Gute Übersetzung – Schlechte Übersetzung

Wird Helga vom Internationalen Sprachenrat in die Hölle geschickt? Dieter zunehmen? Und wo sind die Umlauts mit ihrem Wohnwagen hingefahren? All das, heute in GÜSÜ… räusper
Meine Lieblings-, weil beste Fotosharingcommunity (Beste? – Völlig objektiv empirisch ermittelt! Von mir. Jetzt gerade.) flickr gibt es jetzt auch in Deutsch. Auf der Startseite lässt sich für angemeldete Benutzer zwischen einem Haufen (7!) von Sprachen auswählen, z.B. Französisch, Spanisch, Koreanisch. Besucht man flickr.com als unangemeldeter Benutzer, so wird sogar automatisch die Heimatsprache erkannt und ausgewählt.
Meine Lieblingssozialmusikrevolution last.fm gibt es schon etwas länger auf Deutsch. Darüber hinaus in 11 anderen Sprachen, jeweils mit eigener URL.
Und bei Letzteren ist die Übersetzung meiner Meinung nach wesentlich besser gelungen.

Fangen wir mit dem Schlimmsten an: flickr siezt. Konsequent (immerhin das…) schreibt flickr „Sie“, wenn es den User anspricht. flickr ist eine junge, hippe Web-2.0-Applikation. Und die spricht mich auf einmal (aufgrund der Übersetzung) mit dem relativ spießigen und un-internettigen „Sie“ an? Das passt überhaupt nicht. Und ist darüber hinaus noch unpersönlich (jedenfalls unpersönlicher als „Du“). Kundenbindung, Identifikation und so. Gibt’s sicherlich toll klingende Englische Wörter für. last.fm macht das wesentlich eleganter. Hier wird geduzt.
Wo wir schon bei persönlich sind. Etwas, das allerdings nicht die Übersetzung verbock hat, sondern vorher schon da war: Bei flickr heißt es „Your Photos“, „Your Account“, etc. Bei last.fm dafür „My Dashboard“, „My Friends Online“. Your vs. My, 2. Person gegen 1.. Auch da ist last.fm auf der (subtilen) Persönlichkeitsschiene wieder weiter vorne. Aber das nur am Rande.

Dann gibt es dort diese spezifischen seltsamen Übersetzungen bei flickr — zumindest bis auf „post“, das bleibt auch im Deutschen so stehen. Die Creative-Commons-Info „Some Rights Reserved“ wird mit „Bestimmte Rechte vorbehalten“ übersetzt. Die Übersetzung macht das „Some“ zu „Bestimmte“. Soweit eigentlich richtig. Klingt trotzdem seltsam und vor allen Dingen wesentlich unprägnanter. Ich hätte da das vielleicht etwas schwammigere aber kürzere (und dazu wörtlich übersetzte) „manche“ benutzt. (Und außerdem benutzen sie „der Blog“. Der! Tz!) Naja, letztlich eigentlich egal.
Viel toller ist auf der Startseite für unangemeldete Benutzer unten das „Einfach Zeug bestellen!“. Zeug! „Stuff“ mit „Zeug“ zu übersetzen mag vielleicht richtig sein. Aber das benutzt man doch nicht. Zumindest nicht im gleichen Maße und Zusammenhang wie „Stuff“ im Englischen.
Der Rest der übersetzen Worte, Wörter und Phrasen wirkt eigentlich ganz solide, wenn auch manchmal langweilig (wieder: im Gegensatz zu last.fm, die zwar einen Haufen Anglizismen benutzen, aber damit besser und kürzer das Treffen, was sie sagen wollen).
Trotzdem schafft es flickr nicht, den im Englischen wenigstens leicht vorhandenen, freundschaftlichen, kumpelhaften Ton zu portieren. Eben der Ton, der für so eine persönliche Community angebracht wäre. last.fm macht das wieder wesentlich besser. Allein schon der „Schwarz sehen“-Link um das Design von rot auf schwarz umzustellen. Aber auch der komplette, eben der gesamte auf der Seite vorhandene Tonfall ist viel besser getroffen.

Zum Glück kann man die Sprache auswählen. Ich werde bei flickr bei Englisch bleiben. Habe mich da aber auch immerhin zwei Jahre dran gewöhnt (das allerdings habe ich versucht bei meiner Bewertung außen vor zu lassen).

Und zum Glück kann man sich als Deutscher wunderbar über alles aufregen ;).

8 Gedanken zu „Gute Übersetzung – Schlechte Übersetzung

  1. Ich stimme dir voll und ganz zu, auch wenn ich meine, dass du dich hättest ein wenig kürzer fassen können, du wiederholst dich bisweilen 😉

  2. Naja, du hast recht, wenn du meinst, ich wiederhole mich mit meiner Meinung. Aber die muss ich doch untermauern!
    Dieses Blogs-Dings kann doch nicht immer nur blalba Meinung Meinung machen. Da muss man wenigstens ein bisschen von einem Hauch einer Objektivität einbauen.
    Credibility und so. Du kennst das doch.

  3. Eigentlich war ich ja erfreut als ich gesehen habe, dass es flickr nun auch auf deutsch gibt. So wirkt die Einbindung in unsere Vereinswebseite für externe Besucher etwas sinniger. Als ich jedoch gesehen habe (ca. 1 1/2 Sekunden später), dass flickr nun siezt, war die Vorfreude auch bei mir dahin.

    Zu last.fm: Die englische Version zum Theme-Switcher find ich aber noch besser: „Paint it black“ und „Simply Red“.

  4. Bei Zooomr wird geduzt!(Aber im Moment ist es noch nicht wieder zu benutzten, es fehlt einfach noch zuviel) 😉 Und man kann den Filter austellen, aber ich will Dir jetzt nicht Flickr schlecht reden!

  5. Keine Angst, Thommy, du bekehrst mich schon nicht ;).
    Und Eay: Du hast recht, auf Englisch ist das mindestens genauso schön bei last.fm.

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