Geht’s noch, René? – Andi erklärt diesen kleinen Strich

Nachdem ich mich in völlig selbstloser Weltverbesserungsmanier vor ein paar Jahren den Unterschieden zwischen »nen« und »ne« gewidmet habe, möge hier die nächste Bastion der Missschreibung angegriffen werden.

Auf dem euch vorliegenden Eingabegerät mit den vielen kleinen Dingern, die so »Klack!« machen, wenn ihr sie herunter drückt, finden sich zwei, die sehen ganz schön ähnlich aus.
Weit oben, rechts neben dem scharfen S und dem Fragezeichen, ist ein Klickding mit zwei kleinen Strichchen drauf. Und zwei Tasten darunter, neben dem A mit den zwei Punkten drüber, findet sich noch so ein Klickding mit kleinem Strichchen.

Das mag euch verwirren! Warum sind da drei Striche mit unterschiedlichen Neigungswinkeln, wann benutzt man sie und wann geht heute Abend eigentlich die Sonne unter?

Seit 1200 v. Chr. König Ramses II in einem kleinen, russischen See einen Meerotter unter dem Rasterelektronenmikroskop untersuchte, verwendet man die oberen, leicht abgeknickten Striche als Akzente, den unteren als Apostroph. Vermutlich auch schon vorher.

Der untere der beiden Akzente, der Akut, wird verwandt, wenn ein Buchstabe besonders betont ist. Wir Deutsche kennen dafür keine eigenen Textzeichen1, aber weil wir schon seit 1423 total Gut Freund mit unseren westlichen Nachbarn sind und sowieso total auf Import stehen, gibt es ein paar Wörter in unserer Sprache, die eine Akzentsonderbehandlung benötigen. Meistens Eigennamen, wie René oder André oder Pelé. Dort liegt dann die Betonung auf dem letzten Vokal.
Den anderen, oberen Akzent braucht keiner. Sogut wie. In Deutschland zumindest.

Der Apostroph symbolisiert eine Auslassung. Anstelle des längeren »Geht es noch?«, kann man hier wertvolle Aussprachzeit bei Verkürzung zu »Geht’s noch?« sparen und die Suggestivfrage auch formell auf den Punkt bringen. Auch unsere Lieblingsartikel, die »’nen«s und »’n«s würde man korrekt mit einem Apostroph schreiben.
Wer Teil der Sprachimperialisierung sein möchte, der möchte beim Genitiv-S ebenfalls den Apostroph verwenden: »Des Apostroph’s Verwendung ist so grausam auf diese Art.« Bitte seid euch bewusst, dass bei jedem Genitiv-Apostroph-S im Deutschen irgendwo ein Mammut stirbt. Ein Babymammut. Mit großen Augen.

Eine Verwendung des Akzents als Apostroph ist immer: falsch. Nicht ohne Grund müsst ihr erst noch eine Taste drücken, ehe der Akzent überhaupt erst richtig auf dem Bildschirm erscheint.

Merke2:
Akzent nur bei Eigennamen, Apostroph bei Verkürzungen von »es«, kein Apostroph bei Genitiv-S.

Vielen Dank. Weitermachen.

  1. Wir machen das mit Verdopplung von Folgekonsonanten oder durch Dehnungszeichen. []
  2. Faustregelalarm! []

4 Gedanken zu „Geht’s noch, René? – Andi erklärt diesen kleinen Strich

  1. Und schon wieder was gelernt 😉 Nicht das es sich um wirklich nützliches Wissen für den Alltag handeln würde, aber um auf ner Party ein Gespräch anzufangen gehts bestimmt….ach übrigens wussten sie wie das mit den Strichen ist 😉

  2. Danke für diesen längst überfälligen Beitrag zur Verbesserung der Lesbarkeit von Forenbeiträgen und dergleichen.

    Und nächste Woche lernen wir dann den Unterschied zwischen typografischen Anführungszeichen und dem Zoll- bzw. Sekundenzeichen, ja? Und wieso die umgekehrten französischen Anführungszeichen einfach die besten sind.

  3. Hmm, also ich weiß nicht, meinen Kindern sind sich dem Unterschied bewusst. Denke es betrifft eher ältere Leute die damit ein Problem haben. Zumal sich mit dem Apostroph kein è oder é schreiben lässt und mittlerweile so gut wie jeder französisch spricht sollte der Unterschied bekannt sein.

    Dennoch finde ich die Erläuterung sehr schmackhaft 🙂

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