Buch: Robert Charles Wilson – Quarantäne

Chris ist eigentlich Autor. Sein letztes Buch war zwar viel beachtet, aber ebenso umstritten. Deswegen fristet er jetzt sein unglückliches, in Selbstmitleid suhlendes Dasein als Journalist und reist für eine Reportage mit in das kleine US-Städtchen Blind Lake.
Dort gibt es eine fantastische Maschine: Ein Quantenteleskop. Eine Reihe von O/BEC-Zylinder wurden mit selbsterweiterndem und -verbesserndem Code versehen, so dass sich in den Computern ein künstliches, intelligentes Netz bildete. Wie genau diese Computer funktionieren, das versteht keiner. Man probierte aus, initiierte den Code und ließ die Maschine etwas laufen. Was dabei herauskam, war zu komplex für das menschlichen Verständnis. Aber was dabei herauskam war auch revolutionär.
Die Quantenmaschine bildete ein Teleskop, was den Einblick in eine fremde Welt ermöglicht. Die fremde Welt des Planeten UMa47, auf dem es intelligente Wesen gibt, die sogar in einer Kultur leben. Das Quantenteleskop wurde auf ein einzelnes Wesen dieser Kultur geeicht, welches es immer auf Schritt und Tritt verfolgt.
Chris soll mit seinen beiden Journalistenkollegen eine Reportage über das Teleskop von Blind Lake schreiben.
Doch nach ihrer Ankunft im Ort wird auf einmal das Stadttor geschlossen. Die Stadt von außen hermetisch abgeregelt. Der Fluchtversuch eines Bewohners endet sogar tödlich: Außerhalb des ersten Zauns sind Minen gelegt worden. Was geht dort vor sich? Warum werden alle Netzwerkverbindungen nach außen getrennt, die Stromversorgung aber nicht?
Das Örtchen verwandelt sich in einen Mikrokosmos, der in all seinen Einzelheiten organisiert werden will.
Chris wird, wie alle Zugereisten, bei Einheimischen einquartiert. So kommt es, dass er Marguerite und ihre Tochter Tessa kennenlernt. Außerdem ihren Ex-Mann Ray.
Es folgt eine Geschichte, die langsam das Geheimnis der Quarantäne enthüllt und stetig auf einen Höhepunkt zuzulaufen scheint.

Spin von Robert Charles Wilson hatte mir außerordentlich gut gefallen. Klar also, dass ich mir den chronologischen Vorgänger besorgt habe. Aber Quarantäne kommt bei weitem nicht an Spin heran.
Die Ideen sind ja noch ganz lustig. Da wird ein Quantencomputer erfunden, der sein Eigenleben führt. Da wird eine fremde Zivilisation dargestellt und ihre Beobachtung durch Menschen. Da wird eine Quarantäne eines Ortes dargestellt, der sein Eigenleben entwickelt, wie man es aus Big Brother / Das Experiment / Whatever kennt. Sogar etwas anspruchsvoller als dort. Und dann gibt’s sogar noch eine Reihe ganz nett verquerter Liebesgeschichten und zumindest interessante Ausführungen über Schizophrenie.

Aber das alles ist mit einer derart distanzierten Trockenheit geschrieben, dass mir zumindest der Anschluss an die Story fehlte. Ich fühlte mich immer außen vor. Irgendwie außerhalb der Quarantäne.
Bis etwas in Gang kommt, die Story an Fahrt aufnimmt vergeht einfach viel zu viel Zeit. Die Geschichte stockt in fast regelmäßigen Abständen. Und erst ganz am Ende merkt man, dass man sich doch in einem Science-Fiction befindet (und nicht etwa in einem Sci-Fi-angehauchten Drama).
Diese über Allem hängende Mystik. Was hat Chris da für ein Buch geschrieben? Warum ist er so … seltsam? Was hat es mit Tessas Schizophrenie auf sich? Ist es wirklich ein fremder Planet, den die Computer da beobachten? Und vor allen Dingen: Wieso ist Blind Lake von der Außenwelt abgeschottet?
Das alles wirkt so gewollt, aber nicht gekonnt. Ich mag Rätsel und Mysteries, ich bin schließlich großer Fan von LOST, aber dann muss auch die Spannung entsprechend um diese Pfeiler aufgebaut sein. Und von Spannung ist bei Quarantäne über weite Strecken nichts zu spüren. Das plätschert so vor sich hin und erzählt nach und nach, fast hintergründig, was es mit dem ganzen Kram da auf sich hat.

Ein ganz okes Buch, wenn man sich einmal druchgewühlt hat. Die Idee über das menschliche Unverständnis über selbst erzeugte Maschinen ist ganz nett, und es gibt auch eine weitere Vielzahl von ’netter‘ Aspekte des Buchs. Aber eben nicht mehr als nett. Der letzte Schliff fehlt; das letzte Etwas.
Schade eigentlich.

Das Buch trotzdem bei Amazon kaufen (Partnerlink)?

Zu Gute halten muss man allerdings das Coverartwork. Wie schrecklich ist bitte dieses Original!?