Die Demystifizierung der Uri-naissance

Man kennt das ja. Man kommt nach einem langen Tag auf der Turbinenteststrecke zurück, ist völlig geschafft und möchte nicht mehr viel machen. Man macht sich eine leckere frische Tütentomatensuppe warm und möchte sie bei der tollen Unterhaltung des deutschen Fernsehprogramms genießen. Man geht von der Küche ins Wohnzimmer, stellt die Suppentassen kurz auf dem Fernseher ab, macht den Fernseher an und, zack, da fällt die Suppentasse runter.
Natürlich genau auf die Marmeladenseite.
Man hat den Löffel in der Suppentasse stecken lassen. Und gerade lief Uri Geller im TV.
Anfängerfehler.

Aber dieses „Uri Geller“, wie funktioniert das eigentlich?

Nein: Wie funktioniert dieses Uri Geller eigentlich immernoch? Uri Geller geistert (!) ja nicht erst seit gestern durch die diversen anfälligen Medien des Diesseits. Vor vierzig Jahren, da beeindruckte der geistigerhaft Schmächtige das Weltpublikum von seiner TV- und Zeitungsbühne aus. Mit Löffelverbiegen. Mit Bildernachmalen. Mit Uhrenzumlaufenbringen. Glauben taten ihm das damals nur Wenige, ließen sich aber doch Einige von ihm unterhalten.
Und jetzt gibt es eine Urinaissance. Immerhin ist es mit Menschen so, wie mit Bambus: Wächst schnell nach. Eine ganze Reihe neuer, vermeintlich aufgeklärt-technisierter Generationen wabert im Äther, um von Gellers Schwingungen getroffen zu werden. Mit Löffelverbiegen. Mit Bildernachmalen. Mit Uhrenzumlaufenbringen. Und, 2.0: mit bunten Lichtern, gewichtigen Hintergrundmusiken und fetzigen Kamerafahrten.

In „The Next Uri Geller“ sucht man, wie das seit ein paar Jahren so in ist, in Form einer Casting-Show nach einem „Nachfolger“ Gellers. Wer meint, froh sein zu können, dass damit Mastermind Gellers Ära zu Ende sei, der hat sich getäuscht. Einem König der Täuscher gleich thront Geller am Rand der Bühne, kommentiert die Nachwuchsmagier mit lächerlich ernster und ernsthafter Mine und stellt immer auch sein eigenes Können unter Beweis. Durch Löffelverbiegen, durch Bildernachmalen, durch Uhrenzumlaufenbringen.

Und, tatsächlich sind genug Sprosslinge ins Land gegangen: Wieder vertrauen Menschen dem, was sie dort im TV zu Gesicht bekommen. Oder lehnen es zumindest nicht direkt und kategorisch ab. Für mich unbegreiflich.
Aber da dieses wunderschön anzusehenste Blog auch einen Bildungsauftrag, einen Aufklärungsauftrag hat1: Hier, alles, was man über Uri Geller und seine Fahrtwassershow wissen muss:

Alles Schwachsinn.

Ok, jetzt ernsthaft. Ich habe mal ein paar Videos und Texte herausgesucht, die Geller ein wenig entmystifizieren — eine kleine Sammlung von dem Gros, den man glücklicherweise im Netz findet:
(Die Videos gibt’s nach einander auch in einer YouTube-Playlist, eingebunden nach dem Klick.)

