6×08 von The Mentalist. Episodentitel: Red John. (Link in der Fußnote1.)

Wer Red John nicht war:

  • Patrick Janes schizophrene Persönlichkeit, mit der er sein Ermorden von Frau und Kind rechtfertigte.
  • Ein guter Maler.
  • Ein Bewohner Asgards, seit Jahren schon auf der Erde, dem langweilig geworden ist.
  • Das Fegefeuer, bei dem sich Patrick Jane für seine Taten zu Lebzeiten rechtfertigen musste. Jane starb mit Frau und Kind bei einem Hauseinbruch.
  • Jemand, der nicht von Anfang dabei war.
  • Teresa Lisbon, eigentlich eine psychopathische Transvestite.
  • John Connor, aus der Zukunft gekommen, um den zukünftigen Erfinder von Skynet, Patrick Jane, umzubringen. Leider lief der Zeitsprung schief, John wird wahnsinnig und findet zu viel gefallen am Spiel mit Patrick.
  • Voldemort.
  • Jemand, der sein Finale genauso akribisch und genial plante wie alle anderen Verbrechen.
  • Der nette Steuerberater Jimmy, der tollpatschig von einem zum nächsten Mord stolperte.
  • Das personalisierte Böse der Menschheit. Nur wenn jemand regelmäßig den Druck aus der Insel ablässt, bleibt die Menschheit verschont. Patrick Jane ist übrigens tot. Alle sind tot.
  • Agent Cho, der alle jahrelang durch seinen allzeit gut gelaunten, sympathischen Hundeblick täuschte. Bastard.
  • Der Regisseur der »The Trumen-talist Show«, der Quote für seine Realityshow brauchte.
  • Edgar, die Schabe aus dem Weltall.
  • Kein Goldesel.

Zu guter letzt: Red John war auf jeden Fall nicht:

  • Rot.
  1. Die Wikipedia verrät, völlig korrekt, in der Synopsis der Episode, wer Red John ist. Also: Obacht! []

Graph TV

GraphTV: The Good Wife
Graph TV erstellt Graphen zu TV-Shows.
Anhand der IMDb-Bewertung der einzelnen Serien-Episoden erstellt das Online-Tool eine Punktwolke; pro Staffel wird eine Gerade durchgelegt. Es gibt sogar einen Export.

Die IMDb-Bewertungen sind nicht das gelbste vom Ei, aber leider die einzige Quelle die sowohl alle Episoden verzeichnet als auch einigermaßen genug Statistik pro Folge zur Auswertung bereithält…

Yay, Graphen!

Graph TV

Neues TV undso

In seinem Blog berichtet Richard Gutjahr darüber, wie die Zukunft des Fernsehens aussehen könnte. Binge-Watching anstelle von GZSZ-Berieselung. Apple statt Sat1.

→ G! gutjahrs blog: »Breaking the utterly bad: Die bevorstehende TV-Revolution«

Für uns coolen Kids vom TV-Block nichts Neues — schließlich schauen wir, am zahnigsten der Zeit wie wir sind, schon seit Jahren Serien wann und wie wir wollen und besitzen gar keinen TV-Anschluss mehr1 — aber trotzdem eine wahre und gute Zusammenfassung über den Status Who Quo unseres Lieblingslinearmedienkonsums.

Und wo wir gerade beim Thema sind:

Drüben, im Newshows-Blog, ist die 2013er Herbst-Serien-Saison mit voller Review-Wucht gestartet. Caro und ich tippen uns die Finger wund und berichten tapfer von jedem noch so schlechten Serienpiloten2.

Außerdem haben wir heute eine neue Podcast-Episode veröffentlicht. Newshows Check-up heißt das Format, mit dem wir die aus zwei Episoden bestehende erste Podcaststaffel nach einem Jahr Pause wiederbeleben wollen, ohne dabei überhaupt von Staffeln zu sprechen sondern einfach und viel langweiliger von der dritten Episode des Newshows Podcasts3.
Die Prämisse: Begrenzte Redezeit, zufällige Serien.
Erst sprechen wir fünf Minuten über zufällig gezogene neue Serien, dann fünf Minuten über zufällig gezogene Lieblingsserienrückkerer — und am Ende geht’s fünf Minuten um irgendwas. In der ersten Episode sind aus diese fünfzehn Minuten magischer weise fünfundzwanzig geworden — vermutlich müssen wir die Fünf-Minuten-Slots etwas erweitern.
Aber davon abgesehen hat Caro und mir dieser Check-up Spaß gemacht.
Und was sagt ihr so?

→ Newshows: »Newshows Check-up – Podcast #3«

  1. ODER? []
  2. Dads! []
  3. Warum eigentlich nicht? Da haben wir gepennt, Caro! []

Trailer (fast) aller TV-Shows kommender Saison Herbst 2013

Changelog: 30.5.2013 — YouTube-Playlist eingefügt. 31.5.2013 — Richtigen Trailer zu Gang Related eingefügt, Clip von Star-Crossed durch Trailer ersetzt. 4.6.2013 — Vernünftige Trailer zu den restlichen The-CW-Serien eingefügt (The Tomorrow People, Reign, The 100).
Vor ein paar Tagen stellten die großen TV-Sender in den USA ihr Programm für den Herbst 20131 vor. Die Upfronts.
Traditionell gibt’s an dieser Stelle eine Liste mit den Trailern aller neuen Shows, geordnet danach, wie sie mir gefallen haben.

40 Trailer sind zusammen gekommen (6 mehr als letztes Jahr), davon 12 von ABC, 9 von FOX, 8 von NBC, 6 von CBS und 5 von The CW. TNT hat auch ein paar neue Sachen vorgestellt, bisher gibt’s aber nur einen Trailer (von der Michael-Bay-Serie) — siehe ganz unten in diesem Beitrag. NBC hat 5 Serien ohne Trailer offen stehen, CBS noch 3.
Eingebettet sind YouTube-Trailer, außer von ABC. Da gibt’s wegen Geoblocking die Trailer von IGN.
Nachtrag: Christoph hat eine YouTube-Playlist der Trailer von dort erstellt — also alle Trailer außer die von ABC.

Highlights und Trends: Ein paar Shows, auf die ich mich jetzt schon freue. Ein paar, von denen ich weiß, dass sie schlimm werden. Und ein riesiges, meh-iges Mittelfeld dazwischen. Einige Science-Fiction-Shows, einige Historien-inspirierte Dramen. Viele neue Comedies wurden bestellt — insbesondere romantische. Eltern sind voll im Trend. Zwei mal darf entführt werden. Sonst die üblichen Polizeidramen, mal mit mehr, mal mit weniger Spin. Anwälte und Ärzte sind allerdings wenig vertreten dieses Jahr — die Trends scheinen im Wesentlich rum zu sein. Auch dieses Jahr gibt’s wieder einige Hollywood-Schauspieler, die sich in die TV-Welt verwirrt haben.

