Was gerade mit der Politik und dem Internet schief läuft – oder: Generationswechsel, bitte

Ich entschuldige mich an dieser Stelle bereits für einen äußerst langen, polemischen und semi-strukturierten Text über … Politik! Bitte haltet durch, ich komme am Ende zu einem bahnbrechenden Schluss!
Politik, ne?
Find ich ja unsexy. Blöd. Langweilig. Und sowieso.
Da fehlt mir die Ahnung – das ist mir alles viel zu kompliziert. Außerdem wirkt das immer so fern. Packt man das zusammen, dann wird Politik noch langweiliger, ich habe noch weniger Lust, mich damit zu beschäftigen – und es wird noch langweiliger. Ein Teufelskreis. Das heißt, eher eine Teufelsspirale mit negativer Tendenz.
Aber letztendlich war’s 24 Jahre meines Lebens lang nicht so wild. »Da oben«1 wurde entschieden und man selbst bekam das mit, was man davon verstand (oder eben nicht) und… manches war ok, vieles so naja und einiges nicht so. Aber immer war es doch irgendwie begründet und selbst wenn »nicht so«, dann doch noch nachvollziehbar.

Aber dann ist irgendwo auf der Welt irgendetwas passiert. Der Webstuhl des Schicksals ist umgefallen. Und hat dabei einen Schmetterling in Australien angestoßen, der zusammen mit Asthon Kutcher in China einen Sack Reis gepunk’ed hat. Oder jemand hat alle Groschen, die bisher gefallen waren, wieder aufgehoben und zum Mond, zur Sonne oder zu beidem, jedenfalls möglichst weit weg vom Boden, geschickt.

Anders kann ich mir nicht erklären, mit welcher gesammelten Idiotie da auf einmal am Rad gedreht wird2.
Die folgenden Ereignisse sind nicht ganz chronologisch richtig. Sie sind anhand eines äußerst komplexen Schlüssels geordnet, in den u.a. subjektive Warhnehmung, Zeitdilatation, Loch-Ness-Monster, Übersichtlichkeit, stilistischer Klimaxaufbau und eine seltene, südmalaysische Pfeffersorte einspielen.

Alles fing damit an, dass das schwedische Gericht die Jungs von The Pirate Bay tatsächlich verurteilte. Das ist schließlich ganz objektiv ziemlicher Schwachsinn3, besonders wenn man die ganzen Unzulänglichkeiten während des Verfahrens von der Gegenseite in Betracht zieht. Die Revision ist angekündigt, Verschwörungsrufe schallen besonders laut, scheint doch der zuständige Richter mit der Contentindustrie in einem Boot zu fischen.
Gut, das Ganze ist nicht in Deutschland passiert, interessiert mich also nur in meiner Funktion als dauerhaften Internetbenutzer und (utopischen?) Hoffer auf ein modernes Urberheberrecht und Urheberrechtsverständnis.

Dann spekulieren aber auch in Deutschland ein paar Superhirne darüber, die im Ausland so toll angenommene und angekommene4 Three-Strikes-Regel auch hier einzuführen. Wer diese Regel noch nicht kennt: Wenn man gegen das Urheberrecht verstößt, wird man drei Mal darum gebeten, das sein zu lassen. Danach wird einem der Zugang zum Internet verboten und abgeschaltet. Wirklich wahr! Die Musik- und Filmindustrie, im Internet ja mittlerweile liebevoll Contentmafia genannt, tourt mit dieser Three-Strikes-Regel gerade durch sämtliche Staaten dieser Welt und versucht sie mehr oder minder erfolgreich unterzubringen. Wenn man sich näher mit den Vorschlägen beschäftigt, dann wird es nur noch surealer und bescheuerter – ich möchte das wegen akuter Herzinfarktgefahr an dieser Stelle nicht machen.
Hier haben es die Grünen5 glücklicherweise rechtzeitig geschafft, in einer EU-Regelung eine Three-Strike-Klausel herauszunehmen und das dort beschriebene Grundrecht auf Internet ohne Sternchen zu lassen. Der Vorschlag nach einer deutschen Three-Strikes-Regelung wird also aller Voraussicht nach von dem eu-weiten Gesetz getrumpft.
Trotzdem: Wer auf so eine Idee kommt…!

