Kategorie-Archiv: Gedanken

Das Denken der Gedanken ist gedankenloses denken. Stimmt nicht.

Daft Punk und der Hype

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Eine relativ unbekannte Band tauchte Anfang des Jahres aus ihrem Technokellerversteck auf. Daft Punk, eigentlich zwei Franzosen, seit einem unglücklichen Unfall im Studio allerdings zu Robotern mutiert, wechselten im Januar die Plattenfirma und kündigten an, im Mai ein neues Album rauszubringen.
Am Freitag, 17. Mai, ist es soweit.1 Random Access Memories, das vierte Studio-Album Daft Punks, wird erscheinen.

Und was die Daft-Punk-Maschine gerade herum-promotet, das ist ordentlich.
Ein Marketing-Chef der Plattenfirma sagt dazu:

They want to promote the record as if MTV never existed. They control everything.

Das klappt nur, wenn man a) ein etablierter Künstler ist, auf den die ganze Welt brennt und wenn man b) ein Marketing-Budget in der Größe eines durchschnittlichen europäischen Staatshaushalts hat. Oder so. Jedenfalls: Kohle.
Daft Punk wollten einen klassischeren Ansatz an die Albumwerberei, als er sonst so im Moment verfolgt wird. Sie wollten dicke Plakate, die auf das Wichtigste reduziert sind. Das hippe virale Marketing überspringen sie — schließlich machen das die Fans schon ganz alleine für sie.

Eine Zusammenfassung.

Daft Punk Helmets as of Random Access Memories

Background

Daft Punks letztes richtiges Studioalbum war Human After All 2005. Die Platte mit eher knarzigen Songs, wie The Prime Time of Your Life, oder dem bekannteren Technologic. Nominiert für einen Grammy, aber Charts-mäßig nicht so erfolgreich wie der Vorgänger Discovery von 2001. Auf Human After All folgte 2007 eine Live-Tour, zusammen mit Album, Alive 20072. Der Clou: Jedes Lied ist aus zweien zusammengemixt.
Ende 2010 lieferten Daft Punk, passend, den Soundtrack für Disneys Reboot von Tron, Tron: Legacy, ab. Endlich neuer Stoff, weil Filmmusik zwar atmosphärisch und durchaus bassgeladen, aber halt doch etwas lahm zum tagtäglichen Anhören.

Der Anfang der Promo

Für Random Access Memories3 wechselten sie von Virgin zu Columbia, einem Sony-Label, das ihnen vermutlich das beste Angebot für ihr neues Album machte. Schließlich brauchte ihre Promo-Vision Geld.

Mehr als die Pressemitteilungen gab es zu Random Access Memories das erste Mal am 2. März, als Daft Punk einen 15-Sekunden-Spot in der Werbepause der amerikanischen TV-Show Saturday Night Live (SNL) ausstrahlten. Ziemlich reduziert: Der ikonische Bandschriftzug in glitzernder Textur; zwei halbe Helme, die von außen nach innen wandern. Und im Hintergrund, zum ersten Mal seit sieben Jahren, neue Musik. Ein funkiges Gitarrenstück, gleichzeitig so Daft Punk und so Nicht-Daft-Punk. Cool. Aber… mehr!
Das gab’s drei Wochen später. Wieder in Form eines 15-Sekunden-Clips bei SNL. Wieder arg reduziert, allerdings dieses Mal mit dem Albumtitel und typisch Vocoder-verzerrtem Gesang im Hintergrund. Wie sich langsam herausstellte, ein Ausschnitt von Get Lucky, der ersten Singleauskopplung aus Random Access Memories, gesungen von Pharrell Williams.

Irgendwann zu der Zeit ging auch die Webseite zum Album online, die im Wesentlichen exakt das gleiche zeigte.

Got Lucky

Langsam kam die Maschinerie ins Rollen. Und erreichte schließlich den Höhepunkt am 13. April, als erst auf dem Coachella-Festival4 und dann auch wieder während SNL ein echter kleiner Musik-Video-Clip lief. Eine Minute lang5 sehen wir Daft Punk, Pharrell Williams und Nile Rodgers in Klitzerkostüm zu Get Lucky abfunken. Das einzige, annähernd Musikvideo-eske, was es zu diesem Song je geben soll.6 Und, wieder, ikonisch-reduziert, mit Stil.

Got Moar

Die langsame Einführung der ersten Single — und damit der Anstoß der Promo zum Album — war durch. Ab jetzt ging’s mit genereller Promo weiter.

Random Access Memories konnte im iTunes-Store vorbestellt werden, bevor überhaupt die Namen der Tracks bekannt waren. Die Tracklist bestand aus einer Reihe von Zahlen und den Abspiellängen der Stücke. Erst am 16. April, drei Wochen nach Vorbestellbarkeit des Albums, gab Columbia via eines künstlerischen Vine-Videos (!) die Trackliste bekannt. Natürlich steht seitdem Random Access Memories ganz oben auf den Vorbestellt-Toplisten.

Mitarbeiter

Am 3. April startete ein wichtiger Eckpfeiler der Online-Promo-Kampagne zu Random Access Memories. In der Kurz-Video-Serie The Collaborators gibt’s Porträts von Künstlern, die auf dem Album mitgearbeitet haben. Und, schaut man sich das Tracklisting an, gibt es nur zwei Stücke, die von Bangalter und de Homem-Christo alleine geschrieben sind.
Natürlich arbeitet Daft Punk nicht mit irgendwem zusammen. Beschränkte sich die musikalische Verbeugung vor der Musikgeschichte in den alten Alben noch darauf, klassische Stück zu samplen, holt das Roboter-Duo für Random Access Memories Musikurgesteine direkt mit in den Schaltkreis. Episode eins gibt die Bühne Giorgio Moroder, weiter geht’s mit Todd Edwards, Nile Rodgers, Pharrell Williams, Panda Bear (Animal Collective), Chilly Gonzales, DJ Falcon und Paul Williams (Links gehen jeweils zum Wikipedia-Artikel, für die Videos nehmt die offizielle YouTube-Playlist).
Immer dürfen die Porträtierten von ihrer persönlichen Historie berichten, was ihnen wichtig ist in der Musik, wie sie sie beeinflusst hat und haben. Und dann natürlich, wie die Zusammenarbeit mit Daft Punk war und wie toll alles ist und Daft Punk und sowieso. Promo eben. Aber, trotzdem, toll anzuschauen.

Klassische Reklame

Während der Tag der Albumveröffentlichung näher rückt, erlischt das Non-Disclosure Agreement, das große Zeitungen nach dem Vorhören der Platte unterzeichneten. Neben etlichen Reviews der Platte gibt’s auch immer mehr Interviews — z.B. dieses ausführliche von GQ. Dazu gibt’s sogar ein Fotoshooting, und eins bei Yves Sant Laurent (!): Obsession — immer reduziert, fancy und subtil ironisches.
Auch sonst: Viele Artikel in sämtlichen relevanten Zeitungen und Nachrichtenmagazinen (z.B. hier und Spiegel Online hat etwas ok-es). Daft Punk sind zurück, Jubelei!

Langsam gibt es Listening Partys, bei denen man als Auserwählter in einen Club eingeladen wird, vernehmlich mit dicken Soundsystem. Dann kommen Menschen, verkleidet als Daft Punk, herein, bestückt mit einem schweren Koffer. In einem dramatischen Akt wird der geöffnet und daraus das neue Album gespielt. Auf Lautstärke-Level 11, mindestens.

Währenddessen fahren riesige Promo-LKWs durch Tokio.7

Das Internet

Natürlich gibt’s neben der offiziellen Daft-Punk-Seite noch einen weiteren Part, der den Hype macht. Das Internet (übrigens die beste Version des Internets, seit seiner Erfindung vor 256 Jahren).

Als Hub, wie so häufig, fungieren /r/daftpunk und diverse Tumble-Logs. Bei Letzterem ist besonders Daft House zu erwähnen. Da werden Bilder gesammelt, Infos geteilt — jeder Informationsbrocken protokolliert.

Und Reddit? Reddit ist Reddit.
Die Abonnementzahlen steigen steil an.
Man teilt Anekdoten, Bilder seiner Plattensammlung, Bilder der verrücktesten DP-Gadgets, stellt lebenswichtige Fragen (»Hey, gibt’s noch irgendwo die Fake-Kreditkarten von Discovery«?), teilt und diskutiert Leaks und analysiert sie auf ihre Authentizität. In den letzten Tagen besonders Letzteres.

Außerdem: Hunde, die als Daft Punk verkleidet, Get Lucky tanzen.

Conclusion

Daft Punk fahren eine ganz schön krasse Marketing-Maschinerie mit Random Access Memories auf. Das freut mich, immerhin bin ich großer Daft-Punk-Fan.

Ich freue mich auf’s Album.
Allerdings wird’s sicherlich nicht so großartig, wie der Hype verspricht. Versteht mich nicht falsch, das Album wird großartig — komme was wolle, aber bei soviel Dauerbedaftpunkung? Das legt die Messlatte ganz schön hoch.

Freitag wissen wir mehr.

