Nee, nee – „nen“, ne? — Andi hilft beim richtigen Abkürzen

Weil ja jede Zeile in diesem Internet, jedes einzelne Wort und jeder noch so kleine Buchstabe Unmengen an Geld und Platz und sowieso kostet haben britisch-philippinische Rebellen 1879 in einer unterirdischen Salzgrotte extra für das Internet sogenannte „Abkürzungen“ erfunden.
Unter diesem unbekannten Phänomen versteht man das Ersetzen von subjektiv langen Worten durch kürzere Substitutionen, manchmal sogar optisch oder phonetisch artverwandt. Diese Ersetzung findet möglichst eindeutig statt.

Eine ganz besonderes Abkürzung möchte ich mir herauspicken, denn die führt immer wieder zu Verwirrungen. Und schließlich ist es mein persönlicher Auftrag, die Welt ein wenig unverwirrter zu verlassen, als ich sie vorgefunden habe. Glaub ich. Vielleicht jedenfalls.
Es geht um „nen“, „ne“ und „n“1.
Dies sind, wie der gemeine Leser dieses Blogs2 recht schnell herausgefunden hat, Abkürzungen für „einen“, „eine“ und „ein“.
Simplerweise hat der Erfinder dieser Abkürzungen einfach die ersten beiden Vokale („ei“) am Wortanfang weggelassen3.
Aus „einen“ wird „nen“, aus „eine“ wird „ne“ und, richtig geraten, aus „ein“ wird „n“.

Viel zu häufig sieht man4 geradezu tierqualhaftes Falschbenutzen der Abkürzungsformen. „Ich hab da mal nen Frage/Problem/Deutschunterricht.“, „Gib mir mal ne Brötchen!“. Weitere Beispiele erspare ich aufgrund allzu großer Sprachbrutalität5.

Aber Falschbenutzen muss nicht sein! Nein! Andisblog hilft!

Denn wann nun welche Abkürzung einzusetzen ist, wird aufgrund von ISO49373 nach einem einfachen, griechischen lateinischen Schlüssel entschieden. Dieser Schlüssel heißt Genus, oder im Ruhrgebiet Geschlecht. Ihr erinnert euch? Jedes Substantiv hat ein Geschlecht. Der Präsident, die Finanzkrise, das Problem.
Und genau mit diesem Geschlecht wird auch entschieden, welche der drei möglichen Abkürzungen nun in Frage kommt.

Nen Präsidenten.
Ne Finanzkrise.
N Problem.

Wenn ihr im Sprachgebrauch „einen“ sagen würdet, dann ist die richtige Abkürzung „nen“, „ne“ für ein gemeintes „eine“ – und das würgereflexartige „n“ steht dann, wenn ihr „ein“ benutzen würdet und es wirklich sein muss…

Eigentlich simpel, oder?

Und jetzt, liebe Grammatikkinder, geht raus und verbreitet das richtige Geschlecht!

  1. Über deren Benutzung kann man sich streiten. Ich persönlich versuche es zu vermeiden, schließlich sind es nur zwei Buchstaben mehr zu tippen. Aber immer schaffe ich das leider auch nicht… []
  2. Schließlich seid ihr die intelligentesten Leser der Welt. Mindestens. []
  3. … und so bei 2/3 der Worte, um die es hier geht, die Silbenanzahl um 50% verringert. Das ist im Sprachfluss gar nicht mal so wenig! []
  4. Man? Ich! Mit meinen Weltverbesserungsrechtschreibfehlererkennungsblick. Oh, ich meinte natürlich Weltverbesserungsrechtschreibfehlererkennungsawesomenessblick. []
  5. Und weil es wirklich schwer fällt, sich welche auszudenken. DIY! []

47 Gedanken zu „Nee, nee – „nen“, ne? — Andi hilft beim richtigen Abkürzen

  1. sauber, es gibt nix wobei sich mir so sehr die zehennägel aufrollen wie Sachen wie „nen Problem“ oder so. Wobei, irgendwann fängt man einfach aus purem Selbstschutz an, seblst so zu schreiben, damit man sich dran gewöhnt. Aber… argh, als wenn Leute nicht lesen würden, was sie für nen Mist schreiben, schlimm sowas ;).

  2. Pingback: eayz.net
  3. Andi, du schreibst dir mal wieder ne ganz schönen Mist zusammen. Glaub mir, ich hab n vollen Überblick dabei. Außerdem bin ich mit nem ganzen Portion Awesomeness ausgesattet, nä?

  4. Ich setze bei den Lesern meines Blogs voraus, dass sie diese kleine Rechtschreibtücke beherrschen 😉

    Aber ein sehr schönes Wort, der „Weltverbesserungsrechtschreibfehlererkennungsawesomenessblick“!

