Tag Archive for 'Buch'

Buchupdate: Coruum 3 und Limit-Anfangsnotizen

Coruum 3Nur ein kurzer Hinweis: Coruum Volume 3 ist erschienen1. Letzte Woche in ein paar ausgewählten Buchhandlungen, seit gestern kann es auch bei Amazon bestellt werden2.

Ich selbst lese gerade noch den vor einer Woche rausgekommenen neuen Frank-Schätzing-Roman »Limit«3, der nicht nur knappe 400 Seiten länger4 als »Der Schwarm« ist, sondern auch auf fast bibel-esk dünnem Papier gedruckt ist. Nach den ersten 150 Seiten5 gefällt’s mir, wiedermal, sehr gut. Wenn das Buch so bleibt, dann wird’s ein hübscher Mainstream-Science-Fiction6.

Nach Limit7, so der Plan, möchte ich erst mal die Bände 1 und 2 querlesen, um noch mal in die Welt das Universum von Coruum einzusteigen – und dann wird’s auch den dritten Teil für mich geben.

  1. Coruum? Ein Buch. Siehe hier – oder hier. []
  2. Partnerlink []
  3. Partnerlink []
  4. Und damit 1400 Seiten dick ist… []
  5. In diesen Semesterferienende-Geburtstags-Tagen kommt man einfach nicht auf eine ordentliche Lesefrequenz… []
  6. Aber das Genre hatte sich bei Der Schwarm während des Buchverlaufs ja auch ein paar mal geändert. []
  7. Also wahrscheinlich im Herbst 2015. []
Kommentare

Coruum 3 im Oktober

CoruumEnde 2007 habe ich hier ein Buch über alle Himmeln gelobt, weil es mir so unglaublich gut gefallen hat.
“Coruum” wurde von Michael R. Baier geschrieben und verstrickt ganz wunderbar Science-Fiction mit mystischer Mayakultur und dem Jetzt. Wer von Coruum noch nichts gehört hat: Nehmt euch die 10 Minuten und lestkurz mein Review von damals!

Der erste und zweite Teil der Coruum-Trilogie sind bereits vor einiger Zeit erschienen. Der dritte Teil ließ allerdings auf sich warten.
Eigentlich war »Ende 2008« das Ziel zur Fertigstellung…
Nun, das liegt hinter uns.
Jetzt hat Baier auf der Coruum-Webseite einen neuen Erscheinungstermin für das Buch bekannt gegeben:

Volume 3 erscheint zur Frankfurter Buchmesse 2009!

Die Frankfurter Buchmesse findet vom 14. bis zum 18. Oktober statt.
Mitte Oktober sollte ich also endlich den heißersehnten dritten Teil vom Buch in den Händen halten. Juchu!
Und ich bin völlig optimistisch, dass das klappt!

Kommentare

Buch: Douglas Preston – Credo

Achtung, ganz leichte Spoiler voraus…
Wyman Ford war mal bei der CIA. Doch dann passierten Dinge, geheime Dinge, die ihn zum Verlassen des Vereins brachten. Er ging sogar zwei Jahre ins Kloster. Zurück zu Hause gründet er eine private Detektei – deren Aufträge allerdings ausbleiben. Bis er eines Tages zum wissenschaftlichen Berater des Präsidenten bestellt wird. Dieser hat einen Auftrag für ihn: Er soll bei einem neuen, großen Projekt in einem Navajo-Reservat den Vermittler zu den Einheimischen spielen. Außerdem soll er, undercover sozusagen, herausfinden, was da bei dem Projekt los ist, dass es immer noch keine Ergebnisse geliefert hat. Ford sträubt sich, nimmt den Auftrag aber schließlich an.
Das Projekt, um das es geht, ist ein Teilchenbeschleuniger. In dem Ding namens Isabella werden kleinste Teilchen im Kreis angeschupst, bis sie quasi Lichtgeschwindigkeit haben. Dann lässt man sie mit unglaublicher Energie kollidieren und beobachtet, was passiert. Dabei untersucht man in Isabella den Urknall – das Entstehen des Universums. Für 40 Milliarden Dollar wurde der Teilchenbeschleuniger als Antwort auf das CERN in der Schweiz gebaut. Es ist tief eingebettet in die alten Strukturen einer Kohlemine des Red-Mesa-Hochplateus, umgeben von einem Navajo-Reservat.
Das wissenschaftliche Mastermind hinter dem Ringbeschleuniger ist Gregory Hazelius. Nach Nobel- und anderen Preisen und Auszeichnung kam dieser nach dem Tod seiner Frau mit den Plänäen für den nie dagewesenen Teilchenbeschleuniger aus einer zweijährigen Versenkung zurück. Sein Stab besteht aus zwölf, von ihm handverlesenen Wissenschaftlern – allesamt die Besten ihres Fachs. Darunter auch Fords ehemalige Liebe Kate.
Ford findet heraus, dass die Wissenschaftler glauben, etwas wie Gott im Zentrum der Teilchenkollision gefunden zu haben. Es muss aber ein weiterer Test, dieses mal ein viel ausgiebiger Test her, um “K-Null” genauer zu untersuchen.
Während das Team um Hazelius weiter fleißig an ihren Computern in der Wüste Arizonas rumschraubt, ruft der christliche Fernsehprediger Don T. Spates zum Kampf gegen die sekulären Humanisten von Isabelle auf, die dort schließlich mit Milliarden staatlicher Mittel die einzige Wahrheit der Enstehung der Menschheit (nämlich die Biblische) wiederlegen wollen. Seine rechte Hand im Navajo-Reservat ist Pastor Eddy. Dessen Glaube steigt ihm aber schnell zu Kopf und er schickt groß angelegt eine E-Mail an praktisch das ganze christliche Internet. Kurz darauf stehen tausende gewaltbereiter Christen vor den Toren der Red Mesa, bis unter die Zähne bewaffnet mit Schusswaffen und Kochlöffel – bereit, die Titantüre zum Teilchenbeschleuniger zu Stürmen und alle ungläubigen Blasphemiker brutal zu töten.