  • Wikipedia-Artikel zu Uri Geller himself und zur Next-Uri-Geller-Show
  • Uri Geller im Skeptic’s Dictionary, u.a. mit einem tollen Zitat des coolsten Physikers direkt nach Einstein: Richard Feynman
  • DAS Enthüllungsvideo schlechthin, irgendwann aus den 80er/90er von DEM Enthüller schlechthin, James Randi: „James Randi exposes Uri Geller and Peter Popoff„. Hier erzählt Randi von seinem ‚Kampf‘ gegen Geller und probiert sich an der Erklärung ein paar Tricks.
  • Oben genannter James Randi hat eine „James Randi Educational Foundation„, da kann man sich den Herrn Geller auch anschauen.
  • Im Israelischen TV hat Geller einen Kompass-beweg-dich-Trick gemacht. Dumm nur: Die Kamera hat ihn dabei eingefangen, wie er sich einen Magneten auf einen Finger der linken Hand gesteckt hat. Das Video wurde von Geller wiederholt probiert offline zu nehmen, aber der Uploader postet es immer wieder. The Video Geller Does Not Want YOU to seeyou.
  • Bei getrue.com hat man sich außerhalb des YouTube-Imperiums darauf verschrieben, Tricks von Magiern zu entlarven. Hier versucht man sich z.B. an einer Erklärung des Löffelverbiegens.
  • Wer etwas mehr Zeit hat, sollte sich diesen Mitschnitt eines Vortrags von James Randi auf der Skeptic’s Society Convention ’98 bei der Caltech Universität anschauen. In vier YouTube-Teilen grast Randi mit Videos einmal das ganze Illusionsfeld ab. Teile 1, 2, 3 und 4.

Besonders zum aktuellen Thema, der „The Next Uri Geller“-Show findet man viele Lösungen bzw. Lösungsansätze der Tricks.

Ja, der Bindestrich im Titel dieses Beitrags ist extra.


YouTube-Direktentgellern-Playlist

  1. An dieser Stelle bitte wer-wird-millionär-eske Dramamusik einbinden. []

7 Gedanken zu „Die Demystifizierung der Uri-naissance

  1. Also ich kann mich erinnern, dass man dem Mann schon „damals“ nicht geglaubt hat. Da gab es eine Sendung, in der ein anderer Magier aufgetreten ist und Uhren bei den Zuschauern gestoppt hat (oder so), eine Menge Leute haben dann beim Sender angerufen und das bestätigt.

    Dummerweise war unter der Maske ein bekannterer Schauspieler…

  2. Hm, ok, ich war zu seiner ersten Hochzeit nicht dabei, habe nur immer mal wieder etwas mitbekommen.
    Aber dass er es sogar ins Nature-Magazin geschafft hat, in gewisser weise muss da jemand ihm geglaubt haben ;).

  3. es gibt wenig Leute die mir so Banane sind wie Uri Geller! ich bin nur immer wieder massivst angenervt, wenn ich in der U-Bahn Station dauernd die Werbung von seiner depperten Show vorgesetzt bekomme und mich dabei jedesmal frage, wer zum Henker schaut sich das denn an?! Naja gut, es scheint genug zu geben…ich für meinen Teil bin wahrscheinlich zu sehr Realist um so einen Schmonz glauben zu können 😉 Ist vielleicht besser so 😉

  4. @Sid: An sich ist mir Uri Geller auch völlig egal. Und dass die Sendung geschaut wird, das steht außer Frage: http://plus.dwdl.de/article/news_14267,00.html (z.B.) Realist sollte, das dachte ich ja auch, eigentlich jeder relativ klar bei Verstand seiende Mensch sein.
    Aber, zur Erklärung: Ich stoß auf ein paar Menschen, die das von Geller gezeigt /nicht/ direkt kategorisch ablehnten. Das hat mich stutzig gemacht, da habe ich dann mal etwas Aufklärungsarbeit und sie dann auch einfach hier bebloggt :).

  5. sehr löblich 🙂 Ja, ich weiß ja nicht, an sich kann ja auch jeder glauben oder nicht glauben was er will, aber das ist mir doch irgendwie zu — (applaus nun fällt mir das passende Adjektiv hier nicht ein!), um es faszinierend zu finden. Aber ich denke allein die massive Bewerbung dieser Show hat mich schon abgeschreckt und genervt 😉

  6. -> „So, und da Kris und Andi wahrscheinlich eh nicht antworten, lasse ich das Stöckchen einfach hier liegen. Wer weiß, vielleicht kommen sie ja doch noch nachts heimlich angeschlichen, um es zu holen? ;)“

    🙂

Kommentare sind geschlossen.