Buch: Michael R. Baier – Coruum

Donavon McAllon ist Analyst alter Sprachen. Hieroglyphen und so was. Gerade ist er aber mit seiner Familie auf den Schottischen Highland-Games, als ihn ein Anruf seiner Studienkollegin Karen Whitewood erreicht. Diese befindet sich gerade in Guatemala, ganz in der Nähe der alten Mayastadt Tikal. Dort wurde ein unterirdischer Raum gefunden – ein Raum inklusive seltsamer Stele. Letztere besteht aus außergewöhnlich glattem Gestein, das zu dem noch warm ist. Eingeritzt sind Symbole, die keiner der bisher bekannten Kulturen entstammen. Und deswegen will Karen Donavon vor Ort haben, er besitzt einfach das beste Gespür, wenn es um die Entschlüsselung neuer Inschriften geht.
In Südamerika angekommen beginnt Donavon zusammen mit Karen und ihrer Kollegin Sinistra so gleich mit der Untersuchung der mittlerweile von schwerem Gerät freigelegten Stele. Donavon findet eine geheimnisvolle Scheibe, die er einsteckt und später zusammen mit seinem in England gebliebenen Institutsleiter Fergus untersucht. Es scheint sich um einen spacigen Kalender zu handeln. Sehr spacig, denn aus einem unbekanntem Material und total hipp beleuchtet. Etwas später, in einer nächtlichen Aktion, erforschen Donavon und Karens Team eine neu gefundene Stätte in der Nähe der Stele, das allerdings hinter dem Rücken der sich immer restriktiver verhaltenden offiziellen Seite vor Ort an der Ausgrabungsstelle.
Was sie dort unten finden, ändert alles.

Die Scheibe passt in eine Vertiefung in der Wand und gestattet den Forschern das Eindringen durch ein rotes Kraftfeld in einen kleinen, mit Schriftzeichen übersäten Raum, ein Archivraum. Als die Schriftzeichen berührt werden erscheint in der Mitte des Raumes ein drei-dimensionale Hologramm, die genau das, was auch in den Schriftzeichen zu stehen scheint, hautnah darstellt: Aus dem Himmel landet ein Raumschiff, ein menschlich aussehender Besucher steigt aus, wird von den Bewohnern der Stadt empfangen und verschwindet mit dem König wieder. Was das Team schon vermutet hatte: Die Ruinen, die sie dort gerade ausgraben, sind nicht von Menschenhand.

Was das Team allerdings nicht vermutet, ist, dass ihr Eintritt in den Archivraum quer durch die halbe Galaxis übertragen wird. Bis hin zum großen Saal der Winterresidenz von Torkrage Treerose, seines Zeichens einer der Herrscher über die Sieben Königreiche, einem der drei großen Bünde im Universum. Torkrage erkennt die Bedeutung der Übermittlung, immerhin scheint in den Aufzeichnungen, die die Fremden da abrufen, Harkcrow Treerose zu sehen zu sein. Torkrage schickt so gleich seinen besten Mann, Merkanteer Kaleeze zum Planeten Ruthpark, von dem das Signal kommt.
Aber auch eine andere Ecke des Universums kriegt den Archivraumbetritt mit, zwar nicht wie Torkrage mit Bild, dafür mit ähnlicher Gespanntheit. Ashia, ihres Zeichens Mitglied einer äußerst geheimen Einheit des Geheimdiensts Z-Zemonthy des Zentrums (welches mit den religiösen Nebelwelten die drei Bünde komplettiert) wird sofort nach Ruthpark geschickt.
Als in der Ausgrabungsstelle wenige Tage später der Schlüssel in die Stele gesteckt wird und sich der Eingang zu einem riesigen, unterirdischen Lager öffnet, wissen die Erdbewohner noch nicht, dass sie schon bald mitten ins Kreuzfeuer beim Kampf zweier außerirdischer Kulturen kommen werden.

Michael schrieb bei sich im Blog über Coruum, das Buch von Michael R. Baier (ja, genau, mit richtig tollem, literarischen Zwischenbuchstaben!), für das er keinen großen Verlag fand und es dann „einfach“ im Eigenverlag herausbrachte (und deswegen nur via Amazon Marketplace bezogen werden kann). Die Geschichte interessierte mich: Maya meets Außerirdische. Indiana Jones and the visit from above. Verborgene Schätze, rätselhafte Artefakte, mysteriöse Enthüllung, rasante Verfolgungsjagden – und dann noch eine unheimliche Begegnung der dritten Art? Könnte gut werden! Und? Es wurde sogar noch besser, noch viel, viel besser.