  5. Oh ja, das ruft bei mir auch regelmäßig Krämpfe hervor; wobei ich meist über nen statt n stolpere und den leisen Verdacht hege, daß den jeweiligen Schreibern Wörter ohne Vokale (und auch fast ohne Konsonanten) unheimlich sind.
    Ach so, und es muß natürlich griechischen heißen 😛

  6. @Vreni: Ja, voraussetzen ist das Eine. Weltverbessern ist das andere ;D. Ja, für das Wort habe ich mir viel Mühe gegeben!

    @Ansgar: Du hast recht, viel häufiger als „n“ wird „nen“ benutzt. Aber ich wollte es der Vollständigkeit trotzdem reinbringen (auch wenn ich ernsthaft über das Gegenteil nachgedacht habe!). Danke für den Fehler, ist korrigiert!

  7. lieber andi,

    du sprichst mir aus der seele. genau darüber rege ich mich auch ständig auf.
    hab kein plan, ab leute das mit absicht oder aus purer dummheit machen…
    aber es nervt total. hab den link zu diesem artikel gleich mal an solche kandidaten geschickt, die es immer noch nicht gecheckt haben.
    ein ganz dickes DANKE an dich!
    sorry, dass ich hier alles klein schreibe. du siehst, was das internet/email mit mir gemacht haben. sowas finde ich aber nicht so schlimm wie o.g. falschgebrauch von „nen“, „ne“ und „n“.
    ich hoffe, dass dieser artikel genügend menschen erreicht und dass die netzwelt dadurch ein kleines bischen besser wird.
    danke nochmal.

    MRCSN

  8. Hallo Andi,

    ich hatte die Hoffnung ja schon fast aufgegeben, daß es auch noch andere gibt,denen diese „nen“ – Schreiberei quer runtergeht. Ich bin froh, daß ich nicht alleine bin! Mit Deiner Erlaubnis werde ich diesen Link überall dort einfügen, wo es mir angebracht erscheint (also in fast ALLEN Foren, in denen ich unterwegs bin…).
    Wenn nur einer ihn benutzt, habe ich schon was erreicht!

    Gruß Jens

  9. Den Kampf gegen den Deppenapostroph habe ich mittlerweile aufgegeben („nicht’s ist schöner als der“ oder „Futter’n wie bei Mutter’n“). Aber noch habe ich die Kraft, mich gegen diese dämliche ’nen‘-Schreiberei aufzulehnen. Macht alle mit!

  10. RRaaaaaaaaaaaaaaaaahhhh!!!!!
    Danke für dein Posting,
    Ich könnte jedesmal explodieren, wenn jemand ’nen‘ an der falschen Stelle bringt,
    gerade sogar im Forum unserer Uni… aaaaaaaaaaAAAAAAaaaaauuuuuuuuuuuu

    Sorry musste sein.

  11. Von mir aus könnten die Leute auch einfach alles mit „n“ abkürzen. „Ich kauf‘ mir heut‘ ’n Fernseher“. Dann hat man einfach mehr von dem Wort „einen“ weggekürzt, wäre ja auch zulässig. Aber „Ich kaufe mir ’nen Eis“ GEHT HALT EINFACH GARNICHT! 🙂

  12. 1.: DANKE für diesen Post! 😀 Sehr schön 🙂

    2.: Aber: Wenn „genus“ /griechisch/ wäre, hieße es „genos“. So ist es aber leider lateinisch 😉

  13. Andi, du hast noch den zweiten Schlüssel vergessen, den Kasus (auch lateinisch)
    Wenn nämlich jemand kommt und schreibt „der Obama ist nen Präsident“, leitet das genauso zum Kreischen an

    außerdem gibts dann noch die vierte und fünfte Form nem und ner

  14. nem und ner wäre dann Dativ 🙂

    Aber das wird (soweit ich es beurteilen kann) sowieso nie falsch geschrieben…
    Ich glaube, so blöd ist dann auch niemand 😉
    z.B. Ich habe nen Neuling geholfen… nun ja…

    Wieso fällt mir diese blöde Werbung ein? Da werden sie geholfen!

  15. Kann man‘ so oder so sehn‘. Is aber auf jederfalls nerfig, wenn alle all’s falsch schreiben, oder nen? Das wiegt je nach ob Du von linkerhand schau’st oder rechten. Auf jederfalls kuler block das. Kamma was lern’n.

  16. Deine Ausführungen sind grammatikalisch korrekt und arg überfällig bzw. notwendig. Bei einer Sache muss ich allerdings noch etwas anmerken, und zwar:

    Nen Präsidenten.
    Ne Finanzkrise.
    N Problem.