Technisches

Credit, wem Credit gebührt. Die Schriftart, in der der Seitenname andisblog gesetzt ist, Daft Font von MatreroG. Der Titel dieses Beitrags ist gesetzt in V5 Prophit DOT von Roberto Christen. Die Hintergrundbilder sind meine eigenen – vom Alive-2007-Konzert in Düsseldorf.

  1. Vier Tage vor dem Erscheinen in den USA! []
  2. Von dieser Tour entstammen auch meine Bilder im Hintergrund dieses Beitrags. Zumindest, wenn ihr ihn in der Einzelansicht anschaut. TUT DAS. JETZT. []
  3. Eine Anspielung auf den Arbeitsspeicher-RAM in eurem Computer. []
  4. Einen Tag zuvor. []
  5. Die Kohle! []
  6. Jedenfalls nach meinem Kenntnisstand momentan. []
  7. Geogeblocktes Video. []

Andi vs. Die Cloud: Epilog

cloudheaderMein neues MacBook hat nur eine kleine SSD. Die Daten will ich gerne in die Cloud schieben. Aber es gibt so viele!

Für mein Problem der Cloud-Auslagerung ist Bitcasa also der Heiland. Alles ist gut und wir können nach Hause zu unseren Lieblings-Advice-Animals surfen1?
Nee.
Denn Bitcasa ist nur ein Teil meines persönlichen Speicherplatzbewältigungsmechanismus.
In diesem Epilog möchte ich vom Rest berichten, einzwei nützliche Tools erwähnen und schließlich ein Fazit ziehen.

Alternativdatenträgerspeicherung

Als ich mein MacBook letztes Jahr bekam, hatte ich erstmal keine Zeit, großartig herum zu experimentieren. Not macht langweilig und so besorgte ich mir als kurzfristige und mittlerweile zusätzliche Lösung eine externe Festplatte.
Cool wäre es gewesen, eine Platte mit Apples neuem Thunderbolt-Anschluss zu bekommen. Aber davon gibt’s weder viele, noch sind die besonders günstig.
Ich hab das Nächstbeste genommen: USB 3.0. Eine Toshiba-1-TB-Platte beherbergt jetzt meine Daten. Und ist außerdem zweites Time-Machine-Ziel beim Backup. Wir könnten ja von einem Asteroiden… ihr wisst schon.

Nifty Mini DriveSchon bevor ich mein Notebook bekam, gab es ein Kickstarter-Projekt, das ich interessant fand. Das Nifty Mini Drive ist ein microSD→SD-Adapter, extra für MacBooks. Der Adapter verschwindet ohne Überstand im SD-Port des Geräts und ist dafür gedacht, längere Zeit im Gehäuse zu bleiben. Die momentane größte microSD-Karte liefert 64 GB, immerhin zusätzliche 25% meines internen MacBook-Speichers.
Ich backte unterstützte das Projekt und bestellte ein Drive. Wie das so ist bei Kickstarter-Kampagnen: Das dauert alles etwas. Es gab einen Haufen Verzögerungen. Aber tatsächlich liegt seit letzter Woche das Nifty Mini Drive bei mir zu Hause und wartet auf das Ankommen der microSD-Karte. Damit ich das Ding endlich benutzen kann.

Musik-Vercloudung

Musik besitzt man mittlerweile nicht mehr. Man mietet sie. Gestreamt aus der Cloud.
Spotify ist synonym mit dem Modell. Für 10 Euro greift man über das Programm auf einen Musikkatalog zu, der größer ist, als alles, was man zu Lebzeiten hören kann. Für jeden gehörten Track zahlt dann Spotify dem Künstler eine Gebühr aus, die ungefähr so hoch ist wie der Wirkstoffanteil in Globuli.
Für mobile Geräte gibt’s ebenfalls Anwendungen, die dann auch das Speichern von Musik zur Offlinehörung erlauben.2

Mein RdioNeben Spotify gibt’s noch Rdio, das im wesentlichen den selben Service anbietet. Der Katalog ist fast gleich, die Monatsgebühr ebenso, es gibt Desktop- und Mobilapps, die Facebook-Integration ist nicht ganz so tief wie bei Spotify. Mir gefiel bei Rdio die Desktop-App allerdings besser als bei Spotify3, so dass ich nun seit ein paar Monaten Rdio zum Musikhören nutze. Ein kleines schlechtes Gewissen wegen der schlechten Künstlerbezahlung habe ich allerdings immer noch.
Abgesehen davon bin ich mit Rdio auch ganz zufrieden. Hier und da hakt’s noch etwas (manche Ansichten sind nicht so, wie erwartet; das Handling manchmal unintuitiv; wenn das Playlist-nächste Lied nicht auf dem Handy ist wird es ungefragt gestreamt, auch aus dem mobilen Datennetz; die mobile App setzt ein Lied nach längerer Pause nicht an der alten Stelle fort) aber damit kann ich leben.
Rdio zu benutzen passte auch gut zu meinem neuen Handy. Seit Oktober habe ich ein iPhone 5 — allerdings in der Ausführung mit geringstem Speicherplatz. Da kam die Musik-Cloud wie gerufen.

Bild-Vercloudung

Google-Speicherplatz - meinen Tarif gibt's nicht mehrBilder lade ich schon seit einiger Zeit bei Picasa hoch. Allerdings nicht primär, um die Daten dort abzulegen, sondern hauptsächlich, um sie dort zu teilen. Ich habe sogar Extraspeicher dort gekauft.
Natürlich könnte man Picasa auch als Bilder-Cloud benutzen4, aber das ist schon eine wirklich weite Uminterpretation des Dienstes. Qualitätsverlust und Informationsverlust integriert. Sharen: ja; Cloud: nein.

EncFS / BoxCryptor

Wir alle wissen, dass die Leute beim FBI nur darauf warten, die Hausarbeiten der Deutschen auszuspionieren. Deswegen, aus ernsthafteren Gründen, oder weil man es schlichtweg kann, macht es vielleicht Sinn, seine Daten in der Cloud zu verschlüsseln. Entweder direkt alles, oder nur einzelne Ordner.

Allerdings ist nicht jede Art der Dateiverschlüsselung für die Cloud geeignet, etwa weil viele einzelne verschlüsselte Dateien in einer großen Gesamtdatei verwaltet werden (TrueCrypt, z.B.).
EncFS allerdings verschlüsselt jede Datei einzeln — und ist damit wie geschaffen für die Cloud. Ein cloudgespeicherter Ordner ist mountbar im lokalen System und von da an als ganz normaler Ordner zu benutzen. Ziemlich bequem.

BoxCryptorUm’s noch bequemer zu machen, gibt’s BoxCryptor. Eine Art Endbenutzerumsetzung für EncFS. In bunt. Gibt es für (fast) sämtliche Betriebssysteme und ersetzt die Kommandozeilenhandhabung von EncFS durch hübsche, klickbare Dialogfenster. Macht die Verschlüsselung super einfach zu benutzen.
BoxCryptor benutzt unter der Haube vollständig EncFS, so dass es überhaupt nicht schlimm ist, dass eine Linux-Version davon fehlt. Die Macher haben sogar eine Anleitung gepostet, wie man seinen BoxCryptor-verschlüsselten Ordner in Linux mountet.5
BoxCryptor erlaubt in seiner freien Version das gleichzeitige Mounten eines einzigen Geräts. Möchte man mehr, muss man bezahlen.6
Ich speichere mittlerweile verschlüsselt Rechnungen und Kontoauszüge in der Dropbox. Außerdem habe ich damit begonnen, die bei Bitcasa hochgeladenen Bilder zu verschlüsseln — aber von dessen Sinnhaftigkeit bin ich noch nicht überzeugt.

Backup in der Cloud

Systemsteuerungsdialog von Backblaze - Initales Backup bei mir will 100 GB hochladenImmer wieder habe ich das Bedürfnis, ein Backup meiner Dateien in die Cloud zu jagen. Dann fällt mir ein, dass mein Upstream scheiße ist und ich lasse es sein.
Hätte ich schnelleren Upload, oder wäre ich geduldiger, ich würde Backblaze benutzen. Der Dienst ist super sympathisch7, kostet mit 4 bis 5 US-Dollar pro Monat nicht die Welt und hat ein Tool, das allen Backup-Aufwand abnimmt — für Windows und Mac.
Der Martin benutzt das, vielleicht will er uns ja von seinen Erfahrungen berichten…?

Es gibt noch viel mehr Cloud-Backup-Anbieter da draußen, aber irgendwie führt mich meine Recherche dann doch immer wieder zu Backblaze.

Fazit

Ich habe mittlerweile meinen modus operandi cloudus gefunden.

  • Wichtige Dateien und Dateien, die ich mit anderen kollaborativ bearbeiten möchte, kommen in die Dropbox.
  • Gekaufte Musik, Musik-Mixe, Fotos und vielleicht in Zukunft noch mehr lade ich zu Bitcasa und streame ich von dort.
  • Musik-Alben und einzelne Tracks höre ich über Rdio.
  • Damit ich auch offline alle meine Daten habe, habe ich eine externe Festplatte und eine SD-Karte.
  • Backups landen auf meinem Fileserver im LAN und auf der externen Festplatte, vielleicht auch irgendwann mal bei Backblaze. Wichtige, sensible undoder arg persönliche Daten werden mit EncFS/BoxCryptor verschlüsselt.
  • Der Vollständigkeit halber: Der Fileserver läuft mit Ubuntu und AFP, die Dateien von der Arbeit mounte ich via SSHFS.