Wollt ihr mehr Beschreibung und Info, klickt entweder den verlinkten Serien-Titel, schaut die Wikipedia-Seite zur 2013–14 United States network television schedule oder die Übersicht von Deadline an.

Natürlich werden Caro und ich die Neustarts auch wieder in bei Newshows begleiten.

Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D. (ABC) (Wikipedia)


Serie über die etwas menschlichere B-Riege von Superhelden des Marvel-Universums. Von Joss Whedon. Joss Whedon! Das reicht. Nagut: Action sieht gut aus, Schauspieler mag ich, besonders gefallen mir die whedonesquen Comic-Relief-Momente. Mehr Videos der Show.

Almost Human (FOX)


Der von Karl Urban gespielte Polizist schafft es nach zweijähriger Auszeit nur so gerade wieder in den Dienst. Mit den jetzt obligatorischen Robotern an der Seite eines jeden Polizisten hat er allerdings ein Problem. Zumindest bis er einen Maschinenpartner findet, der zu ihm passt.
Sci-Fi-Serie von J.J. Abrams und anderen Fringe-Alumni. Karl Urban, Michael Ealy. Und sieht tatsächlich ganz hervorragend aus.
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  1. Die Saison 2013/2014. []

Arrested Development

Arrested DevelopmentTL;DR: Nach sieben Jahren der Pause ist heute beim Onlineverleih Netflix die vierte Staffel von Arrested Development gestartet. Und ihr solltet sie anschauen — die gesamte Show.

Kennt ihr diese Serien, von denen ihr immer von euren Freunden erzählt bekommt? Von denen ihr immer in diesem Internet lest? Die Erleuchtung in Serienform, das Multikamera-Bernsteinzimmer von Atlantis — und die Charakterentwicklung ist auch noch klasse.

Verpassen

Auch als staatlich anerkannter Serienempfilist geht mir da mal ’ne Show durch. Die Show kann doof klingen — oder ich habe schlichtweg keine Zeit zum Schauen.
Arrested DevelopmentZum Beispiel Mad Men. Bei den Jungs von der Madison Avenue bin ich erst nach Staffel zwei eingestiegen. Den Beginn hatte ich verpasst. Eine Show auf einem Spartensender über das verworrene Leben eines krankhaften Fremdgängers in den 60ern, die systematisch Höhepunkte-arm ist.1 Aber die Restwelt sah das nicht so und irgendwann wurde der Peer Pressure zu groß — alles war in himmlischen Höhen über Set-Design, 60-ies-Feeling und Jon Hamm. Zurecht.
Oder Battlestar Galactica. Muss man wirklich diese vergangenheitsglorifizierte Show von damals™ voller schlechter Spezialeffekte wiederbeleben? Eingestiegen bin ich hier auch erst nach einiger Zeit2. Weil man mich überzeugte, dass die Serie nicht viel gemein hat mit dem Ideengeber aus den 70ern. Und auch hier bin ich froh. BSG war eine großartige, vielschichtige Show, mit spannenden Mysterien und unerwarteten Wendungen. Über das Ende sprechen wir allerdings besser nicht.

Development Arrested

Oder eben Arrested Development.

Die Show war damals™ völlig an mir vorbei gegangen — immerhin lief sie von 2003 bis 2006, da waren amerikanische Serien noch gar nicht so meins.
Irgendwann wurde ich darauf aufmerksam, was für eine Schauspielriege bei Arrested Development mitgemacht hatte: Michael Cera, Jason Bateman, Will Arnett, Portia de Rossi — und mir etwas weniger bekannte Tony Hale und Jeffrey Tambor. Gastdarsteller gibt’s auch: Charlize Theron, Judy Greer, Amy Poehler. Arrested Development war damit auf meiner »Hmmm, das klingt eigentlich interessant«-Liste. Ja, allein wegen des Casts.

ARRESTED DEVELOPMENTDann gab Netflix bekannt, sieben Jahre nach dem Ende der Show eine weitere Staffel zu produzieren.

Also habe ich Arrested Development geschaut.
Und war bereits nach wenigen Folgen lauten Nachbarnzusammenlachens überzeugter AD-Glaubender. Und damit auf Mission, euch ebenfalls auf die bluthe Seite der Macht zu bringen.3
Glaubt mir.
Ihr wollt es auch.
Arrested Development (Cast)

Inhalt

Die Geschichte einer wohlhabenden Familie, die alles verloren hat, und der eine Sohn, der keine Wahl hatte außer sie alle zusammenzuhalten.
Mit diesem Satz beginnt jedenfalls jede Folge. Es geht um die Familie Bluth, die etwas verschwenderisch im Geldsegen der eigenen Firma lebt. Die Bluth Company baut luxuriöse Häuser4. Allerdings wird direkt zum Beginn der Show der Firmenvorsitzende, Familienvater George Bluth Sr., verhaftet. Steuerhinterziehung und anderer, fadenscheiniger Kram. Die Aufgabe, die Firma — und damit die Familie — vor dem finanziellen Untergang zu bewahren, fällt auf den einzig vernünftigen im Bluth-Chaosladen, Michael Bluth. Zumindest nachdem die restlichen Familienmitglieder länglich eingesehen haben, dass sie für den Job zu unorganisiert und ziellos sind.5 Arrested Development begleitet die Bluths dabei, wie sie ihr geldverschlingendes, aber faules, Lebens wieder in alte, geordnete Bahnen zu kriegen versuchen, sich dabei aber regelmäßig selbst sabotieren.

Die Mannigfaltigkeit der Tollheit des Arrested Development

In den folgenden Beschreibungen sind kleine Spoiler leider nicht vermeidbar. Ihr könnt die Show auch nach dem Lesen folgender Zeilen noch genießen. Arrested Development ist keine Show, die langweilig wird, wenn man weiß, wohin die Geschichte geht. Trotzdem: Habe ich euch jetzt schon überzeugt, Arrested Development zu schauen, YAY!, hört ruhig auf zu lesen und kommt wieder, wenn ihr die Show fertig geschaut habt.

Arrested Development ist wegen dreier Dinge so herausragend.