… der kommt noch auf Einige mehr.
Deutschen Politiker steigern sich auf der Bescheuertheitsskala6 nochmal. Sie fordern eine freiwillige, vom BKA nicht-öffentlich verwaltete Internetzensur der Deutschen Provider ein. Sie wollen den Zugang zu kinderpornogrpahischen Webseiten sperren.
So ein crap! Wer sich diesen Mist besorgen will, der lässt sich doch nicht von einer billigen, provider-DNS-Server-abhängigen Sperre abbringen?! Und selbst das Argument, dass Leute abgeschreckt und abgewehrt werden, die sich »nur mal eben so« oder »zum Einstieg« mit Kinderpornographie beschäftigen, zieht nicht. Denn auch hier: wer sich diesen kranken Schwachsinn ansehen will, kann das auch weiterhin!
Es wird durch diese Zensur eine äußerst gefährliche Technik geschaffen, die beliebig missbraucht werden kann. Erste Rufe, den Zugang zu Webseiten zu zensieren, die Möglichkeit bieten, Raubkopien herunterzuladen, sind bereits zu hören lesen gewesen7.
Eine Zensur des Internets setzt Deutschland, dieses schmucke und so moderne Land, auf eine Stufe zu China, wo ebenfalls der Staatsapparat bestimmt, welche Inhalte der Bürger im Internet anschauen darf. YouTube gehört nicht dazu. Könnt ihr euch das vorstellen? Die wunderbaren Stunden voller Musik, Humor, Kreativität und wasauchnoch, die ihr bereits mit YouTube verbracht habt – einfach, zack, weg?!
Dass eine Zensur explizit laut unseres Grundgesetztes in Deutschland NICHT, und ich wiederhole, vielleicht ist ja gerade ein lauter Zug oder eine brüllen Gewerkschaftsdemo vorbeikommen, NICHT stattfindet, möchte ich gar nicht allzu lange erläutern. Mit der freiwilligen Selbstzensur8 wird zum Brechen des Grundgesetzes aufgerufen. Ziemlich tolle Angelegenheit, oder?
Obwohl ich, der ich den aller größten Großteil meiner großteiligen Freizeit im Internet verbringe, noch NIE, ich wiederhole, ihr wisst schon, der Zug und so, NIE auf eine Kinderpornoseite gestoßen bin, denke ich, dass man etwas gegen Kinderpornographie unternehmen muss – so wie gegen alles Schlechte, Menschenwürdeverletzende! Wenn allein das Geld, der Elan und das geflossene Herzblut dieser ganzen bescheuerten Internetzensurgeschichte dafür eingesetzt würde, die Verursacher ausfindig zu machen, dann wären wir doch schon mal einen Schritt weiter vorne. Wie es scheint sind der Regierung Kinderpornographieseiten ja bekannt – wieso sie also nicht vom Netz nehmen? Das Argument, dass die Rechtslage in ausländischen Gebieten anders aussieht, zählt nicht: Tut sie nämlich nicht. In so gut wie jedem Land dieser unserer Lieblingserde ist Kinderpornographie verboten!

Also nochmal in kurz: Kinderpornographie ist das Allerletzte, schrecklich und muss verfolgt werden. Aber: Internetzensur ist schlecht! Weil: Gegen Grundgesetz (mehrfach sogar), unwirksam9 und eine äußerst gefährliche Technik.
Mehr, detaillierter, beidseitig- und objektiver – und vor allen Dingen fachlicher gibt es eine Argumentediskussion im Wiki gegen Netzzensur.

