Kategorie-Archiv: Cassini-Huygens

Die Cassini-Huygens Mission und alles drumherum

Methanregen und Eislava auf dem Titan

Während die ESA in schlaflosen, datenalaytischen Nächten über das Ausbrechen aus einem Nichterfolgsband gegenüber der NASA und den Russen triumphiert und frohlockt, jetzt auch ‚dabei‘ zu sein, während sich schon die ersten Gedanken für die nächste Titanmission bilden, dieses Mal mit einem beweglichen Rover, wie sie auf dem Mars ihre Runden ziehen und über Meteoriten stolpern, während all dem haben sie endlich auch neue Ergebnisse präsentiert.
Der Titan ist eine Erde. Zumindest fast. Die geophysikalischen Vorgänge sind ähnlich.

„Geological evidence for precipitation, erosion, mechanical abrasion and other fluvial activity says that the physical processes shaping Titan are much the same as those shaping Earth.“ (Dr. Martin Tomasko, Verantwortlicher für das DISR)

Anzeichen der Struktur der Oberfläche deuten darauf hin, dass es sogar Regen auf dem Titan gibt, nicht aus Wasser sondern aus flüssigen, weil gefrorenem Methan. Huygens ist wohl in einer ziemlich ariden Gegend gelandet, wo es das letzte Mal vor einem Jahr geregnet hat, generell soll es aber auch regenintensivere Gegenden geben. Methanregen – ziemlich lustig, und ziemlich entzündlich.
In etwas Enfernung konnten die Forscher sogar Hügel entdecken. Allerdings nicht aus Stein, sondern aus gefrorenem Wasser. Und es gibt sogar Vulkane, allerdings nicht mit Lava sondern mit Eis. Die Geophysik ist also ähnlich, die Materialien nicht.
Die ESA fasst das in der Pressemitteilung ganz gut zusammen:

Thus, while many of Earth’s familiar geophysical processes occur on Titan, the chemistry involved is quite different. Instead of liquid water, Titan has liquid methane. Instead of silicate rocks, Titan has frozen water ice. Instead of dirt, Titan has hydrocarbon particles settling out of the atmosphere, and instead of lava, Titanian volcanoes spew very cold ice.

Mal sehen, was in der nächsten Woche schlafloser ESA-Nächte noch so rum kommt…

Landestelle von Huygens und Flashfilm von der ESA

Die ESA hat neues Material von Huygens veröffentlicht.
Während die Wissenschaftler weiterhin analysieren und verfeinern, haben sie schon ein Bild veröffentlicht, wo der wahrscheinliche Ort des genauen Niedergangs der Sonde zu erkennen ist. Weiß umkreist.
Weiterhin hat die ESA einen Flashfilm online gestellt, in dem die Bilder des Landevorgangs aneinandergereiht wurden. Ähnlich also dem, den es auch auf Liekens Seite schon zu bestaunen gibt.
Die Menschen in Darmstadt waren übrigens überrascht, dass die Lampe, mit der Huygens seine Umgebung auf dem Boden beleuchtet hat, länger als eine Stunde hielt und dabei weiter als erwartete 700 Meter leuchtete. Aber viel mehr überrascht waren sie von der Tatsache, dass nirgendwo ein Fallschirm zu finden war… (Deswegen mal spasseshalber auch in der Kategorie ‚Leben im All‚)

Amateurbilder von Huygens

Endlich habe ich auch die, den Slashdothype überlebte Webseite von Anthony Liekens gefunden, auf der in einem Wiki Amateurbilder von der Huygens Mission veröffentlicht werden: anthony.liekens.net/huygens_static.html
Allen Bildern liegen die unten verlinkten Rawimages zu Grunde und wurden danach mehr oder weniger aufwendig verfeinert und Zusammengestellt.
Es gibt 3D-Bilder, Renderings, Farb- und Schwarzweißaufnahmen. Aber vor allen Dingen mehr Bilder als auf der offiziellen ESA-Seite. Sehr geil. Und das Eindrucksvollste habe ich, ganz wie dort verlangt, sogar auf meine eigene Seite geladen. (18.1.)

