Rezension: Frank Schätzing – Mordshunger

Bekanntermaßen bin ich ja Gelegenheitsfan von Büchern Frank Schätzings. Nicht nur mir scheint es so zu gehen, nachdem Herr Schätzing im breitbandigen Mainstream angelegt ist werden der Reihe nach seine Bücher neu aufgelegt. Für mich eine gute Gelegenheit sein zweites Buch mit dem, wie ich finde, etwas verwirrenden Titel „Mordshunger“ herunterzuschlingen.
Erwarten Sie auf folgenden Seiten wieder eine knallharte Buchrezension mit beißenden Fakten, umhauenden Meinungen und schmackhaften Einblicken.

Romanus Cüpper ist Kriminalpolizist. So ein Original. So einer aus dem Tatort. So ähnlich zumindest. Er ist von der bequemeren Sorte und ermittelt, wenn es denn gerade kein Fall ist, auch gerne und häufig die Tiefen von mit gutem Wein gefüllte Gläser und neue wohlschmeckende Kochrezepte. Zu seiner Seite steht in allen Lagen sein Kollege Rabenhorst. Zu seiner Seite, aber auch immer in seinem Schatten. Die reißenden Ideen kommen ihm nie. Und auch das mit dem Kochen mag ihm einfach nicht gelingen.
Es ist einer dieser verregneten und faden, aber zugleich unangenehm warmen Sommer des letzten Jahrtausends (Globale Erwärmung sei Dank kommt sowas ja nichtmehr vor!) als in Köln die Leiche einer Frau gefunden wird. Frau Inka von Barneck wurde augenscheinlich von hinten per Kehlenschnitt gemordet. In den folgenden Ermittlungen stoßen die beiden Detektive auf so einige bittere Abgründe. Da ist die Drogen-und-Sex-Beziehung zur italienischen Mafia von Inka selbst. Da ist die verstoßene Tochter Marion. Da ist geschäftstüchtig wie zwiespältige Ehemann Fritz von Barneck. Zwei Mal. Da ist die Sekretärin. Die Geschäftspartnerin. Und da sind die allzu seltsam-klassischen Diener der von-Barnecks.
Alle sie haben gleich mehrere Motive Inka von Barneck getötet zu haben. Doch wer war es? Da haben sie den Mörder augenscheinlich. Da haben sie ihn auch schon wieder nichtmehr.

Mordshunger ist ein waschechter Krimi. Mit Mord und Mörder. Und sowas mag ich ja eigentlich nicht. Krimis sind für Tatortgucker. Dachte ich. In einem gar tollkühnen Gedankenakt, wahrscheinlich nach einer viel zu scharfen Pepperoni, dachte ich mir dann aber, dass ich das bei Schätzing ja auch mal probieren könnte. Das mit dem Krimi. Immerhin mag ich Schätzing. Kann so schlecht also nicht werden.
Wurde es nicht.
Auf 450 Seiten spielt Schätzing wieder einmal gekonnt mit dem Leser und verführt auch Cüpper und Rabenhorst der falschen Fährten. Die Figuren sind durchdacht und von Anfang an sympathisch. Wie sich das gehört natürlich auch der Mörder. Hier wird ein Verdachtsmoment serviert, dorthinten wieder abgetragen. Glaubt man, dass sich unter dieser Glocke die Lösung befindet, erscheint beim Emporheben nur eine noch verzwicktere Verbindung zwischen den Protagonisten.
Im Vorwort zur Remixed-Version stellt Schätzing schon fest: Das Buch besitzt für ihn untypisch kurze Sätze. Auch ich stelle fest: Das Buch besitzt für Schätzing untypisch kurze Sätze. Allerdings nicht störend. Man merkt, wie sich der Stil von Schätzing über die Zeit gewandelt hat. Seltsam ist das, worauf Schätzing ebenfalls im Vorwort hinweist: Als er das Buch 1996 schrieb, gab es so gut wie keine Mobiltelefone. Kaum vorstellbar. Da muss der Kommisar erst ins Revier zurückkehren um zu erfahren, dass sie den Mörder bereits haben. Seltsam fühlt sich das an. Als wäre es das letzte Jahrtausend gewesen.

Ein geschmackvolles, intelligentes Buch. Ein Vier-Sterne-Krimi.
Mit Restaurantführer und Rezepten im Anhang.
Unbedingt lesen.
Achja: Es war der Gärtner.
Das wollte ich schon immer mal schreiben.

3 Gedanken zu „Rezension: Frank Schätzing – Mordshunger

  1. Also erstmal: Hier wurde gar nix verraten. Ich hab das Buch gelesen und ich finds einfach klasse. Anfangs musste ich einige Textstellen zweimal lesen um sie zu verstehen, aba im Allgemeinen ist er wirklich gut gelunge, sehr spannend und man wird immer wieder auf eine falsche Fährte geführt!!!

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