Dieses Thema hat es immerhin geschafft, dass ich zum esten Mal politisch aktiv wurde und eine Petition unterzeichnet habe10. Bitte tut es mir gleich, auch wenn die für eine Anhörung notwendigen Unterzeichnungen bereits nach vier Tagen erreicht waren. Je mehr, desto besserst.

In einer ersten (gedanklichen) Version dieses Artikel stand hier noch etwas über die Unsinnigkeit des Paintballverbots. Es läuft jemand Amok? Oh, da müssen wir etwas machen: Wie wäre es damit, hm, Paintball zu verbieten?11
Natürlich wird da auf Menschen geschossen. Im Spiel! Mit Farbpatronen! Man kämpft sportlich gegeneinander. Ich denke, wenn man alt genug ist, Farbkügelchen von Patronenhülsen zu unterscheiden, in all seinen moralischen Facetten, dann kann man auch Paintball spielen12. Um sicher zu gehen, legen wir auf dieses Alter noch 12 Jahre drauf und sind bei 18. Paintball ab 18 halte ich für eine kluge Sache.
Aber zum Glück brauche ich das nicht weiter ausformulieren. Weil: Ist ja eh vom Tisch. War wiedermal nur so eine dumme Sache, die man als Politiker eben zwischendurch mal mit seiner Partei herausposaunt. BEVOR man überhaupt festgestellt hat, ob Paintball gefährlich ist13.

All das ist doch bescheuert, oder?
So bescheuert und realitätsfern, wie könnte ich auf etwas anders, als auf eine Verschwörung tippen?!
In einer äußerst geheimen Sitzung des Deutschen Bundestags gemeinsam mit den Illuminaten wurde beschlossen, etwas gegen das Politikdesinteresse der Jugend zu unternehmen. Das muss es sein!
Aus einer Lostrommel wurde schließlich ausgewählt, mit welchen Mitteln das geschehen soll. Gefüllt wurde diese in den letzten 1000 Jahren von ein paar Affen. Oder so ähnlich. Klingt einleuchtend, oder?

Nein, im ernst.
Das kann doch alles nicht sein. Wie können so wichtige Personen so wenig Ahnung von der Materie haben, über die sie herumschwadronieren und -gesetzifizieren?
Es wird Zeit, dass junge Leute an die Macht kommen, für die Internet nicht dieses furchtbar komplizierte und böse Medium ist, mit dem Terroristen und Kinderpornographen Anschläge auf Plattenfirmen in Kinos planen.

Es wird Zeit für einen Generationswechsel.

Ich könnte ja noch so viel mehr anbringen zu den Themen. Aber mein Puls! Und meine Aufmerksamkeitsspanne!

  1. Was ja auch so eine schrecklich abgedroschene Wendung ist… []
  2. Und das Rad ist noch nicht mal rund! Nee! Das Rad hat Ecken, Kanten, eiert und ergibt wahrscheinlich erst im 18-Multidimensionalen einer höheren, außerirdischen Spezies Sinn. Oder Fruchtzwergen. []
  3. Das Internet funktioniert so nicht! Auch Google bietet ein Verzeichnis für Dateien. Aber das würde hier so weit führen… []
  4. NICHT! []
  5. AFAIK. []
  6. Auf der selbst Didi Hallervorden ganz weit unten ist! []
  7. Zu Faul zur Quellenangabe. []
  8. Freiwillig ist übrigens der lachhafteste Term in dieser ganzen Diskussion. Wie kann etwas freiwillig sein, wenn es jemand anders einfordert!? Für die (sinnvolle) FSK gilt übrigens gleiches… []
  9. Wenn nicht sogar gegenteilig wirksam: hat schonmal jemand darüber nachgedacht, dass eine Zensur der KiPo-Seiten dazu führt, dass sich KiPo-»Konsumenten« in geheimere Bereiche zurückziehen und sich so weniger identifizierbar machen? Nur ein noch nicht tiefgehender eruierter Gedanke. []
  10. …und dieses politische Posting veröffentlich habe. Unglaublich. []
  11. Jaja, ich weiß, dieser Teil ist hochgradig übertrieben und stammtischhaft. []
  12. Und sowieso: Schützenverein anyone? []
  13. Bitte jetzt die Hand von der Maus zur Stirn führen. Danke. []

