Rückblick des Jahres 2007: Alben

Die Einleitung zu meinem sehr kleinen und völlig übergewichtig über mehrere Beiträge ausgedehnten Popkulturrückblick gibt’s einen Post weiter.

Justice – †
Die Damen und Herren dieser französischen Tanzkapelle haben mit ihrem Debutalbum nicht nur elektronische Tanzmusik weiter gedacht und dabei härter gemacht (ohne aber zu Techno oder Minimal zu werden), sondern sie auch wieder in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gerückt. Ob es die Erfindung eines Trends ist, wie man so gerne behauptet, das weiß ich nicht und ist vielleicht zu viel gesagt, aber ihr Knarzsound™ hat auf jeden Fall für Trouble gesorgt und die totgesagte Dancemusic zum Vampir werden lassen (Metapher auch ™, jawohl).
Im Fuhrwasser von Justice und ihrem Ed-Banger-Label gibt es dann auch noch so tolle Bands samt Alben, wie: Digitalism – Idealism oder der Berliner Boys Noize mit seinem „Oi Oi Oi„-Album.

Kate Nash – Made of Bricks
Das Album, was sich genremäßig irgendwo zwischen Indie, Pop, Experimental, Folk und Wasweißich einordnen lässt, wartet nicht nur mit schönen und schrillen Rhythmen auf, sondern auch mit ironischen, tiefgründigen, platten und unterhaltsamen Texten auf. Der wunderbare Englische Akzent von Kate Nash macht auch ihren sonderbaren Kleidungsgeschmack wett (zumal man sie ja hört, und nicht sieht).

Die Fantastischen Vier – Fornika
Die Fantastischsten Vier waren auf meinem Radar irgendwie verschwunden. Einfach rausgelöscht aus dem Kopf. Vielleicht war es also Freude, die ihr neues Album so weit ‚vorne‘ in meine Liste gebracht hat, aber vielleicht war es auch einfach die Abwechslung, die sich innerhalb des durchweg tollen Albums finden lässt. Da gibt es sanfte Beats, repititive Hip-Hop-Beats, knallharte Beats und natürlich immer tolle Reime und Texte.

Mika – Life in Cartoon Motion
Entdeckt, bevor er in Deutschland schwerrotiert wurde (ja, glaubt mir) und damals schon für sehr gut befunden. Besonders die etwas balladigeren Stücke des Albums, Happy Ending und Any Other World haben es mir angetan. Aber auch die oberflächlich lustig, eigentlich aber sehr tiefgründigen (und deswegen passt dieser Titel einfach so perfekt) Titel wie Billy Brown (ich möchte mein Gesicht nochmal sehen, als ich zum ersten mal die Zeile „…then Billy Brown fell in love with another man“ hörte) sind toll. Leider ist die Anzahl der Songs ein bisschen knapp bemessen.

Maxïmo Park – Our Earthly Pleasures
Erst gefiel mir das Album ja nicht. Wirklich sehr nicht. Velocity allerdings schon gut. Und als dann Books from Boxes ausgekoppelt wurde. Hui. Mittlerweile hat mich der impulsive Maximo-Park-Stil gepackt und ich find das Album herausragend. Besonders die ersten Songs.

Daft Punk – Alive 2007
Vor diesem Sommer war Daft Punk eine, zwar eine alte und für die komplette Kultur prägende, aber eben nur eine DJ-Combo, die coole elektronische Musik spielt. Dann war ich auf ihrem Konzert in der Philipshalle in Düsseldorf. Und wenn ich beim Schreiben dieser Zeilen daran zurückdenke. Leckofanni. Dieses Licht. Dieses Licht mit tausenden Scheinwerfern und verschiedenen Ebenen von Displays. Dieser Sound. Sound mit wummerden Bässen und mit Songs, die es vorher nicht gab. Perfekt wurden Daft-Punk-Lieder ineinander gemixt. Zusammengewurschtelt. Als wären sie von Anfang an dafür bestimmt gewesen; als gäbe es sie gar nicht anders.
Und dann bringen die Robothelme das auch noch als Live-CD raus? Mein Gott! Harder, faster, better!
Leider kann ich die CD nicht häufig hören, weil ich sonst in Erinnerungen schwelge und wie paralisiert dem Raunen der Menge im Hintergrund lausche. Und dann kommt man ja einfach zu nichts…

Die Ärzte – Jazz ist anders
Ähnlich wie bei Den Fantastischen Vier haben auch Die Ärzte auf einmal ein neues Album rausgebracht. Bisher waren Die Ärzte immer eine nette Band, von der ich mal hier und mal dort einen guten Song mitbekommen habe. Aber an diesem Album kann ich mich nicht satt hören. Gnaz klar hört man den altbewährten Ärztesound durch, aber trotzdem sind dann so vielseitige Stücke wie Nur einen Kuss drauf, die mit allem Üblichen brechen und mir gefallen.

