Buch: Alastair Reynolds – Himmelssturz

Wir befinden uns in der nicht allzu fernen Zukunft. Die Menschheit fliegt mittlerweile munter durch ihr Sonnensystem und erkundet es. So auch die Rockhopper.
Die Rockhopper ist ein mittelgroßes Minenschiff unter dem Kommando Bella Linds. Es schleppt mit seiner einhundertfünfzig Mann und Frau starken Mannschaft Eiskometen ab. Um sie dann auf der Erde zu schmelzen. Alles läuft routinemäßig, Bella ist fast dazu geneigt, ihre traurige Vergangenheit um das Verlieren ihres Ehemanns ihrer besten Freundin Svetlana zu eröffnen, die gleichzeitig auch das Superbrain an Board und für den Antrieb verantwortlich ist, als Bella von der Erde einen außergewöhnlichen Auftrag erhält.
Janus, bisher unauffälliger Standardsaturnmond, ist aus seiner Umlaufbahn ausgebrochen und scheint sich mit eigener Kraft zum Rand des Sonnensystems zu bewegen, unaufhörlich den Sternen im Spica-System hinzu gewandt. Dabei beschleunigt er stark. Augenscheinlich handelte es sich seit je her bei Janus um ein außerirdisches Objekt, welches jetzt aktiviert wurde. Zufälliger weise ist die Rockhopper das einzige Erdenschiff, was nah genug an Janus ist, um die Verfolgung aufzunehmen und Informationen über den Extrabanten herauszukriegen.
Bella lässt darüber allerdings ihre Besatzung abstimmen, immerhin ist der Verfolgungsausflug nicht ganz ungefährlich. Alle entscheiden sich für die Verfolgung von Janus.
Während des Flugs ereignen sich einige Unfälle an Board der Rockhopper, die Svetlana zu ersten Misstrauen bewegen. Dieses Misstrauen wird sich immer weiter aufwiegen, bis es schließlich zu einem bitterlichen Streit zwischen Svetlana und Bella kommt, der dann wiederum durch eine Folge unglücklicher Zustände, in denen das Sternenschiff von Janus immer weiter raus aus dem Sonnensystem Richtung Spica gezogen wird, zur Kontrollübernahme von der Rockhopper durch Svetlana führt.
Der Streit wird sich nie wieder klären, er wird nur immer bitterlicher und die ganze Geschichte überschatten. Auch, als die Rockhopper auf Janus landet, und dort Quartier aufschlägt. Auch, als die Techniker der Rockhopper den mit Maschinen übersäten Janus als Energiequelle nutzen können. Auch, als sich der ‚eiserne Himmel‘ über Janus für ein Jahr ausbreitet. Auch, als man sich danach in einer Art künstlichem Alienhabitat weit, weit draußen im Universum mit vielen anderen Aliens zusammen befindet. Auch, … aber mehr möchte ich nicht verraten.

Das Buch spielt, in der Einleitung von mir nicht erwähnt, zu einem Teil in der fernen, zum weit, weit größeren Teil allerdings in der nahen Zukunft (ca. 50 Jahre?). Die Hauptdarstellerin ist ganz klar Bella Lind, die allerdings immer wieder von ihrem Vorsitzendenposten durch Svetlana vertrieben wird. Es folgt ein wildes Abenteuer, dass immerhin 95% der Lichtgeschwindigkeit erreicht und bei Aliens in Glasraumschiffen endet.
Es wird futuristisch-kritisch auf die Eroberung des Weltraums und die Rolle der verschiedenen Kulturen der Erde dabei eingegangen (Amerikaner — Chinesen), aber Alastair Reynolds gibt auch einen Ausblick darauf, wie eine Zusammenkunft mit anderen Lebewesen von statten gehen könnte. Und mit welcher Art primitiver Unterschiede man relativ hart kämpfen müsste.
Aber dann gibt es da noch diese nervende Frauenbekämpfung. Svetlana findet, dass Bella falsch entschieden hat. Also sperrt sie sie weg. Als Bella wieder an der Macht ist, muss sie Svetlana natürlich auch wegsperren. Und das geht so weiter. Meiner Meinung völlig übertrieben, völlig konstruiert und selbst ein einem künstlichen geschaffenen Sci-Fi-Universum völlig unwirklich. Soweit sogar, dass es mich, als denn endlich ein kind-of-Happy-End da zu sein schien, sehr erleichterte. Sehr erleichterte. Das passte einfach nicht in die sonst so progressive Story. Zickenterror mit Peergruppenleiden an Board eines Sternenkreuzers. Hört sich auch schon so blöd an.
Darüber hinaus fiel mir noch negativ auf, dass die Zeitsprünge zwischen den einzelnen Kapiteln sehr groß und vor allen Dingen unangekündigt waren. Klar, wir befinden uns bei einer Reise mit nahezu Lichtgeschwindigkeit, die selbst im mitbewegten Bezugssystem auf Janus einen Zeitraum von einige Jahren umspannt. Dass dort große Sprünge gemacht werden, damit die Geschichte nicht entweder völlig abwegig oder aber langweilig wird, das ist klar. Aber dann diese Art von Zeitsprüngen? In einem Haufen Nebensätze erwähnen, was bis dato alles passiert ist und welcher Zeitraum vergangen ist? Das gefällt mir nicht.
Aber das war auch die einzigen gröberen Mankos, was mich an Himmelssturz störte. Reynolds hat sonst ein, wie ich es schon von Ewigkeit kannte, visionäres (in sich abgeschlossenes) Universum etabliert. Natürlich ist der Name mal wieder schrecklich: „Pushing Ice“ im Original ist wesentlich passender — es ist der Schlüsselsatz, der immer wieder auftaucht und sich wie ein Roter Faden durch sämtliche Teilgeschichten fädelt. Die Charakter erscheinen mir etwas pseudo-klischeehaft-tiefgründig, aber das wird durch die Reststory größtenteils wett gemacht.

Himmelssturz ist kein großes, dafür aber nettes Sci-Fi-Abenteuer für zwischendurch. Es wird nicht die Welt verändern und nicht Dunkle Materie finden, aber für einen lauen Sommertag im Park reicht es.
An Ewigkeit, das ein wenig mehr Soft- als Hard-Sci-Fi ist (bei Himmelssturz ist der Akzent genau andersrum), kommt Alastair Reynolds mit Himmelssturz allerdings nicht heran.

Lesen? Entscheidet das selbst hierbei. Wirklich.a

3 Gedanken zu „Buch: Alastair Reynolds – Himmelssturz

  1. Das mit den Zeitsprüngen macht Reynolds aber ganz gerne. Mich störts nicht so, weil ich solche Storylines mag.

    Aber das seine Charakterzeichnungen gelegentlich etwas hölzern sind, ist mir auch schon aufgefallen.

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