16 Gedanken zu „Was gerade mit der Politik und dem Internet schief läuft – oder: Generationswechsel, bitte

  1. Petition mitgezeichnet…. langer ätzender Akt, aber hindern soll uns das nicht!

  2. SEHR gelungener Artikel! Du hast vollkommen Recht, vorallem was den „Lösungsvorschlag“ am Ende betrifft. Und auf den Humor hast du im Artikel trotzdem nicht verzichtet. 😉

  3. Hört, hört!

    Trotz Ernsthaftigkeit der Sachlage habe ich an einigen Stellen sehr gelacht 😉

    Jedenfalls: Gelungener Artikel mit richtiger und wichtiger Message!

  4. Nice one! Spricht mir so ziemlich komplett aus der Seele. Aber das hatten wir ja eigentlich schon.

    Off-Topic, dafür aber wenigstens erheiternd: Happy Towelday!

  5. Dass Politiker in den seltensten Fällen Ahnung davon haben, worüber sie entscheiden sollen, ist doch offensichtlich. Fast alle haben einen juristischen sonstigen beamtenhaften Werdegang. Mal ganz abgesehen davon, dass Posten natürlich nicht nach Kompetenz verteilt werden. Wer schon lange eine führende Position in einer Regierungspartei inne hat, der/die wird 10000000% Kabinettsmitglied. Ich lade nur dazu ein, mal die Lebensläufe auf der Seite des Bundestags durchzuschauen.
    So, genug über Politiker allgemein gestänkert. Ich gehe dann mal zum spezifischen stänkern über. Es ist in Sachen Internet auch zu einfach, die Blödheit der Entscheidungsträger zu belegen. Der Richter im PirateBay-Prozess hat bis heute das Torrent-Prinzip noch nicht verstanden, habe ich den Eindruck.
    Was einem klar sein muss, ist doch offensichtlich: Jede Freiheit birgt Risiken des Missbrauchs. Am Internet zeigt sich das ganze besonders deutlich. Es ist verdammt einfach, Illegales zu tun (Was auch an Ländergrenzen, Anonymität etc. liegt). Was aber keiner je ausspricht, ist der große (und ich meine eher revolutionär-geniale!!) Vorteil des Internets. Das Internet ist das einzig wirklich freie und demokratische Medium. Es ist partizipativ, fördert Diskurse und eine Informationsquelle unglaublichen Umfangs. JEDER kann mitmachen. Kein Verlag entscheidet, was publiziert wird. Kein WDR-Intendant lehnt Beiträge ab. Die Verantwortung für geschriebenes und gelesenes ist wieder beim Einzelnen. Die Zeit der vorkauenden Mundgerecht-Medien läuft ab. Wenn man allein feststellt, wieviele Leute etwas zu sagen haben (in Blogs von teilweise großartiger Qualität etc.), die nie darüber nachgedacht hätten, sich an etablierte Medien zu wenden. So muss es sein. So muss es bleiben. Für mich ist das eine gesellschaftliche Herausforderung. Eindeutig ist aber: Das ist die richtige Richtung der partizipativen Gesellschaft.
    (Dank an alle, die bisher durchgehalten haben:D)

  6. Danke für alle eurer Kommentare… Habe teilweise gar keine Benachrichtungen bekommen. Seltsam. Ich werde das nachverfolgen.

    @Markus (E., der ohne Link ;)): Würdest du mich wählen? Dann überleg ich mir das. Aber wahrscheinlich wohl eher… NICHT ;).