Nachtrag 19.1.: Auch Spiegel Online hat die Seite mit den Amateurbildern aufgegriffen. Gleichzeitig wird von der zur Marsmission unterschiedlichen Bild-Informationspolitik der ESA berichtet.

Bild der Landestelle von Huygens

Gestern hat die ESA eine Bildzusammenstellung der Landestelle von Huygens veröffentlicht. Auf insgesamt 30 Bildern ist die Fläche zu sehen, die schon in den ersten Tagen als Profilaufnahme veröffentlicht wurde.
Die Entfernung zum Boden betrugt dreizehn bis acht Kilometer, Huygens hat sie mit einer Fallgeschwindigkeit von fünf Metern pro Sekunde aufgenommen.
Zusätzlich hat die ESA jetzt auch alle Raw Images der Mission veröffentlicht, also alle unbearbeiteten Bilder.

Huygens: Erfolgreiche Landung

Es geht durch alle großen Zeitungen, durch alle TV-Sender, durchs Radio. Überall. Dementsprechend ist die Resonanz der Wissenschaftsseiten. Wow. Jeder berichtet drüber:
Die ESA-Raumsonde ist am Freitagnachmittag erfolgreich auf dem Saturnmond Titan gelandet, eine siebenjährige Reise ist damit für den ESA-Teil der Mission zuende gegangen. Mit einem riesen Erfolg.
Huygens konnte nicht nur erfolgreich die undurchsichtige Methanatmosphäre Titans durchdringen und dabei Daten aufzeichnen, die Sonde konnte sogar auf der Oberfläche fast unbeschädigt niedergehen und knappe vier Stunden weiterhin Daten sämtlicher Art übermitteln, eine Stunde länger als erwartet also. Huygens landete auf einem weichen Untergrund, der 15cm nach unten sackte. Die Landestelle, ein echter Glücksgriff also.
Schon die Fotos vom Landeanflug ließen vermuten, dass die Oberfläche Titans so ähnlich aussieht wie angenommen: Flüsse und Seen gefrorenen Methans und anderer Gase. Bei -180C. Die Nahaufnahmen von der Oberfläche aber lassen etwas anderes vermuten:

Die dunklen Bereiche seien wahrscheinlich keine Methanseen, wie manche Forscher zuvor gemutmaßt hatten. „Es sind wohl eher morastige Überschwemmungsgebiete“, sagte Keller gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Genaueres erfahren wir wohl in der Zukunft, wenn alle der 350 Bilder analysiert wurden und insbesondere ihre Spektralauflösung untersucht wurde.
Einen kleinen Verlust gab es aber auch auf dieser dennoch erfolgreichen Mission: Der erste Kommunikationskanal war bereits beim Eintritt in die Atmosphäre ausgefallen und konnte keine Daten zur NASA-Relaisstation Cassini funken. Ein Windmessungsexperiment konnte nicht durchgeführt werden und einige Bilder gingen verloren. Das Windexperiment wurde in einer beispiellosen Spontanaktion aber gerette: Eine kurzfristige Zusammenschaltung von 13 Radioteleskopen auf der Erde konnte derart genaue Ergebnisse liefern, dass das Experiment trotzdem als geglückt bezeichnet werden kann.
Das einzige bisher veröffentlichte Farbfoto zeigt eine rotorange Dunstatmosphäre über einer felsigen Landschaft, wie sie auch vom Mars stammen könnte.
Neben Fotos hat die ESA auch zwei Tonaufnahmen veröffentlicht, einmal von der Reise durch die Atmosphäre Titans und einmal das Radarecho der Oberfläche. Sehr interessant wie sich so ein fremder Mond anhört ;).

Bilder gibt’s auf der ESA-Homepage, hier und mehr hier, u.a. das eindrucksvolle Panorama.
Und jetzt entschuldigt die vielen Links ;).