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Kriterien zur Beurteilung von Serien Teil 2

Beschäftigten wir uns ins gestriger, erster Episode noch mit einer speziellen Kategoriegruppe und allgemeinen, schnell (aber auch oberflächlich) zu bewertenden Form-Kriterien, geht’s heute ans Eingemachte. Inhaltliche Kriterien.
Manche derer sind ein »best try« — ich habe versucht, sie möglichst allgemeingültig zu formulieren. Schimpft ruhig in die Kommentare, wenn ihr anderer Meinung seid. Oder wenn ihr andere Ideen habt!

Inhalt-Kriteriengruppe

Etwas schwieriger festzustellen als die Form-Kriterien sind Qualitätskriterien, die sich auf den Inhalt beziehen. Entgegen von Form-Methoden, wie z.B. der Messung der Episodendauer (asymmetrisches Möven-Modell) oder dem Abzählen genutzter Kraftausdrücke (»Fuck!«-Anteil), müssen hier nämlich Episode / Staffel / Serie bis zum Ende geschaut werden um eine Aussage treffen zu können. Und wenn man erst am Ende von 42, 1008, 50821 Minuten merkt, dass die Show in differierenden Teilen Quatsch war, dann ist das Ärgerungspotenzial sichtungsabhängig mitunter groß.
Ebenfalls ist die Quantifizierung von Qualitätskriterien dieser Gruppe relativ schwer.

Die Nerdskala — Authentizität des verwendeten Computer-Equipments

Ein Wespennest voller Fettnäpfchen bilden Computer in TV-Serien. Die größten Fehler, die eine Serie begehen kann, nach Schlimmheit auf der Nerdskala sortiert (schlimmstes zuerst):

  • IPs from Hell — IP-Adressen der Form 521.453.2541.852. Eigentlich gar nicht so wild; das wissen sowieso nur die Supernerds unter den Zuschauern und dann sind’s ja auch nur ein paar Zahlen, was? ABER VERDAMMTE AXT, das ist so schlimm, weil es so simpel ist! Liebe TV-Produktion, IP-Adressen bestehen aus vier Zahlen, wobei jede unter 256 sein muss. TV-Serien, die IP-Adressen from Hell benutzen, wollen cool, credible und am Zahn der Zeit sein, nehmen den Zuschauer aber nicht ernst genug, um auch nur 5 Sekunden Recherche zu betreiben. Großer Nerdskalenfail.
  • Superhackers. Serien, die Hacken mit Stricken oder gar Klopapierfalten verwechseln, befinden sich unten auf der Nerdskala. Ist die Dauer eines Hacks eines Firmennetzwerks kleiner als 5 Stunden2, so rutscht die Serie auf der Nerdskala 100/t_Hack hinab. Gleiches gilt für das Knacken von Tür-Code-Schlössern durch das Vorhalten eines lustigen Geräts. Das macht einfach keinen Sinn.
  • Betriebssysteme. Zum Beitritt in die Kategorie »gewollt, aber nicht gekonnt« führt häufig der Versuch, ein Nicht-Standard-Betriebssystem3 zu verwenden. Serien erhalten allerdings instantan ein +20-Level-Up auf der Nerd-Skala, wenn sie ein Nicht-Standard-Betriebssystem vernünftig und konsistent verwenden (Beispiele: Fringe, Hawaii Five-0).
  • Logoretusche. Entfernt eine Serie das Logo des Computers / Handys — und das ist meistens der Apfel auf der Bildschirmrückseite eines MacBooks — macht sich damit ein wenig lächerlich. Jeder weiß, was hinter dem Aufkleber zu sehen ist. Jedem fällt’s auf. Nicht positiv. Logoabstinenz hat für mich immer den Beigeschmack, am Zahn der Zeit bleiben zu wollen (wie bei den IPs from Hell), aber bloß keine kostenlose Werbung für den Ersteller des Produkts zu machen. Kommerz at its best. Und das mag ich nicht.

Wichtig für Serien, die sich auf dem Feld der hochfrequenten Benutzung von Computer-Equipment bewegen, ist allerdings ein Meta-Attribut der Handlung: Meint die Serie das ernst? Beispiel: Chuck ist von der Prämisse her bereits so over the top, dass dort durchaus ein Tür-Code-Schloss durch Steinauflegen homöopathisch geknackt werden darf. Leverage bemüht sich ebenfalls kein Stück, irgendwie authentisch zu sein.

Haupdarsteller in Love

Ein ungeschriebenes Gesetz der Serienwelt lautet: Besitzt eine Serie in der Hauptdarstellerriege einen weiblichen und einen männlichen Charakter, so ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie liiert sind. Die Dauer bis dahin sagt viel über die Qualität der Serie aus, ebenso das Handling der Laison (siehe Schondagewesen-Element).
Es geht sogar einen Schritt weiter: Ist das Paar wieder zerbrochen, ist die Re-Liierung von ihnen ein Serien-Ausschlusskriterium4. Es wird der Beigeschmack erweckt, die Autoren haben nichts mehr im kreativen Hut, als Partneroszillation oder gar -freudenhausisierung. Der Grund, warum Gossip Girl (oder andere Inkarnationen der geheimen The-CW-Protoserie) über eine Staffel hinaus bei mir nicht mehr funktionierte.
Ausnahmebeispiel: Fringe.

Ungestopfte Storylöcher

In Zeiten immer monumentaler Serienspektakel mit immer größeren Mysterien und immer dickeren Actionszenen vergessen die Autoren leider immer noch, dass auch das vermeintlich Simpelste, die Story, Sinn ergeben muss. Neben der bereits genannten Storystringenz gibt es da das Kriterium der Anzahl offener Storylöcher.
Ein befriedigendes TV-Erlebnis (und damit eine gute TV-Serie) kann nur dadurch erzeugt werden, dass der Rezipient am Ende einer Serie die Möglichkeit hat, die Story bis ins Detail zu verstehen. Mysterien mögen zur kurz- und mittelfristigen Zufriedenstellung durch Wow!-induzierte Substitutionsbefriedigung beitragen, aber langfristig hilft nur ein Verstehen möglichst vieler Details. Sonst macht die Serie den Anschein von Nicht zu Ende gedacht und Gewollt, nicht gekonnt.
Beispiel: Lost und viele zu früh abgesetzte Serien.