    @Alex: Weise Worte :). (Und dass Politiker Experten auf jedem Gebiet sind, das verlange ich gar nicht. Aber etwas mehr Ahnung bitte.)

  7. @ Andi: Ich verlange von Politikern, die zum Beispiel im Umweltministerium sitzen, dass sie davon Ahnung haben. Mir geht es gehörig gegen den Strich, dass in Parteien mehr Wert auf „Fraktionsloyalität“ gelegt wird, als auf wirklichen Diskurs. Das Unterstreicht doch nur, dass die Amtsinhaber nicht schlauer, erfahrener, gebildeter oder sonstwie toller sind als andere. Sie sind einfach konformer. Zu was für schwachsinnigen Vorschlägen das führt, wenn so unsere gesellschaftlichen Repräsentanten ausgewählt werden, hast Du ja sehr schön beschrieben.

  8. Je mehr ich von dieser Diskussion mitbekomme, desto grausiger find ich sie. Es ist zwar gut, dass die Diskussion geführt wird. Und die Freiheit des Internets ist von enormer Bedeutung. Aber die Argumente, die die Internetgemeinde auflistet, sind stellenweise so seltsam, dass man sich schon wundern muss.

    Kinderpornoseiten sperren. Gefahr der Zensur für andere Seiten – richtig. Das BKA als Polizeiinstitution darf darüber keine Entscheidungsgewalt haben – richtig. Aber das Argument, dass das niemanden abhalten würde, lass ich nicht gelten. Denn das würde es tun. Mit dem Argument „davon lässt sich eh niemand aufhalten“ könnte ich dann ja auch Kinderpornos bei Karstadt verkaufen. Oder Heroin in Zigarettenautomaten. Der Staat hat die Aufgabe, die Bürger vor so etwas zu schützen und den Zugang zu illegalem Material zu verhindern. Dass „verhindern“ nie wirklich geht und eher „erschweren“ das richtige Wort ist, ist zwar richtig. Heißt aber nicht, dass es nicht trotzdem getan werden müsste. (Der aktuelle Gesetzentwurf ist trotzdem Schwachsinn.)

    Artikel 5 des Grundgesetzes, ja, gibt es, und ja, da steht drin „Eine Zensur findet nicht statt.“ Aber hat mal jemand sich die Mühe gemacht auch die anderen Sätze dieses Artikels zu lesen, insbesondere die, die sagen, dass davon (natürlich!) Ausnahmen zulässig sind, wenn dadurch andere Grundrechte geschützt werden? Zum Beispiel die Würde des Menschen?

    Ich könnte lange so weiter machen. Das Problem ist: Meine grundsätzlichen Schlüsse sind gar nicht so anders, als die, die hier gezogen werden. Das Gesetz ist scheiße. Aber die Argumente… die tun mir weh.

  9. „Kinderpornos bei Karstadt verkaufen“ ist ein ziemlich weit hergeholter, übertriebener und nicht passender Vergleich. Damit setzt du das leicht erschwerte Beschaffen von Kinderpornographie mit dem Anbieten und Verkaufen von Kinderpornographie gleich. Und das ist crap ;).
    Deine grundsätzliche Sichtweise kann ich aber nachvollziehen: Du denkst, die Sperre ist zur Erschwerung da (was sie ist) und dass diese Erschwerung sinnvoll ist.
    Ich wette mit dir, ich könnte einem >60-jährigen erklären, wie er einen Proxy einstellt und somit mit geänderter IP-Adresse und, falls notwendig, mit neuem DNS-Server auf jede beliebige Seite kommt. Die einzige Vorkenntis, die ich Fordere, ist, dass er schon mal selbst eine Webseite aufgerufen hat.
    Das ist wirklich alles andere als Kunst und Zauberei.
    Und wenn ich das jemanden erklären kann, der von sich selbst ausk eine Eigeninitiative an den Tag legt, das zu wollen; dann ist es für jemanden, der sich dafür interessiert, nur leichter.