  1. Die Charaktere samt Schauspieler
  2. Die Bescheuertheit der Geschichte
  3. Die Insider-Witze und Running Gags

Arrested Development (New Logo)

1. — Charaktere und Schauspieler

Erlaubt mir die Vorstellung der Bluths6 — zumindest der wichtige, zentrale Teil:
Bluth Family Tree

  • Familienoberhaupt George Senior, die meiste Zeit der Show im Gefängnis oder auf der Flucht. Das hält ihn allerdings nicht davon ab, sein Imperium weiter zu steuern. Manipulation gehört zu seinen stärksten Fähigkeiten. Artikel im Arrested-Development-Wiki.
  • Seine Frau Lucille Bluth, die auf alles und jeden herabschaut. Ist So-gut-wie-Alkoholikerin. AD-Wiki.
  • Der älteste Sohn George Oscar7, AD-Wiki-Artikel. Möchte eigentlich Magier sein, ist dafür aber furchtbar untalentiert. Außerdem leidet er unter dem Erfolg des mittleren Sohns,
  • Michael, der eigentlich die richtigen Intentionen hat, aber häufig dann doch zwischen Fettnäpfchen und provozierten Böswilligkeiten hin und her pendelt. Michael ist die Zentralfigur der Serie. Wiki.
  • Der jüngste Sohn der Familie ist Buster. Lebt bei seiner Mutter, ist Dauerunsicher bei allem was er macht und auch sonst relativ anti-sozial. AD-Wiki.
  • Die Familie hat auch eine Tochter, Lindsay (AD-Wiki). Möchte schauspielen, ist aber darin ähnlich unbegabt wie Gob bei der Magie. Kauft daher ihre teuren und geschmacksverirrten Kleidungsstücke auf Kosten der Familie, also, der Firma. Ist verheiratet mit…
  • Tobias Fünke war mal Psychotherapeut und Psychoanalyst8, ist aber jetzt so angestellt wie seine Frau oder Gob (also nicht). Er scheint latent homosexuell zu sein, ist ein Never-nude und sonst immer auf der Suche nach der neuesten Erleuchtung. AD-Wiki.
  • Die Fünkes haben eine Tochter, Maeby (Wiki), eine Teenagerin, die all das macht, was ihre Eltern ihr verbieten. Auch wenn ihr das eigentlich gar nicht gefällt. Ihr Cousin und…
  • Sohn von Michael ist George Michael. Der zweite Hauptcharakter der Show, wie ich finde. Ein Teen, der nie Teen war. Mit einer Vorliebe für hässliche Hemden. Möchte seinen Vater nicht enttäuschen. Und ist ein bisschen verliebt in seine Cousine. Ist aber sonst eigentlich viel zu gradlinig für die verkorkste Familie. AD-Wiki.

Jeder einzelne Charakter ist so tief und voller Eigenheiten und Kanten geschrieben, jeder wäre vermutlich allein genug Material für den Hauptcharakter einer anderen Standardserie.

Und, nur falls man glauben könnte die Bluths seien schon genug kombinierte Bescheuertheit als Familie, gibt’s noch eine Reihe Neben- und Gastdarsteller — die natürlich auch völlig überzeichnet und crazy geschrieben sind.

Interessant anzusehen sind Jason Bateman (Michael) und Michael Cera (George Michael), denn Arrested Development waren beider Karrierestarts. In der Show sind sie zu sehen, bevor sie Filmstars wurden. Und natürlich sind sie großartig. Eben, wie der ganze Rest; ich werde Schwierigkeiten haben, Portia de Rossi von der verdorbenen Tochter zu trennen. Oder Will Arnett (Gob) je wieder ernst zu nehmen.

Machen wir weiter mit:

2. — Die Geschichte und deren Bescheuertheit

Tobias FünkeDieser Punkt ist natürlich nur ungenau abgrenzbar von der Bescheuertheit der Charaktere, schließlich geht’s zentral um die Bluths9.
Ich hätte vor der Sichtung von Arrested Development nicht gedacht, auf welche Verwirrungen man als Autor kommen kann. Wenn man sich irgend etwas völlig Durchgedrehtes ausdenkt, wie die gerade gesehene Geschichte in Arrested Development weitergehen könnte — es ist ziemlich sicher, dass Mitchell Hurwitz10 etwas wesentlich Bescheuerteres in Petto hat.

Das beginnt mit den Grundlagen der Geschichte. Eine Baufirma, in der es keinen zu geben scheint, der irgendwas Sinnvolles macht. Eine auf vielen Ebenen dysfunktionale Familie, die man dennoch Lieb gewinnt. Der Banana Stand als familientraditionelles Erziehungsmittel. George Michael, der auf seine Cousine steht.

Aber dann gibt’s auch einzelne Handlungsbögen, die großartig sind. George Seniors Aktivität aus dem Knast. Sein Bruder Oscar. Die von Charlize Theron gespielte Geheimagentin in Little Britain. Die blinde Staatsanwältin, die die Bluths vor Gericht zieht. Die Sache mit den Häusern von Saddam Hussein. Das Liebesleben Busters mit der Frau, die zufällig genau so heißt wie seine Mutter. Annyong.

Und Kleinigkeiten, Randerscheinungen, die zeigen, wie liebevoll die Autoren selbst die kleinen Sachen übertreiben. Ein Flughafen-Treppen-Auto als Familienkutsche. Die Lebenslektionen des Einarmigen. Steve Holt! Steve Holt und Gob. Bob Loblaw, dessen Name sich zufällig so anhört wie »Bla Bla Bla«! Gene Parmesan, der eigentliche Meistermagier der Show.
Ich könnte ewig so weitermachen und in Erinnerungen schwelgen.

Kurz: Es gibt wenige Shows, die bei der Wahl der Geschichten so kreativ, neu und eigenartig sind, wie Arrested Development. Dabei allerdings ist AD nie unangemessen albern oder hat unpassende Storyelemente. Wenn auch bescheuert, alles passt.

3. — Insider-Witze und Running Gags

Wenn die vielschichtigen, tiefen und bescheuerten Charaktere (samt toller Schauspieler) und die orginellen und bescheuerten Geschichten noch nicht genug sind: Die Sahnehaube von Arrested Development sind die unzähligen Witze, Anspielungen, Doppeldeutigkeiten, Referenzen, Wortspiele und Running Gags.

Die ganzen Witze sind natürlich wie geschaffen für das Internet und tragen, so denke ich, einen nichtvernachlässigbaren Teil daran, dass Netflix die Show wiederbelebte. Die Zahl derer, die Witze aus Arrested Development kennen, ist höher als die eigentlichen Zuschauerzahlen. Und so geistern auch Jahre nach Absetzung von AD noch immer Anspielungen und Bilder im Netz rum, die die Show in den Köpfen Vieler verweilen lässt.