Spin-Anteil des Schondagewesen-Elements5

Neue Dinge erfinden ist aufwändig. Neue Dinge erfinden, die dazu noch gut sind, ist einige Größenordnungen aufwändiger. Verständlich also, dass man sich bei der Produktion einer Serie an Elementen bedient, die sich bereits bewährt haben. Das können kleine Details, wie auch komplette Prämissen sein. Das ist völlig legitim6.
Wichtig für eine gute Serie ist der Spin-Anteil dieser Schondagewesenheit. Wie stark wird Bekanntes verändert, mit üblichen Klischees gebrochen, die Genre- und die Eigen-Prämisse (siehe Prämisse) verändert und erweitert und dadurch neues Interesse geweckt? Das wohl subjektivste Kriterium dieser Liste, da es stark auf dem Seriengrundwissensschatz des einzelnen Rezipienten beruht.
Beispiel: How I Met Your Mother

Charakterstärke und -entwicklung

Auch ein Trend, den man zum Glück immer mehr sieht: Starke Charaktere. Wenn der Hauptcharakter über interessante Züge verfügt (und sei es seine Gemeinheit/Verschlossenheit) kann das viel zur Güte einer Serie beitragen.
Da dieser Umstand oft gegeben ist (und tatsächlich häufig vernünftig umgesetzt ist7 ) sei hier noch das Kriterium der Charakterentwicklung erwähnt. Ein Charakter wird interessanter, wenn der Rezipient an seiner Entwicklung teilnimmt. Dinge, die sich an seiner Persönlichkeit ändern. Dinge, die er im Verlauf der Serie anders sieht.

Prämissenkriterien

Jede Serie besitzt als Alleinstellungs- und Abgrenzungsmerkmal gegenüber anderer Serien eine gewisse Prämisse. Innerhalb der Prämisse entwickelt sich eine Story.
Über die Pionierhaftigkeit der Prämisse hinaus (siehe Spin-Anteil des Schondagewesen-Elements) gibt es noch mehr Qualitätskriterien die Prämisse betreffend:

  • Monozentrie der Prämisse
    Die Serie ist um einen zentralen Punkt der Prämisse aufgebaut. Das kann zu einer ganz großartigen Serie führen, oder aber auch schnell großer Quatsch werden. Zwei Gedankenexperimente zu möglichen monozentrischen Storylines:

    • Dynamische Monozentrie: Das zentrale Ereignis / die zentrale Person (also: die zentrale Prämisse) steht zwar im Mittelpunkt, verfügt aber über hinreichend Dynamik in der zeitlichen Entwicklung um die Geschichte interessant zu gestalten. Autoren nutzen das mühevoll, aber detailreich aufgebaute Monozentrum der Geschichte, bauen Untergeschichten herum (siehe Subprämissenfluktuation) und entwickeln es gleichzeitig intelligent und konsistent weiter.
    • Statische Monozentrie: Autoren machen Nichts des oben Erwähnten, sondern Ruhen sich auf ihren tollen Idee aus. Das Monozentrum ist statisch und bald schon zu Ende erzählt. Meist wird das irgendwann durch sinkende Zuschauerzahlen bemerkt und ein Reanimationsversuch gestartet, der klassischer weise in die Hose geht.

    Unter den monozentrischen Storys sind im allgemeinen die dynamischen als positiv anzusehen. Es gibt sicherlich Gegenbeispiele, aber als erste Abschätzung soll das genügen.
    Positives Beispiel: Fringe, The Good Wife.

  • Prämissenschildkrötität
    Die Prämisse der Serie ist ein Ereignis (/eine Person), das in der Ferne liegt. Durch Geschichtsschlüsselpunkte nähert man sich Episode für Episode dieser Ferne an. Hat man das subjektive Empfinden, dass die Geschichte trotzdem auf der Stelle tritt, nicht aus den Füßen kommt, dann ist dieser Umstand als Prämissenschildkrötität zu bezeichnen. Und schlecht.
    Beispiele: Lost (vor den letzten Staffeln), FlashForward, The Event.
  • Subprämissenfluktuation
    Das Kriterium existiert nur bei Serialserien und vereint zwei Dinge: Es existieren Subprämissen und diese ändern sich (ähnlich der Monozentrie, aber nicht identisch). Die Hauptprämisse existiert als stetig vorhandenes, alles überschattendes Element. Von dieser Hauptprämisse motiviert werden Untergeschichten ausgegliedert, die mehr als eine Episode andauern8. Die Subprämisse hat Auswirkungen auf die Hauptprämisse und führt nach Vollendung (meist durch Geschichtsschlüsselpunkte) zu einer nächsten Subprämisse. Auch mehrere Subprämissen können gleichzeitig, mehrschichtig, verfolgt werden, daher diese Namenwahl.
    Serien, die die richtige Balance zwischen Haupt- und Subprämissen hinkriegen, sind mir der liebste Kompromiss aus Procedrual und Serial — manchmal sogar besser als reine Serialserien (wenn es sie denn nach dieser Definition der Subprämisse überhaupt noch gibt).
    Beispiele: Fringe, Burn Notice (obwohl hier auch etwas Schildkrötität reinkommt).
  • Geschichtsschlüsselpunkte
    Geschichtsschlüsselpunkte sind Punkte innerhalb der Story, die diese merklich und unter Auswirkungen für die Zukunft ändern. Sie schließen Geschichtsbögen ab und sind hinreichend Wow!-ig. Eine gute Serie versteht es auf die Geschichtsschlüsselpunkte hinzuarbeiten und diese dann mit einem lauten Knall zu präsentieren, häufig (und besonders gut) mit einem unerwarteten Twist.
    Beispiel: Fringe.