Das funktioniert für mich hervorragend, setzt aber natürlich an vielen Stellen ein Onlinesein voraus.

Das war’s mit »Andi vs. Die Cloud«. Danke für’s zulesen.
Ich hoffe, ich konnte euch etwas beim Cloud-Kram inspirieren und unterhalten — und vielleicht habt ihr ja sogar etwas Neues gelernt.

Wie ist denn eigentlich eure Cloud-Nutzung?

  1. So doof! Von den Advice Animals sind nur ein Bruchteil tatsächlich Tiere. Tzes. []
  2. Und wenn man bei der Telekom ist, dann kann man auf sämtliche Netzneutralität scheißen und Spotify sogar mobil Flatrate-ig nutzen. []
  3. Im wesentlichen ist sie weiß. Außerdem ist der Katalog nach Alben geordnet. []
  4. Es scheint sogar FUSE-Umsetzungen zu geben: GDataFs und picasafuse — aber beide sehen unfertig aus. []
  5. Ich musste in meiner Ubuntu-Version allerdings noch diesen Fix anwenden. []
  6. Alternativ könnt ihr natürlich auch auf dem Mac EncFS benutzen.
    $ encfs "/Volumes/Bitcasa Infinite Drive/My Infinite/Pictures.bc/" /Users/Andi/Desktop/tempMount/

    — Vorausgesetzt, ihr habt encfs vorher installiert. Über Homebrew oder Port z.B. Aber ihr solltet euch fragen, ob ihr die Programmierer von guter Software nicht unterstützen wollt. Soviel ist das bei BoxCryptor jetzt auch nicht. []

  7. Die letzte Frage, ganz unten auf der Startseite. []

Andi vs. Die Cloud: Bitcasa

cloudheaderIch brauche mehr Platz auf meinem Laptop. Die SSD ist zu klein. Ich brauche: Die Wolke. Nur welche?!

Diese Serie von Blogbeiträgen ist eigentlich nur entstanden, weil ich euch über Bitcasa erzählen wollte. Aber dann führte eins zum anderen, und zack, hatte ich zwei Word-Dokumente voll geschrieben.

Also Bitcasa. Endlich.

Geschichte

BitcasaIrgendwann während meiner Recherchen zur Datenauslagerung in die Cloud stolperte ich über Bitcasa. Bitcasa war gerade mit hohen Tönen bei irgendeiner Tech-Start-Up-Konferenz (TechCrunch Disrupt) aufgetreten. Das Motto: Unendlicher Speicherplatz.
»Unendlich« lässt prinzipiell alle meine Planck-Alarmglocken läuten. Aber bei den Venture-Kapitalisten zog das. Bitcasa bekam Aufmerksamkeit und Kohle.
Neben Promo-Videos, die etwas zu voll von Werbeversprechen sind, pitcht Bitcasa ein weiteres Feature: Vollständige Verschlüsselung aller Daten. User-seitig. Mit irgendwelchen magischen, patentierten de-duplicate Mechanismen. Naaaja.

Ich melde mich an, bekam einen Beta-Zugang und durfte den Dienst kostenlos nutzen. Ich begann, Daten in die Cloud zu schaufeln und Bitcasa in meinen täglichen Arbeitsablauf zu integrieren.
Allerdings klappte Letzteres nur halbgut. Schnell war etwas anderes. Ich hörte auf, den Kram zu benutzen.

Anfang des Monats kam Bitcasa dann aus der Beta-Phase heraus und ich testete den Dienst noch einmal, ein vielleicht letztes Mal. Aber siehe da: Man scheint in schnellere Server / nähere Server / besseres Routing investiert zu haben. Das Ding ist plötzlich benutzbar.

Features

Die Schlüsseleigenschaft von Bitcasa ist, dass Cloud-Daten keinen lokalen Speicherplatz belegen. Und damit genau das, was ich will. Aber der Dienst kann noch mehr.
Eine Liste:

  • Ordner aus der Cloud streamen

    Bitcasa im FinderDie Daten liegen nicht auf der lokalen Festplatte, sondern werden nach Gebrauch aus der Cloud gestreamt. Dabei hat das Streamen ein Sternchen: Bitcasa braucht Platz für einen Cache. Entweder kann das Programm die Cachegröße selbst verwalten, oder ihr befehlt ihm, wie groß der Cache maximal sein darf. Auf dem Mac wird dann in kryptischen Subfoldern von ~/Library/Caches/com.bitcasa.Bitcasa1 in 500-KB-Stückchen gecacht. Während der Beta hatte ich noch das Gefühl, den Cache alle paar Tage manuell zu entleeren, weil Bitcasa das nicht automatisch hinkriegt. Aber das kann ich jetzt nicht mehr beobachten.

  • Daten in die Cloud laden

    Geht ziemlich straight-forward. Einfach Kram in den Bitcasa-Ordner kopieren / verschieben. Der wird dann Stück für Stück in die Cloud geladen. Wenn man die unkomprimierte 1080p-Aufnahme von Onkel Dieters Hula-Hoop-Unfall ins Infinite Drive laden möchte, dann kann das was dauern. Aber Bitcasa regelt das im Hintergrund.2

  • Ordner in die Cloud spiegeln

    Bitcasa kann auch lokal liegende Dateien in die Cloud spiegeln — so, dass sie auch noch offline zugänglich sind. Das klassische, Dropbox-eske Cloud-Verhalten. In der Betaversion machte Bitcasa noch einen Unterschied zwischen Infinite, Sync und Backup. Aber das war, zurecht, zu verwirrend. Jetzt ist Infinite das Haupt-Feature und Mirror eine schwach beworbene Beigabe.

  • Verschlüsseln

    Bitcasa sagt, es verschlüssele alle Daten. Clienten-seitig. Konvergente Verschlüsselung, heißt das wohl. Das ist seltsam und ich bin bis jetzt noch nicht komplett überzeugt, wie/dass das überhaupt funktioniert (und zwar so, dass man nichts davon merkt). Aber: Wenn das klappt — cool3, wenn nicht — egal.

  • Versionierung

    Bei jeder Änderung einer Datei oder eines Ordners speichert Bitcasa einen Snapshot. Die Versionierung ermöglicht das Wiederherstellen alter Dateiversionen — auch, wenn die Datei gelöscht wurde. Dropbox hat auch ein Versionierungs-Feature, allerdings nur 30 Tage in die Vergangenheit. Möchte man mehr, muss man das Packrat-Paket dazu kaufen.

  • Zugänge

    Bitcasa WebinterfaceDie Bitcasa-Software gibt’s für Windows und Mac OS X. Für Linux gibt es eine Alpha-Version, die bei mir allerdings problemlos lief.4.
    Es gibt Apps für iOS, Android und Windows Phones. Getestet hab ich davon nur die iOS-App. Sieht fancy aus.
    Außerdem gibt es ein Bitcasa-Web-Portal, das das komplette Bitcasa-Verzeichnis online abbildet.

  • Web-Downloads

    Interessantes und kaum beworbenes Feature der Chrome-Browser-Erweitrung (ein Plugin für Firefox und Safari sollen kommen): Downloaden von Dateien direkt in die Cloud. Ohne Umweg über den eigenen Rechner.Chrome-Erweiterung, noch mit Bugs (keine Dateinamen) Ihr könnt also das Sandwich Linux-Image direkt in die Cloud laden (mit der Geschwindigkeit des Bitcasa-Servers) und dann von allen Rechnern, bei denen ihr Bitcasa eingebunden habt, drauf zugreifen.

  • Sharen

    Dateien und Ordner sind teilbar. Entweder mit der Bitcasa-Software, aus dem Kontextmenü eueres Finderexplorers oder aus dem Web. Bitcasa generiert einen Link zu einer Zip-Datei daraus, den man weiter verteilen kann.5

Der Dienst verfügt über ein Blog, in dem Neuerungen und Änderungen angekündigt werden, sowie über ein Support-Board, bei dem heiß diskutiert und supportet wird. Mitunter tauchen sogar mehr als nur Floskeln von Bitcasa-Mitarbeitern auf.

Klingt alles ganz gut, finde ich.

Meine Benutzung

Ob man Bitcasa nutzen kann — oder nicht — hängt ausschließlich davon ab, wie schnell der Zugang dazu ist. Bitcasa scheint Server der Amazon Web Services zu nutzen, die für mich Telekom-Nutzer aus Deutschland ausreichend schnell sind. Tatsächlich kriege ich beim Hoch- und Runterladen volle Geschwindigkeit. Auch bei einem Test aus dem DFN ist die Geschwindigkeit tadellos6.

Meine Musik habe ich Stück für Stück komplett hochgeladen, so dass ich darauf jetzt zugreifen kann. Mit Bildern habe ich erst angefangen. Der Upload von zu Hause ist doch relativ schmal.7 Im Moment gefällt mir besonders das Download-To-The-Cloud-Feature besonders — beim Arbeiten höre ich gerade einen Haufen House-Mixe, die mir dabei die Festplatte nicht zumüllen.