Bei NPR gibt’s eine umfassende Liste, welcher Witz wann in der Show vorkommt.
Hier sind meine Lieblinge:

  • I’ve made a huge mistake

    Die plötzliche Realisierung, dass das, was man zuvor getan hat, ziemlicher Quatsch ist. Erst von Gob geprägt, später benutzen es dann auch die restlichen Charaktere. Background bei Know Your Meme und im AD-Wiki. Außerdem: Siehe Ende des Blogbeitrags.

  • DEAD DOVE

  • DEAD DOVE Do Not Eat!

    Ein Zaubertrickutensil, das in einer so beschriebenen, braunen Papiertüte im Kühlschrank liegt. Video, Info im AD-Wiki.

  • The Final Countdown

    Der Europe-Song läuft immer, wenn Gob einen Zaubertrick zeigt. Untermalt so wunderbar, wie stark Gob Magier sein möchte — aber nicht kann. AD-Wiki.

  • Chicken Dance

  • The Chicken Dance

    Legendär. Wenn die Familie mal öffentlich (und nicht so subversiv wie sonst) jemanden auslacht, dann macht sie das mit dem Chicken Dance. Der ist eigentlich viel zu albern — und ein bisschen Fremdschämen ist auch involviert — aber doch großartig. Eine Zusammenstellung aller Tänze, und der Artikel im AD-Wiki.

  • Lucille, Lucille II, Loose Seal

    Die Wortspiele sind großartig. Die Familienmutter heißt Lucille. Die Dame in der Wohnung gegenüber, mit der Buster eine Affäre beginnt, heißt auch so — zur Unterscheidung kurzerhand Lucille II. Während Buster im Meer schwimmt, wird er von einem wilden Seelöwen angegriffen. Ein Loose Seal. Seelöwen sind sowieso ein Motiv, das es dauernd gibt in Arrested Development.

  • Mr. F

    Ein Handlungsbogen handelt vom britischen Geheimdienst. Entsprechend stilistisch sind auch die Folgen gedreht. Ein Mr. F kommt vor. Bei der Erwähnung des Namens erklingen immer Stimmen aus dem Off, die ihn in bester 70er-Thriller-Manier dramatisch ausrufen.

  • The Banana Stand

  • Der Banana Stand

    Ein Promenadenstand, bei dem die Bluths tiefgefrorene Bananen verkaufen. Eine jugendliche Vorbereitung auf den ernsten Manager-Alltag. Der Stand brachte es tief in die Popkultur. Besonders wegen George Seniors Aussage, »There’s always money in the Banana Stand«. AD-Wiki-Eintrag.

  • Sonstso

    Ich möchte euch nicht zu sehr langweiligen, deswegen beim Rest nur eine Liste: Das konsequente Nichtverstehen von Spanisch, Gobs bester Freund Franklin, generell Tobias Fünke (Seine Blue-Man-Group-Karriere, die Haartransplantationsschwierigkeiten), Lindsays Kleidung (das SLUT-Shirt!) und ihr Dauerflirten, das »No Touching!« im Gefängnis, Kittys Brüste und »Next on Arrested Development«, das ich nie geguckt hatte, schließlich wollte ich nicht gespoilt werden.

Ihr seht: Man kann wunderbar in Erinnerungen schwelgen und immer wieder über Arrested Development lachen. Es gibt furchtbar viele Anspielungen auf kommende Episoden. Und Witze, die man erst mit der Zeit versteht — oder die gar erst mit der Zeit lustig werden.

Conclusion

Ihr solltet Arrested Development sehen.
Tolle Schauspieler, furchtbar abgedrehte Story, clevere Witze.
Außerdem gehört ihr dann zu den Cool Kids on the Block.

Zum Abschluss noch ein kurzes Remixvideo zu »I’ve made a huge mistake«.

  1. Auch wenn ich das damals natürlich so detailliert nicht wusste… []
  2. In der Pause vor der letzten, finalen Staffel, soweit ich das noch weiß. []
  3. Ihr wisst schon, staatlich anerkannter Serienempfilist und so. []
  4. Bauland ausbauen heißt auf Englisch: Land Development. Der Bauland-Ausbauende ist im Gefängnis – Arrested. Eine Bedeutung des Serientitels. Die Andere bezieht sich auf den Umstand, dass die psychische Entwicklung der Bluths irgendwann stehen geblieben ist… []
  5. Ein Prozess, der in der Serie etwas länger dauert, als hier beschrieben. []
  6. Ein Übersichtsartikel im Arrested-Development-Wiki. Allerdings: Achtung, Spoiler! Einen Stammbaum gibt’s auch hier. []
  7. Abgekürzt G.O.B., Gob. Klingt dann so wie Hiob aus der Bibel. []
  8. Da er Analyst und Therapist gleichzeitig ist, hatte er den genialen Einfall, die beiden Professionen zu einem Namen zu kombinieren: Analrapist. []
  9. Und nicht um, sagen wir, eine Insel. []
  10. Der Showrunner. []

Serienbefund 2012

Meine Lieblingsserien 2012, geordnet in drei grobe Kategorien.The Good WifeFringeChicago FireArrowThe NewsroomGame Of ThronesHow I Met Your MotherCommunityCastleHomelandDexter
The New NormalHouseDieses Inhaltsverzeichnis ist via CSS über das Bild platziert. Du siehst das nicht? Schau’s dir auf dem Blog an — ich habe mir super viel mühe gegeben! Kthxbai.

»Hey Andi, welche Serien hast du denn im letzten Jahr geschaut — und wie fandest du sie?«
So!
Ich präsentiere: Mein Serienbefund 2012 als dreigliedriges Schaubild; mein Serientriptychon 2012. Dieses Jahr sogar mit einzelnen, klickbaren Serien! Woho! Hier ist die vorherige, fast zwei Jahre alte Version.

Die drei Kategorien sind eigentlich nur zwei. Während Comedy relativ klar ist, ist Drama und Crime/Law dann doch häufig das selbe. Aber das hätte zur Folge, dass sich alle Serie in der Mitte tummeln. Und das wäre doof. Deswegen habe probiert, bei Mischserien den gefühlten Anteil von Crime/Law bzw. Drama anhand der Position zu verdeutlichen.

Wichtiger als die horizontale Position ist die vertikale. Da ist, mit analoger Schriftgröße, aufgetragen, wie gut mir eine Serie gefällt. Ihr seht also richtig: Die Serie, die mir 2012 am besten gefiel, war The Good Wife. Die Schlechteste, die ich aber dennoch schaue, ist The Big Bang Theory.