Beatsteaks – Limbo Messiah
Als letztes möchte ich das neue Album der Punkpopband aus Berlin erwähnen. Hier gibt es auch das komplette Spektrum der Musik, das die Herrschaften aus ihren Gitarren rauszaubern können. Abwechslungsreich und fesselnd. Gehört auch irgendwie auf diese Liste, obwohl ich es schon lange nicht mehr ganz durchgehört habe. Der Sättigungszustand ist sozusagen erreicht.

Außerhalb dieser Liste möchte ich noch drei Alben nicht unerwähnt lassen:

Polarkreis 18 – Polarkreis 18
Bei diesem Newcomer-Album mag ich, wiedermal, besonders die Abwechslung. Elektrische Beats mit Rock sehr gut gemischt. Mag ich gerne hören.

Hören & Sehen: Webseite von Polarkreis 18 mit ganz viel aktueller Info. Und die passende MySpace-Seite.

Underworld – Oblivion with Bells
Die Altmeister des Techno lassen es im neuen Album etwas gediegener und sanfter angehen. Allerdings keineswegs ruhig. Für die zur Motivation eingelegte Hintergrundmusik perfekt geeignet.

Hören & Sehen: Underworld bei der Wikipedia und bei MySpace.

Mark Ronson – Version
Coverversionen sind eine heimliche Leidenschaft von mir. Da führt im Moment kein Weg an Mark Ronson vorbei, der auf der Platte große Künstler (die er häufig auch schon produziert hat) große Stücke anderer großen Künstler covern lässt. Was dabei raus kommt ist sehr interessant.

Hören & Sehen: Mark Ronson bei MySpace.

9 Gedanken zu „Rückblick des Jahres 2007: Alben

  1. Hab Kate Nash erst letzte Woche für mich entdeckt und muss auch sagen, dass mir dieses Album ziemlich gut gefällt…

  2. Also an „Made of Bricks“ hat mich am meisten fasziniert, dass die gute Frau teils Standard-Apple-Samples benutzt mit denen ich auch schon rumprobiert habe (Siehe hier) – ansonsten aber auch ein recht nettes Album.

    Von der neusten Beatsteaks Platte war ich wie gesagt sehr enttäuscht.

    Polarkreis 18 hingegen kenn ich nicht und höre gerade mal rein…

  3. Du nimmst euer „Alles ist Pop“ ja sehr ernst. Ich finde das gut :).
    Allerdings weiß ich noch nicht, ob ich euch lese, weil: So viel! Und so viel, was mich nicht interessiert … Aber ihr seid probeweise im Feedreader drin ;).

    Und dass Kate Nash Garagebandsamples benutzt, das wusste ich nicht. Aber macht dem Genuß überhaupt keinen Abbruch :).

    Zu Polarkreis 18 findet man leider relativ wenig Vorhörbares im Netz :(.

  4. Kate Nash und Polarkreis 18 hab ich auf dem Haldern live gesehen – gaaanz groß! Wobei ich Polarkreis 18 schon gewöhnungsbedürftig fand und erst dachte, da singt ne Frau (…) 🙂 Trotzdem gut! Und bei Die Ärzte kann ich nur nickend zustimmen, hab ich genauso empfunden! 🙂

    PS: Nette Vampir-Metapher 😀 Und auf jeden Fall gut, dass du die vorsorglich mal patentiert hast 😉

  5. Die beiden Alben von Justice und Boys Noize sind echt geil. Für mich das Beste was 2007 zu bieten hatte! Gut zu sehen auch bei I Love Techno …das war glaub ich der größte push nach vorne für Boys Noize. 😉

  6. Kate Nash hat auf jeden fall sehr amüsante Texte und eine ganz eigene Art zu singen,…welche mir allerdings nicht ganz so zusagt.
    Bei den Ärzten herrscht auch bei mir eine allgemeine Grundsympathie, sodass ich ihnen, womöglich sogar unbewusst, ein etwas“schlechteres“Album verzeihen würde, nicht zuletzt deshalb, weil sie ja eh schon allesamt, sowohl Solo als auch als Band, grandios vorgelegt haben….kann also leicht passieren, dass kein anderer und auch sie selbst nicht mehr an vergangene „Erfolgshits“ drankommen.
    Finde Album „jazz ist anders“nicht mehr so angenehm zu hören, da sich für mich alles irgendwie „platt“bzw nach „Mischmasch“ anhört..lässt für mich also jegliche Spur von jazzigen sound vermissen (ein Typischer Jazz-Schlagzeug-Beat reicht nun mal nicht aus um es „Jazz“ nennen zu dürfen).
    Aber ich steh auch auf Mika!!Leider hab ich ihn nicht vor seinem Hype entdeckt…aber ich steh auf seine Gute-Laune-Songs…“Lollipop““big girls“…

Kommentare sind geschlossen.