Buch: Christopher Moore – Die Bibel nach Biff

Ich darf keine Bücher von Moore mehr lesen.

Levi bar Alphäus, den man Biff nennt, lernt Josua in seiner Kindheit kennen. Josua sitzt gerade am Brunnen und hat eine Eidechse im Mund. Er zieht sie zappelnd heraus, Josuas Schwester nimmt sie, schlägt sie bis zur Regungslosigkeit auf den Boden. Dann nimmt Josua sie wieder, steckt sie wieder in den Mund und … die Eidechse zappelt wieder! Dann geht das Spiel wieder von vorne los.
Biff ist begeistert. Der Anfang einer großer, einer ganz großen Freundschaft.
Als Kinder spielen die beiden immer mit einander. Auch als sie den großen Jungs aus der Nachbarschaft begegnen. Die wollen Biff und Josua verprügeln. Aber zum Glück ist gerade zufälligerweise eine Riesenkobra vorhanden, die sich schützend hinter Josua stellt. Es bedarf aber der Überzeugungshilfe von Maria aus Magdala (kurz: Maggie), um die bösen Jungs von einem Petzen a la „Dem Typen gehorchen ja Tiere“ vor den Hohepriestern abzuhalten. Die Hilfe Maggies ist wieder so eine Begegnung, die weitreichende Folgen haben wird.
Achja: Josua ist übrigens das Kind Gottes — und der Messias. Das zumindest hat ein vertrottelter Engel seiner Mutter Maria gesagt. Das Blöde ist nur, dass Josua überhaupt keine Ahnung hat, wie man Messias ist. Er weiß allerdings, dass er keusch leben muss. Deswegen schläft auch Maggie, obwohl sie unsterblich in Josua verliebt und Biff nur ihre zweite Wahl ist, mit Biff, der sich tierisch darüber freut, weil er unsterblich in sie verliebt ist, sich aber zum Anfangszeitpunkt des Beischlafs als Josua ausgibt. Ein bisschen verzwickt.
Nachdem Biff und Josua mit 12 ihre Ausbildung als Steinhauer angefangen haben, drängt es Josua so langsam, doch einmal herauszufinden, wie man Messias ist. Wo fängt man da an? So als Messias? Klar, da waren doch diese drei Weisen aus dem Morgenland. Kaspar. Melchior. Und Blathasar.
Zuerst geht es zu Balthasar, von dem gesagt wird, er lebe irgendwo im Orient. Ein langer Weg, auf dem Biff aufopferungsvoll für Josua erforscht, wie dieser Beischlaf funktioniert. Jede Nacht muss er sich mit einer Hure vergnügen, nur damit er Josua erklären kann, warum das Sünde ist und wie die Sünde funktioniert. Josua versteht das allerdings nicht.
Sie finden Balthasar in einem großen, in Stein gehauenen Palast. Dort lebt er mit seinen Konkubinen. Seit mehreren Jahrzehnten. Balthasar hat Josua schon erwartet und fängt sogleich mit seiner Ausbildung an. Sprachen lernt er. Und den Buddhismus. Biff schläft derweil ausführlich mit den Konkubinen von Balthasar und lernt die hohe Kunst des Giftmischens und der Magie.
Nachdem sie bei Balthasar fertig ausgebildet sind, geht es weiter zu Kaspar. Kaspar lebt in einem Kloster im chinesischen (?) Hochland. Am Fuße der Berge, wo der letzte Yeti haust.
Bei Kaspar lernt Josua eins mit der Materie und dem Drumherum zu werden, bis er schließlich unsichtbar wird. Dazu müssen sie immer weiter über Pfähle hüpfen (wie man es aus diesen Karatefilmen kennt). Derweil lernt Biff Kung-Fu und Josua – weil ihm Kung-Fu zu aggressiv ist – Ju-do, das die Mönche extra für ihn erfunden haben. Das Ju steht übrigens für Jude.
Ihre Reise geht weiter nach Indien. Zu Melchior. Bei ihm lernt Josua die Kunst der Mehrung von Speisen. Aus einem Reiskorn mache eine ganze Schüssel und so. Außerdem schafft er es, sich in klitzekleine Tonkrüge zu verrenken. Und im Menschenheilen wird er auch immer besser. Biff wird derweil im nahegelegenen Dorf in die große Kunst des Kama Sutra eingeweiht. Und versteht es darüber hinaus das Speisenmehren von Josua gut zu vermarkten und Kapital daraus zu schlagen.
Als beide ein Zeichen ihrer Mutter Maria auf einer Hauswand sehen, brechen sie zum Rückweg auf.
Zuhause in Israel werden sie ihre Jünger sammeln, den Heiligen Geist und das Reich Gottes verkündigen. Immerhin weiß Josua jetzt so ungefähr wie man Messias ist.

Natürlich ist das Ganze noch in eine Obergeschichte eingebettet: In „Die Bibel nach Biff“ wird eben dieser im Jahre 2000 von einem Engel zurückgeholt. Der Herr finde, es ist Zeit, dass die Jugendjahre Jesu erzählt werden.
Biff stand doch garnicht in der klassischen Bibel, sagt ihr? Nun, das hat auch seinen Grund — aber den gibt’s im Buch.