Davon, dass kein Verlag das Buch herausbringen wollte, davon merkt man kein Stück. Man könnte denken, der Stoff war nicht gut genug. Man könnte denken, die Story vielleicht zu abgehoben. Die Sprache, oder gar der Stil schlecht. Aber nichts trifft zu! Baier schreibt sauber und klar. Ohne (für ein Roman) unnötige Ausschweifungen.
Und die Story?
Mehrere, weiter entwickelte Kulturen kämpfen auf ihre eigenen Weisen gegeneinander und die Erde, nichts ahnend, was dort far, far away noch alles im Universum schlummert, ist in der Mitte alldem. Damit das Ganze an Tiefe gewinnt, werden die Kulturen bei laufender Handlung Stück für Stück eingeführt. Ihre Strukturen werden erläutert, wer, wofür zuständig ist, ihre Geschichte und ihre Beziehungen untereinander. Das alles ist eingebettet in die persönlichen Geschichten von Donavon, Keleeze und Ashia, die alleine schon buchfüllend sein könnten.
Klar, dass man für so eine komplexe und vielschichtige Story Platz braucht. Aber das hat Baier zu Genüge: Coruum ist als Trilogie angelegt, von der bisher zwei Teile erschienen sind. Jetzt gibt es ja Trilogien (nein, ich habe überhaupt keine Bestimmte im Kopf…), da wird am Anfang ein Ziel definiert und drei Bände lang epochal darauf hin gearbeitet, das Ziel zu erfüllen. Coruum ist anders. Zwar gibt es in gewisser Weise ein Ziel (Was hat es mit der Außerirdischen-Basis auf der Erde auf sich?), doch tauchen auf dem Weg des Herausfindens immer neue interessante Wendungen auf und das eigentliche Ziel scheint nur Teil eines viel größeren Ganzen (ohne hart zu spoilern kann ich hier leider nicht konkreter werden, sorry).
Baier benutzt den durch die Ausdehnung auf drei Bände gewonnenen Platz aber nicht für Ausschweife oder Überflüssig- und Nebensächlichkeiten. Alles, was irgendwie eingeführt wird, fängt im Fortlaufenden an, sich ins große Ganze einzugliedern und mehr oder weniger wesentlicher Teil zu werden.

Langeweile kommt also nie auf, zügig wird voran geschritten. Spätestens dann, wenn sich die Geschichte vom mysteriösen großen Bild löst und es zu einem Action-Showdown kommt. Auch, und gerade dann schafft es Baier sehr plastisch das Geschehen zu beschreiben, lässt gezielt Dinge aus um die Spannung zu halten und sogar zu erhöhen. Dann, wenn er z.B. den momentanen Erzähler für eine Zeit lang ohnmächtig werden lässt, oder wenn etwas passiert, was dieser überhaupt nicht erklären kann. Dann muss man ein bis ein paar Erzählwechsel warten, bis man die Verständnislücken endlich füllen kann.
Überhaupt: Baier benutzt einen Haufen von Leuten als Erzählpersonen, die immer einen Abschnitt berichten dürfen. Donavon, Keleeze und Ashia sind als Hauptcharaktere dort natürlich häufiger vertreten. Manchmal überschneiden sich die Abschnitte, manchmal nicht. Toll ist aber immer, wenn man dann mal einen Handlungsstrang von einer anderen Seite kennenlernt. Da ist dann die böse Ashia eigentlich gar nicht mehr so böse (und irgendwie ist sie das ja sowieso nicht…).

Michael R. Baier kreiert in der Space-Opera Coruum wirklich ein eigenes Universum, mit der Erde und den drei Kulturen der Nebelwelten als Zentren. Er hat dabei eine Menge toller Ideen, eine Menge toller Visionen über die Zukunft (bei denen man merkt, dass er eine Naturwissenschaft studiert hat). Die Charaktere sind sympathisch gezeichnet und wunderbar hineinversetzbar erzählt. Aber besonders das Springen zwischen den Erzählpersonen gefällt mir.
Coruum ist mysteriös, actionreich, spannend, visionär und auf keinen Fall déjà-vu-ig. Auf jeden Fall allerdings empfehlenswert.
Dieser Beitrag wurde auch im Lesen-Blog von mir gepostet.

2 Gedanken zu „Buch: Michael R. Baier – Coruum

Kommentare sind geschlossen.