Daniel Suarez – Kill Decision

Prof. Linda McKinney ist gerade irgendwo in Afrika und forscht munter an ihrem Computermodell von Weberameisen, als auf einmal das gesamte Dorf von einer Rakete zerstört wird. Swooosch. Bang. Nur, weil sie im letzten Moment einem seltsamen Geräusch ins Freie gefolgt ist, überlebte sie.
Gerade noch mit dem Leben davon gekommen, und ganz schön perplex von der Situation, geht das Abenteuer weiter: Sie wird entführt. Wie sich herausstellt, von einem Typen namens Odin und einer wild gemischten Truppe. Eine Art Navy-Seal-Mission-Impossible-Techno-Geheimtruppe.
Die Entführung fand zu McKinneys eigenen Schutz statt: Odin und seine Entourage sind hinter Leuten her, die im großen Maße für Drohnenangriffe verantwortlich sind. Drohnenangriffe auf religiöse Prozessionen im Irak, Drohnenangriffe auf Regierungsgebäude in Washington, D.C..
Drohnenangriffe auf Forschungsgruppen, deren Code geklaut, auf die böse Seite er Macht mutiert und schließlich in die Drohnen implementiert wurde. Und hier kommt McKinney ins spiel: Vermutlich wird ihr Ameisenmodellcode für eine komplett neue Art Drohnen verwendet — gänzlich autonome Drohnen, deren Zieltötungswunsch keiner menschlichen Bestätigung mehr bedarf, sondern die selbst über die Kill Decision verfügen dürfen. Im Schwarm. Basierend auf einem bereits Millionen Jahre erfolgreichen, äußerst aggressiven Verteilungsalgorithmus.
Und Odins Team will das verhindert.

»Kill Decision« führt den Leser1 einmal quer durch die Technologie aktueller Drohnen und zukünftiger Drohnen. Und, was wir sehen, ist zwar ziemlich cool2, aber auch äußerst erschreckend.

Der Autor, Daniel Suarez, machte mich vor ein paar Jahren auf sich aufmerksam: Er schrieb zwei Bücher, Daemon und FreedomTM (Amazon-Partnerlink), in denen ein Uber-Programmierer nach seinem Tod ein Programm auf die Welt los lässt. Das nistet sich darauf hin in etliche Firmen ein, zweigt Geld ab und baut ein riesiges, skrupelloses Zerstörungsimperium.
Ihr merkt: Auch da ging’s um Technologie. Aktuelle Technologie, ins Böse weitergedacht. Und das war ganz schön spannend. Natürlich merkte man bei beiden Büchern, an welchen Stellen Suarez erfunden und übertrieben hat, aber ein »Oh, das könnte man vermutlich tatsächlich so programmieren«-Grundton blieb.

Und dieser realitätsfuturistische Grundton ist auch bei »Kill Decision« vorhanden. Remote-Identifizierung dank IMEI-Nummer, unterschiedliche Arten von Drohnen, schneller-als-Polizeifunk Social-Media-Alarme, Selbstschussanlagen, Videotelefonie mit der 3D-Modell-Kopie des Vorgesetzten, sich-selbst-replizierende Drohnen. Und das sind nur die abgedrehtesten Ideen, die Suarez in die Drohnenkrieg-Geschichte einwebt. Überall wimmelt es von mal großen, mal kleinen Technologieseitenhieben, von denen man häufig schon mal auf irgendeiner Sci-Fi/Forschungs-Newssite gehört hat.

Suarez nimmt das und packt es zu einem spannenden, lehrreichen3, dystopischen/warnenden Thriller zusammen4.

Ihr solltet ihn, »Kill Decision«, lesen. Er ist großartig.

Eignet sich auch wunderbar als kurzfristiges Weihnachtsgeschenk für den technologiebegeisterten Bruder / Schwester / Mutter / Teddybär / Hamster / sich selbst. Amazon-Partnerlinks: Englisch Papier, Englisch Kindle, Deutsch Papier.

Mehr zu »Kill Decision«:

  1. Ja, es geht hier um ein Buch. []
  2. Von einem technologiebegeisterten Standpunkt. []
  3. Wer hätte gedacht, dass Raben so intelligent sind? Außerdem weiß ich jetzt mehr über Ameisen, als mir lieb ist. []
  4. Es natürlich gibt es eine Liebesgeschichte. []
  5. Die mit lauter bescheuert-komplizierten Sätzen um sich wirft. []