Grand Finale, Intermediate Finale

Geschichten möchten zu Ende erzählt werden. Und wenn eine Serie den Aufwand betreibt, den Zuseher in eine fremde Welt zu befrachten, dann sollte diese Welt auch vernünftig zu Ende erzählt werden. Bei kompletten Serien findet das im großen Finale am Schluss statt, bei Storybögen in Zwischenfinalen, die einen Geschichtsschlüsselpunkt darstellen sollten. Hier kommt alles auf die Inszenierung, das Tempo und die Hinarbeit an. Ein gutes Finale verbindet verschiedene Handlungsstränge, die der Rezipient bis dahin als unabhängig annahm, und lässt sie mit Twists in einigen Wow!-Momenten kulminieren. Die Untergeschichte wird abgeschlossen, kreiert dabei einen neuen, großen Cliffhanger, der in der nächsten Staffel aufgegriffen wird und dort als Anschlusspunkt fungiert.
Obiges gilt für Zwischenfinale; bei einem Serienfinale (dem Grand Finale) sollte es weder Cliffhanger am Ende, noch neue oder alte offene Fragen geben. Am Ende einer Serie besitzt ein Seher alle notwendigen Informationen zum Gesamtverständnis des Seriengeschehens.
Serien, die sich nicht an die Konzepte von Grand und Intermediate Finale halten, sind blöd. Solche, die am Ende ihres Seriendaseins mit halbgaren Antworten den Serienschauer selbst über wichtige Inhalte entscheiden lassen, sind äußerst blöd. Das ist zwar intelligent und echt toll von euch, liebe Autoren, und ihr seid total wunderbare Künstler, aber zum Abschluss möchte ich eine echte Antwort. Kein Weichgespülerkram.
Beispiel für hervorgendes Zwischenfinalisieren: Fringe.
Beispiele für ok-e bis blöde Endfinale: Veronica Mars, Lost.

  1. Lost. []
  2. Ein frei erfundener Wert. Ich hab doch keine Ahnung. []
  3. Und das ist im Serienfall ein 2-Tupel aus Windows und Mac OS X. Linux hat verschwindend geringe Einsätze in TV-Shows. []
  4. Zumindest, wenn sie innerhalb der nächsten zwei Staffeln stattfindet []
  5. Alternativtitel, der durch die Antiphysikqualitätskontrolle fiel: Spin-Anteil bei Projektion auf die Schondagewesenen-Ebene. []
  6. Die Freizeitphilosophen unter den Lesern könnten hier die Natürlichkeit dieser Sache diskutieren. Evolution und so. Ihr wisst schon. []
  7. Wobei das ein anderes mögliches Problem eröffnet: Wenn sich die Story zu sehr auf den Charakter verlässt und die Story darunter leidet (eine Art monozentrische Prämisse, siehe unten). []
  8. Sonst wären sie der Fall der Woche, der Proceduralanteil der Serie []

Kriterien zur Beurteilung von Serien Teil 1

Nachtrag: Hier geht’s zum zweiten Teil!
»Du, Andi, sag mal: Wie bewertest du eigentlich immer die ganzen Serien, die du guckst?«
»Gut, dass du fragst! Ich mache das anhand von Tabellen mit Zufallszahlen. Außer wenn die aufgebraucht sind, dann mache ich das mit folgenden Kriterien.«

Willkommen zum ersten Teil »Serienkritisieren mit Andi«. Heute widmen wir uns erst einer speziellen Gruppe von Kriterien, der Kabel-Kriteriengruppe, und dann den Form-Kriterien. Der große Block der etwas ernsteren Inhalt-Kriterien kommt morgen. Ihr dürft euch freuen.

Die Nichtamerikanisch-und-Kabel-Kriteriengruppe

Jedes Jahr geben die großen Sender (CBS, FOX, ABC, NBC, The CW) eine unübersichtliche Menge neuer Serienproduktionen in Auftrag. Mit einer Schrotflinte wird hier Masse auf den TV-Markt geschossen, unter der Hoffnung, irgendeine Serie finde ja schon ihr Ziel.

Andere Sender abseits der großen fünf machen es sich da nicht so leicht. Mögliche Gründe: Der Sender verfügt nicht über soviel Kapital und jede Serienorder muss gut überlegt sein (Kabel). Die Leute haben einfach was drauf und sind cool. Prestige. Die Zuseher bezahlen direkt dafür und erwarten Hochqualitatives (Pay-TV). Der Sender ist traditionell bekannt für sein Ausprobieren — und fährt gut damit (UK-Sender).
Diese Randgruppen-Serien sind zu einer höheren Wahrscheinlichkeit gute Serien, im Vergleich zu Serien der großen fünf.

Drei Kriterien um eine Stichprobe schnell auf die Zugehörigkeit dieser Gruppe zu testen.
Achtung: Alle Kriterien sind nur ein Indikator für eine gute Serie. Nur weil die Serie exakt 42 Minuten lang ist, heißt das noch nicht, dass sie per se schlecht ist. Hier werden Wahrscheinlichkeitsaussagen gemacht. Man könnte sagen, das hier ist die Quantenmechanik der Serientypisierung.

»Fuck!«-Anteil

Wie oft wird das Wort »Fuck« verwendet? Werte größer eins sind hier bereits ein guter Indikator.

Asymmetrisches Möven-Modell zur Episodendauer

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Anhand der oben angezeigten Grafik lässt sich über die Episodendauer eine grobe Abschätzung auf die Qualität geben. Aufgrund der Form bezeichne ich diese Verteilung als asymmetrisches Möven-Modell. Eine grobe, lineare Näherung des Modells besagt: Je weiter die Episodenlänge von der 42-Minuten-Marke entfernt ist, desto wahrscheinlicher ist die Serie »gut«, desto höher ist ihr Qualitätspotenzial.

