Andi vs. Die Cloud: Bitcasa

cloudheaderIch brauche mehr Platz auf meinem Laptop. Die SSD ist zu klein. Ich brauche: Die Wolke. Nur welche?!

Diese Serie von Blogbeiträgen ist eigentlich nur entstanden, weil ich euch über Bitcasa erzählen wollte. Aber dann führte eins zum anderen, und zack, hatte ich zwei Word-Dokumente voll geschrieben.

Also Bitcasa. Endlich.

Geschichte

BitcasaIrgendwann während meiner Recherchen zur Datenauslagerung in die Cloud stolperte ich über Bitcasa. Bitcasa war gerade mit hohen Tönen bei irgendeiner Tech-Start-Up-Konferenz (TechCrunch Disrupt) aufgetreten. Das Motto: Unendlicher Speicherplatz.
»Unendlich« lässt prinzipiell alle meine Planck-Alarmglocken läuten. Aber bei den Venture-Kapitalisten zog das. Bitcasa bekam Aufmerksamkeit und Kohle.
Neben Promo-Videos, die etwas zu voll von Werbeversprechen sind, pitcht Bitcasa ein weiteres Feature: Vollständige Verschlüsselung aller Daten. User-seitig. Mit irgendwelchen magischen, patentierten de-duplicate Mechanismen. Naaaja.

Ich melde mich an, bekam einen Beta-Zugang und durfte den Dienst kostenlos nutzen. Ich begann, Daten in die Cloud zu schaufeln und Bitcasa in meinen täglichen Arbeitsablauf zu integrieren.
Allerdings klappte Letzteres nur halbgut. Schnell war etwas anderes. Ich hörte auf, den Kram zu benutzen.

Anfang des Monats kam Bitcasa dann aus der Beta-Phase heraus und ich testete den Dienst noch einmal, ein vielleicht letztes Mal. Aber siehe da: Man scheint in schnellere Server / nähere Server / besseres Routing investiert zu haben. Das Ding ist plötzlich benutzbar.

Features

Die Schlüsseleigenschaft von Bitcasa ist, dass Cloud-Daten keinen lokalen Speicherplatz belegen. Und damit genau das, was ich will. Aber der Dienst kann noch mehr.
Eine Liste:

  • Ordner aus der Cloud streamen

    Bitcasa im FinderDie Daten liegen nicht auf der lokalen Festplatte, sondern werden nach Gebrauch aus der Cloud gestreamt. Dabei hat das Streamen ein Sternchen: Bitcasa braucht Platz für einen Cache. Entweder kann das Programm die Cachegröße selbst verwalten, oder ihr befehlt ihm, wie groß der Cache maximal sein darf. Auf dem Mac wird dann in kryptischen Subfoldern von ~/Library/Caches/com.bitcasa.Bitcasa1 in 500-KB-Stückchen gecacht. Während der Beta hatte ich noch das Gefühl, den Cache alle paar Tage manuell zu entleeren, weil Bitcasa das nicht automatisch hinkriegt. Aber das kann ich jetzt nicht mehr beobachten.

  • Daten in die Cloud laden

    Geht ziemlich straight-forward. Einfach Kram in den Bitcasa-Ordner kopieren / verschieben. Der wird dann Stück für Stück in die Cloud geladen. Wenn man die unkomprimierte 1080p-Aufnahme von Onkel Dieters Hula-Hoop-Unfall ins Infinite Drive laden möchte, dann kann das was dauern. Aber Bitcasa regelt das im Hintergrund.2

  • Ordner in die Cloud spiegeln

    Bitcasa kann auch lokal liegende Dateien in die Cloud spiegeln — so, dass sie auch noch offline zugänglich sind. Das klassische, Dropbox-eske Cloud-Verhalten. In der Betaversion machte Bitcasa noch einen Unterschied zwischen Infinite, Sync und Backup. Aber das war, zurecht, zu verwirrend. Jetzt ist Infinite das Haupt-Feature und Mirror eine schwach beworbene Beigabe.

  • Verschlüsseln

    Bitcasa sagt, es verschlüssele alle Daten. Clienten-seitig. Konvergente Verschlüsselung, heißt das wohl. Das ist seltsam und ich bin bis jetzt noch nicht komplett überzeugt, wie/dass das überhaupt funktioniert (und zwar so, dass man nichts davon merkt). Aber: Wenn das klappt — cool3, wenn nicht — egal.