    Ich denke, dass der winzig kleine Prozentsatz, den man tatsächlich durch so eine Maßnahme abwehren kann, nicht den Missbrauch rechtfertigt, der dadurch betrieben werden kann.
    Dass man dadurch nur Symptone behandelt, lasse ich mal außen vor – das hast du ja auch nicht bemängelt :).

    Die Argumente tun mir nicht weh, manche sind einfach besser und manche schlechter. Zu Anfang dachte ich noch, dass wegen Kinderpornographie-andere-Seite-auch-Sperren sei nur ein zwar berechtigtes, aber eher theoretisches Argument irgendwelcher Verschwörungsanhänger. Aber nachdem da desletzt welche den Test mit der Finnischen Liste gemacht haben!? Urgs!

  10. Ich find den Vergleich gar nicht weit hergeholt. Nehmen wir mal an, Karstadt würde Kinderpornos verkaufen, seid Jahren, jeder denkt dass das nicht ok ist, aber niemand tut was dagegen, weil man „Karstadt von sowas freihalten muss“. (Das ist weit hergeholt, ja, weil es nicht der Wahrheit entspricht. Bei Karstadt.) Wenn man jetzt ein Gesetz verabschiedet, welches Karstadt verbietet, Kinderpornos zu verkaufen, und dann kommt jemand an und sagt „Ja, das ist ja schön und gut, aber das bringt doch nichts. Der muss ja nur den Mann mit dem Ledermantel fragen der am Bahnhof steht, und der verkauft die ihm dann illegal. Alles was ich dem Käufer dazu sagen muss, ist, wo der Mann mit dem Ledermantel zu finden ist. Und das ist ja kein Problem. Also brauch ich es gar nicht erst zu verbieten.“ Das würde doch jeder zu Recht für eine schwachsinnige Argumentation halten.

    Das Internet vermittelt den Eindruck von einem Raum, in dem man sich bewegen kann, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Dieser Eindruck ist das Problem und muss bekämpft werden. Es muss einem klar sein, dass Illegales auch im Internet illegal ist. Das beeinhaltet Kinderpornos genauso wie Diebstahl geistigen Eigentums, Beleidigung, Betrug oder was auch immer. Diesen Eindruck der Rechtsfreiheit mag man für „Freiheit“ halten, aber wenn man mal drüber nachdenkt, ist einem doch klar, dass es ohne Gesetze und Regeln keine Freiheit geben kann. Auch nicht im Internet.

    Achja: Nein, dieses Gesetz mit seiner Gefahr des Missbrauchs wird durch meine Argumente nicht gerechtfertigt. Das liegt aber daran, dass das Gesetz einfach schlecht gemacht ist. An der grundsätzlichen Notwendigkeit solcher Gesetze und Regelungen ändert das nichts.

  11. Na, es wäre ja schön, wenn sie das Zeugs aus den Regalen nähmen. Die Idee ist aber ja eher, ein paar Bauzäune vor den Kaufhauseingängen aufzustellen. Wer wirklich will, turnt halt drumherum; gegängelt werden aber auch alle anderen.
    Und ein paar Tests mit (im Ausland schon existenten) Zensurlisten haben ja gezeigt: eine Mail an die Abuse-Adresse des Hosters, und die Kinderpornos gehen schneller offline, als man gucken kann. Und das ist dann doch seltsam, warum man stattdessen lieber eine Zensurliste führt und Bauzäune aufstellt.