Auch wenn der Inhaltstext da oben sowieso schon viel zu lange war: Ich habe viel ausgelassen. Sau viel. Biff ist der Erfinder des Sarkasmus. Israel wird von Rom regiert. Die Juden werden nur geduldet. Biff und Josua zerschlagen eine hinduistische Kali-Menschenopferung. Woher der Spruch mit der anderen Wange her kommt. Und wer ist eigentlich auf diesen Namen „Heiliger Geist“ gekommen. Und noch viel, viel mehr.

Moore webt in die teilweise vorgeschriebene Geschichte Jesu, eben wie man sie aus dem Neuen Testament kennt, seine eigene Vorstellung der Jugendjahre ein und nutzt dazu aktuelles Zeitgeschehen aus der damaligen Geschichte. Und?
Es ist wieder grandios. Wirklich!
Diese Komik, die wortgewandte Erzählweise, die trockenen Witze, die Ironie — all das wunderbare aus „Ein todsicherer Job„. Dazu dann diese herausragenden Anspielungen, z.B. auf die Erfindung des Sarkasmus oder des Judo. Und noch viel mehr was mir gerade überhaupt nicht alles einfällt. Und natürlich der satirische, äußerst satirische Umgang mit der christlichen Religion, aber auch anderen Weltreligionen — ohne sie dabei zu verhöhnen!

Ein Lacher folgt dem Nächsten, das aber gleichzeitig mit Tiefgang, mit starkem Tiefgang. Letzterer wurde besonders zum Ende hin, bei der Akkreditierung der Jünger und dann schließlich bei der Passion immer offensichtlicher und trat dann sogar hinter den vorher ausgeprägten Humor zurück.
Im ersten Augenblick dachte ich: „Hey, Moore, was machst du da? Ist das denn ein Ende für so ein geiles Buch?“. Gut. Passion hin oder her. Die ist wohl unumgänglich wenn man über Jesus spricht. Aber so traurig? so verzweifelt?
Aber dann ist mir etwas bewusst geworden, guter Christ der ich bin cough. Jesus hat sein ganzes (Erden-)Leben auf die Kreuzigung hingearbeitet. Durch seinen Tod und seine damit verbundene Auferstehung konnte Jesus erst wirklich zeigen, dass seine Prophezeiungen stimmen und dass das Reich Gottes gekommen ist. Sie ist letztendlich in gewisser Weise die Glaubensgrundlage (jaja, Theologen steinigt mich ruhig). Das Traurigste, also der Tod und die damit zwangsweise verbundene Auferstehung Jesu ist des Christen, des Katholiken Heiligstes (Für Christen ist Ostern das wichtigste Fest, nicht Weihnachten!). Unter diesem Gesichtspunkt: Wie genial ist dann das Ende? Wie sehr passt denn dann diese Erzählung der Passion nicht nur zum Buch, sondern zur gesamten Jesuserzählung, ja sogar zum Christentum?
Ich finde das Ende klasse! Auch wenn es die Stilistik des Buchs ändert.

Jeder, der ein wenig von der Original Bibel kennt, dabei aber auch über sie lachen kann, wird sich richtig gut bei der Lektüre von Moores Ausschmückung und Interpretation amüsieren. Aber auch jeder, der nicht so viel Ahnung von diesem ganzen seltsamen Christentumkomplex hat, der wird köstlich unterhalten — und dem erschließen sich vielleicht auch nochmal die unleugbaren Parallelen zwischen allen Religionen oder sonstige interessante Dinge, die Moore, mal mehr, mal weniger subtil eingebaut hat. Dümmer wird man jedenfalls nicht.

Wenn das jetzt so weiter geht, wenn ich Bücher von Christopher Moore lese, dann werde ich nochmal zum Groupie. Zum Buchgroupie.
Und ich wechsele meine Lieblingsbücher wie Unterwäsche.
Ich habe übrigens wieder ein neues. Aber das sollte klar sein, oder?
Und immer noch schmunzel ich, wenn ich den Untertitel „Die wilden Jugendjahre von Jesus, erzählt von seinem besten Freund“ lese.

3 Gedanken zu „Buch: Christopher Moore – Die Bibel nach Biff

  1. Ich wollte ja tatsächlich diese Buchrezession lesen – wäre immerhin die erste gewesen. Aber beim Lesen fiel mir auf, dass lauter lustige Geschichten schon erzählt wurden. Also hab ich erstmal abgebrochen, bis ich das Buch gelesen hab, ich will ja schließlich noch beim Lesen lachen 🙂

    Aber ich werde sie irgendwann weiterlesen, deine Rezession.

  2. Mal eins vorweg, der Text hört sich vorgelesen von einer guten Synchronstimme ganz schön anstrengend an. Heißt das jetzt du hast lyrisches Talent? 😉

    Das Buch werde ich nicht lesen. Zuviele Keywords auf die ich allergisch reagiere – bitte wieder Science Fiction 😉

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