Die Liste ist zum Jahreswechsel 2012/2013 entstanden. Ich bin mir ziemlich sicher: Wenn The Newsroom in den letzten Wochen gelaufen wäre, wäre die Show weiter oben. Und das gilt sicherlich für noch mehr Serien. Das Bild ist gewissermaßen ein Snapshot meiner momentanen Serienbefindung.

Mit Caro habe ich drüben bei Newshows in unserem zweiten Podcast etwas über das letzte Serienjahr gelabert. Hört’s euch an!
Hier noch ein paar Notizen zu ausgewählten Serien — hauptsächlich den besseren1.

The Good Wife

Die Serie, an der sich bei mir momentan alle anderen messen müssen.2 Eine niveauvolle, intelligente Anwaltsserie, die nicht nur im Gesamten großartig ist, sondern auch in sämtlichen Teilaspekten.

  • Großartige Schauspieler: Von der Hauptdarstellerin, allen voran der Hauptdarstellerin!, über die Nebendarsteller bis hin zu den Gastrollen, alle hätten Emmys verdient. Carrie Preston als Elsbeth Tascioni und Tim Guinee als Nanny/Investigator Andrew Wiley sollten beide ihre eigenen Spin-Offs kriegen.
  • Großartige Fälle der Woche: Natürlich spielt The Good Wife die üblichen Anwaltsfälle durch. Aber sie greift auch aktuelle Themen auf, stellt sie stilistisch passend dar und diskutiert sie häufig sogar philosophisch innerhalb der Folge. Und zwischen diesen beiden Extrema lassen sich die Autoren ebenfalls einiges einfallen, was man so noch nicht aus anderen Anwaltsserien kennt. Ich zumindest nicht.
  • Großartige folgenübergreifende Geschichte: Wieviel Unterschiedliches haben wir schon mit den Charakteren mitgemacht? Distanzierung von Peter, Wiederanfreundung; Knast, District Attorney; Überfliegerkanzlei, Bankrott; Affäre, Gutefrau. Und so viel mehr. Manche Geschichten werden langsam, lange über Folgen hinweg eingeführt, bis sie irgendwann im Zentrum stehen. Und die Autoren scheuen nicht davor, radikale Änderung in die Geschichten zu schreiben. Das mag ich.
  • Großartige Inszenierung/Orchestrierung3: Hervorragend gefilmt – vermutlich könnte man über die Kameraarbeit ganze Abschlüsse schreiben. Über die musikalische Untermalung ebenfalls: Immer toll, manchmal ironisch und wtf-ig. Irgendwer, vermutlich die Showrunner, hat da ein großes Auge auf das Gesamtpaket. Nicht nur die Story muss passen — auch der Rest muss stimmig sein. Das fällt mir nirgends so auf wie bei The Good Wife4. Achtet mal auf die letzten, epilog-artigen Szenen, die sind häufig die besten.

Ich verstehe allerdings nicht, was diese Kalinda-Geschichte mit ihrem drogendealenden Ex-Mann da soll. Selten habe ich so etwas Unpassendes und Konfuses gesehen.
Für 2013 bleibt nur Daumendrücken, dass es vielleicht ein Jahr in Folge ein Wunder gibt und The Good Wife against all odds verlängert wird.
[]

Fringe

Die Serie, die fünf Staffeln lang alles daran setzte, die Bedeutung von WTF!? zu What The Fringe!? zu ändern. Und das grandios geschafft hat.
Nur noch zwei Mal werden Walter, Peter, Olivia und Astrid die Bühne betreten um die Welt zu retten.
Fringe ist die einzige klassische5 Science-Fiction-Show, die gerade im US-TV läuft. Und eine ganz, ganz großartige dabei. Der 18. Januar 2013 wird wirklich ein trauriger Tag.

Fringe hat es in den letzten Staffeln geschafft, die Geschichte kontinuierlich spannend zu halten. Sich dabei wiederholt selbst neu erfunden — bis zur vollständig neuen fünften Staffel, bei der es zwischenzeitlich sogar andere Hauptdarsteller gab!
Bei der ersten Staffel drücken wir mal ein Auge zu — zumindest bei der ersten Hälfte. Da war Fringe noch etwas ziellos und dachte, es sei eine Horror-eske, technisierte 2000er-Version von Akte X. Aber als man seinen Stil gefunden hatte, puh!, das wurde eine tolle Serie mit hohem Suchtfaktor.
Wisst ihr noch, als nur Schritt für Schritt klar wurde, dass wir uns auf einmal (Spoiler)6 in einer Parallelwelt befinden? Oder vorher, als herauskam, wer Peter ist?
Das waren tolle, spannende Momente, auf die akribisch hingeplant und hinerzählt wurde.
Immer im Hintergrund Abrams Mystery Box — das langsame anreizen7 von Geschichten durch Indizien und Andeutungen, gefolgt von der großen Auflösung in der eine noch größere und fantastischere Geschichte angedeutet wird.

Im Podcast haben wir noch ein paar andere Aspekte erwähnt, die Fringe zur tollsten8 Show machen: Die Darsteller. Unglaublich intensiv und subtil spielen sie ihre Rollen. Wie gut Anna Torv Olivia spielt, merkt man so richtig erst, wenn sie auch Fauxlivia portraitiert. Und John Noble als Walter? Spielt direkt drei Rollen in einer.
Dann sind da noch Kamera und Musik, die die Gesamterfahrung so hervorragend komplettieren.

Erwähnenswert auch die Liebe zum Detail! Der Fringe Glyph Code, der bei den Werbeunterbrechungen ein zur Folge passendes Wort darstellt. Oder die unterschiedlichen Vorspanne. Überhaupt: Wer kommt darauf, durch einen Vorspann deutlich zu machen, welche Welt wir gerade erzählt bekommen? Grandios.

Fringe bleibt eine tolle Serie, die viel zu wenig beachtet und vom Gros der Zuschauer unterschätzt wurde. Diesen Nachruf da oben könnte ich noch seitenweise fortführen9.
Schade, dass es jetzt vorbei ist mit Fringe.
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Chicago Fire

Eine herbstneue Serie so weit oben? Gewagt. Ich geb’s zu. Aber mir gefällt die Show auch nach guten zehn Folgen immer noch sehr. Kurzweilige, hauptsächlich in der Episode bleibende Geschichten mit nettem Cast. Episodenübergreifende Handlungsbögen gibt’s auch, die die Spannung lose über einzelne Folgen hinaus tragen.10 Natürlich ist es eine Feuerwehrserie aus den USA, Pathos ist vorhanden, hält sich aber in Grenzen.