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Als Freibenutzer von Bitcasa kriegt man 10 GB Speicherplatz zum Ausprobieren. Möchte man Unendlichkeit (und Support), sind 100 US-Dollar pro Jahr fällig. Oder 70, wenn ihr euch bis übermorgen anmeldet (Ende Februar). Zum Beispiel über meinen Referer-Link.8
Ich habe mir mal ein Jahr gekauft9 — mal sehen, wie mein Fazit danach ausfällt.

Im nächsten, letzten Teil von Andi vs. Die Cloud möchte ich mein momentanes Setup zusammenfassen. Das besteht nämlich nicht nur aus Bitcasa. Jaha.

  1. Windows: C:\Users\USER\AppData\Roaming\com.bitcasa.Bitcasa\, Linux: ~/.bitcasa. []
  2. Für meinen Geschmack etwas zu sehr im Hintergrund. Allein die Animation des Icons informiert, dass gerade etwas passiert… []
  3. Zumal für Bitcasa dann das gleiche wie für mega.co.nz gilt… []
  4. Die Alpha-Version ist allerdings noch auf dem Stand der Beta-Test-Zeit. []
  5. Die Zip-Datei existiert nur irgendwo in einer Bitcasa-Cloud-Parallelrealität. Ihr seht die nie in euren Dateien. []
  6. Ca. 3 MB/s runter-, 1,7 MB/s hochladen. WiFi. []
  7. Wenn ich doch bloß einen Account für ein hochbandbreitiges ISP-Netz irgendwo hätte… []
  8. Von dem ich ehrlich gesagt nicht weiß, was es bringt. Aber egal. []
  9. Für uns Beta-Tester gab’s noch mehr Rabatt. []

Andi vs. Die Cloud: Die Manuellen

cloudheaderMein fancy-schmancy neues Laptop hat eine SSD. Die ist toll, aber verdammt klein. Wohin mit all den wichtigen Daten, damit mein Autobiograph sie in siebzehn Jahren noch finden kann? In die Cloud!

Ich fand also heraus, dass die großen, allanwesenden Cloud-Anbieter für meinen Fall nichts taugen. Was macht man als Physiker, wenn das erste Suchresultat nicht befriedigend ist? Richtig: Man startet LaTeX beginnt, es selbst zu bauen.

Schauen wir uns also ein mal an, was man alles nutzen kann, um seine eigene Minicloud zu bauen. Dabei beginnen wir mit der Software, die das Datenausliefern übernimmt, gehen weiter zu Out-Of-The-Box-Lösungen und enden mit Installationen auf eigenen und auf Amazon-Servern.

Protokollismus: SMB, AFP, NFS, SSH, WebDAV

The logbook by littlevanities, on Flickr

Protokoll. CC-Bild von littlevanities.

Prinzipiell gibt es einige Protokolle, die serverseitige Dateiverwaltung ermöglichen. Die Wichtigsten:

  • Samba setzt das SMB-Protokoll und damit die spacige Windows-Freigabe Open Source um und macht sie damit auch für Unix/Linux-Systeme verfügbar. Samba ist böse. Vielleicht liegt es an meinen eingeschränkten Konfigurierungsskills, aber Samba hat bei mir nie zuverlässig und schnell funktioniert. Es war immer ein PITA.
  • AFP ist nicht so böse. Das Apple Filing Protocol ist Apples Alternative zur Windows-Freigabe via SMB. Da bei mir Mac OS im Einsatz ist, ist das natürlich die nähere Wahl. Die Open-Source-Umsetzung für Linux, netatalk, funktioniert auch ganz hervorragend bei mir im lokalen Netzwerk. Sogar mit Bonjour. Ist bei mir für Backups und sonstigen Dateitransfer zuständig und macht auch locker das Gigabit pro Sekunde beim Datentransfer voll.
  • SMB ⇆ Windows, AFP ⇆ Apple — NFS ⇆ Unix. Das ist natürlich völlig simplifiziert und vermutlich werden mich die Unix-Nerds dafür mit TCP-Paketen verprügeln, aber mehr oder weniger ist das so. NFS stellt auf Unix-Betriebssysteme Netzwerkfreigabemechanismen zur Verfügung. Die sind, wegen der Philosophie von Unix als Multi-User-Betriebssysteme, allerdings tiefer in die Infrastruktur des Systems eingebettet. Ich glaube, wenn man NFS einmal vernünftig eingerichtet hat, dann läuft das ganz wunderbar. Allerdings hab ich es soweit noch nie geschafft, zumal bei mir auch noch ein komplizierendes Mac OS X involviert ist…
  • MacFusion, mounted SSH-Laufwerke mit Klick. Leider kaputt.SSH gibt es ja ungefähr seit dem Bau der Pyramiden.1 Gefühlt. Ist aber immer noch in Benutzung wie warme Semmeln.2 SSH stellt eigentlich nur eine Verbindung zu einer Kommandozeile auf einem anderen Rechner her. Aber dank SFTP und anderem Protokoll-Schnick-Schnack, haben fähige Leute SSHFS gebaut. Das ermöglicht das Mounten eines entfernten Ordners im eigenen, lokalen Dateisystem. Mit verschlüsselter Datenverbindung zwischen den beiden Enden. Klappt ganz hervorragend — und mit ein bisschen Suchen nach den Tools, die den gewünschten Comfort bereitstellen, auch außerhalb der Kommandozeile über Betriebssystemgrenzen hinweg.
    SSHFS ist bei mir ebenfalls in Benutzung. Ich nutze es, um das Dateisystems des Instituts zu mounten und direkt im Rechencluster zu programmieren.
  • WebDAV ist eine Erweiterung des HTTP-Protokolls, die das Lesen und Schreiben von Dateien und Ordnern ermöglicht. Die bekannteste Serverumsetzung von WebDAV bietet Apache. Alle großen Betriebssysteme (sogar Windows) können von Haus aus auf WebDAV-Server verbinden. Klassischer Weise benutzt man WebDAV dazu, seine HTML-Dateien auf einen Webserver zu laden, so dass der die ausliefern kann. Schließlich ist Apache dann meist sowieso installiert. Aber prinzipiell spricht nichts dagegen, Apache (o.Ä.) allein für ein WebDAV-Verzeichnis zu installieren.

Das sind die bekanntesten Umsetzungen von Dateiverwaltungen über Rechnergrenzen hinweg. Aber bei weitem nicht alle — es gibt noch jede Menge weitere, für allgemeine Anwendungen sowie spezielle Use-Cases. Mit unterschiedlicher Komplexität und Einrichtungsaufwand.3

A propos Einrichtungsaufwand: Mit hinreichend intensiver Googleung und ausreichend verschwendeter Zeit4 lässt sich rausfinden, wie die einzelnen Protokolle aufzusetzen sind. Anleitungen gibt’s, gerade bei den Großen hier, zu Genüge.

Aber geht’s vielleicht auch was automatischer?

Kistenlösungen: ownCloud, Sparkle Share

Klar tut es das. Zwei Dienste, die die rohe Protokollkost vom Benutzer abschirmen und vorgegart präsentieren sind ownCloud und Sparkle Share.

  • ownCloud LogoownCloud benutzt WebDAV, um Zugang zu Cloud-artiger Dateiverwaltung zu geben. Außerdem gibt’s Dienste zum Synchronisieren von Kontakten, Kalendereinträgen und Bookmarks. Versionierung von Dokumenten ist ebenfalls eingebaut.
    Verschiedene Installationspakete des Servers stehen bereit, die auf Apache-Installationen (als LAMP5 bzw. MAMP6) unter Unix-Flavor-Betriebssystemen oder IIS-Installationen unter Windows zurückgreifen. Natürlich gibt’s ausführliche Installationsanleitungen. Wem selbst die paar wenigen Installationsschritte zu viel sind, der kann auf die kommerzielle Seite von ownCloud zugreifen: ownCloud.com7 vermittelt bereits fertig installierte ownCloud-Server.
    Klienten-Software, also die, die nach der einmaligen Serverinstallation dann tagtäglich auf dem Anwender-PC im Einsatz ist, gibt’s für Linux, Mac und Windows. Genauso wie der Serverteil von ownCloud werden auch die Clients aktiv weiterentwickelt. Da ownCloud auf WebDAV basiert, kommt man auch ohne den offiziellen Client, direkt mit WebDAV8 drauf.
    ownCloud besitzt ein Webinterface, mit dem man alles machen kann, und Apps für Android und iOS, die u.a. ein automatisches sichern geschossener Fotos ermöglichen.

    ownCloud ist ausgereift und funktionierte in meinem Test wie es soll. Allerdings synchronisiert es normalerweise lokalen Kram mit dem Server, d.h. der Festplattenspeicherplatz auf Klientenseite muss vorhanden sein. ownCloud ist da mehr die Dropbox-Alternative. Für meinen Fall, also: Meh.

