Buch: Frank Schätzing – Die dunkle Seite

Meine Schätzingsammlung ist erst einmal komplett. „Die dunkle Seite“ ist das letzte fiktionale Buch, was mir noch in ihr fehlte („Keine Angst“ habe ich irgendwann mal als Hörbuch gehört). Gut also, dass im Zuge der Schätzingreveröffentlichungsfront eben jenes Buch zuletzt neu aufgelegt wurde.

Mehmet Üsker, eigentlich friedfertiger Gemüsehändler aus Köln, wird kurz vor dem Jahrtausendwechsel in seiner Wohnung tot aufgefunden. Nicht irgendwie tot. Nein, so richtig tot. Richtig mit Foltern, adrenalinfördernde-Medikamente-geben, Finger abschneiden und … allen möglichen anderen grausamen Dingen. Kommissar Menemenci bekommt den Fall zugeteilt. Schließlich kann er türkisch. Doch er weiß nicht so recht wo er anfangen soll. Hat eigentlich ja auch genug sonst zutun.
Später irgendwo anders in Köln. Vera Gemini ist Ex-Polizistin. Hat eine schwere Zeit mit ihrem Ex-Mann hinter sich. Ist aber mittlerweile glücklich als Privatdetektivin und als allein. Und weil sie durch und durch eine moderne Frau ist und unzähliges High-Tech-Equipment zur Aufklärung ihrer Fälle benutzt, heißt ihre Detektei „DeTechTei“ (Tolles Wortspiel, was?). An diesem Tag kommt ein Simon Bathge zu ihr. Er bittet sie, ihm beim Finden eines gewissen Andreas Marmann zu helfen. Wer das ist und was er von ihm will, möchte Bathge allerdings nicht erzählen. Genauso wenig wie er selbst erreichbar ist. Er bezahlt bar und kündigt an, sich später noch einmal zu melden. Ganz schön mysteriös. Aber Vera denkt sich: Kohle ist Kohle – und eigentlich geht sie sich der ganze restliche Kram ja auch nichts an.
Der geneigte Schätzingleser weiß jetzt, was passiert: Natürlich verbinden sich beide Geschichtsstränge. Veras Suche nach Marmann führt sie irgendwie zu Üsker. Und damit zu Menemenci.
Wie sich herausstellt haben Bathge, Marmann und Üsker zusammen in Kuwait im Krieg gekämpft. Sie waren erst gemeinsam bei der Fremdenlegion und dann bei einer privaten Legionärsorganisation.
Es folgt eine immer schneller werdende Suche nach dem Mörder Üskers und nach Marmann. Es explodieren Häuser, es wird geschossen. Und, natürlich, ver-liebesgeschicht-isiert.

Schätzing hat mit Die dunkle Seite wiedermal einen soliden Krimi hingelegt.
Die Charakter sind vielschichtig geschrieben — mit und mit erfahren wir von ihrem Vorleben. Die Geschichte ist sogar ein wenig visionär (ich musste die ganze Zeit an Second Life denken…).
Und wiedermal typisch Schätzing erfährt man ganz nebenbei noch etwas wissenswertes: Background zum Krieg in Kuwait, bzw. zum Krieg allgemein. Zu privaten Kriegsorganisationen. Und Schätzing führt einiges über Serienmörder aus.

Die dunkle Seite ist solide. Aber nicht mehr. Wie Schätzing im Vorwort zur überarbeiteten Auflage bereits anmerkte: Es ist düster. Und es ist, vielleicht auch deswegen, trocken — wie ich finde.
Auf jeden Fall aber ist es eines der schlechteren Bücher Schätzings (was sehr relativ zu verstehen ist…). Mir war schon bald am Anfang klar, wer der Mörder ist. Das Tempo kommt nicht so richtig in Fahrt. Und die semitiefgründigen Selbstfindungstripps der Hauptdarsteller sind … eben genau das: semitiefgründig.
Und selbst die immergleiche Schätzingstruktur fängt mich langsam an zu nerven. Vielleicht war sie aber auch hier einfach nicht gut umgesetzt.

Das hört sich jetzt viel negativer an, als es war.
Die dunkle Seite ist nicht schlecht. Auf keinen Fall. Aber die anderen Bücher Schätzings sind besser. Die dunkle Seite ist eine kurzweilige Freizeitbeschäftigung. Vielleicht für am Strand, wo lauthals Kinder herumspielen und Boote mit Horn zum Tiefseefischen hinausfahren.
Und, hey, ein Buch in dem der Protagonist des nächsten Buchs mit all seinen Eigenheiten vorgestellt wird, kann so schlecht nicht sein.

2 Gedanken zu „Buch: Frank Schätzing – Die dunkle Seite

Kommentare sind geschlossen.