Dauer und Aufwand der Titel-Sequenz

Besitzt die Serie eine aufwändig produzierte und lange Titel-Sequenz? Hier möchte der Showrunner seiner Serie einen »artsy«, einen künstlerischen Touch geben. Vermutlich, weil er wirklich was drauf hat. Oder gut beraten wurde.

Form-Kriteriengruppe

Neben inhaltlichen Kriterien, die im nächsten Teil Erwähnung finden werden, gibt es auch Formelemente einer TV-Show oder -Episode, die über deren Qualität Ausdruck geben können.
Manche hier erwähnte Kriterien sind sowohl Form, als auch Inhalt. Sie stehen in dieser Gruppe, weil a) der Formanteil überwiegt, b) mir danach war oder c) Zuckerwatte.

Involvierte Meta-Ebenen

Wie viele Meta-Ebenen besitzt die Show? Ist sie / geht es um eine Show-in-Show? Und zeigt sie manchmal eine weitere Show? Werte größer eins sind bei der Meta-Ebenen-Anzahl bereits ein hervorragender Indikator.
Beispiele: 30 Rock, Community

Keine Minimalmimik: Anzahl der Gesichtsausdrücke des Hauptdarstellers

Ein guter Hauptdarsteller1 sollte mehr als einen Standardgesichtsausdruck vorweisen können. Um statistische Fluktuationen zu Berücksichtigen, ist die Anwesenheit von drei Gesichtsausdrücken des Hauptdarstellers ein guter Indikator für eine Serie mit Gutpotenzial.
Beispiel für Minimalmimik: FlashForward, 242

WTFität

Schafft es die Serie auch nach mehreren Staffel, durch Wow!- und WTF!-Momente den Rezipienten in lange nicht, oder noch nie besetzte geistige Anregungszustände zu versetzen, ist die Serie als »gut« anzunehmen.
Beispiel: Californication.

Storystringenz

Zum Glück leben wir mittlerweile in einem Zeitalter, in dem eine Show extra Praktikanten besitzt, die darauf achten, dass aus Äpfeln keine Birnen werden. Wenn auch bei Requisiten manchmal noch ein Tausch im Szenenwechsel stattfindet, ist im Big Picture meist alles stringent. Trotzdem darf dieser Punkt nicht fehlen.
Sonderfall: Pausierte Storystringenz, siehe Procedural-Serial-Interferenz.

Procedural-Serial-Interferenz

Meine persönliche Vorliebe liegt bei Serial-Serien, also bei solchen Serien, die eine episodenübergreifende Handlung besitzen. Die andere Sorte von Serien ist die der Procedurals: ein Fall der Woche, für den sich die nächste Episode so wenig interessiert wie die vorherige.
Neben dieser persönlichen Vorliebe (die ein eigenes großes, allerdings subjektives Qualitätskriterium bildet) kann es zu unschönen Überlagerungen von Serial- und Procedural-Elementen einer Serien kommen — denn moderne Serien haben in unterschiedlichen Ausmaßen so gut wie immer einen Anteil von beidem.
Da gewöhnt man sich an einen kleinen episodenübergreifende Handlungsbogen, nur um ihn dann für ein paar Episoden auf’s Abstellgleis gestellt zu sehen, weil die Autoren gerade mit drei guten Procedural-Büchern um die Ecke kamen. Episch aufgebaute, überlebenswichtige, offene Fälle verschwinden nach einer Episode (meist: Pilot- oder Finalepisode) im Giftschrank. Und werden erst später wieder ausgegraben. Schlechter Stil. Ich nenne das die pausierte Storystringenz.
Beispiel: Hawaii Five-0 2010, How I Met Your Mother, The Mentalist, Castle
Kennt ihr über pausierte Storystringenz hinweg noch mehr Procedural-Serial-Interferenzen, bei der die Überlagerung schlecht für die Serie ist?

Openings

Die Anwesenheit von Szenen vor der Titel-Sequenz deuten auf eine gute Show hin. Das ist allerdings ein äußerst schwacher Indikator, da so gut wie alle modernen Serien über solche Opening-Sequenzen verfügen3. Wenn ich genauer drüber nachdenke, ist dieser Indikator Quatsch.

Die Regel der ersten beiden Episoden

Die Standardvorgehensweise nach ISO 2135 zur Begutachtung neuer Serien ist die initiale Qualitätsfeststellung nach Sichtung der Pilotepisode — zumindest wenn bereits vorher durch Reviews, Tweets oder andere Halunken ein gewisses Grundinteresse geweckt wurde.
Wichtig (aber gemeinhin unterschlagen) ist allerdings, dass zur Qualitätsbeurteilung auch die zweite Episode zu Rate gezogen wird. Denn die Zweite ist in Wirklichkeit die erste Richtige.
Klingt dumm? Pilotepisoden werden mit einem Großteil des Budgets einer Standardepisode gedreht, müssen Charaktere einführen, die Prämisse etablieren sowie eine überlagerte Story of the Week erzählen. Auch wenn in die Episode vermutlich soviel Arbeit gesteckt wird, wie sonst selten, klappt das ebenso häufig: selten. Denn oft übernehmen sich die Autoren (die für die Pilotepisode häufig aus einem Ein-Personen-Team bestehen, nämlich dem Showrunner) und schaffen Nichts des Anvisierten. Erst die zweite Episode einer Serie ist so, wie auch der Rest der Show sein wird. Daher verdient eben auch die eine Chance auf Sichtung.
Beispiel: Harry’s Law4.

Im zweiten, Inhaltsteil werde ich euch u.a. die Nerdskala Nahe bringen, werde euch über Spinzustände berichten, die Prämissenschildkrötität einführen und von Monozentrie berichten. Yeah.