Ganz schön lange Inhaltseinleitung. Für so ein blödes Buch.

Im Stil von Dan Brown’s Erfolgsgeschichte vermischt Preston in Credo Wissenschaft und Glaube. Urknall-Forscher vs. rechte Terrorchristen1. Dabei greift er das trendige Thema des Teilchenbeschleunigers auf (im CERN wird der größte Teilchenbeschleuniger der Welt am 10.9. in Betrieb genommen – übrigens unter nicht zu knapper Beteiligung der USA). Tatsächlich gibt es auch bei dem Thema (sehr) kritische Stimmen, deren Befürchtungen sich um Schwarze Löcher und Weltuntergang drehen. Mit Sicherheit werden also auch ein paar Terrorchristen dabei sein, die im Teilchenbeschleuniger einen direkten Feind (also vielleicht sogar den Teufel) sehen.
Aber hallo!?
Doch nicht so. Doch nicht mit Tausend-Mann-Revolte. Mit Wallfahrts-Showdown. Das ist wirklich etwas zu dick aufgetragen, Herr Preston. Selbst innerhalb der im Buch etablierten Welt wirkt so eine christliche Eigenbewegung einfach nur künstlich. Einen Kreuzzug im 21. Jahrhundert stelle ich mir anders vor. Auch einen von Terrorchristen.

Und der Rest? Naja.
Die Charaktere sind relativ lasch gezeichnet, die Dramatik ist zumindest “ok”. Die Liebesbeziehung ist auch aushaltbar (bleibt aber hinter ihrem Potenzial zurück…).
Positiv herausheben möchte ich zwei Dinge. Zum Ende hin, als ‘Auflösung’, als Gott des Teilchenbeschleunigers hat sich Preston eine tolle Theorie zurecht gezimmert. Doch, ja, das gefiel mir ein bisschen. Und dann war da der Versuch, Realtiät und Geschichte mit in das Buch einzuweben. Die Kultur und Leidensgeschichte der Navajo-Indianer. Der Schauplatz in der Mesa. Das war alles ok.

Trotzdem.
Das Buch hat mich nicht vom Hocker gehauen. Lies sich zwar ‘mal eben’ lesen, aber hat wegen der Terrorchristen einfach zu viel aufgeregt.

  1. Tolles Wort. Kommt so nicht im Buch vor. Benutze ich aber jetzt trotzdem. []
Kommentare

Buch: Jack McDevitt – Die Suche

Chase Kolpath ist Archäologin. An der Seite ihres Chefs Alex Benedict forscht sie im Universum nach Hinterlassenschaften ausgestorbener Provinzen der Menschen. Durch einen Zufall bekommen sie eines Tages eine Tasse in die Hand, die das seltene Logo der Seeker trägt. Die Seeker war vor zehntausend Jahren im Jahr 2250 das erste (und größte) Schiff, was ins Universum aufgebrochen ist, um eine menschliche Kolonie zu gründen. Es wurde nie wieder gesehen, genauso wie seine Insassen. Nur Mythen gibt es über Margolia, so der Name der Zielwelt der Auswanderer, zu genüge.
Chase und Alex treten eine Suche nach dem größten Schatz im Universum an, der nicht nur Hinterhalte, lebensbedrohliche Situationen und einen Besuch bei den Stummen (der einzig bekannten weiteren intelligenten Bewohner im Universum; ziemlich fies anzuschauen, aber eigentlich ganz umgänglich) mit sich bringt.