  • SparkleShareSparkleShare. Folgende Gleichung: (ownCloud/WebDAV) = (SparkleShare/Git). Soll heißen: Während ownCloud unter der Haube auf WebDAV beruht, benutzt SparkleShare Git als Synchronisationsbasis. Das ist lustig, habe ich die Programm-Code-Verwaltung Git doch nie als Dateiverwaltung gesehen. Aber warum nicht?
    SparkleShare wird, so wie ownCloud, Open Source entwickelt. Die Entwicklergemeinde scheint dabei etwas kleiner, aber nicht minder aktiv. Da SparkleShare auf reinem Git beruht, bedarf es serverseitig nichts anderem als einem Git-Server. Da kann man entweder ein freies/kommerzielles Repository bei Github oder Bitbucket nehmen, oder sich einen Git-Server auf der eigenen Maschine installieren.
    Den SparkleShare-Client gibt’s für Linux, Mac OS X und Windows. Der läuft im Hintergrund und synchronisiert die Änderungen am lokalen, eingerichteten SparkleShare-Ordner mit dem Server — und etwaigen anderen Rechnern, die ebenfalls dort verbunden sind.
    Hat in meinem Test ebenfalls gut geklappt9 — aber synchronisiert ebenfalls wieder nur einen Ordner mit einer entfernten Stelle. Lokaler Plattenplatz wird also benötigt. Still: Meh.

ownCloud und SparkleShare sind also gute Tools, die einem das Aufsetzen einer eigenen Cloud ermöglichen. Um sich vom Joch der großen, unternehmerischen Cloud-Firmen zu emanzipieren prinzipiell eine gute Idee. Auch, wenn man dem Datenschutz von Dropbox und Co nicht traut — zumal deren Server in den USA stehen und den dortigen Gesetzen unterliegen.10 Für mich und meinen fehlenden Festplattenspeicherplatz allerdings keine wirkliche Option.

Die Serverfrage: Eigenservung

Egal ob selbstgebaute Lösung oder ownCloud oder SparkleShare, was ich oben heimlich ausgeklammert habe, ist die Frage nach dem Server. Denn all die Protokolle und ihre Umsetzungen benötigen, logisch, eine Gegenseite mit der sie kommunizieren können.
Zu Hause habe ich eine kleine Ubuntu-Kiste laufen, für Datensicherungen und als Datenablage. Allerdings ist mein Telekom-DSL-16.000-Anschluss im Upload viel zu langsam, um mit dem Server irgendetwas Cloud-artiges ernsthaft zu betreiben.11 120 Kilobyte pro Sekunde beim Hochladen machen keinen Spaß.12 VDSL gibt es bei mir leider nicht, aber damit wären ca. 1 Megabyte pro Sekunde Upstream möglich. Das geht schon in die richtige Richtung und ist für sporadischen Dateizugriff vermutlich genug. Dauerhaft damit Daten zu clouden ist aber auch müßig.
Die Telekom baut zwar deutschlandweit Glasfaser aus, aber das nur in einzelnen Orten.13 Interessanter wird’s da mit lokalen Anbietern. Hier in Aachen gibt’s NetAachen, die ihr Glasfaser-Netz ausbauen. Allerdings auch nur straßenweise — und nicht bei mir.

Also kein Heimserver für mich.

Die Serverfrage: Fremdservung

Anmietbare Server in Rechenzentren gibt’s wie Sand am Meer.
Der Server dieses Blogs ist ein virtueller Server14 bei Host Europe. Allerdings nur mit 50 GB, richtig viel passt da auch nicht drauf. Mehr Plattenplatz wird bei solchen Servern in Rechenzentrum immer relativ schnell teuer — bei manchen Anbietern mehr, bei manchen weniger.

Amazon Web ServicesDann gibt es natürlich noch das Modell à la Amazon Web Services. Man hat nicht wie beim virtuellen / dedizierten Server Zugang zu seinem eigenen, kompletten Rechner irgendwo im Rechenzentrum, sondern kauft einzelne Dienste und Operationen ein: Daten schreiben, Daten lesen, Daten berechnen. Amazon S3 ist der Name der Sparte, die Dienste zur Datenverwaltung bereit stellt, Amazon EC2 benennt den CPU-Rechen-Teil.
Abgerechnet wird nach dem, was man wirklich verbraucht. 0,1 US-Dollar pro Gigabyte, was man speichert, 0,12 US-Dollar pro Gigabyte, was man (rausgehend) überträgt. Bei 500 GB wären das also monatlich 50 Dollar Speichergebühren plus Transfer. Vermutlich habe ich etwas übersehen15 und geschludert, aber, bottom line: Das kostet. Um den Zugriff muss man sich selber kümmern. Zum Beispiel über ein FUSE16.

Natürlich geht’s auch komfortabler, wenn man etwas mehr Intelligenz in die Cloud steckt. Man kann auf Amazon EC2 sein Lieblings-Linux installieren. Das konfiguriert man dann nach Geschmack und hat, tada, seinen eigenen Server in der Amazon-Cloud.
Natürlich seid ihr nicht die ersten, die sich mit persönlicher Amazon Cloud auseinander gesetzt haben. Für ownCloud gibt’s z.B. schon fertig konfigurierte Pakete im Amazon AWS Marketplace.

Alternativen zu Amazon, bei gleichem »On Demand«-Modell gibt’s auch. Host Europe hat da zum Beispiel was.

Fazit

Es gibt also jede Menge unterschiedliche Protokolle mit jede Menge unterschiedlichen Features. Außerdem eine Menge Möglichkeiten, seine eigene Cloud aufzusetzen. Von einfach bis kompliziert, von simpel bis fancy, von lahm bis schnell.
Aber für (so gut wie) alles braucht man lokalen Speicherplatz.

Nicht so, bei dem, was ich euch als nächstes zeigen werde. Jaha.

  1. Deine Mudda is’ älter als SSH! []
  2. Deine Mudda wird mehr benutzt als SSH. Ok, ok. Genug. []
  3. Lustre, anyone? []
  4. Ersteres lässt sich durch Letzteres substituieren und andersrum. []
  5. »Linux, Apache, MySQL, PHP« []
  6. »Mac OS X, Apache, MySQL, PHP« []
  7. Wie bei WordPress: .org-Domain bietet die Software an, .com die kommerzielle Umsetzung. []
  8. Zweiter Link. []
  9. Und hat endlich mal keine Wolke als Icon! []
  10. Wusstet ihr, dass das FBI einen Backdoor in jedes File einbaut, was auf die Dropbox-Server hochgeladen wird? Außerdem hat der Mossad Schadcode in jedem FBI-Backdoor. Und die Chinesen haben ja bekanntlich versteckte Programmroutinen sowohl im FBI-Backdoor als auch im Mossad-Code. Da kann’s sein, dass das 1-KB-Textfile auf einmal 10 MB groß ist. ECHTJETZT! []
  11. Bestimmt verbietet mir das auch irgendeine Vertragsklausel. []
  12. Selbst Cloud-Kram mit richtigen Servern am anderen Leitungsende ist ja abenteuerlich genug mit normalem DSL-Upload. []
  13. Und selbst da wird nach 400 GB pro Monat die Bandbreite auf 50 Kilobyte pro Sekunde gedrosselt. []
  14. Die Doppelhaushälfte Eigentumswohnung des Internetties. []
  15. Vielleicht wäre Amazon Glacier zum Backup interessanter — das hat längere Zugriffszeiten, kostet aber auch ein Zehntel… []
  16. File System in User Space []

Andi vs. Die Cloud: Die Großen

cloudheaderMein neues Laptop hat 250 GB Festplattenspeicher, anstelle der vorherigen 750 GB. Ich brauche Cloud-Hilfe.
Wenn’s um Cloudkram geht, dann sind normalerweise Dropbox und iCloud die ersten Anbieter, die einen in den Kopf kommen.

Taugen die auch was für meinen Fall?
Spoiler: Nein. Denn alle haben ein immanentes Problem. Trotzdem will ich euch die Dienste kurz vorstellen.

Dropbox

Dropbox benutze ich schon seit Ewigkeiten. Seit fünf Jahren, um genau zu sein. Damals war der Dienst noch der hippe Scheiß und in seiner Beta-Phase. Für uns Tester gab es 5 GB kostenlosen Speicherplatz. Durch Freundeempfehlen und anderen Promo-Kram kamen bis heute bei mir 6 GB dazu, durch das Space Race desletzt noch einmal 25 GB1. Den Trick, über eine Google-Adwords-Kampagne das Referrer-Budget auszuschöpfen, habe ich leider verprokrastiniert: Die Adwords Coupons scheint es nicht mehr umsonst zu geben…

So kann gemeinsame Dateiverwaltung via Dropbox aussehen.Obwohl ich mir schon relativ viel Umsonstspeicherplatz erschnorrt habe, von den 500 GB bin ich noch weit entfernt. Würde ich upgraden wollen, die kostenpflichtigen Speichererweiterungen empfinde ich als nicht besonders günstig – 100 GB für 100$ pro Jahr, 200 GB für 200$.
Prinzipiell allerdings gefällt mir Dropbox sehr — ich benutze es auch intensiv.

