Buch: Douglas Preston – Credo

Achtung, ganz leichte Spoiler voraus…
Wyman Ford war mal bei der CIA. Doch dann passierten Dinge, geheime Dinge, die ihn zum Verlassen des Vereins brachten. Er ging sogar zwei Jahre ins Kloster. Zurück zu Hause gründet er eine private Detektei – deren Aufträge allerdings ausbleiben. Bis er eines Tages zum wissenschaftlichen Berater des Präsidenten bestellt wird. Dieser hat einen Auftrag für ihn: Er soll bei einem neuen, großen Projekt in einem Navajo-Reservat den Vermittler zu den Einheimischen spielen. Außerdem soll er, undercover sozusagen, herausfinden, was da bei dem Projekt los ist, dass es immer noch keine Ergebnisse geliefert hat. Ford sträubt sich, nimmt den Auftrag aber schließlich an.
Das Projekt, um das es geht, ist ein Teilchenbeschleuniger. In dem Ding namens Isabella werden kleinste Teilchen im Kreis angeschupst, bis sie quasi Lichtgeschwindigkeit haben. Dann lässt man sie mit unglaublicher Energie kollidieren und beobachtet, was passiert. Dabei untersucht man in Isabella den Urknall – das Entstehen des Universums. Für 40 Milliarden Dollar wurde der Teilchenbeschleuniger als Antwort auf das CERN in der Schweiz gebaut. Es ist tief eingebettet in die alten Strukturen einer Kohlemine des Red-Mesa-Hochplateus, umgeben von einem Navajo-Reservat.
Das wissenschaftliche Mastermind hinter dem Ringbeschleuniger ist Gregory Hazelius. Nach Nobel- und anderen Preisen und Auszeichnung kam dieser nach dem Tod seiner Frau mit den Plänäen für den nie dagewesenen Teilchenbeschleuniger aus einer zweijährigen Versenkung zurück. Sein Stab besteht aus zwölf, von ihm handverlesenen Wissenschaftlern – allesamt die Besten ihres Fachs. Darunter auch Fords ehemalige Liebe Kate.
Ford findet heraus, dass die Wissenschaftler glauben, etwas wie Gott im Zentrum der Teilchenkollision gefunden zu haben. Es muss aber ein weiterer Test, dieses mal ein viel ausgiebiger Test her, um „K-Null“ genauer zu untersuchen.
Während das Team um Hazelius weiter fleißig an ihren Computern in der Wüste Arizonas rumschraubt, ruft der christliche Fernsehprediger Don T. Spates zum Kampf gegen die sekulären Humanisten von Isabelle auf, die dort schließlich mit Milliarden staatlicher Mittel die einzige Wahrheit der Enstehung der Menschheit (nämlich die Biblische) wiederlegen wollen. Seine rechte Hand im Navajo-Reservat ist Pastor Eddy. Dessen Glaube steigt ihm aber schnell zu Kopf und er schickt groß angelegt eine E-Mail an praktisch das ganze christliche Internet. Kurz darauf stehen tausende gewaltbereiter Christen vor den Toren der Red Mesa, bis unter die Zähne bewaffnet mit Schusswaffen und Kochlöffel – bereit, die Titantüre zum Teilchenbeschleuniger zu Stürmen und alle ungläubigen Blasphemiker brutal zu töten.

Ganz schön lange Inhaltseinleitung. Für so ein blödes Buch.

Im Stil von Dan Brown’s Erfolgsgeschichte vermischt Preston in Credo Wissenschaft und Glaube. Urknall-Forscher vs. rechte Terrorchristen1. Dabei greift er das trendige Thema des Teilchenbeschleunigers auf (im CERN wird der größte Teilchenbeschleuniger der Welt am 10.9. in Betrieb genommen – übrigens unter nicht zu knapper Beteiligung der USA). Tatsächlich gibt es auch bei dem Thema (sehr) kritische Stimmen, deren Befürchtungen sich um Schwarze Löcher und Weltuntergang drehen. Mit Sicherheit werden also auch ein paar Terrorchristen dabei sein, die im Teilchenbeschleuniger einen direkten Feind (also vielleicht sogar den Teufel) sehen.
Aber hallo!?
Doch nicht so. Doch nicht mit Tausend-Mann-Revolte. Mit Wallfahrts-Showdown. Das ist wirklich etwas zu dick aufgetragen, Herr Preston. Selbst innerhalb der im Buch etablierten Welt wirkt so eine christliche Eigenbewegung einfach nur künstlich. Einen Kreuzzug im 21. Jahrhundert stelle ich mir anders vor. Auch einen von Terrorchristen.

Und der Rest? Naja.
Die Charaktere sind relativ lasch gezeichnet, die Dramatik ist zumindest „ok“. Die Liebesbeziehung ist auch aushaltbar (bleibt aber hinter ihrem Potenzial zurück…).
Positiv herausheben möchte ich zwei Dinge. Zum Ende hin, als ‚Auflösung‘, als Gott des Teilchenbeschleunigers hat sich Preston eine tolle Theorie zurecht gezimmert. Doch, ja, das gefiel mir ein bisschen. Und dann war da der Versuch, Realtiät und Geschichte mit in das Buch einzuweben. Die Kultur und Leidensgeschichte der Navajo-Indianer. Der Schauplatz in der Mesa. Das war alles ok.

Trotzdem.
Das Buch hat mich nicht vom Hocker gehauen. Lies sich zwar ‚mal eben‘ lesen, aber hat wegen der Terrorchristen einfach zu viel aufgeregt.

  1. Tolles Wort. Kommt so nicht im Buch vor. Benutze ich aber jetzt trotzdem. []

5 Gedanken zu „Buch: Douglas Preston – Credo

  1. Ich denke, Dein Fazit passt zu den meisten Büchern von Preston (und Child), die ich gelesen habe. Trotzdem, für eine Zugfahrt nach einem anstrengenden Tag ist das genau das, was ich brauche.

  2. Ja, stimmt schon. Ich habe es ja immerhin auch zu Ende gelesen – ganz im Gegensatz zur Vermessung der Welt oder dem neuen Nick Hornby.
    SO schlecht ist es also tatsächlich nicht :).

  3. Haha ja sehr gute zusammenfassung. Du weißt schon das der LHC isabella heißt gell? Dann wird sogar genau gesagt warum wymann ausgestiegen ist. dann hast du vielleicht auch gelesen dass dieser priester hazelius für den antichristen hält ….. Und das isabella das „tier“ ,wie er es bezeichnet, ist…. Aber soweit ich weiß ist der teufel nicht das „tier“ des antichristen…. Und sie wollen nicht k-null untersuchen, das ist der punkt wo materie und antimaterie aufeinandertreffen…. Sie wollen herausfinden von wo „gott“ mit ihnen spricht….

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