  1. Geht auch für weibliche Hauptdarstellerinnen. Ist klar. []
  2. Gleichzeitig allerdings auch ein Gegenbeispiel, die Jack-Bauer-One-Man-Show war nämlich lange Zeit gut. []
  3. Und die, die es nicht tun, trotzdem gut sind. []
  4. Die Pilotepisode fand ich krude, verwirrend und ziellos. Erst die zweite Episode zeigte, wo die Serie hingehen wird — und das gefiel mir genug zum Weiterverfolgen. []

Buch: Jack McDevitt – Die Suche

Chase Kolpath ist Archäologin. An der Seite ihres Chefs Alex Benedict forscht sie im Universum nach Hinterlassenschaften ausgestorbener Provinzen der Menschen. Durch einen Zufall bekommen sie eines Tages eine Tasse in die Hand, die das seltene Logo der Seeker trägt. Die Seeker war vor zehntausend Jahren im Jahr 2250 das erste (und größte) Schiff, was ins Universum aufgebrochen ist, um eine menschliche Kolonie zu gründen. Es wurde nie wieder gesehen, genauso wie seine Insassen. Nur Mythen gibt es über Margolia, so der Name der Zielwelt der Auswanderer, zu genüge.
Chase und Alex treten eine Suche nach dem größten Schatz im Universum an, der nicht nur Hinterhalte, lebensbedrohliche Situationen und einen Besuch bei den Stummen (der einzig bekannten weiteren intelligenten Bewohner im Universum; ziemlich fies anzuschauen, aber eigentlich ganz umgänglich) mit sich bringt.

Der Autor Jack McDevitt ist ein relativ großer unter den Science-Fiction-Autoren. Ich kannte ihn nicht – und so schnell werde ich auch kein Buch mehr von ihm lesen.

Die Suche (wieder mal ein lahmer deutscher Titel, der es nicht schafft die Doppeldeutigkeit des originalen „Seeker“ zu transportieren…) ist nett. Nicht gut, aber bei weitem auch nicht schlecht — einfach nur nett.
Die aus der Ich-Perspektive von Chase erzählte Geschichte tröpfelt so vor sich hin. Dabei ist der Stoff eigentlich gut: Eine Schatzsuche in ferner Zukunft, in der es noch genug Menschliches gibt, dass man sich nicht unwohl fühlt, die aber auch mit neuen futuristischen Sachen aufwarten kann. Das Springen von einem Hinweis zum Nächsten. Das Tüfteln. Die Gefahren (auch hier: konservative Gefahren, wie simple Verräter und futuristische Gefahren, wie das Reisen in ein außerirdisches Universum). Wirkt wie ein Indiana Jones in der Zukunft. Das heißt: Könnte so wirken.
Denn im Gegensatz zu Indiana Jones fehlt der Erzählweise der Elan. McDevitt spult die Erlebnisse von Chase ab. Stück für Stück. Stellt euch vor, Steven Spielberg wäre beim Dreh dauerhaft auf Valium gewesen. Der Film, der dabei herausgekommen wäre, der beschreibt das Gefühl, das ich beim Lesen von Die Suche hatte.

Andersrum ist das natürlich nicht so schlecht. Nicht jedes Buch muss die Grenzen erneut austesten und erweitern. Denn Die Suche ist solide geschrieben und stellt routiniert das Abenteuer dar. Und ein paar gute Ideen hat McDevitt auch in der Hinterhand. Zum Beispiel die Frage, um die es sich in der Mitte des Buchs dreht: Was wäre, wenn alle Menschen die Gedanken der anderen kannten? Was wären Menschen, ohne Lüge und Betrug?
Die erfundenen Zitate am Anfang jedes Kapitels sind durchweg seltsam und ich habe absolut keine Ahnung, was ich von ihnen halten soll.

Wenn man nicht viel nachdenken will und mal eben ein Taschenbuch verschlingen will (z.B. nach einer durchgefeierten Nacht oder wenn man vom Besuch von Orion wieder mal so gerädert zurückkommt), dann kann man mit Die Suche eine durchaus angenehme Lektüre finden.
Für mehr taugt sie aber nicht.1

6 von 10 Archäologieraumfahrten

Buch bei Amazon kaufen (Partnerlink). Ein Kapitel auf Englisch probelesen.

  1. Erst recht nicht das Cover! Oh. Mein. Gott! Word-Art meets Clipart-Galerie meets schlechten Geschmack meets talentlos. Wer kauft sich bitte nach so einem Cover das Buch!? Viel zu hässlich. Sowieso, das scheint so ein Sci-Fi-Problem zu sein: Immer wieder schlechte Cover. Und zwar so richtig schlechte. []

Musikkritiken als bunte Diagramme

Noch gar nicht so lange her, da hat sich die Blogosphäre an der Darstellung von Songs mit Hilfe von Diagrammen erfreut. Wirklich schöne, witzige und intelligente Graphen und Torten gab es da zu bewundern .
Bei meiner Recherche für die last.fm-Statistiken-Serie lief mehr etwas durch das WLAN-Kabel, das in eine ähnliche Richtung geht. Und mir bis jetzt völlig unbekannt war.
Andrew Kuos Diagrammkritiken und -meinungen.

BildAndrew Kuo ist ein Künstler, der für die New York Times und für sein eigenes Blog schreibt zeichnet. Wenn andere Leute sagen “Besonders das zweite Lied auf der neuen Platte von Dingsdibums hat mir gut gefallen. Das erste war allerdings relativer Mist”, dann malt Andrew Kuo ein farbenfrohes, eckiges Etwas hin, was seine Meinung zu Dingsdibums in Diagrammform repräsentiert.

BildWas dabei heraus kommt ist wirklich grandios. Meistens braucht man einen Augenblick, bis man verstanden hat, was da aufgezeichnet ist. Denn mit den unterschiedlichen Beschriftungen und Verweisen und Farbgebungen muss man sich immer neu zurechtfinden1. Manchmal wird man aber, je länger man auf die Zeichnung schaut, nur noch verwirrter. Dann ist das Restherausfinden fast schon eine Knobelei (und umso interessanter).
Immer aber finde ich die Diagramme bestaunenswert.

