Fritzen, oder wie man aus einem Speedport eine FRITZ!Box macht (feat. Internetgenialität)

Da isser wieder. Der Tech-Content in andisblog. Super!
Seitdem ich vor ein paar Monaten auf einen Quasi-VDSL-Anschluss1 der Telekom mit dem Namen „Entertain 16plus“ umgestiegen bin, hab ich nicht nur einen völlig tollen und überflüssigen Media Receiver2 hier rumstehen; es gab auch einen Router, einen Speedport W 701V dazu3.
Besonders toll sieht das Gerät nicht aus, aber es verrichtet seinen Dienst einigermaßen ok. Zumindest, um simple ins Netz zu kommen. Von UPnP hat der Speedport noch nichts gehört. Dabei sollte er eigentlich, ist er doch ein absolut fetziges Technikgerät des letzten Jahres!

Der Speedport W 701V wird von der Firma AVM für die Telekom gefertigt. AVM kennt keiner, die Fritz-Boxen, die AVM herstellt, schon. Was verbirgt sich unter der Haube des Speedport W 701Vs? Na? Genau! Eine waschechte FRITZ!Box.
Allerdings wurde sie softwareseitig um einige vielen Features beraubt; anstelle der mächtigen FRITZ!Box-Firmware befindet sich im Speedport eine extra Telekom-Firmware, die aufs aller nötigste reduziert ist.

Aber das Internet, ne?
Da gibt es einfach alles. Auch die Möglichkeit, seinen Speedport zu »fritzen«.
Denn da haben ein paar Nerds die Firmware von AVM so angepasst, dass sie aus einem Speedport ein voll funktionstüchtiges AVM-Gerät machen. Nicht nur der Speedport W 701V wird damit zur FRITZ!Box, eine ganze Reihe weiterer von AVM für die Telekom gefertigter Speedport-Geräte ebenso.
Der vorletzte Satz ist so nicht ganz richtig. Denn die Nerds haben die Firmware von AVM nicht direkt angepasst. AVM verbietet nämlich, dass man eine veränderte Version ihrer Firmwares verbreitet. Die Nerds haben einen Workaround gefunden: Sie bieten ein Skript zum Download an, was aus einer AVM- und einer Speedport-Firmware-Image-Datei eine gefritze Firmwareversion ganz automatisch zusammenbastelt. Und dann genauso automatisch auf den Router spielt. Ziemlich genial.

Nach erfolgreichem Fritzen hat man die angepasste FRITZ!Box-Firmware auf dem SpeedportSo genial übrigens, dass ihr nicht nur UPnP nach dem fritzen auf eurem Speedport benutzen könnt. Ihr könnt auch mit einer speziellen Playlist4 und einem einfachen, fähigen Medienplayer wie VLC die öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme schauen, da der zur FRITZ!Box gepatchte Speedport den Multicast-Stream durchschleift (so, wie es auch eigentlich sein sollte). Ihr habt die Media-Receiver-Funktionalität auf eurem Rechner.
Außerdem habt ihr, der Genialität wegen, die Möglichkeit, Labor-Firmwares von AVM einzuspielen. Diese Labor-Firmwares haben ein paar Optionen für fortgeschrittene Benutzer, die euch z.B. bei instabilen DSL-Leitungen5 den Rauschabstand manuell verändern lassen. Damit lässt sich eine Leitung stabilisieren.
Ziemlich genial, was?

Aber los Andi, wie funktioniert diese Genialität jetzt?

Im IP-Phone-Forum spielt sich die ganze Fritzerei ab. Dort gibt’s das passende Skript und Anleitungen, wie man vorgehen muss. Ich habe eine Anleitung aus dem Wiki benutzt (war kürzer…).
Spielen wir’s einmal durch — so wie ich’s gemacht habe:

  • Ihr ladet euch von Jpascher aus diesem Thread die aktuelle Skriptversion herunter.
  • Für alles Weitere braucht ihr jetzt Linux – am besten Ubuntu, da dort bereits (fast) alle erforderlichen Pakete installiert sind. Entweder ihr fragt einen Freund6, der mal kurz auf einen Kaffee vorbei kommt, oder ihr ladet euch von den Seiten Ubuntus eine Live-CD herunter. Von Letzterer könnt ihr Linux vollständig starten ohne irgendwelche bleibenden Änderungen auf eurem Rechner zu hinterlassen.
  • Ihr bootet in Linux und entpackt das heruntergeladene Skript.
  • Im Browser navigiert ihr zu eurem Speedport und loggt euch ein. Ihr öffnet die Seite der Firmware, die einen Reboot macht. Das müsst ihr gleich fix machen. Der Speedport sollte übrigens am besten unter der Standard-IP 192.168.2.1 erreichbar sein.
  • Shell mit SkriptIn einer Shell-Box führt ihr »./install-start« aus. Der Masteraufruf des Skripts. Danach fühlt ihr euch so wie Neo, weil plötzlich alles wild über den Bildschirm läuft.
  • Ihr müsste ein paar Mal mit Enter bestätigen. Unter anderem wird’s einmal blau und ihr könnt abseits des vorgegebenen Standards die oben erwähnte experimentelle Labor-Firmware auswählen. Do as you like.
  • Das Skript erstellt die Firmware. Irgendwann werdet ihr aufgefordert, den Speedport neuzustarten. Ihr hattet ja schon das Fenster im Hintergrund offen — tut nun also von euch Verlangtes.
  • Wieder wie bei Neo, allerdings nicht in grün, rasen jetzt Rauten über die Shell-Box. Das heißt soviel wie: „Ich lad mich gerade auf den Speedport und patche ihn, Alter.“
  • Damit auch die letzten Überreste der Telekomfirmware in die ewigen Jagdgründe verschwinden, müsst ihr noch einen Werksreset durchführen. Das hat zwar zur Folge, dass ihr eure Verbindungsdaten und sonstigen Einstellungen noch mal eingeben müsst — aber so ist es nun mal. Nach dem Reset ist die jetzt FRITZ!Box auf der FRITZ!Box-typischen IP 192.168.178.1 erreichbar. Wenn ihr später die erweiterten Einstellungen aktiviert habt, dann könnt ihr diese IP wieder auf die 192.168.2.1 ändern und alles ist so wie vorher.
  • Tada.

Ein kurzer Hinweis noch am Ende: Ich übernehme natürlich keine Verantwortung für irgendwas. Weder für Dummheit, Krieg oder Zahnstein.

  1. »Quasi«, weil es letztendlich doch wohl eine Mischung aus ADSL2+ und VDSL ist, allerdings mit einem VDSL-DSLAM. Wahrscheinlich spielt die Dämpfung des letzten Stückchens bis zum Haus eine Rolle?! []
  2. Mit dem ich wirklich absolut nichts anfangen kann. Noch nicht mal modden kann man den… []
  3. Das selbst ist schon fast eine Geschichte für sich. Mein alter ADSL2+-Router funktionierte nach der Umstellung von 16.000 auf 16plus nicht mehr. Also musste ein neuer her. Beim Vertragsabschluss hatte ich aber gesagt, ich hätte bereits einen funktionablen Router — deswegen erstattete man mir die 50 Euro für einen subventionierten Speedport-Router. Zum Glück konnte ich das aber letztlich rückgängig machen und meinen Speedport-Router aus dem Entertain-Paket auch noch nachher einfordern. Es kostete mich bloß ein paar Besuche beim T-Punkt (um zwischenzeitlich online bleiben zu können, hatte man mir dort angeboten, für ein paar Tage einen einfachen Router zur Probe zu kaufen und ihn während meiner zwei Wochen Rückgabezeit dann zurückzubringen), böse und teure Minuten an der Hotline und zehn- bis dreißigtausend Nerven. Achja: Und 50 Euro. []
  4. Lokaler Mirror. []
  5. Häufig wohl bei 16plus-Leitungen der Fall. []
  6. Danke, André. []

7 Gedanken zu „Fritzen, oder wie man aus einem Speedport eine FRITZ!Box macht (feat. Internetgenialität)

  1. Kann gut sein, dass mir das dann auch irgendwann bevorsteht, weil meine FritzBox nicht unbedingt schnell genug für VDSL ist. Aber das wird sich dann noch rausstellen – danke auf jedenfall für das Aufschreiben.

  2. hi and, habe versucht mein speedport W701V zu fritzen. Ging leider nicht, weil unteranderem der link auf das script http://www.ip-phone-forum.de/showpost.php?p=1001373 nicht mehr korrekt auf die entsprechenden Verzeichnisse zeigt. Hast du da noch einmal ein update dafür? Wäre toll, Danke, Oliver

    https://freetzlinux.svn.sourceforge.net/svnroot/freetzlinux/trunk/speed-to-fritz ***** sp-to-fritz.sh vs speed-to-fritz *****
    ggf hängt es noch woanders

  3. Hi,
    auf der svn-seite gibt’s einen Tarball (ein Archiv mit allen benötigten Dateien):
    http://freetzlinux.svn.sourceforge.net/viewvc/freetzlinux/?view=tar

    Das muss man auspacken und in das erzeugte Verzeichnis wechseln (im Terminal)
    darin gibt’s ein Skript was so ausgeführt wird: >>$ ./download-sp2fr.sh <<

    Darin muss man noch nach ein paarmal "Enter" sein Modell auswählen und dann, mit "Exit" wird eine Fw_C… .image" erzeugt im Unterverzeichnis ./freetzlinux/speed-to-fritz/Firmware.new/

    Das muss dann nur noch im Speedport per Firmwareupdate hochgeladen werden. fertig

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