Top Things 2008: Alben

Es gehört sich ja so. Das Jahr geht zu Ende und kurz bevor man mit herausschnellenden Sektkorken gegen das mitternächtliche Feuerwerk anzukommen versucht, da macht man sich noch mal Gedanken darüber, wie denn das letzte Jahr so war. Rein popkulturell.
Ich natürlich auch.

Letztes Jahr habe ich noch zeilenweise für jede Platte groß ausgeführt, warum sie mir gefiel.
Mach ich 2008 nicht. Lieber kurz und bündig, zumindest für diesen Teil des Rückblicks — und zumindest meistens.

Das Lustige ist ja: Wenn man so drüber nachdenkt, was man im letzten Jahr gut fand, man tendenziell immer neuere Dinge bevorzugt. Tothörfaktor und sowas.

Wie immer repräsentiert die Reihenfolge zwar grob meinen Geschmack, ist aber nicht als klassische Topliste zu sehen; weiter vorne heißt zwar besser, aber Platz zwei und drei könnten beispielsweise genauso gut vertauscht werden.
Die Links über den Albumnamen sind allesamt Amazon-Partnerlinks.
Noch was?! Nein!

MGMT – Oracular Spectacular
Ist zurecht auf allen wichtigen Toplists entweder im oberen Zehntel vertreten oder ganz oben. Tolle Stücke sind drauf, die erfrischend neu sind. Allen voran natürlich das hervoragende „Kids“ — und die Stücke in ihren diversen Soulwax- und Justice-Remixen. Awesome2. Schade, dass das Konzert von MGMT in Köln so dermaßen langweilig war.

Jason Mraz – We Sing. We Dance. We Steal Things.
Dieser Mann kam irgendwann aus dem völligen Nichts. Mit »I’m Yours« machte er sowas wie einen Sommerhit. Viel besser gefällt mir allerdings Nummer 1 der CD: »Make It Mine«. Easy-listening mit eingänglichen Texten und der wunderbaren Stimme des Herrn Mraz. Könnte ich den ganzen Tag mitsingen.

Fettes Brot – Strom und Drang
Fast völlig vergessen. Anfang des Jahres veröffentlichten die Hamburger ihr neues Album. Tolle Sprachakrobatik mit tollen Rhythmen. Den Anfang machte damals »Bettina, Zieh Dir Bitte Etwas An«, das man entweder schrecklich oder toll fand. Der Beat dazu kam von den Elektronikern von Modeselektor, was für mich heißt … dass ich es entweder schrecklich oder toll fand. Ich war mir da selbst unsicher.

Keane – Perfect Symmetry
Keane ist eine meiner Lieblingsbands. Aber als ich das Album das erste Mal hörte? Ohje! Genauso mit der vorhergeschickten Singleauskopplung »Spiralling«. Beim ersten Hören fand ich’s schrecklich. Aber sowohl »Spiralling«, wie auch »Perfect Symmetry« haben sich irgendwann warmgehört. Ich mag’s.

Polarkreis 18 – The Colour of Snow
Jaaa. Die Jungs aus Dresden sind ziemlich durchgestartet dieses Jahr. Platz-1-Hit mit »Allein, allein« inklusive. Darf ich kurz mal was loswerden? ICH KANNTE SIE SCHON VORHER! Polarkreis 18 sind die einzige Band, von der ich ein Band-T-Shirt im Schrank liegen habe. Vom ersten Album, natürlich. Aber genug des Elitärtums. »The Colour of Snow« ist weniger experimentell und weniger elektronisch als sein Vorgänger, in einem Musikmagazin würde man vielleicht ‚poppiger‘ sagen. Aber das Album ist natürlich trotzdem hervorragend, ich kann’s immer wieder hören und finde es jedes mal spannend. Allein das Schlagzeug bei »Tourist« …1

Black Kids – Partie Traumatic
Klingt sehr kitschig. Die Gitarren, Sänger und Sängerin. Wie aus einem knallbunten Cartoon. Und das gefällt! Herausragend natürlich »I’m Gonna Teach Your Boyfriend How To Dance With You«.

The Kooks – Konk
Das zweite Album um den Menschen, mit der lustigen britischen Vernuschelstimme und dem fetzigen Haarband. Fand ich erst auch gar nicht so gut, aber dann habe ich mich irgendwann reingehört. Bleibt ein Stück hinter »Inside In/Inside Out« zurück, ist aber trotzdem noch sehr hörbar.

Hot Chip – Made in the Dark
Auch eine dieser Bands wie MGMT, die es mit ihrer Mischung von Elektronischem und Pop in den Mainstream geschafft haben. Tolles Album. Das Konzert in Köln fand ich (ähnlich MGMT…) nicht sooo sehr gut, aber etwas sehr Sympathisches habe ich dort festgestellt: Das sind verdammt nochmal alles NERDs!

Snow Patrol – A Hundred Million Suns
Eigentlich sind Snow Patrol mir ja viel zu seicht. Aber dann schaffen sie es doch immer wieder, mit ihren tollen Arrangements und wachsenden Stücken sich in mein Ohr zu spielen. So auch bei »A Hundred Million Songs«. Feststellung am Rande: Kein Stück endet so, wie es anfing.