Chicago Fire ist kein Kunstwerk, wie es Fringe und The Good Wife eins sein könnten — Chicago Fire ist etwas simpler, dabei aber kurzweilig und hervorragend gemacht. Und deswegen gefällt mir die Show.

Mein Review auf Newshows. Da hatte ich nur die Pilotepisode gesehen und noch eine etwas andere Meinung.
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Arrow

Etwas überrascht bin ich über Arrow. Eine Superheldenserie. Und dazu noch auf dem Teenie-Sender The CW.
Aber Arrow ist gut!
Unterhaltsame Bösewichte der Woche, das große Familiengeheimnis, was über allem hängt. Dabei ist die Show manchmal erfrischend düster für die Zielgruppe11.
Man merkt das (relativ) geringe Produktionsbudget — manchmal fühlen sich die Kulissen und Effekte zu falsch an. Aber das holen Story und Schauspieler wieder raus. Gar nicht so wild.

Mein Pilotepisoden-basiertes Review auf Newshows.
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The Newsroom

Aaron Sorkin neuestes Stück. Wir begleiten die Redaktion einer Nachrichtenshow dabei, wie sie die Nachrichtenwelt etwas besser machen möchte.
Neu (so eine Show hatten wir noch nicht), schnell, intelligent, tolle Dialoge. Es geht viel um amerikanische Politik. Das mag nerven, wenn man da nur wenig Grundinteresse und Grundbildung vorzuweisen hat — aber ich empfand es als interessanter Einblick. Zumal zwar die politischen Fälle immer Thema einer Episode sind, aber der Fokus auf der Entwicklung der Story liegt, also eine Ebene Richtung meta. Und Auswahl und Behandlung der Fälle der Woche sind sehr europäerfreundlich…
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Game Of Thrones

Der Epos um Mittelerde Westeros gefällt mir immer noch.
Eigentlich bin ich kein großer Freund von Fantasy. Aber bei Game Of Thrones ist das ertragbar. Ich mag die Abwechslungsreiche der Geschichten. Die Tiefe der Gesamtgeschichte, die verschiedenen Verstrickungen. Die Größe von Allem. Und die Wendungen, die für mich als Buchnichtkenner plötzlich kommen.
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How I Met Your Mother

Ihr werdet da vielleicht nicht mit mir übereinstimmen, aber auch nach drölfzig Staffeln, siebzehn Müttern und einer Pärchen-On/Off-Frequenz im Kilohertzbereich unterhält mich How I Met Your Mother immer noch. Die Autoren finden immer noch neue Aspekte des Zusammen- und Liebesleben, des Älter- und Erwachsenwerden. Der Cast ist immer noch großartig. Der Stil, mit den verschachtelten Rückblenden und schnellen Schnitten, ist immer noch toll.
Eine nächste Staffel ist beschlossen — und so gern ich die Serie auch habe, ich hoffe, es wird ihre letzte12. Ich möchte endlich wissen, wer die Mutter ist.
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Community

Nerd’s best friend.
Community ist eine ganz hervorragende Comedy. Voller popkultureller Anspielungen. Mutig, auch mal neue Formate auszuprobieren (obwohl das jetzt schon zum System gehört). Die Pillow-Fort-Geschichten sind legendär, die Hommagen an Filme. Und: Inspector Space Time.
Bei der letzten Staffel hat für mich unter dem ganzen netten Nerdkram die eigentliche Storyline der Serie gelitten. Mal sehen, wie’s in der bald™ anlaufenden Nächsten aussieht. Allerdings befürchte ich schlimmes, wurde doch Dan Harmon als Showrunner gegangen.
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Castle

Castle ist furchtbar solide. Das ganze Konstrukt funktioniert kantenlos Folge für Folge. Aber dabei geht die Gesamtgeschichte auch immer weiter.
Ein leichter Thriller, den ich immer gerne sehe. Insbesondere weil Nathan Fillion. Und Castle und Beckett.
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Homeland

Die Serie um Claire Danes, ihr Gesicht und die verquerte Liebesgeschichte ihres Charakters.

Nein, ernsthaft: Homeland ist super. Claire Danes spielt toll, besonders wenn ihre großen Augen (wiedermal) in Nahaufnahme zu sehen sind. Aber auch die Darsteller an ihrer Seite liefern prämierungswürdige Leistungen ab.
Die zweite Staffel wurde interessant gehalten, wenn auch der Ton irgendwie ruhiger war. Ich dachte nicht, dass man genug Stoff für eine dritte Staffel hätte, bis diese am Ende der zweiten mit einem großen Knall eingeläutet wurde. Gut!

Homeland ist eine tolle Serie. Gleichzeitig bei mir aber auch auf Messers Schneide zum Haiübersprung13. Damit die Show interessant bleibt, muss irgendwo immer ein neuer Bösewicht, eine neue Verschwörung, ein neues Drama herkommen. Aber das ist alles immer so haarscharf an »Nee, jetzt echt!?«, das ist ganz schön knapp. Ich meine: Da geht’s um die CIA, um den Senat, um den Vizepräsidenten der mächtigsten Nation der Erde…
Aber noch bin ich auf der guten Seite des Hais.
[]

Dexter

Die letzte Staffel Dexter hatte zwar keine apokalyptischen Reiter im Zentrum, dafür aber Yvonne Strahovski. Und das hatte eine Änderung der Grundstimmung zur Folge. Es ging nicht darum, die religiös Verwirrten abzuwehren, sondern persönlicher um Dexters emotionale Lage. Mir gefiel das besser — und mit etwas Abstand zu Ritas dahinscheiden war es sogar relativ glaubwürdig14.
Dexters Konflikt mit seiner Schwester gibt der Story gleichzeitig auch genug Spin um darüber hinaus weiterhin interessant zu sein. Überhaupt: Viele Geschichten liefen gleichzeitig ab.
Ich mag das und bin gespannt, wie es in den nächsten Staffeln weiter geht. Ob Deb wohl auch…?
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The New Normal

Tolle, neue Serie.
Voller versteckter Klischees, auf die man spaßig mit der Nase gedrückt wird. Eine Serie, die Augen öffnet und Vorurteile abbaut, dabei aber immer aufrichtig und fair ist. Und lustig — die Tochter!
Mehr in meinem Review auf Newshows.
[]

House

Tja. Greg House ist im Ruhestand. Und das wurde auch Zeit.
Es war eine hervorragend gemachte Serie, die neben immer interessanten und komplexen Krankheiten der Woche auch noch viele andere Themen erforscht hat. Ja, häufig arg philosophisch.
Aber der große Vorteil ist auch der größte Nachteil gewesen: Der geniale (und hervorragend dargstellte) Greg House. Genie, Misantroph — und Philanthrop zugleich. Aber eben auch nach acht Staffeln, unzähligem auf und ab, zu Ende erzählt.
House war die erste Serie, die mir zeigte, dass TV-Shows mehr sind, als das, was man so aus der deutschen TV-Berieselung kennt — und, dass eine Synchronisation prinzipiell schlecht ist15. Danke dafür.16
[]