Diese beschränken sich nicht nur auf Plattenkritiken, es kommt auch vor, dass er einen Kinofilm, ein komplettes Konzert, oder sogar die letzten fünf Morrissey-Konzerte graphisch darstellt.
Besonders lustig wird es, wenn andere seine Kritiken wiederum mit Diagrammen kritisieren .

Ich finde das wirklich interessant. Schade nur, dass ich einen Großteil der Künstler nicht kenne, ist des Herrn Kuo Musikgeschmack wohl eher im Hip-Hop-Bereich anzusiedeln2.

Unbedingt das Archiv des Blogs anschauen. Denn trotz dem man wenige der Künstler kennt, die Illustration ist dennoch interessant. Auch noch: Die am 11.9.07 erschienen Platten, geordnet nach Geschmack und “Analyzing Conor Oberst “.

  1. Was umso mehr für die Kreativität des Machers spricht []
  2. Und meiner glücklicherweise nicht ;) []

Rückblick des Jahres 2007: TV-Serien

Rückblick? Jawohl! Hier geht’s zur Übersicht zu meiner kleinen Rückblickreihe inkl. aller Links zu den bisherigen Epsioden.

Es gibt noch mehr auf dieser bunten Welt als Musik. Neben Betonmischmaschinen und Engelvisionen, z.B. TV-Serien. Und da Letztere (der Rest natürlich auch!) einen großen, zeitfressenden Bestandteil meines Freizeitlebens darstellen, hier die passende Liste dazu.

Chuck
Diese Serie ist in der momentanen TV-Saison in den USA gestartet und leidet gerade, wie alle anderen auch, unter dem Autorennstreik. Chuck Bartowski ist ein zwanzigdreißigjähriger Supermarktberater. Er arbeitet am “Nerd Herd” (wegen dieses Namens allein könnte die Serie ganz oben auf der Liste stehen), einem Beratungspanel für sämtliche elektrischen Geräte und trägt dabei immer weißes Hemd mit schwarzer Krawatte (Stil, yes!). Eines Tages bekommt er eine E-Mail von einem alten Studienkollegen, worauf hin er sämtliche Top-Secret-Informationen des FBI, CIA und NSA in seinem Kopf hat. Wird er durch etwas Bekanntes getriggert, so sieht er einen Flash von den Daten, die die Datenbanken dazu zu liefern hatten.
Er ist der einzige, der noch über die Informationen verfügt und muss deswegen beschützt werden. Von zwei Geheimagenten, mit denen er von Folge zu Folge Fälle lösen muss. Und natürlich verliebt er sich in eine Agentin.
Hat man sich erst einmal mit der völlig hirnrissigen Ausgangssituation abgefunden: Eine absolut tolle Serie. Zachary Levi spielt seinen Chuck so dermaßen melancholisch, dabei aber intelligent und zynisch, dass man ihn mögen muss. Immer ist eine gewisse Ironie im Agentenraum, die auf subtile weise den ganzen Geheimkram auf die Schippe nimmt. Aber nie so, dass es zu einem slapstickigen Agent 00 oder Ähnlichem wird. Auch die Nebendarsteller: groß. Sarah hin und her gerissen von ihrem Job und ihren Gefühlen, Morgan, der vertrottelte, aber liebenswürdige Versagerfreund von Chuck und Adam Baldwin als Casey, immer grimmig dreinschauend und den harten Part mimend, so sehr, dass man nur auf den Moment wartet, wann er endlich auch mal ein bisschen weich wird.
Und dann sind da noch diese ganzen Anspielungen, diese nerdigen Einwerfer auf Videospiele, auf Handies und wasweißichnoch. Sympathisch.
Ganz klar ganz vorne.

Übersicht zur Serie bei der iMDB und bei tv.com. Offizielle Seite von NBC, bei der man alle Episoden sehen kann, wenn man aus US and A kommt (Pfeifproxypfeif). Ein Promoclip bei YouTube.

Californication
Eine 12-episodige Kabel-TV-Serie, die den Buchautor Hank Moody bei seiner Selbstwiederfindung begleitet.
Fesselt die Serie am Anfang noch durch ihre groteske, mundoffenstehenlassende Krassheit (Ein schmutziger, arschlochiger Moody, der sich um nichts und gar nichts zu kümmern scheint; 7 unterschiedliche Paare Frauenbrüste in den ersten zwei Folgen!), wird dieses fesselnde Element im weiteren verlauf geschickt weitergetragen und die Tiefe der Geschichte gezeigt. Mann fängt fast an, Moody zu verstehen, wie er zu dem Antiheld wurde, der er irgendwie ist. Man fängt ihn sogar fast an zu mögen und leidet mit ihm.
David Duchovny ist nicht länger Mulder, er ist Hank Moody. Sie passt ihm einfach wie auf den Leib zu geschnitten.

Dexter
Seine Rolle ebenfalls auf den Leib geschneidert bekommen hat Michael C. Hall als Serienkiller Dexter Morgan. Ja, richtig, die Hauptperson dieser Showtime-Serie ist ein Serienkiller. Er kümmert sich um die Leute, die sich irgendwie aus dem amerikanischen Rechtssystem herausgeschlichen haben, aber trotzdem schuldig sind. Wenn Dexter gerade nicht killt, dann ist er Blutmusteranalyst bei der Polizei. Passt, irgendwie, denn Dexter bringt seine Opfer nicht irgendwie um, er macht es stiril und trotzdem brutal, ganz wie es ihm sein Vater gelehrt hat.
Diese Serie ist nicht erst dieses Jahr gestartet. Sie ging dieses Jahr allerdings in ihre zweite Staffel und die war so gut, dass Dexter auf jeden Fall noch eine neue Erwähnung finden muss. Eine zweite Staffel ist immer eine kritische Sache, besonders bei Serials, also Serien mit episodenübergreifenden Handlungssträngen. Aber was die Damen und Herren Autoren hier aus der Geschichte gezaubert haben? Wow! Hut ab. Für mich sogar spannender als die erste Staffel. Klar, es geht der “Boa, wir schauen gerade wirklich einem kranken Serienkiller bei seiner Arbeit zu”-Effekt verloren, aber dafür kommt der “Hey, den Dexter mag ich doch jetzt, du kannst den doch nicht einfach so auffliegen lassen”-Effekt. Kinnladenrunterklapp mit Symapthieteil wird durch Sympathie mit Kinnladenrunterklappteil vertauscht.
Natürlich liefert Michael C. Hall wieder eine lehrbuchhafte Darstellung des gefühlslosen, ausdruckslosen und kopforientierten Dexter ab. Und auch die neue eingeführten Charaktere passen einfach perfekt in die Story.
In allen Teilen die beste zweite Staffel, die ich jemals gesehen habe. Die beste zweite Staffel einer der damit jemals besten Serien. Jawohl. Es lebe der Superlativ.