Der Autor Jack McDevitt ist ein relativ großer unter den Science-Fiction-Autoren. Ich kannte ihn nicht – und so schnell werde ich auch kein Buch mehr von ihm lesen.

Die Suche (wieder mal ein lahmer deutscher Titel, der es nicht schafft die Doppeldeutigkeit des originalen „Seeker“ zu transportieren…) ist nett. Nicht gut, aber bei weitem auch nicht schlecht — einfach nur nett.
Die aus der Ich-Perspektive von Chase erzählte Geschichte tröpfelt so vor sich hin. Dabei ist der Stoff eigentlich gut: Eine Schatzsuche in ferner Zukunft, in der es noch genug Menschliches gibt, dass man sich nicht unwohl fühlt, die aber auch mit neuen futuristischen Sachen aufwarten kann. Das Springen von einem Hinweis zum Nächsten. Das Tüfteln. Die Gefahren (auch hier: konservative Gefahren, wie simple Verräter und futuristische Gefahren, wie das Reisen in ein außerirdisches Universum). Wirkt wie ein Indiana Jones in der Zukunft. Das heißt: Könnte so wirken.
Denn im Gegensatz zu Indiana Jones fehlt der Erzählweise der Elan. McDevitt spult die Erlebnisse von Chase ab. Stück für Stück. Stellt euch vor, Steven Spielberg wäre beim Dreh dauerhaft auf Valium gewesen. Der Film, der dabei herausgekommen wäre, der beschreibt das Gefühl, das ich beim Lesen von Die Suche hatte.

Andersrum ist das natürlich nicht so schlecht. Nicht jedes Buch muss die Grenzen erneut austesten und erweitern. Denn Die Suche ist solide geschrieben und stellt routiniert das Abenteuer dar. Und ein paar gute Ideen hat McDevitt auch in der Hinterhand. Zum Beispiel die Frage, um die es sich in der Mitte des Buchs dreht: Was wäre, wenn alle Menschen die Gedanken der anderen kannten? Was wären Menschen, ohne Lüge und Betrug?
Die erfundenen Zitate am Anfang jedes Kapitels sind durchweg seltsam und ich habe absolut keine Ahnung, was ich von ihnen halten soll.

Wenn man nicht viel nachdenken will und mal eben ein Taschenbuch verschlingen will (z.B. nach einer durchgefeierten Nacht oder wenn man vom Besuch von Orion wieder mal so gerädert zurückkommt), dann kann man mit Die Suche eine durchaus angenehme Lektüre finden.
Für mehr taugt sie aber nicht.1

6 von 10 Archäologieraumfahrten

Buch bei Amazon kaufen (Partnerlink). Ein Kapitel auf Englisch probelesen.

  1. Erst recht nicht das Cover! Oh. Mein. Gott! Word-Art meets Clipart-Galerie meets schlechten Geschmack meets talentlos. Wer kauft sich bitte nach so einem Cover das Buch!? Viel zu hässlich. Sowieso, das scheint so ein Sci-Fi-Problem zu sein: Immer wieder schlechte Cover. Und zwar so richtig schlechte. []
Kommentare