Et Ceterea

Suburgatory ist furchtbar lustig. Auch voller Klischees und toller Schauspieler.
Rookie Blue ist furchtbar kitschig. Aber auch nett. Schaue ich gerne, obwohl es manchmal näher an einer Soap, als an einer Polizeishow ist.
True Blood enttäuscht von Staffel zu Staffel immer mehr. Wenn etwas passiert, ist es entweder langweilig oder too much. Manchmal überlege ich, warum ich das überhaupt noch gucke (aber zum Glück gibt’s dann doch immer noch Momente, die einen zurückholen).
Leverage war langweilig am Ende. Wir sind einfach auf zu viele Arten ge-con-ed worden. Allein das Finale war ein Highlight der letzten Staffel.
Bei The Big Bang Theory lacht man wirklich nur noch über die Charaktere und nicht mit ihnen. Das ist keine Show über Nerds, sondern über einen a-sozialen Fiktionalintelligenten und seine unwichtige, wenn auch besser gezeichnete, Entourage.
[]

Und ihr so? Was sind eure Lieblinge?
Hier ist das SVG zum Titelbild. Falls ihr da was rumklicken wollt.

  1. Gelinkt, wenn ihr oben im Bild auf die Serien klickt. []
  2. Fringe ist Science Fiction und deswegen etwas außen vor. []
  3. Ich benutze das Wort jetzt einfach. Zack. []
  4. Ja, sogar mehr noch als bei Fringe. []
  5. Es gibt da noch Revolution, Person of Interest, die im engeren auch Sci-Fi-Shows sind, aber sich eher einen Sci-Fi-esken Aspekt herauspicken und ihre Geschichte darum drehen lassen. Fringe is ALL Sci Fi. []
  6. Mit der Maus drüber, um zu lesen. []
  7. Anteasern. Wisster. []
  8. Zweittollsten. []
  9. Und vielleicht mach ich das auch irgendwann mal? []
  10. Allerdings ohne negative Procedural-Serial-Interferenz. []
  11. Kabelserien dürfen düster sein. Aber solche Free-TV-Serien? Das finde ich bemerkenswert. []
  12. Aber da bin ich zuversichtlich. []
  13. To Jump The Shark — eine Serie wird zu bescheuert und unglaubwürdig. Ursprung. []
  14. So glaubwürdig wie Liebesbeziehungen unter Serienmördern halt sind. []
  15. Nicht, weil die deutsche Synchronisation von House schlecht war — sie war erstaunlich gut, sondern weil gute Geschichten eben auf die Charaktere zugeschrieben sind. Und die Intonierung des Charakters durch den Schauspieler gehört da eben essentiell zu. []
  16. Du Drecksstück. Ohne dich hätte ich wesentlich mehr Zeit für sinnvolle Dinge. []

Treme

New Orleans.
Stadt im Süden der USA. Küstennah. Hauptstadt von Louisiana. Jazzmetropole. Hurrikan Katrina 2005.

Das ist so ungefähr das, was ich über New Orleans weiß. Oder besser: Wüsste. Wenn ich nicht Treme schaute.

Und darum soll’s in diesem Blogpost gehen. Um einen Lobgesang für eine viel zu wenig beachtete Serie namens Treme.

Zurück zu New Orleans. Als 2005 die Deiche in New Orleans brachen, brachen eigentlich gar nicht die Deiche, sondern Kanäle und ließen einen nahen See in die Stadt laufen. Ganze Ortsteile wurden über- und Häuser unterschwämmt, worauf sie häufig zusammenbrachen, mindestens aber unbewohnbar wurden. Die noch nicht aus New Orleans geflüchtete Bevölkerung versuchte man erst im Superdome unterzubringen1, evakuierte dann aber in andere Städte, als auch die Halle immer flutgetroffener wurde. Schrittweise wurde die Stadt evakuiert und verschiedene Ausnahmezustände ausgerufen.
Erst zwei Monate nach Katrina, Ende Oktober 2005, war die Stadt wieder trocken.
Besonders hart getroffen waren Viertel New Orleans, in denen Arme wohnten. Sozialwohnungen überflutet, die mühsam angesparten Häuser zerstört.

Stück für Stück, manche erst ein Jahr nach dem Sturm, kommen die Heimischen zurück von ihren Familien im Restland und finden ein gewandeltes New Orleans wieder – gelittene Straßenzüge, Müll, Kriminalität, geschlossene Geschäfte. Aber sie finden auch ein New Orleans wieder, das sie vor dem Sturm sehr gut kannten – farbenfrohes Straßenleben, unzählige Pubs und Clubs, voller Live-Musik und Lebensfreude.

Treme setzt vor dem vorherigen Absatz ein. Genauer gesagt: Drei Monate nach Katrina.

Die Serie begleitet verschiedene Bürger New Orleans, wie sie wieder Fuß in die Stadt setzen. Jeder hat dabei seine eigene, im Wechsel erzählte, Geschichte, die zwar individuell ist, aber immer auch ein typisches Problem von Post-Katrina New Orleans behandelt.
Mindestens zehn dieser Geschichten werden parallel erzählt2, manchmal aber gibt es sogar 15 Stories, die nebeneinander laufen — und teilweise interagieren. Das mag viel klingen, das ist auch viel, aber es wird an keiner Stelle unübersichtlich oder verwirrend. Alle Charaktere werden liebevoll und intensiv eingeführt und nicht immer kommen alle 10+ε Geschichten in einer Episode vor, der Fokus ändert sich laufend.

Meine Lieblingscharaktere in Treme sind Antoine Batiste und Radio-DJ Davis. Ersterer ist Posaunist und hält sich und seine Familie nach Katrina durch Auftritte in den unzähligen Bars über Wasser. Rhythmus hat er im Blut und sein Job macht ihm meistens mehr Spaß als seine Familie. Aber Antoine entwickelt sich weiter, arrangiert sich mit seinem Familienvaterdasein und findet einen festen Job. Nur marginal weiter entwickelt sich allerdings Davis. Der ist Radio-DJ, wird aber dauernd gefeuert, weil er viel zu enthusiastisch schwere Jazz-/Blues-Platten im Nachmittagsprogramm spielt. Überhaupt: Enthusiasmus. Alles, was er anpackt, erfreut ihn zu 150% — besonders, wenn’s etwas mit der Musikszene von New Orleans zu tun hat.

