Studium Reviewed: Drittes Semester

Auch wenn das vierte Semester jetzt schon etwas läuft:
Traditionen müssen irgendwann begonnen werden. Und genau wie bei Zukunftändern ist dafür der beste Augenblick jetzt. Ganz schön tiefgründig.
Was ich im ersten Semester startete, im zweiten für den letzten Teil des Semesters fortführte, möchte möchte ich jetzt in eine dritte Runde führen. Und da darf man dann ja nach ISO-6352 von Tradition sprechen.

(Lieber Leser, es folgt ein völlig ich-bezogener Beitrag. Wenn Sie das nicht mögen, können Sie oben rechts das kleine x drücken. Ich bin Ihnen auch nicht böse. Wirklich.)

Tatsächlich. Ich studiere immernoch Physik. Auch nach diesem anstrengenden Semester.
D.h. eigentlich war nur, wiedermal, das Ende des Semesters richtig anstrengend.
Der Anfang des Endes war die Scheinklausur in Theoretischer Physik: Mechanik. Für alle Nichtphysiker: Die Ich-kann-wild-dumm-rumrechnen-Klausur darüber, wie ein Apfel fällt bzw. fallen könnte, wenn man möglichst lange und von hintenrum darüber nachdenkt.
Und genauso wie der Satz vermuten lässt, war ich einer von 80% Nichtsoganzfreaks und habe die Klausur natürlich nicht bestanden – trotzdessen ich alle restlichen Klausuren zu der Zeit wohlwissend des sonst eintreffenden Nichtbestehens aufgrund von Mechanik-Lernen geskippt habe. Aber das tolle an diesen Scheinklausuren: Man darf sie meistens direkt danach nochmal schreiben. Zwei Wochen Zeit sich noch einmal den ganzen Stoff reinzupfeifen und wieder die dunklen Universitätslernräume aufzusuchen (Gibt es eigentlich Schlimmeres im Studium als Sachen immer und immer wieder zu lernen? Das steht mindestens auf gleicher Stufe mit „Vorlesung um 8:00“!). Auch in der Klausur wären wieder ca. 85% durchgefallen, was für den Prof eine relativ miese Quote gewesen wäre. Aber Theoretiker sind da spontan: Nachprüfung der Nachklausur eingerufen für die besten Durchfaller. Ich war dabei (Juchu!) und habe nach längerer, nervenaufreibender Diskussion mit dem Prof (bei der ich mich im Nachhinein betrachtet wie in einem schlechten Actionfilm fühlte: Alles läuft genau so, wie es nicht laufen sollte. Alles was schief gehen kann, geht schief. Bis dann am Ende durch einen glücklichen Zufall sich alles zum Guten wendet und die Welt gerettet ist. Nur ohne Explosionen) schließlich noch bestanden (Juchu!!). Ein so hässliches, wie bedeutungsvolles Papier mehr in meinen Unterlagen.
Zu der Zeit startete dann allerdings schon das zweite Physikalische Anfängerpraktikum (Stellt euch das bloß nicht so lustig wie Scrubs vor!). Wie schon beim letzten Mal hieß das: Versuch vorbereiten, Versuch durchführen, Versuch auswerten und alles im Protokoll zusammenschreiben. Dieses Mal allerdings im „Hard“-Modus und mit tollem Feature: Am vierten Tag (Tag der Protokollabgabe) mussten die Ergebnisse zusätzlich vor versammelter Mannschaft präsentiert werden.
Habe ich beim ersten Praktikum geschrieben, es sein intensiv gewesen? Nun. Ok. Man ist ja durchaus lernfähig. Das Zweite, DAS war intensiv. Vier mal 36 Stunden, davon 30 Stunden durch-gearbeitet und am Ende völlig übermüdet, mit halb offenen Augen verschiedenfarbige Graphen durchexerziert. Dann ab nach Hause und ins Bett, im Idealfall 14 Stunden schlafen, aufstehen und weiterlernen.
Denn nach dem Praktikum, welches dieses Mal mit einer Klausur (die ich glücklicherweise beim ersten Anlauf bestand…) an einem Freitag endete, sollte drei Tage später, also montags, die mündliche Vordiplomsprüfung im Fach Theoretische Physik: Mechanik folgen. Zu der Scheinklausur von oben also das mündliche Parallelstück. Braucht man beides.
Mein Lernmitstreiter und ich schlossen uns also während der Rest der Physiker das Ende der Vorlesungsfreienzeit zelebrierte bei ihm ein und lernten und lernten und lernten. Und lernten. Und guckten aus dem Fenster. Total interessant was so tagtäglich Aachens Straßen bevölkert. Echt jetzt.
Die Lernzeit war natürlich recht knapp bemessen. Zwei Tage Lernen für den kompletten Stoff eines Semesters. Ich machte mir also nicht soviele Hoffnungen. Bin ja Realist und sowas. Doch dann in der Prüfung wurde ich zur Hälfte genau das Gelernte gefragt und ich bestand tatsächlich.

Ich bin ganz glücklich um meinen Schnitt. Drei Prüfungen gehabt und alle letztendlich bestanden. Klar, da bleiben noch die beiden Prüfungen, die mir aus dem zweiten Semester fehlen. Aber hey, if you can make it here, you can make it anywhere. Ich bin remotiviert – das klappt schon noch.

Natürlich haben wir auch dieses Mal wieder unser Physikpraktikum digital begleitet. Drüben im physikBlog gibt’s die Videos.

Viertes Semester, du kannst kommen. Ehm weitermachen. (Mist, Abschluss versaut)

2 Gedanken zu „Studium Reviewed: Drittes Semester

  1. Das ist einfach das Los der naturwissenschatlich-angehauchten Studiengänge. Entweder man zieht das Los Nachklausur oder das Los Vorlesung um 8:00. Dieses Semester hab ich letzteres gezogen und bin eigentlich auch ganz zufrieden. Aber nach dem Semester stehts Vordiplom an… wir haben leider Blockprüfungen. Sprich 4 mündl. Prüfungen in 4 Wochen + 1 irgendwann. Da beneide ich Physiker jedes mal, wenn sie etwas auseinanderziehen dürfen …

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