Diese flickr-Sache…

Dieser anglizismenhaltige Post wird ihnen präsentiert von Wicked Germán!
Wenn ihr in Lieblings- aller Internette unterwegs seid, dann habt ihr es wahrscheinlich sowieso mitbekommen, wenn nicht, kurze Zusammenfassung: flickr hat auf Deutsch umgestellt, soweit, so semigut. Nebenbei dann aber auch Filter eingebaut, die deutsche User gewisse Bilder nicht anzeigen lassen. Zensur pur. Man beruft sich da auf die strengen Gesetze in Deutschland, Stichwort „Forendiskussionen“ und „Haftbarkeit“. Die deutsche Community lässt das nicht lange auf sich sitzen und protestiert (übrigens maßgeblich initiiert von Nachbar atomtiger). flickr reagiert, aber ziemlich schlecht und langsam. Jetzt präsentiert man eine „Lösung“.
Die ist aber eigentlich gar keine. Als „moderate“ eingestufe Bilder darf man nach Bestätigung sehen, als „restricted“ eingestufe allerdings weiterhin nicht.

Ich könnte Romane schreiben. Warum Zensur an sich blöd ist. Warum Zensur ironisch ist, wenn das zum Yahoo!-Konzern gehörende flickr sie macht. Warum ich Geld (flickr-pro-Account) dafür bezahlen sollte, nicht alle Bilder sehen zu können. Warum ich das an sich schade finde. Warum ich das sogar persönlich schade finde von diesem einst sympathischen 2.0-Startup enttäuscht zu werden. Wie schlecht die so wichtige Kommunikation zur Community vorranging. Und wie unergiebig, oberflächlich und inhaltslos sie ist.
Und was das Ganze für schwerwiegende Konsequenzen für den Katzenbildcontent deutscher Blogs hat.
Das aber hat, zumindest bis auf den letzten Punkt Mark auf der b-seite.cc gemacht. Sehr gut und sehr ausführlich. Und sehr auf den Punkt gebracht, was ich in den Romanen auch probiert hätte zu schreiben. (Und die b-seite.cc geht damit direkt auf die Blogroll.)

Nur welche Konsequenzen das für mich hat, das weiß ich noch nicht. Seit Anfang der Geschichte denke ich darüber nach.
Erst einmal hatte ich mich dazu entschieden abzuwarten. Mal schauen, was da noch so passiert. Bilder wollte ich erst einmal keine neuen hochladen. Traf sich ganz gut, immerhin bin ich momentan sowieso etwas … motivlos.
Und jetzt ist also etwas passiert. Man hat eine Lösung bereitgestellt. Eine „Lösung“.
Aber — hallo? Das kann es doch nun wirklich nicht sein. Ein paar Bilder mögen jetzt zwar (mit zusätzlichem Klick) freigeschaltet sein, aber es bleibt dabei: flickr zensiert.

Was also jetzt?
Ich könnte meinen Yahoo-Account, den flickr benutzt, auf einen amerikanischen umstellen und so die Deutschlandzensur umgehen. Resultat: Ok. Aber das ist doch eher ein Workaround. Und ich käme in moralische Fragewindungen, die selbst einen Teufelskreis als berechenbar erscheinen ließen: Möchte ich eine Firma unterstützen, die nicht nur zensiert, sondern auch über derart schlechte Kommunikation verfügt und – um das von oben mal zusammenzufassen – so un-2.0-ig und evil ist?
Ich könnte auch zu einem anderen Fotocommunitydings gehen. Gute Idee eigentlich. Hat nur ein paar Haken. Entweder ein „fresh start“, also von 0 auf 100. Oder die alten Sachen, soweit wie möglich aus meinem flickr-Account übernehmen. Letzteres ist relativ schwierig und aufwändig, wenn denn überhaupt vollständig durchführbar (Kommentare z.B.). Und der „fresh start“ stellt auch einen riesigen Informationsverlust dar. Dann gibt es noch ein großes Problem: Trotz aller „issues“, flickr bleibt der beste Fotosharingdienst. Sogar abgesehen von den Community-Features: das einfache Veröffentlichen von Fotos, das Einordnen; alles unter dieser simplen, reduzierten aber voll nutzangepassten Oberfläche — all das macht kein anderer Dienst so gut wie flickr. Sad but true.
Dann bleibt noch eine weiter Möglichkeit: Einfach so wie bisher weiter angemeldet bleiben. Account nicht umstellen. Einfach so tun, als wäre nichts gewesen. Wenn dann mal ein Bild gesperrt ist, mein Gott, dann ist’s halt gesperrt. Davon geht die Welt schon nicht unter. Und die übergeordnete Moral bei der Zensur? Moral wird sowieso völlig überbewertet.
Dann ist aber noch die Frage: Pro-Account oder (Degeneration auf) Free-Account? Bei Pro-Account verhält man sich nicht nur passiv zur Zensur, sondern unterstützt sie in gewisser weise sogar aktiv durch Geld. Free-Account hingegen ließe (AFAIK) alle Bilder, bis auf die letzten 200 auf invisible stellen.

Und? Tor 1, 2 oder 3? Letzte Chance..? Welchen Umschlag nehmen Sie?

Ich weiß es nicht. Ich bin ratlos.
Alles hat seine Vor- und seine Nachteile.
Ich habe mich jetzt erstmal bei ipernity angemeldet. Eigentlich Pro Forma und weil der Dienst am ehesten an flickr heranreicht (was wohl darin begründet ist, dass es eine Copy-Cat ist…). Ob ich den Account dort allerdings benutzen soll?
Ich weiß es nicht.

Ich glaube, Michael hat den (zunehmenden) evil-Faktor in seiner Aufzählung vergessen.

3 Gedanken zu „Diese flickr-Sache…

  1. Der Evil-Faktor ist ein Plugin, das von einem Dritthersteller kommt und deshalb seine eigene Versionierung hat 🙂

    Das schlimmste bei der flickr-Geschichte ist wirklich, dass es relativ schwierig ist, mit Sack und Pack umzuziehen. Ich habe mich dann erstmal so entschieden, dass ich nur meine Bilder sichere (von den wichtigsten Kontakten kenne ich die Blogs oder sie sitzen im selben Büro) aber Kommentare und Metadaten sind jetzt weg.

  2. Obwohl mich diese Sache ziemlich „upfuckt“, glaube ich momentan, dass ich bei flickr bleiben werde. Einfach aus dem Grund, dass all meine realen Kontakte dort sind und wir so fröhlich unter einander Bilder vom letzten Wochenende tauschen und vor allem kommentieren können – ohne das jemand anderes (Achtung: StudiVZ-Kritik!) davon etwas mitbekommt. Sowas ist mir bisher bei anderen Diensten (Stichwort: Guestpass) zu kompliziert oder geht gar nicht…

    Alternativ hoffe ich, dass im nächsten halben Jahr irgendwo DER neue Fotodienst entsteht, zu dem wir dann ALLE gemeinsam wechseln können. Nur was mach ich mit meinem auslaufenden PRO-Account nächsten Monat?

    Hach, schweres Web-2.0-Leben… 😉

  3. Ja, die letzte Frage beschäftigt mich auch am Meisten.
    Ich befürchte auch, dass es darauf hinausläuft, dass ich nochmal die 25 Euro investieren werde, um meine Entscheidung um ein Jahr vertagen zu können… „investieren“… 😉

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