  • Das Revisions-Feature behält eine Historie meiner Dokumente 30 Tage lang in der Cloud. Wichtige Dokumente, wie Hausarbeiten, Artikel und Diplomarbeiten, schreibe ich im Dropbox-Ordner. Natürlich ist Revision auch direkt Backup.
  • Dropbox bietet das Teilen einzelner Ordner an. So haben wir zum Beispiel einen gemeinsamen Ordner für alle Dokumente unseres Pfadfindervereins, auf den alle zugreifen können.
    Dank LAN Sync kann man, betriebssystemübergreifend, fix Dateien im lokalen Netzwerk austauschen.2

Die Webseite ist auch schön — von unterwegs mal eben etwas nachschauen? Kein Problem.3

Dropbox ist toll, aber neben dem hohen Preis für richtigen Speicherplatz gibt es ein grundsätzliches Problem: Sämtliche Daten werden nur in die Cloud gespiegelt. Eine Version liegt immer auf der lokalen Festplatte und belegt dort Platz. Aber dieser Platz ist genau das, was mir fehlt.
Dropbox ist also keine Lösung für meine 500-GB-Lücke.

iCloud

iCloud.com LoginApples Cloud-Dienst verfolgt eine andere Philosophie, als alle restlichen Dienste. iCloud bietet keinen Ordner auf einem entfernten Server an, den man mit seinen Katzenbildern befüllt, sondern stellt den Zugang nur über einzelne Applikationen zur Verfügung.
Schriftstücke kann man mit Pages, Tabellen mit Numbers, Präsentationen mit Keynote in die iCloud laden. Über einen beliebigen Mac (mit installierter Anwendung), über ein beliebiges iOS-Gerät (mit installierter Anwendung), oder über icloud.com greift man darauf zu. Mittlerweile Unterstützung auch TextEdit iCloud, allerdings nur vom Mac.
Das passt irgendwie zur Apple-Softwaredesign-Philosophie: Schirme die unterste Struktur vom User ab und gebe ihm über einen einfacheren Layer Zugang dazu. Letztendlich der Grund, warum ich gerne einen Mac benutze: Vieles ist durchdacht und simplifiziert4. Aber normalerweise hat man als Benutzer auch genug Möglichkeiten, doch unter die Motorhaube zu gucken und dort rumzuschrauben.
Aber nicht so bei iCloud. Auf die plain Dateien kann man nicht zu greifen (zumindest nicht praktisch…).

Natürlich könnte ich iTunes Match und den iCloud Fotostream benutzen. Aber auch hier gilt das gleiche Problem wie oben: Auf die rohen Dateien kann man nicht zugreifen. iTunes Match analysiert meine Musik und lädt sie in die iTunes Cloud, falls sie dort noch nicht vorhanden sind. Aber dort bekommt man sie, soweit ich weiß, nicht wieder raus. Der iCloud Fotostream funktioniert nur mit iPhoto (bzw. vom iOS-Gerät) und lässt kein anderes Programm zu. Bäh.

5 GB gibt’s umsonst, mehr Speicherplatz kostet. Nicht angerechnet wird der iTunes-Match-Speicherplatz, wenn man die Musik über den iTunes Store gekauft hat.

iCloud mag eine nette Sache für das applikationsintegrierte Cloud-Verwenden zu sein — und die restlichen Fernwartungs- und Internetdienste, die unter dem iCloud-Dach zusammengefasst sind, sind toll — aber für meinen manuellen Anspruch taugt das absolut nichts.

Sonstso

Natürlich gibt’s noch mehr, außer iCloud und Dropbox. Die Wikipedia hat eine ganze Liste, bei Cloudsider gibt’s ebenfalls eine Übersicht.
Erwähnenswert vielleicht Box, ein Dropbox-Klon, der etwas freizügiger mit Speicherplatz um sich wirft (zumindest gefühlt).

Cyberduck auf Google DocInteressant ist das Google Drive. Unter dem Namen fasst Google seine Cloud-Dienste zusammen. Der Zugriff darauf funktioniert normalerweise nur via die Webseite — das kennt ihr, da habt ihr sicherlich schon zusammen eure Silvesterparty drin organisiert. Dedizierte Programme ermöglichen auch außerhalb der Webseite Zugriff — Cyberduck kann das zum Beispiel. Wenn ihr heute morgen das Nerd-Level-Up in euren Cornflakes hattet, dann könnt ihr euch das Google Drive auch als FUSE-Ordner5 im Betriebssystem mounten. fuse-google-drive und GDriveFS sind Pakete, die das ermöglichen. Für meinen Geschmack aber noch etwas zu unausgereift und noch etwas zu bastelig.

Fazit

Alles, was die Großen von Haus aus anbieten, spiegelt entweder die lokalen Dateien in die Cloud, oder schirmt den direkten Dateizugriff ab. Doof, also.
Googles Drive wäre ein Kandidat, den man genauer untersuchen müsste, mittlerweile gibt’s da interessante Dritt-Projekte.

  1. Allerdings letzteres nur für ein Jahr. []
  2. Dank der Macifizierung meines Freuneskreises und AirDrop allerdings nur selten benutzt. []
  3. Es gibt sogar einen Dropbox-to-WebDAV-Dienst, und ein Dropbox-FUSE. []
  4. Und auch der Grund, warum meine Eltern mittlerweile einen Mac haben. []
  5. »Filesystem in Userspace« bezeichnet das integrieren fremder Ordner- und Systemstrukturen in den eigenen Dateisystembaum. Wird uns noch ein paar mal begegnen. []

Andi vs. Die Cloud

cloudheaderEnde 2012 kaufte ich mir ein neues Laptop. Das vier Jahre alte MacBook Pro1 wich einem neuen MacBook Pro Retina. Hochauflösendes Display, schnelle Solid-State-Festplatte. Besonders die Festplatte begeistert mich — die Geschwindigkeit ist großartig.
Aber, wie Spider-Man schon wusste, mit großer Geschwindigkeit kommt große Kosten. Die Dinger sind teuer wie ein goldbesetztes Bernsteinzimmer. Und so besitzt mein MacBook nur eine 256-GB-SSD2. Das Alte hatte 750 GB Plattenspeicher. Eine hochkomplizierte Quantenfeldsimulation verrät: Da fehlen 500 GB.

Bestandsaufnahme

Meine momentane Speicherverbrauchskonfiguration. Nach Upgrade auf SSD.Daisy Disk, ein hübsches kleines Utility zur Speicherplatzanalyse, verriet: Neben den unlöschbaren Systemdateien3 belegten den meisten Platz auf der Platte Musik und Fotos.
Na klar, schließlich ist mein exquisiter Musikgeschmack vermutlich das einzige, was uns einmal vor den Alieninvasoren beschützen wird — und der braucht eben seinen Platz. Den aktuellen Kram höre ich dauernd, die älteren Alben möchte ich auch am Mann haben, falls mich spontan mal ein Verlangen nach dem ersten Album von Panic! At The Disco überkommt.4. Und auch die Fotos trage ich gerne mit mir herum, falls ich Supermarktkassierern Bilder aus dem Skiurlaub 2005 zeigen möchte5
Außerdem wird alles, was lokal auf der Platte liegt, via Time Machine gesichert. Ein wichtiger Punkt, damit das »Ohgottohgottohgott gleich trifft uns ein Asteroid und dann habe ich meine Daten nicht gesichert!«-Gefühl nicht aufkommt.

Rational gibt es eigentlich keinen wirklichen Grund, alle Musik und Fotos die ganze Zeit immer verfügbar an mir zu haben. Aber löschen möchte ich das natürlich auch nicht.
Also wohin mit den Daten?

DIE FUCKING CLOUD

Der naive Ansatz lautet: Externe Festplatte.6 Aber wir sind ja die cool Kids from the Block und externe Festplatten sowas von 2010 — die externe Platte im Always-On-Zeitalter heißt Cloud.

Aber so verbuzzwortet der Begriff auch ist, so unübersichtlich und vielfältig die Anbieter, die irgendwas cloudiges bereitstellen.

Der Weg

Ich möchte euch an meinem Status des Lösungswegs zur abstrakten Wolkenspeicherung teilhaben lassen. Ganz zufrieden bin ich nach drei Monaten Beschäftigung damit noch immer nicht — ich glaube auch nicht, dass ich es je sein werde. Cloud-Speicher wird wohl eher eine »Das Beste des Moments«-Sache bleiben. Wie eigentlich immer, wenn’s um Computerkrams geht.

Mein SEO-Berater7 hat gesagt, ich soll das in verschiedene Artikel packen — um Page Impressions und Cross Relations beim Deep Linking zu optimieren, wisster?

Es folgen also in den nächsten Tagen Die Artikel:

Bleiben Sie dran.

Eigentlich wollte ich euch ja nur kurz was über diesen neuen Cloud-Dienst erzählen. Aber das ist irgendwie ausgeufert.

  1. Late 2008. []
  2. Solid Sate Disk. []
  3. Und einem riesigen Application-Support-Ordner, den ich im Zuge dessen ausdünnte. []
  4. Soll heißen: Eigentlich gibt es keinen rationellen Grund, die komplette Musik immer mitzuschleppen. []
  5. Soll heißen: Eigentlich gibt es keinen rationellen Grund, alle Bilder immer mitzuschleppen. []
  6. Und tatsächlich lief es darauf auch bei mir hinaus. Aber mehr als ein Offline-Backup, falls die Cloud weggezogen ist. []
  7. Deine Mudda! []

Serienbefund 2012

Meine Lieblingsserien 2012, geordnet in drei grobe Kategorien.The Good WifeFringeChicago FireArrowThe NewsroomGame Of ThronesHow I Met Your MotherCommunityCastleHomelandDexter
The New NormalHouseDieses Inhaltsverzeichnis ist via CSS über das Bild platziert. Du siehst das nicht? Schau’s dir auf dem Blog an — ich habe mir super viel mühe gegeben! Kthxbai.