    Am Satzanfang schreibt man – wenn ein Apostroph gesetzt wird – trotzdem klein! (’nen Präsidenten zu wählen, …) Das ist wichtig zu wissen und gehört zu den wenigen Ausnahmen in der deutschen Sprache.

    Ebenso bei Namen wie z.B. Johann Wolfgang von Goethe. Beginnt man einen Satz mit „von Goethe“ (Goethe ohne VON geht natürlich auch), so schreibt man klein. Also:

    Ich bin ein guter Dichter. von Goethe war jedoch ein Genie!

    Grüße

  17. ja! endlich mal jemand der sich auch über ’nen‘ aufregt! kotzen könnt ich wenn ich das lese, gerade mal wieder ’nen besseres immunsystem‘ gelesen…

    aber, eine kleine sache muss ich doch anmerken. du schreibst:
    „Gib mir mal ne Brötchen!“ das wiederum, kann man ja auch so als kohlepot-slang oder so interpretieren ‚jib mir mal ne brööötchen‘

    ähnlich is auch n im falschgebrauch nich so problematisch, wenn man zum beispiel sagt ‚gib mir mal n apfel‘, dann schreibt man nicht unbedgint ‚gib mir mal nen apfel‘, weil wenn du das mal so schnell vor dich hinsprichst, sagst du ja „gib mir mal’n apfel“

    bei nen allerdings, da stimme ich dir voll und ganz zu, krieg ich würgreize, weil das passt hinten und vorne nich. aber bei bei ’ne‘ und ’n‘ nicht ganz so schnell vorurteilen sonst gehts nämlich nach hinten los und sitz es wa

  18. DANKE.

    Ich werde immer ganz wahnsinnig…… ja fast schon aggressiv, wenn ich lese, wie sich das immer mehr verbreitet.
    Was ist nur aus der deutschen Sprache geworden?
    Abkürzungen sind ja OK, aber dann sowas…

    Vor allem scheint es immer mehr fast zur Regel zu werden.

    Was mich aber gleichermaßen zur Weißglut treibt, ist das hier:

    WEN – WENN
    DEN – DENN

    Fazit:

    „An wenn kann ich mich den hier wenden wen ich nen Problem habe mit denn N’s?“

  19. Ist diese „nen“ statt „n“ – Unsitte nicht Berliner Ursprungs? Da sagt das jedenfalls so gut wie jeder und ich könnte jedes mal ins Essen kotzen. Normalerweise finde ich Dialekt-bezogene falsche Grammatik sympatisch (z.B. „dat is ne grosse grosse dunkle Raum“ oder „Komm ma lecker bei mich bei“ o.ä.) aber bei dieser Unsitte könnte ich, habe ich das schon erwähnt, JEDES MAL INS ESSEN KOTZEN!!!!

    Menschen sind halt Schwachköpfe, Menschen essen Blutwurst, um es mal mit Bill Murrays Worten in einem der großartigsten Filme aller Zeiten zu sagen.

  20. warum denn „nen präsidenten“? im nominativ wäre der unbestimmte artikel hier doch „ein“ und abgekürzt dann also „n“ ? …. „nen präsidenten“ kommt von „einen präsidenten“ und ist doch akkusativ (und ein unregelmäßiger dazu).

    und ansonsten DANKEEEEEEEEEEEE!!!!!!! 🙂

    1. Ja, Susanne, ich gebe zu, dabei habe ich ein wenig geschummelt. Aber ich wollte zeigen, dass es eben auch beim Deklinieren vorkommen kann :).

  21. Was bin ich so dankbar, dass es Menschen gibt, die unangenehme Dinge beim Namen NENnen 😉

    Ich find’s auch grauenvoll, dieses „nen“ am falschen Platz. Ich habe noch nie gehört, dass jemand GESAGT hätte: „Ich hab ’nen Problem.“ Warum in aller Welt schreiben die Leute das dann bloß?

    „Ich hab‘ ’n Problem.“ Das sagt doch eigentlich jeder so. Warum ist es so schwer, dass dann so zu schreiben?

    Das Schlimmste ist ja: Wenn man die betreffenden Kandidaten explizit darauf hinweist, reagieren sie meistens äußerst pikiert.

    Jedenfalls werde ich diesen Link auch bei Gelegenheit mal zu erwähnen wissen.

  22. Pingback: Anonymous
  23. Danke für diesen Blog!!
    Ich werde den link weitergeben!

    Und leider höre ich es es immer öfter, daß die Leute auch „nen“ sagen, statt es „nur“ zu schreiben.
    Wehret den Anfängen…grusel…..