Buch: Sergej Lukianenko – Spektrum

Martin Dugin ist, ganz anders als es sein Name vermuten lässt, russischer Staatsbürger und lebt in Moskau. Wenn er gerade nicht mit seinem Onkel die unendlichen Weiten der kulinarischen Kochkunst erforscht, betätigt er sich als Privatdetektiv. Sein Spezialgebiet ist alles, was sich außerhalb der Erde abspielt. Ein interstellarer Privatdetektiv sozusagen. Er gehört mit zu den Großen und Erfolgreichen seiner Riege und verfügt über einen guten Ruf. Denn er kann eines besonders gut: Geschichten erzählen.
Vor ein paar Jahren kamen aus heiterem Himmel die Schließer auf die Erde. Eine außerirdische Rasse, die entfernt an haarige Big-Foots erinnert. Sie brachten zwei Hand voll Torstationen auf die Erde und verteilten sie auf die Großstädte aller Kontinente. Die Stationen sind Teleportapparate, die auf mysteriöse Art zu einer anderen Torstation teleportieren. Zuvor muss der Reisende allerdings eine Eintrittsgebühr bezahlen: Er muss die Einsamkeit und die Langeweile der Schließer durch eine gute Geschichte vertreiben. Was gut und was schlecht ist, das scheint völlig willkürlich im Ermessen der Schließer zu liegen. Martin hat die Erfahrung gemacht, dass persönliche Geschichten, Geschichten, die sich mit tiefsinnigen Gedanken auseinandersetzen und idealerweise sogar über eine Sinnesänderung verfügen am sichersten die Reise auf einen anderen Planeten einleiten können.
Eines Tages kommt ein wohlhabender russischer Geschäftsmann auf ihn zu. Seine Tochter Irina ist verschwunden – er vermutet, dass sie sich auf einen fremden Planeten befindet. Martin soll sie wiederfinden. Ist eigentlich nicht so komplex, wie es sich zuerst anhören mag. Martin hat häufiger nach vermissten Personen gesucht. Und auch Irinas Fährte hat er relativ schnell aufgespührt: Sie ist bei ein paar Forscher-Hippies auf dem Planeten “Bibliothek”. Die Gruppe ‘Wissenschaftler’ möchte herausfinden, was die in Stein gemeißelten Schriften bedeuten, die überall auf dem Planeten verteilt sind.
Martin findet Irina endlich, doch bereits nach einem kurzen Plausch wird sie von einem Tier getötet. Von einem Tier, was normalerweise nie tötet. Das ist gar nicht in seinem Gehirn vorgesehen. Seltsame Sache, aber passiert schon mal.
Irinas letzte Worte schwirren Martin auf der Erde immer wieder im Kopf herum. Als er schließlich herausgefunden hat, was sie bedeuten und er ihnen folgt, steht auf einmal wieder Irina vor ihm. Lebendig.

In sieben Kapiteln, die passend zum Titel des Buches die sieben Farben des Regenbogens tragen1 geht es um die Suche nach Irina und die Suche nach den Schätzen des Universums. Oberflächlich. Eigentlich geht es um wesentlich mehr.

Was ich zu aller erst an Spektrum feststellen musste, war die eloquente Sprache des Herrn Lukianenko2. Zum Anfang hin war das sogar störend. So sehr, dass ich das Buch über ein halbes Jahr zur Seite legte und lieber anderweitig fremdlas. Irgendwann kam ich dann aber wieder auf Spektrum zurück und las weiter. Und nach ein paar Seiten war von der anfänglichen Sprachabstoßung keine Spur mehr. Das Ärgernis wandte sich in erfrischende Andersheit – wenn sie denn überhaupt einmal auffiel.

Apropos Andersheit. Was ich dann feststellte: Russland. Die meisten Geschichten, die ich bisher gelesen habe, waren aus der Sicht eines Amerikaners erzählt. In Amerika. Gut, Deutschland hatten wir auch schon. Der Rest Europas ebenfalls. Allerdings immer Länder, die man im Volksmund als ‘westlich’ klassifiziert. Russland hatte ich noch nicht. Spektrum spielt aber genau da (zumindest, wenn nicht gerade auf einem anderen Planeten). Zum Einen ist auch das erfrischend. Es gibt andere Sichtweisen (zumal allerdings storybedingt die armen Regionen der Moskauer Vorstädte umgangen werden, die ich zumindest im Kopf habe, wenn ich an Moskau abseits der post-Zar-Ära denke) und andere Charaktere als aus dem typischen amerikanischen Thriller. Zum Anderen ist das befremdlich und seltsam. Besonders gemerkt habe ich das in den vielen Prologen, die sich allesamt um’s Essen drehen. Da werden dann Mahlzeiten konsumiert, von denen ich die Zutaten noch nicht mal in ihrer Sorte bestimmen könnte.

Martin ist eine Person, die von Lukianenko mindestens genauso ambivalent dargestellt wird, wie meine Wahrnehmung der russischen Kultur ist. Er ist sehr sympathisch, ist der intelligente, fast spießerhafte Genießertyp (wie er sich ja später auch selbst bezeichnet), der immer die Kontrolle über die Situation zu haben scheint, sich ausführliche Gedanken über die Problemlösung macht und uns an ihnen teilhaben lässt. Aber da fängt, zumindest empfinde ich das so, die Ambivalenz an: Wie aus heiterem Himmel, ganz plötzlich hat Martin das Rätsel gelöst; spricht er zu den Schließern in doppeldeutigen Bildern, die komplette sozialanalytische Studien repräsentieren und völlig losgelöst von allem Vorherigem aus dem Nichts erscheinen. Das wirkte wie aus einem schlechten Film, wo der Held nur aus der Schlucht gezogen werden kann, weil zufällig ein Bodybuilder-Wanderer vorbeikommt. Nur auf einer anderen, weil meist theoretischen und dadurch etwas befremdlichen Ebene. Stellenweise fragte ich mich, ob ich zu dumm war, um die Genese seines Gedankens zu verstehen, aber mehrmaliges, genaueres Lesen der vergangen Seiten ließen mich beruhigt “nein” denken.