»Hey Andi, welche Serien hast du denn im letzten Jahr geschaut — und wie fandest du sie?«
So!
Ich präsentiere: Mein Serienbefund 2012 als dreigliedriges Schaubild; mein Serientriptychon 2012. Dieses Jahr sogar mit einzelnen, klickbaren Serien! Woho! Hier ist die vorherige, fast zwei Jahre alte Version.

Die drei Kategorien sind eigentlich nur zwei. Während Comedy relativ klar ist, ist Drama und Crime/Law dann doch häufig das selbe. Aber das hätte zur Folge, dass sich alle Serie in der Mitte tummeln. Und das wäre doof. Deswegen habe probiert, bei Mischserien den gefühlten Anteil von Crime/Law bzw. Drama anhand der Position zu verdeutlichen.

Wichtiger als die horizontale Position ist die vertikale. Da ist, mit analoger Schriftgröße, aufgetragen, wie gut mir eine Serie gefällt. Ihr seht also richtig: Die Serie, die mir 2012 am besten gefiel, war The Good Wife. Die Schlechteste, die ich aber dennoch schaue, ist The Big Bang Theory.

Die Liste ist zum Jahreswechsel 2012/2013 entstanden. Ich bin mir ziemlich sicher: Wenn The Newsroom in den letzten Wochen gelaufen wäre, wäre die Show weiter oben. Und das gilt sicherlich für noch mehr Serien. Das Bild ist gewissermaßen ein Snapshot meiner momentanen Serienbefindung.

Mit Caro habe ich drüben bei Newshows in unserem zweiten Podcast etwas über das letzte Serienjahr gelabert. Hört’s euch an!
Hier noch ein paar Notizen zu ausgewählten Serien — hauptsächlich den besseren1.

The Good Wife

Die Serie, an der sich bei mir momentan alle anderen messen müssen.2 Eine niveauvolle, intelligente Anwaltsserie, die nicht nur im Gesamten großartig ist, sondern auch in sämtlichen Teilaspekten.

  • Großartige Schauspieler: Von der Hauptdarstellerin, allen voran der Hauptdarstellerin!, über die Nebendarsteller bis hin zu den Gastrollen, alle hätten Emmys verdient. Carrie Preston als Elsbeth Tascioni und Tim Guinee als Nanny/Investigator Andrew Wiley sollten beide ihre eigenen Spin-Offs kriegen.
  • Großartige Fälle der Woche: Natürlich spielt The Good Wife die üblichen Anwaltsfälle durch. Aber sie greift auch aktuelle Themen auf, stellt sie stilistisch passend dar und diskutiert sie häufig sogar philosophisch innerhalb der Folge. Und zwischen diesen beiden Extrema lassen sich die Autoren ebenfalls einiges einfallen, was man so noch nicht aus anderen Anwaltsserien kennt. Ich zumindest nicht.
  • Großartige folgenübergreifende Geschichte: Wieviel Unterschiedliches haben wir schon mit den Charakteren mitgemacht? Distanzierung von Peter, Wiederanfreundung; Knast, District Attorney; Überfliegerkanzlei, Bankrott; Affäre, Gutefrau. Und so viel mehr. Manche Geschichten werden langsam, lange über Folgen hinweg eingeführt, bis sie irgendwann im Zentrum stehen. Und die Autoren scheuen nicht davor, radikale Änderung in die Geschichten zu schreiben. Das mag ich.
  • Großartige Inszenierung/Orchestrierung3: Hervorragend gefilmt – vermutlich könnte man über die Kameraarbeit ganze Abschlüsse schreiben. Über die musikalische Untermalung ebenfalls: Immer toll, manchmal ironisch und wtf-ig. Irgendwer, vermutlich die Showrunner, hat da ein großes Auge auf das Gesamtpaket. Nicht nur die Story muss passen — auch der Rest muss stimmig sein. Das fällt mir nirgends so auf wie bei The Good Wife4. Achtet mal auf die letzten, epilog-artigen Szenen, die sind häufig die besten.

Ich verstehe allerdings nicht, was diese Kalinda-Geschichte mit ihrem drogendealenden Ex-Mann da soll. Selten habe ich so etwas Unpassendes und Konfuses gesehen.
Für 2013 bleibt nur Daumendrücken, dass es vielleicht ein Jahr in Folge ein Wunder gibt und The Good Wife against all odds verlängert wird.
[]

Fringe

Die Serie, die fünf Staffeln lang alles daran setzte, die Bedeutung von WTF!? zu What The Fringe!? zu ändern. Und das grandios geschafft hat.
Nur noch zwei Mal werden Walter, Peter, Olivia und Astrid die Bühne betreten um die Welt zu retten.
Fringe ist die einzige klassische5 Science-Fiction-Show, die gerade im US-TV läuft. Und eine ganz, ganz großartige dabei. Der 18. Januar 2013 wird wirklich ein trauriger Tag.

Fringe hat es in den letzten Staffeln geschafft, die Geschichte kontinuierlich spannend zu halten. Sich dabei wiederholt selbst neu erfunden — bis zur vollständig neuen fünften Staffel, bei der es zwischenzeitlich sogar andere Hauptdarsteller gab!
Bei der ersten Staffel drücken wir mal ein Auge zu — zumindest bei der ersten Hälfte. Da war Fringe noch etwas ziellos und dachte, es sei eine Horror-eske, technisierte 2000er-Version von Akte X. Aber als man seinen Stil gefunden hatte, puh!, das wurde eine tolle Serie mit hohem Suchtfaktor.
Wisst ihr noch, als nur Schritt für Schritt klar wurde, dass wir uns auf einmal (Spoiler)6 in einer Parallelwelt befinden? Oder vorher, als herauskam, wer Peter ist?
Das waren tolle, spannende Momente, auf die akribisch hingeplant und hinerzählt wurde.
Immer im Hintergrund Abrams Mystery Box — das langsame anreizen7 von Geschichten durch Indizien und Andeutungen, gefolgt von der großen Auflösung in der eine noch größere und fantastischere Geschichte angedeutet wird.

Im Podcast haben wir noch ein paar andere Aspekte erwähnt, die Fringe zur tollsten8 Show machen: Die Darsteller. Unglaublich intensiv und subtil spielen sie ihre Rollen. Wie gut Anna Torv Olivia spielt, merkt man so richtig erst, wenn sie auch Fauxlivia portraitiert. Und John Noble als Walter? Spielt direkt drei Rollen in einer.
Dann sind da noch Kamera und Musik, die die Gesamterfahrung so hervorragend komplettieren.

Erwähnenswert auch die Liebe zum Detail! Der Fringe Glyph Code, der bei den Werbeunterbrechungen ein zur Folge passendes Wort darstellt. Oder die unterschiedlichen Vorspanne. Überhaupt: Wer kommt darauf, durch einen Vorspann deutlich zu machen, welche Welt wir gerade erzählt bekommen? Grandios.

Fringe bleibt eine tolle Serie, die viel zu wenig beachtet und vom Gros der Zuschauer unterschätzt wurde. Diesen Nachruf da oben könnte ich noch seitenweise fortführen9.
Schade, dass es jetzt vorbei ist mit Fringe.
[]

Chicago Fire

Eine herbstneue Serie so weit oben? Gewagt. Ich geb’s zu. Aber mir gefällt die Show auch nach guten zehn Folgen immer noch sehr. Kurzweilige, hauptsächlich in der Episode bleibende Geschichten mit nettem Cast. Episodenübergreifende Handlungsbögen gibt’s auch, die die Spannung lose über einzelne Folgen hinaus tragen.10 Natürlich ist es eine Feuerwehrserie aus den USA, Pathos ist vorhanden, hält sich aber in Grenzen.

Chicago Fire ist kein Kunstwerk, wie es Fringe und The Good Wife eins sein könnten — Chicago Fire ist etwas simpler, dabei aber kurzweilig und hervorragend gemacht. Und deswegen gefällt mir die Show.

Mein Review auf Newshows. Da hatte ich nur die Pilotepisode gesehen und noch eine etwas andere Meinung.
[]

Arrow

Etwas überrascht bin ich über Arrow. Eine Superheldenserie. Und dazu noch auf dem Teenie-Sender The CW.
Aber Arrow ist gut!
Unterhaltsame Bösewichte der Woche, das große Familiengeheimnis, was über allem hängt. Dabei ist die Show manchmal erfrischend düster für die Zielgruppe11.
Man merkt das (relativ) geringe Produktionsbudget — manchmal fühlen sich die Kulissen und Effekte zu falsch an. Aber das holen Story und Schauspieler wieder raus. Gar nicht so wild.