    Viel interessanter (weil die Lösung nicht so offensichtlich ist) finde ich die Urheberrechtsdebatte. Ich denke, da haben wir wirklich mal eine echte gesellschaftliche Debatte — oder wir hätten eine, wenn die breite Öffentlichkeit wüßte, worum es geht. Die Zensurgeschichte wird dagegen nur von wenigen Lobbyisten und vielen Leuten ohne Ahnung getragen.
    Aber wie ist das mit dem Urheberrecht? Ist das ein Naturrecht? Wenn ich einen Text schreibe, ist er dann mein auf alle Zeiten? Oder kann sich jeder bedienen? Ich könnte ihn ja für mich behalten, wenn er mir wirklich so nah ist.
    Als Tonbandgeräte erstmal erschwinglich wurden, war es übrigens illegal, z.B. Musik von Platte auf Band zu überspielen, auch für den ganz privaten Gebrauch. Dann wurde die Gema gegründet, man zahlte ein paar Pfennige Abgaben auf das Band, und durfte (privat) nach Herzenslust kopieren. In letzter Zeit scheint es aber wieder in die andere Richtung zu gehen — man denke nur an die „Lex Disney“.

    Hmm. Das hätte ich jetzt auch bei mir bloggen können. Na egal.

  12. Tja, was passiert da in dieser Welt.
    Als gerade nicht mehr 68er – aber doch bald 50 Jahre alt erinnert mich der Aufschrei nach Generationswechsel an alte Zeiten als ich auch noch voll Hoffnung war – der tasächliche Eintritt dieser „damals“ Jungen in die Politik und die erzielten Ergebnisse lässt mich aber nun an einem Generationswechsel zweifeln. Dass die derzeitigen Politiker nicht immer wissen was sie da wirklich fordern und dass sie die Konsequenzen nicht immer durchblicken ist leider wirklich zu deutlich zu sehen. Andereseits nehm ich aber auch an, dass viel eben reines Wahlkampfgetöse ist und manchmal bin ich nicht sicher wie weit die Politiker IHRE Ziele doch damit bewusst erreichen.
    Sperre von Kinderpornoseiten? Klingt doch gut und ob derjenige der da wirklich weiß was das dann bedeutet, der eben einer möglichen Zensur schon rechtzeitig vorbeugen will, dann wirklich der Zielwähler dieser Partei ist möcht ich fast bezweifeln.
    Selbst wenn nun nicht der Wählerfang vordringlich ist, bleibt als Zweites die Frage wie weit sich da irgendjemand halt mal wieder in die Medien bringen will?
    Ob Politiker wirklich noch Politik machen ist in vielen Fällen für mich mehr als fraglich. Es gäbe genügend ernsthafte Probleme, der Zustand des Staates ist nicht wirklich gut – und da nehm ich die Wirtschaftskrise explizit heraus – so toll wars vorher auch nicht mehr. Aber für echte Ziele, Absichtserklärungen und Änderungen der Zustände ist niemend mehr verantwortlich. Da wird dann darauf hingewiesen dass es ja nicht geht weil „die EU“ da nicht mitspielt und weil „der Markt“ da nicht mitspielt.
    Da ist es allemal einfacher halt Paintball zu verbieten.

  13. @Andi: Ein wirklich treffender Text – für mich triffst du den Nagel damit auf den Kopf. Ich werde den Link gleich mal an sämtliche Leute weiterleiten, denen ich schon seit Wochen mit diesem Thema in den Ohren liege 😉

  14. @Basti: Ich finde deine Kaufhausmetapher immer noch quer… Aber wegen fortgeschrittener Kommentationszeit werde ich jedwede weitere Diskussion auf einen Mensagang verlegen ;).

    @kirjoittaessani: Der Bauzaun ist ein schönes Konstrukt für die Metapher, aber … siehe oben ;). Und ja, da könnte man noch viel viel viel viel drüber Bloggen!

    @Olaf: Ja, ein Vergleih mit den 68ern drängt sich fast auf, allerdings ist hier die Platform das Internet. Allerdings ist meine 68er-Bildung eher rudimentär, sonst hätte ich das eingebracht ;).

    @Tanja: Ja, gerne :). Danke! 🙂

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