Passende iMDB-Seite. Dexter’s Greatest Hits (!) bei YouTube (offizielles Promovideo). Promo für die zweite Staffel bei YouTube. Die erste Staffel, reduziert auf 5 Minuten. Heises Telepolis zum kommenden Deutschlandstart über Dexter. Man beachte besonders den Verweis auf die Anspielungen und Verweise.

The Big Bang Theory
Stell dir vor, du bist ein Freak. Ein Physikfreak. Du wohnst mit deinem besten Freund zusammen, auch Dr. der Physik und noch mehr Freak als du. Deine beiden Freunde, mit denen du dir die Tage und Nächte geekig beim Videospielen und Durchführen anderer dem Geektum zugeordneten Tätigkeiten verbringst: auch zwei Physikfreaks. Und jetzt stell dir vor, in die Wohnung neben dir zieht eine heiße Blondine, die mitten in ihrem mindestens ebenso klischeebehafteten Leben steht. Und dann verliebst du dich auch noch, irgendwie zumindest, in sie.
Herzlichen Glückwunsch, du bist Leonard und spielst die / eine der Hauptrollen in der Big Bang Theory.
Diese 20-minütige Sitcom beobachtet den Zusammenprall der beiden Welten und scheut nicht davor, einen Haufen nerd-physikalischer Witze und Anspielungen zu machen. Könnte es etwas schöneres für einen Physikstudenten geben? Comedy und Comedy über Physik, toll gespielt, grandios übertrieben. The IT-Crowd für Physiker. Und jedes Mal ein noch größeres Lächeln auf meinem Gesicht, wenn ich eine der Physikanspielungen verstanden habe.

TBBT bei der iMDB. Trailer im passenden Channel bei YouTube. Im Channel sind ein paar Ausschnitte, z.B. dieser hier.

Burn Notice
Diese vermeintlich kleine Serie lief im Sommer auf einem Kabel-TV-Sender. Sie ist in großen Teilen dafür verantwortlich, dass dieser Sommer in den USA als der Sommer der kleinen Networks galt. Denn dann, wenn die Großen (wie FOX, NBC etc.) mit ihren teuer produzierten Serien pausieren, dann bleibt Platz für (meist) Kabelsender, ihre Produktionen zu versenden. Dieses Jahr kam da u.a. Burn Notice dabei heraus.
Michael Westen ist mitten in einer Geheimmission, er ist Geheimagent, als ihn seine Burn Notice erreicht: Er ist raus. Aus irgend einem Grund lässt ihn die CIA fallen und will nichts mehr mit ihm zu tun haben. Er schafft es sich nach Miami zu retten, zu seiner alten Freundin Fiona (die eine Paraderolle macht, wie man ganz hübsch sein, sich aber noch zehn mal hübscher spielen kann (oder anders: wie man völlig übertrieben mit sämtlichen billigen erotische Reizen des Rezipienten herumspielen kann)) und seinem alten Kumpanen Sam (ein glorreicher Bruce Campbell, der toll den pensionierten Geheimagenten mimt). Dort versucht er, dem Grund für seine Burn Notice auf die Schliche zu kommen (der Serialpart der Story) und sich währenddessen mit dem Lösen kleiner, privater Probleme über Wasser zu halten (der Episocialpart der Story).
Die Serie lief auf dem USA-Network unter dem Titel “Characters Welcome” und Burn Notice macht diesem Titel alle Ehre: Jeffrey Donovan spielt den Michael Westen mit einer Ruhe, einer Tiefgründigkeit, einer Verschmitztheit und mit einer Intelligenz, dass es einfach nur Spaß macht ihm zuzuschauen. Auch der Rest der Story unterhält und macht Spaß.

Greek
Ich schaue gerne Serie (und auch Filme), die den Anschein haben, Teenieserien zu sein. The O.C. gehörte da z.B. zu. Wenn man die Serie nicht kennt, könnte man meinen, es handele sich um eine billige Serie wie GZSZ oder ähnliches. Klar gibt es bei The O.C. soapige Elemente (reichlich), aber wenn man mehr als zwei Folgen gesehen hat, dann wird man feststellen, dass es dort wesentlich mehr zu sehen gibt, als eine Aneinanderreihung von Beziehungskisten und intrigöse Probleme, die an Haaren von vom Aussterben bedrohten Tieren aus Guatemala herbeigezogen sind. Da gibt es humoristische und tiefgründige Dialoge, Projektionen von Gesellschaftsproblemen und noch viel mehr.
Und zu dieser Kategorie “Sieht von außen aus wie eine Teenieserie, ist aber eigentlich viel mehr” gehört auch Greek. Es geht um Rusty, einen Außenseiter, wie er im Buche steht, der zum Studieren auf den Campus zieht und somit unfreiwillig in den Lebens- und Handlungsbereich der Studentenverbindungen (die sich bekanntlich in Amerika immer mit griechischen Buchstaben betiteln…) eindringt. Seine Schwester ist ausgerechnet an der Spitze der tussigsten aller Frauenverbindungen.
In den paar bisher gesendeten Episoden folgt eine kurzweilige Kritik des oberflächlichen Verbindungsleben, das dann doch irgendwann, irgendwie nicht mehr so oberflächlich scheint. Natürlich gibt es die typischen Teenieprobleme: Eifersucht, erste Liebe, zweite Liebe, Anerkennung und all so etwas, aber das Ganze ist mit einem derartigen Charme erzählt, dass es Spaß macht zuzuschauen.
Etwas oberflächlicher erzählt ist da das ebenfalls neugestartete Gossip Girl. Aus der Sicht einer elitären Bloggerin wird das Leben der schönen und reichen Teens der New Yorker Upper Eastside erzählt. Wie ein Unterschicht-Außenseiter Seth Dan endlich die Liebe seines Lebens kennenlernt und die volle Faust des intrigen Lebens der Reichen zu spüren bekommt. Bei weitem nicht so toll wie Greek, aber immer noch leicht-erholsam genug, um es nicht ganz unerwähnt zu lassen.

