Buch: Jack McDevitt – Die Suche

Chase Kolpath ist Archäologin. An der Seite ihres Chefs Alex Benedict forscht sie im Universum nach Hinterlassenschaften ausgestorbener Provinzen der Menschen. Durch einen Zufall bekommen sie eines Tages eine Tasse in die Hand, die das seltene Logo der Seeker trägt. Die Seeker war vor zehntausend Jahren im Jahr 2250 das erste (und größte) Schiff, was ins Universum aufgebrochen ist, um eine menschliche Kolonie zu gründen. Es wurde nie wieder gesehen, genauso wie seine Insassen. Nur Mythen gibt es über Margolia, so der Name der Zielwelt der Auswanderer, zu genüge.
Chase und Alex treten eine Suche nach dem größten Schatz im Universum an, der nicht nur Hinterhalte, lebensbedrohliche Situationen und einen Besuch bei den Stummen (der einzig bekannten weiteren intelligenten Bewohner im Universum; ziemlich fies anzuschauen, aber eigentlich ganz umgänglich) mit sich bringt.

Der Autor Jack McDevitt ist ein relativ großer unter den Science-Fiction-Autoren. Ich kannte ihn nicht – und so schnell werde ich auch kein Buch mehr von ihm lesen.

Die Suche (wieder mal ein lahmer deutscher Titel, der es nicht schafft die Doppeldeutigkeit des originalen „Seeker“ zu transportieren…) ist nett. Nicht gut, aber bei weitem auch nicht schlecht — einfach nur nett.
Die aus der Ich-Perspektive von Chase erzählte Geschichte tröpfelt so vor sich hin. Dabei ist der Stoff eigentlich gut: Eine Schatzsuche in ferner Zukunft, in der es noch genug Menschliches gibt, dass man sich nicht unwohl fühlt, die aber auch mit neuen futuristischen Sachen aufwarten kann. Das Springen von einem Hinweis zum Nächsten. Das Tüfteln. Die Gefahren (auch hier: konservative Gefahren, wie simple Verräter und futuristische Gefahren, wie das Reisen in ein außerirdisches Universum). Wirkt wie ein Indiana Jones in der Zukunft. Das heißt: Könnte so wirken.
Denn im Gegensatz zu Indiana Jones fehlt der Erzählweise der Elan. McDevitt spult die Erlebnisse von Chase ab. Stück für Stück. Stellt euch vor, Steven Spielberg wäre beim Dreh dauerhaft auf Valium gewesen. Der Film, der dabei herausgekommen wäre, der beschreibt das Gefühl, das ich beim Lesen von Die Suche hatte.

Andersrum ist das natürlich nicht so schlecht. Nicht jedes Buch muss die Grenzen erneut austesten und erweitern. Denn Die Suche ist solide geschrieben und stellt routiniert das Abenteuer dar. Und ein paar gute Ideen hat McDevitt auch in der Hinterhand. Zum Beispiel die Frage, um die es sich in der Mitte des Buchs dreht: Was wäre, wenn alle Menschen die Gedanken der anderen kannten? Was wären Menschen, ohne Lüge und Betrug?
Die erfundenen Zitate am Anfang jedes Kapitels sind durchweg seltsam und ich habe absolut keine Ahnung, was ich von ihnen halten soll.

Wenn man nicht viel nachdenken will und mal eben ein Taschenbuch verschlingen will (z.B. nach einer durchgefeierten Nacht oder wenn man vom Besuch von Orion wieder mal so gerädert zurückkommt), dann kann man mit Die Suche eine durchaus angenehme Lektüre finden.
Für mehr taugt sie aber nicht.1

6 von 10 Archäologieraumfahrten

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  1. Erst recht nicht das Cover! Oh. Mein. Gott! Word-Art meets Clipart-Galerie meets schlechten Geschmack meets talentlos. Wer kauft sich bitte nach so einem Cover das Buch!? Viel zu hässlich. Sowieso, das scheint so ein Sci-Fi-Problem zu sein: Immer wieder schlechte Cover. Und zwar so richtig schlechte. []

5 Gedanken zu „Buch: Jack McDevitt – Die Suche

  1. Nein, nicht ganz. Diese Außerirdischengeschichte ist nur ein Teil (zwar ein durchaus Elementarer, aber die Geschichte würde genauso ohne die Involvierung der Außerirdischen funktionieren), die Zeitspanne ist nicht allzu groß und auch das Universum, was im Buch kreiert wird, würde ich nicht unbedingt als episch bezeichnen.
    Also das, wenn ich es an diesen Punkten festmachen würde, ich würde eher nicht sagen: Space Opera.

    Aber gewisse Züge weist das Buch wohl auf… Das stimmt.

  2. Ach den reine Klappentext finde ich jetzt aber an sich nicht so unspannend. Ich meine nicht, dass ich mir jetzt das Buch kaufen würde, aber es wäre bei mir ein klassisches „würd ich ausleihen“ – Buch…Ich warte ja noch auf DEN Buchtipp von dir, bei dem sogar ich denke, DAS muss man mal lesen 😉

  3. Wenn irgendeines der Bücher, die ich hier im Blog vorgestellt habe, das Prädikat „absolut empfehlenswert“ verdient hätte, dann wäre es Coruum (was ich wiederum von Michael blogempfohlen bekommen habe). Allerdings muss an dazu Science-Fiction mögen – mehr als man es hier bei Die Suche tun muss…

    Direkt danach kommt „Die Bibel nach Biff“, was einfach grandios komisch und an vielen Stellen einfach nur genial ist.

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