  • Versionierung

    Bei jeder Änderung einer Datei oder eines Ordners speichert Bitcasa einen Snapshot. Die Versionierung ermöglicht das Wiederherstellen alter Dateiversionen — auch, wenn die Datei gelöscht wurde. Dropbox hat auch ein Versionierungs-Feature, allerdings nur 30 Tage in die Vergangenheit. Möchte man mehr, muss man das Packrat-Paket dazu kaufen.

  • Zugänge

    Bitcasa WebinterfaceDie Bitcasa-Software gibt’s für Windows und Mac OS X. Für Linux gibt es eine Alpha-Version, die bei mir allerdings problemlos lief.4.
    Es gibt Apps für iOS, Android und Windows Phones. Getestet hab ich davon nur die iOS-App. Sieht fancy aus.
    Außerdem gibt es ein Bitcasa-Web-Portal, das das komplette Bitcasa-Verzeichnis online abbildet.

  • Web-Downloads

    Interessantes und kaum beworbenes Feature der Chrome-Browser-Erweitrung (ein Plugin für Firefox und Safari sollen kommen): Downloaden von Dateien direkt in die Cloud. Ohne Umweg über den eigenen Rechner.Chrome-Erweiterung, noch mit Bugs (keine Dateinamen) Ihr könnt also das Sandwich Linux-Image direkt in die Cloud laden (mit der Geschwindigkeit des Bitcasa-Servers) und dann von allen Rechnern, bei denen ihr Bitcasa eingebunden habt, drauf zugreifen.

  • Sharen

    Dateien und Ordner sind teilbar. Entweder mit der Bitcasa-Software, aus dem Kontextmenü eueres Finderexplorers oder aus dem Web. Bitcasa generiert einen Link zu einer Zip-Datei daraus, den man weiter verteilen kann.5

Der Dienst verfügt über ein Blog, in dem Neuerungen und Änderungen angekündigt werden, sowie über ein Support-Board, bei dem heiß diskutiert und supportet wird. Mitunter tauchen sogar mehr als nur Floskeln von Bitcasa-Mitarbeitern auf.

Klingt alles ganz gut, finde ich.

Meine Benutzung

Ob man Bitcasa nutzen kann — oder nicht — hängt ausschließlich davon ab, wie schnell der Zugang dazu ist. Bitcasa scheint Server der Amazon Web Services zu nutzen, die für mich Telekom-Nutzer aus Deutschland ausreichend schnell sind. Tatsächlich kriege ich beim Hoch- und Runterladen volle Geschwindigkeit. Auch bei einem Test aus dem DFN ist die Geschwindigkeit tadellos6.

Meine Musik habe ich Stück für Stück komplett hochgeladen, so dass ich darauf jetzt zugreifen kann. Mit Bildern habe ich erst angefangen. Der Upload von zu Hause ist doch relativ schmal.7 Im Moment gefällt mir besonders das Download-To-The-Cloud-Feature besonders — beim Arbeiten höre ich gerade einen Haufen House-Mixe, die mir dabei die Festplatte nicht zumüllen.

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Als Freibenutzer von Bitcasa kriegt man 10 GB Speicherplatz zum Ausprobieren. Möchte man Unendlichkeit (und Support), sind 100 US-Dollar pro Jahr fällig. Oder 70, wenn ihr euch bis übermorgen anmeldet (Ende Februar). Zum Beispiel über meinen Referer-Link.8
Ich habe mir mal ein Jahr gekauft9 — mal sehen, wie mein Fazit danach ausfällt.

Im nächsten, letzten Teil von Andi vs. Die Cloud möchte ich mein momentanes Setup zusammenfassen. Das besteht nämlich nicht nur aus Bitcasa. Jaha.

  1. Windows: C:\Users\USER\AppData\Roaming\com.bitcasa.Bitcasa\, Linux: ~/.bitcasa. []
  2. Für meinen Geschmack etwas zu sehr im Hintergrund. Allein die Animation des Icons informiert, dass gerade etwas passiert… []
  3. Zumal für Bitcasa dann das gleiche wie für mega.co.nz gilt… []
  4. Die Alpha-Version ist allerdings noch auf dem Stand der Beta-Test-Zeit. []
  5. Die Zip-Datei existiert nur irgendwo in einer Bitcasa-Cloud-Parallelrealität. Ihr seht die nie in euren Dateien. []
  6. Ca. 3 MB/s runter-, 1,7 MB/s hochladen. WiFi. []
  7. Wenn ich doch bloß einen Account für ein hochbandbreitiges ISP-Netz irgendwo hätte… []
  8. Von dem ich ehrlich gesagt nicht weiß, was es bringt. Aber egal. []
  9. Für uns Beta-Tester gab’s noch mehr Rabatt. []

2 Gedanken zu „Andi vs. Die Cloud: Bitcasa

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