Aber das sind nur zwei der Handlungsstränge — wieso die beiden mir besonders gefallen, kann ich nicht sagen3. Daneben gibt’s noch Ladonna, die wider allen Umständen ihre Bar in New Orleans weiter betreiben möchte; Köchin Janette, deren beruflich Existenz durch Katrina zerstört wurde4; Straßenmusiker Sonny mit seinen Drogenproblemen; seine Freundin Annie, Straßen-Violinistin, die gerade ihren Durchbruch erlebt; Delmond Lambreaux, der seinen Durchbruch grad erlebt hat und erfolgreich New York bespielt; Big Chief Lambreaux, sein dickköpfiger Vater, dem die indianische Kultur so am Herzen liegt; Anwältin Toni Bernette, die gegen Polizeigewalt und -verschleierung kämpft, samt ihrem Ehemann und ihrer heranwachsenden Tochter; Polizeikommissar Terri, der einsame Pfahl von Recht und Ordnung im korrupten Polizeirevier; und noch ein paar Seitengestalten, wie den Stadtentwickler Nelson und den Investigativreporter Everett.

Alle haben ihre ganz persönlichen Windmühlen, gegen die sie im New Orleans nach Katrina ankämpfen. Manche klein, manche groß.
Alle werden detailliert und aufrichtig erzählt. Immer wird das Leben in New Orleans portraitiert, aus einem anderen Blickwinkel.

Es geht sehr viel um Musik. Dauernd sind wir in Bars und nehmen an der Kultur der Jazzmetropole teil — immerhin gehören zu den Charakteren ja auch ein paar Musiker. Für mich macht gerade dieser Aspekt Treme so ansehbar. Ich mag Jazz und mag, wie die Jazzkultur in Treme dargestellt ist.
Aber, neben den verallgemeinernden Einzelschicksalen und Musik5, geht es in Treme auch um die Mardi-Gras-Kultur in New Orleans. Das ist eine Art Karneval, den man vermutlich am ehesten durch die bunten Ketten (»Beads« – Rosenkränze) kennt, die man für den Spring Break noch weiter amerikanisiert hat. In bunten Umzügen mit ganz viel Musik geht’s quer durch New Orleans. Die Stadt hat eine Menge Indianerstämme, für die Mardi Gras traditionell der Zeitpunkt ist, bei dem sie lauthals ihren Clan in der Reststadt bewerben. Dabei tragen sie schwere, bunte Kostüme, die in wochenlanger Handarbeit gefertigt wurden. Eine seltsame Sache — aber toll.

Treme ist voller Lebenskultur der südstaatlichen Stadt, aufrichtig und liebevoll und mit viel Musik erzählt. Sie läuft auf HBO und ist momentan in der dritten Staffel — eine vierte, letzte ist bestellt. Einige Awards wurden gewonnen, Kritiker und lokale New Orleanser mögen sie.

Ihr solltet das auch tun. Nach dem Bild gibt’s einen Trailer.

Außerdem, in unrelated News, ich hab mal die Quoten von Treme aufgeschrieben.

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  1. Auch so ein Bauwerk, was man aus der Stadt kennt. Heißt mittlerweile »Mercedes Benz Superdome«. []
  2. Ich hab nachgezählt. []
  3. Vielleicht liegt es an der Naivität, wie die beiden an den Post-Katrina-Alltag herangehen? []
  4. Die sich aber nicht unterkriegen lässt. Natürlich nicht. []
  5. Und Gewalt/Polizei. []

Trailer (fast) aller TV-Shows kommender Saison Herbst 2012

Eigentlich passiert in diesem Blog ja gerade nicht so viel1. Aber wenn’s neue Serien gibt, da frühlingserwacht andisblog.

Letzte Woche waren in den USA die Upfronts. Die TV-Sender stellten ihr Programm für den Herbst 2012 vor — und damit auch die neuen Serien, die eine Bestellung erhalten haben.

Es folgt, wie in den Jahren zuvor, auf’s Datum genau, eine zusammenhängende, große Liste von Trailern der neuen Serien, grob geordnet danach, wie gut sie bei mir weggekommen sind.2

Zusammengekommen sind 34 Trailer und Clips der großen fünf (ABC, CBS, FOX, NBC, The CW) sowie vier Serienankündungen, die noch trailerlos sind. Als Bonus gibt’s am Ende noch ganz kurz die neuen Serien von TNT. NBC steuerte wieder die meisten neuen Shows bei, CBS die wenigsten. Während NBC seine Trailer auf YouTube frei zugänglich macht und sie sogar hübsch gestaltet, erlaubt ABC es Deutschen nicht, ihre Promo überhaupt anzusehen. Ich habe mich dann bemüht, verschiedene Alternativen aufzuzeigen.

Trendspotting: Keine klaren Trends dieses Jahr. Mafia hier und dort, nur eine Good-Old-60s-Serie, nur eine Superheldenserie. Dafür direkt zwei Serien mit Schwulen als Thema. Ein paar hochdramatische Verschwörungsplots, zwei Serien über Städte und zwei Hollywood-Stars, die Hauptrollen in Serien übernehmen. Abgedreht und gewagt sind »Last Resort« und »The Neighbors«. Besonders »The Neighbors«.

Übrigens: Wir haben’s tatsächlich geschafft, die meisten der Neustarts der letzten Saison im Newshows-Blog zu beschreiben. Yay!

Revolution, NBC


Neues J.-J.-Abrams-Projekt mit Pilotem von Jon Favreau (»Iron Man«). Energieausfall auf der Erde. Plötzlich ist wieder Mittelalter. Sieht aus wie ein großes Mash-Up aus Serien der letzten Zeit. »Walking Dead«, »Falling Skies«, »The Event«, »FlashForward«. Aber wird sicherlich groß. (Und wehe, jemand spricht an, was hier letztes Jahr auf Platz #1 stand…)

The Following, FOX


Kevin Bacon spielt einen Polizisten, der einen Serienkiller nach einem Gefängnisausbruch wieder einfangen muss. Problem: Während der Gefängniszeit hat er eine Reihe von Serienkiller-Jünger ausgebildet, die jetzt seine Arbeit übernehmen. Drama, Drama, Drama! Aber sieht nach guten Drama aus. Und spannendem Drama.
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  1. Drüben prinzipiell eigentlich schon mal mehr. Gerade aber auch nicht. Bald aber! []
  2. Also nicht nach Sender, Länge, Anzahl der Schimpfwörter oder durchschnittlicher Haarfarbe der Darsteller. Rein mein Geschmack. []