Überwältigt war ich stellenweise von den Ideen, die Lukianenko hat. Teleportstationen, klar, sowas ist im Trend, nicht erst seit Stargate. Aber verwaltet von einer anderer Macht, die nichts weiter will als Geschichten? Spoiler: Und das letztlich nur zum Willen des Reisenden, um ihm durch Selbstreflexion ein “Aufstieg” auf eine höhere Ebene des Seins zu ermöglichen…. Das ewige Spiel zwischen möglicher Vorhersehung, möglicher übergeordneter Macht oder Zufall. Und dann die einzelnen Skizzen von außerirdischen Kulturen und ihren Eigenarten. Ihren limitierenden “Kulturmacken”. Dass gerade der Sinn des Lebens die Macke der Menschen ist. Dann die Skizzen von den Planeten mit ihren fast schon mystischen Besonderheiten.
Und das sind nur die offensichtlichen, aller Ideen Lukianenkos. Wie so vieles in Spektrum, verbergen sich bei genauerem Hinsehen und Nachdenken ein paar interessante Gegebenheiten unter der Oberfläche.

Die Prologe zu den Kapiteln, die allesamt kulinarischen Inhalt haben, erschließen sich mir allerdings nicht so ganz. Das Gefühl habe ich zumindest. Das Buch ist vollgestopft mit tiefsinnigen und bedeutungsschweren, mit metaphorischen Zeilen. Aber in den Prologen kann ich beim besten Willen so gut wie nichts davon finden. Schon wieder: bin ich zu doof, oder sind die Prologe absichtlich sehr künstlerische Brüche mit der Restgeschichte und der Reststilistik, so wie es Martin als (übertrieben) schizophrene Persönlichkeit zwischen Genießertyp und Detektiv ist3?

All das, was mich am Buch stört, kulminiert im letzten Kapitel; in der letzten großen Szene. Ohne hier zu viel über das Ende verraten zu wollen, dort wird schnell gesprungen, Lösungen nur angedeutet, Dilemma in Stichwörter diskutiert und auf einmal ist da die Lösung.
Aber auch alles, was ich am Buch gut fand, kulminiert dort. Im letzten Kapitel. Lukianenko baut geschickt seine Geschichte dorthin gehend auf und schafft es dieses Mal, dass man der Genese folgen kann. Gut, die ‘Schießerei’ ist etwas episch und langatmig, aber wohl weil ich schon wusste, worauf die Lösung so ungefähr hinauslief und es kaum erwarten konnte, eine Bestätigung zu erlangen.
Die Zeilen sind jetzt etwas kryptisch, für Nichtkenner dieses Buchs. Aber wenn ihr das Buch hinter euch habt, dann könnt ihr ja nochmal vorbei schauen und dann sagen, ob es euch ähnlich ging.

Auch wenn das Buch ein paar negative Eigenschaften hat (und aus meiner Beschreibung könnte man sogar denken, es seien einige — aber das ist nicht so!), ich kann es für (Soft-)Science-Fiction-Möger uneingeschränkt empfehlen. Die sprachgewandte und illustere Schreibweise, die schönen kleinen Ideen, das große Rätsel, welches über allem steht sind absolut lesenswert.

8 von 10 “Einsam ist es hier und traurig.”

Wer selbst einmal hineinschauen möchte, der findet auf der Verlagsseite von Heyne eine recht üppige Leseprobe der ersten 40 Seiten des Buchs. Noch eine Rezension gibt’s auf der Lukianenko Fan-Seite imzwielicht.de.
Direkt kaufen kann man das Buch z.B. über diesen Amazon-Partnerlink, bei dem ich Juwelen im Wert eines kleinen Schlucks Cola mitverdiene!

  1. Der originale, russische Untertitel ist ein Merkspruch, mit dem man sich die Farben in der richtigen Reihenfolge merken kann — wie ich bei meiner Nachherrecherche feststellen durfte. []
  2. Den man übrigens von “Wächter der Nacht / Tag / Bundeslade” kennen könnte. Spektrum ist allerdings wesentlich weniger Horror, wesentlich weniger Fantasy und dafür viel besser. Jawohl []
  3. Negativ könnte man hier auch Fragen, ob vielleicht die Prologe unbeding als Füllmaterial hineingepresst werden mussten. Tun wir aber nicht. []
Kommentare

Seite: 1 2 3 Älter »





3.14159