Peter Fox – Stadtaffe
Seeed mag ich nicht. Peter Fox wohl irgendwie schon. Hip-Hop mag ich nicht2. Peter Fox schon. Macht Spaß zu hören.

Coldplay – Viva La Vida or Death and All His Friends
Coldplay war schon mal besser. War schon mal viel besser. Aber nach ein paar Tagen Einhörzeit ist mir auch mit ihrem letzten Album warm geworden.

Thomas D – Kennzeichen D
Das ist deutscher Hip-Hop, wie ich ihn mag. Gut, Herr D ist von den Fantas, da hat er sowieso schon mal ein Stein in meinem Musikknochen. Aber was er da als Soloalbum abgeliefert hat, das ist interessant und hat tiefgründige Texte.

Mr. Oizo – Lambs Anger
Krawall! Mr. Oizo kennt man noch von »Flat Beat«, mit diesem lustigen kleinen Etwas3, was zum Takt headbanged. Headbanged? Jeder Radiomoderator wäre stolz um diese Überleitung: Mr. Oizo ist jetzt auf dem französischen Ed-Banger-Label, was sich 2007 durch Justice, Uffie und Digitalism einen Namen gemacht hat. Und genauso hört sich der neue Mr. Oizo auch an. Knarztechno-ig. Kurze, kompakte Stücke. Aber alle haben ihr gewisses Etwas, für das man sich jedes Mal ärgert, dass es schon vorbei ist.

The Ting Tings – We Started Nothing
Braucht man nicht viel zu sagen. Eine, der Newcomer-Bands 2008. Einfache Stücke, die umso mehr eingänglich sind.

PeterLicht – Melancholie und Gesellschaft
»Alles was Du siehst gehört Dir« ist ein wunderbarer Song, bei weitem der beste auf dem Album. Aber auch der Rest macht dem Albumtitel alle Ehre. Leicht traurige und depressive, dann aber doch wieder sehr fröhliche Stücke von dem Mann, mit dem unbeschreibbaren Genre.

Deichkind – Arbeit nervt
Deichkind auf dem Southside war das Highlight des Festivals. Wir, bekleidet mit Müllsäcken, um die Wette mit dem Schweiß4 hüpfend — und Deichkind vorne, mit dem Schlauchboot über die Menge hinüber. Unglaublich. »Arbeit nervt« ist zwar nicht so gut wie das Konzert, aber es sticht einfach perfekt in die Deichkind-Nische. Stampfende und simple Beats mit auf-die-Fresse Texten. Toll.

The Killers – Day & Age
The Killers halt. Wahrlich nicht ihr bestes Album, aber allein wegen »Human« muss es hier stehen. Aber nicht zu unrecht zum Schluss.

Nicht 2008 erschienen, aber von mir in diesem Jahr trotzdem sehr häufig gehört und deswegen einen Grund auf erwähnung:
Soulwax – Most of the Remixes5
Mit diesem Album bin ich dann schlussendlich ein Fan von den beiden Belgiern geworden. Unglaublich, was sie aus schon herausragenden Stücken noch herausholen können. Wie sie ihren eigenen Touch einfließen lassen können, ohne dass es langweilig wird oder auch nur ähnlich klingt. I ♥ Soulwax.
Nachtrag, 6. Januar 2009: Als ich in der nächsten Kategorie meiner „Top Things 2008“ die last.fm-Statistiken von mir ausgewertet habe, ist mir aufgefallen, dass ich ein Album einer Band völlig unterschlagen habe: Stars – In Our Bedroom after the War. Ein großartiges, 2007 erschienenes Album, was, fast schon episch, aber eigentlich alles andere als das, ein riesiges Spektrum der Dramatik aufspannt. Es sind so viele tolle Stück drauf! Lohnt sich! Sehr!

Weiter geht’s in den nächsten Tagen. Wenn ich mich von Silvester erholt habe.

  1. Und Polarkreis 18 schaffen es lustiger weise, Deutsch und Englisch zu vermischen, ohne das es albern ist. Respekt. []
  2. Das muss ich revidieren: Ich mag schon Hip-Hop, nur bin ich da seeeehr wählerisch. Aber ich brauchte die Wortfolge für den Vergleich, da war kein großer Platz für „aber“. []
  3. Flat Eric! []
  4. Die Sonne war schließlich durch ein im Weltraum stationiertes Linsenglas auf diesen Punkt der Erde konzentriert — anders war das absolut gute Wetter kaum erklärbar! []
  5. Und damit’s auch mal wo steht, es folgt der komplette Titel: Most of the remixes we’ve made for other people over the years except for the one for Einstürzende Neubauten because we lost it and a few we didn’t think sounded good enough or just didn’t fit in length-wise, but including some that are hard to find because either people forgot about them or simply because they haven’t been released yet, a few we really love, one we think is just ok, some we did for free, some we did for money, some for ourselves without permission and some for friends as swaps but never on time and always at our studio in Ghent. []

6 Gedanken zu „Top Things 2008: Alben

  1. also ich möchte behaupten Peter Licht ist nicht Tanjas Baustelle 😀 aber gut…ich wollte an sich nur mal loswerden, dass ich hier doch irgendwie mehr kenne, als bei den Songs…oh und das ich das Phänomen Deichkind bis heute noch nicht verstanden habe 😉

Kommentare sind geschlossen.