Mein Pilotepisoden-basiertes Review auf Newshows.
[]

The Newsroom

Aaron Sorkin neuestes Stück. Wir begleiten die Redaktion einer Nachrichtenshow dabei, wie sie die Nachrichtenwelt etwas besser machen möchte.
Neu (so eine Show hatten wir noch nicht), schnell, intelligent, tolle Dialoge. Es geht viel um amerikanische Politik. Das mag nerven, wenn man da nur wenig Grundinteresse und Grundbildung vorzuweisen hat — aber ich empfand es als interessanter Einblick. Zumal zwar die politischen Fälle immer Thema einer Episode sind, aber der Fokus auf der Entwicklung der Story liegt, also eine Ebene Richtung meta. Und Auswahl und Behandlung der Fälle der Woche sind sehr europäerfreundlich…
[]

Game Of Thrones

Der Epos um Mittelerde Westeros gefällt mir immer noch.
Eigentlich bin ich kein großer Freund von Fantasy. Aber bei Game Of Thrones ist das ertragbar. Ich mag die Abwechslungsreiche der Geschichten. Die Tiefe der Gesamtgeschichte, die verschiedenen Verstrickungen. Die Größe von Allem. Und die Wendungen, die für mich als Buchnichtkenner plötzlich kommen.
[]

How I Met Your Mother

Ihr werdet da vielleicht nicht mit mir übereinstimmen, aber auch nach drölfzig Staffeln, siebzehn Müttern und einer Pärchen-On/Off-Frequenz im Kilohertzbereich unterhält mich How I Met Your Mother immer noch. Die Autoren finden immer noch neue Aspekte des Zusammen- und Liebesleben, des Älter- und Erwachsenwerden. Der Cast ist immer noch großartig. Der Stil, mit den verschachtelten Rückblenden und schnellen Schnitten, ist immer noch toll.
Eine nächste Staffel ist beschlossen — und so gern ich die Serie auch habe, ich hoffe, es wird ihre letzte12. Ich möchte endlich wissen, wer die Mutter ist.
[]

Community

Nerd’s best friend.
Community ist eine ganz hervorragende Comedy. Voller popkultureller Anspielungen. Mutig, auch mal neue Formate auszuprobieren (obwohl das jetzt schon zum System gehört). Die Pillow-Fort-Geschichten sind legendär, die Hommagen an Filme. Und: Inspector Space Time.
Bei der letzten Staffel hat für mich unter dem ganzen netten Nerdkram die eigentliche Storyline der Serie gelitten. Mal sehen, wie’s in der bald™ anlaufenden Nächsten aussieht. Allerdings befürchte ich schlimmes, wurde doch Dan Harmon als Showrunner gegangen.
[]

Castle

Castle ist furchtbar solide. Das ganze Konstrukt funktioniert kantenlos Folge für Folge. Aber dabei geht die Gesamtgeschichte auch immer weiter.
Ein leichter Thriller, den ich immer gerne sehe. Insbesondere weil Nathan Fillion. Und Castle und Beckett.
[]

Homeland

Die Serie um Claire Danes, ihr Gesicht und die verquerte Liebesgeschichte ihres Charakters.

Nein, ernsthaft: Homeland ist super. Claire Danes spielt toll, besonders wenn ihre großen Augen (wiedermal) in Nahaufnahme zu sehen sind. Aber auch die Darsteller an ihrer Seite liefern prämierungswürdige Leistungen ab.
Die zweite Staffel wurde interessant gehalten, wenn auch der Ton irgendwie ruhiger war. Ich dachte nicht, dass man genug Stoff für eine dritte Staffel hätte, bis diese am Ende der zweiten mit einem großen Knall eingeläutet wurde. Gut!

Homeland ist eine tolle Serie. Gleichzeitig bei mir aber auch auf Messers Schneide zum Haiübersprung13. Damit die Show interessant bleibt, muss irgendwo immer ein neuer Bösewicht, eine neue Verschwörung, ein neues Drama herkommen. Aber das ist alles immer so haarscharf an »Nee, jetzt echt!?«, das ist ganz schön knapp. Ich meine: Da geht’s um die CIA, um den Senat, um den Vizepräsidenten der mächtigsten Nation der Erde…
Aber noch bin ich auf der guten Seite des Hais.
[]

Dexter

Die letzte Staffel Dexter hatte zwar keine apokalyptischen Reiter im Zentrum, dafür aber Yvonne Strahovski. Und das hatte eine Änderung der Grundstimmung zur Folge. Es ging nicht darum, die religiös Verwirrten abzuwehren, sondern persönlicher um Dexters emotionale Lage. Mir gefiel das besser — und mit etwas Abstand zu Ritas dahinscheiden war es sogar relativ glaubwürdig14.
Dexters Konflikt mit seiner Schwester gibt der Story gleichzeitig auch genug Spin um darüber hinaus weiterhin interessant zu sein. Überhaupt: Viele Geschichten liefen gleichzeitig ab.
Ich mag das und bin gespannt, wie es in den nächsten Staffeln weiter geht. Ob Deb wohl auch…?
[]

The New Normal

Tolle, neue Serie.
Voller versteckter Klischees, auf die man spaßig mit der Nase gedrückt wird. Eine Serie, die Augen öffnet und Vorurteile abbaut, dabei aber immer aufrichtig und fair ist. Und lustig — die Tochter!
Mehr in meinem Review auf Newshows.
[]

House

Tja. Greg House ist im Ruhestand. Und das wurde auch Zeit.
Es war eine hervorragend gemachte Serie, die neben immer interessanten und komplexen Krankheiten der Woche auch noch viele andere Themen erforscht hat. Ja, häufig arg philosophisch.
Aber der große Vorteil ist auch der größte Nachteil gewesen: Der geniale (und hervorragend dargstellte) Greg House. Genie, Misantroph — und Philanthrop zugleich. Aber eben auch nach acht Staffeln, unzähligem auf und ab, zu Ende erzählt.
House war die erste Serie, die mir zeigte, dass TV-Shows mehr sind, als das, was man so aus der deutschen TV-Berieselung kennt — und, dass eine Synchronisation prinzipiell schlecht ist15. Danke dafür.16
[]

Et Ceterea

Suburgatory ist furchtbar lustig. Auch voller Klischees und toller Schauspieler.
Rookie Blue ist furchtbar kitschig. Aber auch nett. Schaue ich gerne, obwohl es manchmal näher an einer Soap, als an einer Polizeishow ist.
True Blood enttäuscht von Staffel zu Staffel immer mehr. Wenn etwas passiert, ist es entweder langweilig oder too much. Manchmal überlege ich, warum ich das überhaupt noch gucke (aber zum Glück gibt’s dann doch immer noch Momente, die einen zurückholen).
Leverage war langweilig am Ende. Wir sind einfach auf zu viele Arten ge-con-ed worden. Allein das Finale war ein Highlight der letzten Staffel.
Bei The Big Bang Theory lacht man wirklich nur noch über die Charaktere und nicht mit ihnen. Das ist keine Show über Nerds, sondern über einen a-sozialen Fiktionalintelligenten und seine unwichtige, wenn auch besser gezeichnete, Entourage.
[]

Und ihr so? Was sind eure Lieblinge?
Hier ist das SVG zum Titelbild. Falls ihr da was rumklicken wollt.

  1. Gelinkt, wenn ihr oben im Bild auf die Serien klickt. []
  2. Fringe ist Science Fiction und deswegen etwas außen vor. []
  3. Ich benutze das Wort jetzt einfach. Zack. []
  4. Ja, sogar mehr noch als bei Fringe. []
  5. Es gibt da noch Revolution, Person of Interest, die im engeren auch Sci-Fi-Shows sind, aber sich eher einen Sci-Fi-esken Aspekt herauspicken und ihre Geschichte darum drehen lassen. Fringe is ALL Sci Fi. []
  6. Mit der Maus drüber, um zu lesen. []
  7. Anteasern. Wisster. []
  8. Zweittollsten. []
  9. Und vielleicht mach ich das auch irgendwann mal? []
  10. Allerdings ohne negative Procedural-Serial-Interferenz. []
  11. Kabelserien dürfen düster sein. Aber solche Free-TV-Serien? Das finde ich bemerkenswert. []
  12. Aber da bin ich zuversichtlich. []
  13. To Jump The Shark — eine Serie wird zu bescheuert und unglaubwürdig. Ursprung. []
  14. So glaubwürdig wie Liebesbeziehungen unter Serienmördern halt sind. []
  15. Nicht, weil die deutsche Synchronisation von House schlecht war — sie war erstaunlich gut, sondern weil gute Geschichten eben auf die Charaktere zugeschrieben sind. Und die Intonierung des Charakters durch den Schauspieler gehört da eben essentiell zu. []
  16. Du Drecksstück. Ohne dich hätte ich wesentlich mehr Zeit für sinnvolle Dinge. []

Rick Astley im Infinite Loop

Die Infinite Jukebox analysiert Songs, unterteilt sie in Stücke und verbindet ähnliche Segmente miteinander. Beim Abspielen des Songs gibt es dann eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass der aktuelle Abspielpunkt zu einem assoziierten Segment springt.
Es entsteht eine theoretisch unendlich lange Version des Songs. Klappt besonders gut mit Pop-Songs, die sind normaler weise simpel gestrickt und haben viele ähnliche Segmente — Pop halt.

Was ist also besser als Rick Astley? Richtig: Rick Astley im infinite Loop.

Die Infinite Jukebox wurde von Paul Lamere auf einem Music Hack Day für PSY’s Gangnam Style erfunden und bei einem weiteren Tag so erweitert, dass sie mit allen Songs funktioniert und hübsch dabei aussieht.

Bei der nächsten Party ist unbedingt auszuprobieren, wie lang man ein infinitisiertes Stück laufen lassen kann, bis es jemand merkt…

via Nerdcore