  24. Prima. Das musste mal gesagt werden. Ich werde den Link an alle T9-verseuchten Trottel schicken 🙂
    Auf das die Welt besser werde.

  25. ich hab „nen“ gegoogelt um zu schauen ob ich der dumme bin der nicht versteht warum im Forum „kommt nen anderer Artbeiter vorbei“ geschrieben wird. Außerdem hab ich schon öfters die falsche benutzung dieser wörter gelesen und das hat mich total verwirrt.

    Danke Andi

  26. Da stolpert man über einen eigenen simplen Tippfehler in dieses , nunja, achso wichtige Forum ode Blog oder wie immer das in NeuDenglish gerade lauten soll.

    Wenn Ihr im Detail schon unsere Muttersprachen retten wollt, warum regt ihr denn über das eigentliche Übel nicht auf ?

    Anglizismen ! Kein Mensch spricht mehr Deutsch in diesem Lande!
    (Über das von Stefan Raab & Co geförderte Türken-Deutsch wie: „ey,alter, was geht ab“ schweige ich hier lieber (Wobei ich hier nicht die in unserem Land lebenden Ausländer in keinster Weise verunglimpfen möchte, denn ich bin selber durch meine Wurzeln nur zu einem kleinen Teil Deutscher) )

    Puhh, langer Nebensatz 🙂

    Besonders grauenhaft empfinde ich Wörter wie. „Gecanceld, , gesponsort, briefing, after work meeting, und nicht zu vergessen der berühmte: „Facility-Manager“ , oder das „Public Viewing“. Solche Beispiele könnten seitenweise weiter zitiert werden, aber hier stellt sich mir nun wieder eure Frage: „Ja, regt sich denn darüber keiner mehr auf?“ LG Michael

  27. @Michael: Ich muss dir zustimmen, es gibt noch viele weitere Probleme in der deutschen Sprachen, die man angehen könnte. Aber ich finde, sowohl Denglisch, alsauch das verwaschene Asi-Deutsch sind bereits bekannt ;).

  28. Das hat mir auf jeden fall geholfen habe mich immer gewundert was die Leute da für nen Mist schreiben aber eigentlich ganz simpel zu verstehen

  29. Um das hier mal wiederzubeleben:

    Was sagt Ihr denn dazu, dass falsch benutztes NEN inzwischen sogar in der deutschsprachigen Popmusik Einzug findet? Und dann auch noch im Refrain eines Liedes. So geschehen in Cluesos 2011er Smash Hit „Beinah“, in dem er mehrmals geradezu provokant „Tja, so nen Pech“ singt. Das ist doch einfach nur verantwortungslos von jemandem, der als z.B. auf Eins Live mehrmals täglich gespielter Popstar auch eine gewisse Vorbildfunktion in Deutschland innehat. Millionen von nen-falsch-Benutzern in Deutschland fühlen sich, wenn sie das im Radio hören, doch nur bestätigt in ihrem scheiss „ich hab nen Problem“, „heute ist nen schöner Tag“ und eben mit „so nen Pech“.
    Der Song ist durch sein Verdummungspotential als jugendgefährdend einzustufen und hätte letztes Jahr direkt von der BPjM indiziert werden müssen.

  30. @Spieler Eins
    Au weia, da sagste was …
    Ich geh jetzt mal ne Schrote kaufen, hat keinen Sinn mehr …

    @Michael Björnson
    Ich finde die meisten Anglizismen jetzt nicht besonders schlimm, Englisch ist ist halt einfach die COOLERE Sprache 😀
    Insbesondere bei z.B. wissenschaftlichen Fachwörtern finde ich es unnötig, krampfhaft deutsche Versionen zu kreieren (z.B. statt „96-well Platte“ „96-Napf Platte“!).
    Absolut schlimm hingegen finde ich völlig wiedersinnige und/oder albern-klingende Direktübersetzungen aus dem Englischen ins Deutsche, z.B. „Papier“ statt „Paper“ (für eine wissenschaftlichen Publikation) oder „am Ende des Tages“ für „at the end of the day“ **Schüttel**

  31. Yep…ich bekomme jedesmal Anfälle, wenn ich sowas lese…vorhin erst wieder: ich hab da nen Nest unter dem Auto…

    es heißt nicht einen Nest sondern EIN Nest!!

    Das macht mich total aggressiv 😀

  32. Mich nervt das auch. Ebenso stört es mich, wenn 90% der Schreiberlinge ein „ne“ statt einem „nee“ schreiben. Und noch mehr nervt es mich, wenn man bei einer Korrektur blöd angeguckt und mit den Schultern gezuckt wird. Und tatsächlich – der Duden genehmigt das „ne“ sogar noch. Schweinerei!!!

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