Buch: Christopher Moore – Ein todsicherer Job

Charlie Asher ist sich sicher: Seine gerade frisch geborene Tochter besitzt 11 Finger. Er hat mehrmals gezählt und kommt immer auf 11! Und hat er da eben nicht ein kleines Schwänzchen bei der Geburt gesehen? Jedenfalls Grund genug, deswegen das Krankenhaus zu terrorisieren. Als das auch hinter sich gebracht ist, schickt ihn seine Frau tatsächlich nach Hause. Viel zu fertig sei er, nach der Geburt jetzt. Charlie lässt sich überreden, muss aber nochmal kurz ins Auto. Er kommt wieder und traut seinen Augen nicht. Ein Mann in schimmernden mintgrün steht vor seiner Frau. Die Geräte fangen an zu piepsen. Und kurze Zeit später ist der Mann verschwunden und seine Frau tot. Einfach so. Und wo ist der mintgrüne Mann hin? Keiner hat ihn gesehen. Weder Personal, noch Überwachungskameras.
Seine Frau tot, der Tod in mintgrün und nur Charlie kann ihn sehen. Juchu.
In den folgenden Tagen und Wochen muss Charlie, seines Zeichens übrigens Beta-Männchen wie er im Buche steht, mit dem Verlust seiner Frau (Und wenn es Alpha-Frauen gäbe, dann wäre sie eine gewesen!) zurecht kommen. Garnicht so leicht. Erinnert ihn doch so ziemlich alles zu Hause an sie. Und nicht zuletzt natürlich seine Tochter Sophie.
Und wäre das nicht genug, fängt er auch noch an in seinem Second-Hand-Laden Gegenstände rot leuchten zu sehen. Aber auch dieses Mal ist er der Einzige, der das tut.
Als sich dann langsam die Todesfälle in seiner Umgebung häufen, z.B. das Umfallen eines Manns, als Sopie auf ihn zeigt und „Mietze“ sagt, beginnt Charlie zu ahnen: Er ist der Tod. Der Leibhaftige. Oder so.
Von anderer Stelle erhält er Aufklärung: Er ist nicht der Tod. Er ist nur Totenbote. Seine Aufgabe ist es „Seelenschiffchen“, die manifestierten Seelen, die übergegangen sind auf Gegenstände, von kürzlich Verstorbenen oder Sterbenden einzusammeln und sie an neue Besitzer zu verteilen. Und sie vor den schwarzen Gestalten aus der Unterwelt zu schützen.
Er wird zum Shootingstar der Seelenbranche. Und unweigerlich Ziel der Morrigan, eben jenen animalischen, schwarzen Gestalten aus der Unterwelt San Franciscos, die ihm lieblich aus den Kanaldeckeln zuflüstern und abends in Seitengassen zu verführen versuchen.
Es geschehen noch so seltsame Sachen, wie das Auftauchen von zwei Höllenhunden, die unbedingt Tochter Sophie beschützen wollen und liebend gerne Seife essen. Wie das Auftauchen des Kaisers von San Francisco samt seiner Militärtruppe. Wie das Auftauchen kleiner kleptomanischer Knochenmenschen, oder -tiere, oder -wasauchimmer. Wie unmoralische Angebote seiner Gothikmitarbeiterin. Wie leuchtende Brustimplantate. Wie Männerfrauen von den Philippinen. Wie tierekochende Haushälterinnen. Wie … ach, vieles.
Bis dann schließlich im großen Showdown Charlie die Welt wie wir sie kennen retten muss.

Wie man vielleicht erkennt, „Ein todsicherer Job“ (Original übrigens: „A Dirty Job„) ist ein sehr skurriles Buch. Es geht um Leben, um Tod und alle Facetten dazwischen. Über verschiedene (kulturelle) Ansichten von Leben und Tod und allen Facetten dazwischen. Und es geht um soziale Strukturen, im Wesentlichen heruntergebrochen auf Moores (satirische) Theorie der Beta- und Alpha-Männchen.
Moore greift auf verschiedene existierende Auffassungen zurück. Z.B. kommt die Idee der totbringenden Morrigan aus der irischen Mythologie. Er verwendet aber auch buddhistische Glaubensaspekte. All das schmeißt er zusammen, mixt es gut, kocht es mit viel Fantasie auf und erhält ein wunderbares Todeskomplexgericht.

Nicht nur inhaltlich ist das Buch abgehoben — mehr im Detail ist das genauso. Hatte ich vor kurzem geschrieben, ich habe noch bei keinem Buch soviel gelacht, wie bei „A Long Way Down“? Gegen „Ein todsicherer Job“ ist das Buch von Hornby eine Beerdigung (und zwar eine im klassischen Sinne). Moore benutzt dermaßen viele komische Situationen, hinreißende Dialoge, Wortneuschöpfungen und vor allen Dingen so grandiosen trockenen Humor, wie ich ihn selten erlebt habe.

Bitte lesen. Moore hat ein wirklich herausragendes Buch geschrieben.
Ich mein das toternst.

Moore hat auf seiner Homepage übrigens eine über das Buch hinausgehende Ausführung über seine Beta-Männchen-Theorie verfasst. Lesen [1|2|3|4]. Rockt. (Man merkt irgendwie, dass Moore mal angefangen hat, Antrophologie zu studieren…)

6 Gedanken zu „Buch: Christopher Moore – Ein todsicherer Job

  1. Bin ich mal gespannt drauf, momentan lesse ich ja noch eine deiner letzten Empfehlungen: Spin, welches wirklich unglaublich gut ist.

  2. Hey, es freut mich ja schon, wenn Menschen meine kleine Empfehlungen lesen. Aber wenn sie danach auch noch das Buch lesen? Jens du machst mich glücklich ;).

  3. Ich lese das Buch gerade für die Schule, jedoch im englischem Original und obwohl ich noch nicht viel gelesen habe, bin ich einer Meinung mit Andi =) Das Buch ist wirklich lesenwert

    Lg simmi

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