Greek: Übersichtsseite bei der iMBD und Trailer bei DeinTube.
Gossip Girl: iMDB, Trailer bei YouTube.

Skins
Wenn wir schon bei Teenieserien sind, dann darf eine Serie nicht fehlen: Skins. Aus pro Episode änderndem Blickwinkel einer Person wird das Leben einer britischen Jugendclique betrachtet. Und das Leben hat es in sich. Sex, Drogen, Intrigen, Drogen, Selbstverwirklichung, Drogen und Anerkennung. Und Drogen. The O.C. auf Crack. Böse und verstörend, aber trotzdem sehenswert. Von der Story abgesehen, die toll ist und bei der der Zuschauer Stück für Stück immer Tiefe hinter die Kulisse der kranken Jugendlichen schaut, allein die Technik mit den verändernden Sichtweisen lohnt ein Anschauen. Und so wenig wie das kitschige Lip-sync-Ende zum Rest der Serie passt, so toll ist es und so sehr bildet es einen versöhnlichen Abschluss. Außerdem stehe ich auf Musicalelemente in Filmen / Serien.

Übersicht in der iMBD. Trailer zur ersten Staffel bei YouTube. Brandneuer Trailer zur zweiten Staffel bei YouTube. Artikel zu Skins im Sablog.

Jekyll
Englische Serien mag ich sehr gern. Nicht nur wegen des tollen Akzents, die Regisseure trauen sich dort etwas. Sie können nicht auf die riesengroßen Budgets ihrer Teichnachbarn zurückgreifen, sie müssen das Publikum durch ihre Ideen und ihre Technik überzeugen.
So tut es Jekyll, eine moderne Adaption des zweigesichtigen Klassikers “Dr. Jekyll und Mr. Hyde”.
James Nesbitt spielt dabei die Hauptrolle des Tom Jackmann, der auf einmal anfängt, sich zeitweise in eine andere Persönlichkeit zu verwandeln.
Wenn man alles andere ausblenden würde und nur Nesbitts Gesicht zeigte: Das wäre alleine schon Grund genug zuzuschauen. Ich habe noch nie eine gespaltene Persönlichkeit so perfekt gespielt gesehen. Wiedermal: Wow.

Seite bei der iMDB. Trailer bei YouTube. Seite bei der BBC. Der Anfang der ersten Folge bei YouTube (Ja, richtig, die Dame hat später im Jahre die Bionic Women vergespielt).

Hustle
Diese englische Serie läuft eigentlich schon etwas länger, aber ich habe sie erst im letzten Jahr entdeckt. Und direkt alle vier Staffel (zu á 6 einstündigen Folgen) im Eiltempo konsumiert. Es geht um eine Gaunertruppe mit Ehre, die durch Betrügereien schlechten Menschen das Geld wegnimmt. Der Zuschauer ist immer Teil vom Spiel und man freut sich eine drei-viertel-Stunde lang auf die Auflösung am Ende. Alle Charaktere sind toll getroffen, besonders der Hauptcharakter Mickey Stone, der hoffentlich in der fünften Staffel zurückkommt…

Seite bei der iMDB und bei der BBC. Trailer bei YouTube.

Die restlichen Serien möchte ich nur kurz erwähnen (die Links hinter den Namen gehen jeweils zur iMDB-Seite der Serie):

October Road – Soapiges Drama über einen Schriftsteller, der in seine alte Stadt zurückkehrt. Kleinstadtwelt vs. Großstadtwelt. Auch toller Hauptdarsteller.

Whistler – Kanadische Serie über einen Wintersportort und die Einwohner. Viel Snowboard und auch viel Soap. Macht trotzdem Spaß.

How I Met Your Mother – Taucht nur so weit unten auf, weil die Serie eigentlich schon vor drei Jahren anlief. Aber sie ist immernoch … legendary. DER Maßstab für alle andere Comedy.

30 Rock – Intelligente Comedy aus dem 30. Stock des Rockefeller-Gebäudes über eine Comedy auf NBC. Selbstironisch wie es nur geht und mit Alec Baldwin in der Hauptnebenrolle grandios besetzt. In NBCs grüner Woche war sogar Al Gore zu Gast, dessen “Quiet. A Whale is in trouble. I have to go.” allein schon großartig war. Läuft ebenfalls schon in der zweiten Staffel und ist ebenfalls nur deswegen hier unten.

Switch Reloaded – Auch, und eigentlich: gerade in der zweiten Staffel einer von zwei (bzw. drei) Hoffnungsschimmern im deutschen Fernsehen. Switch kennt keine Tabus und macht einfach Witze über alles. Allein die Stromberg-Persiflage “Obersalzberg“. Perfekt getroffen, sie, wie alles.

Dr. Psycho – Das ist der andere Schimmer. Christian Ulmen spielt wunderbar den Polizeipsychologen. Mehr dazu hatte ich schon mal geschrieben.

Doctor Who (2005) – Neuauflage der legendären englischen Sci-Fi-Serie über den Zeitreisenden Doctor. Erst dieses Jahr für mich entdeckt, aber für äußert gut befunden.

Puuuh, was ein langes Post.