Andi bastelt: Einen Zeitreisefilm

Heute basteln wir uns einen Zeitreisefilm.
Das hört sich jetzt jetzt im ersten Moment vielleicht schwer und kompliziert an, aber das ist es garnicht. Dazu braucht man nicht studiert haben und muss nicht aus der Zukunft sein; das kann man ganz einfach zu Hause nachmachen!
Zuerst, bittet Mutti euch im im Fachhandel folgendes Bastelmaterial zu besorgen: Stift (1x) und Papier (weiß, 1x). Und schon kann es losgehen!

Ihr müsst euch Gedanken darüber machen, wo das Ganze überhaupt hingehen. Nur Zeitreisen in der Zeit zurück sind hipp! Reisen in die Zukunft sind öde. Wenn es unbedingt eine Reise in die Zukunft sein muss, dann muss vorher wenigstens in die Vergangenheit gereist sein.
Werdet euch jetzt einig darüber, wie ihr in die Vergangenheit kommt. Der Shootingstar unter den Möglichkeiten ist da das Wurmloch. Das Wurmloch ist flexibel einsetzbar, klingt stylisch und ist vor allen Dingen noch unzureichend wissenschaftlich erforscht – ihr habt also alle Narrenfreiheit, die ihr euch wünschen könnt. Natürlich habt ihr auch andere Möglichkeiten. Da ist z.B. die Sache mit der Paralleldimension (Insider-Tipp: Verbinde Paralleldimension und Wurmloch!), die gute alte Zeitmaschine, die den Raum oder sowas krümmt, eine außerirdische Technologie, andere Planeten (siehe Ausgabe 14: „Quasizeitreisen“), transzendente Erfahrung oder Superkräfte (z.B. Schneller-als-das-Licht-um-die-Erde-fliegen, Augen zusammenkneifen). Fällt euch nichts tolles ein, ist das nicht schlimm. Baut euch einfach einen Apparat der super groß und aus Metall ist und verziert ihn mit ganz vielen Kabeln. Passt aber auf, wenn ihr die Kabel aus der Wand reißt: Es könnte Strom drauf sein! Dann müsst ihr euren Apparat nur noch mit ganz vielen Blitzen und Funken in Betrieb nehmen, den Bass auf 120% drehen, am Besten noch ein Hanszimmergedächtnisorchester engagieren und schon habt ihr eure Zeitmaschine!
Seid ihr hier angekommen, schon jetzt: Herzlichen Glückwunsch! Ihr habt die erste Hälfte geschafft. Aber die zweite Hälfte liegt noch vor euch, und erfordert noch ein paar schwierige Schnitte! Aber keine Angst. Auch das kriegt ihr hin!
Eure Zeitmaschine läuft und besitzt die Möglichkeit, eine Person in die Vergangenheit zu transportieren.
Aber welche Person soll das sein? Es liegt nahe, dass diese Person euer Protagonist ist. Ihr braucht also einen, der genauso cool wie Onkel Siggi ist. Verdammt cool also – und verdammt abgebrüht. Weil nicht jeder einen Onkel Siggi hat nehmen wir normalerweise einen Polizisten. Die sind immer cool und abgebrüht. Ganz besonders wichtig ist, dass die Person bis kurz vor der Zeitreise nicht davon weiß, dass er sich bald in der Vergangenheit befinden wird.
Aber was passiert dann, wenn die Person in der Vergangenheit ist?
Euer Hirnschmalz ist gefragt! Ihr habt hier drei Möglichkeiten:
Der klassische Ansatz: Die Person kommt in der Vergangenheit an, ändert alles was sie ändern soll, als wäre dies überhaupt kein Problem gewesen und alles wird gut. Gerne könnt ihr hier auch noch einen romantischen Aspekt einbauen: Der Protagonist schafft es doch noch seine Liebe rumzukriegen – evtl. sogar richtig mit Showdown und Liebesgeständnis und so, muss aber nicht. Ihr braucht dann natürlich noch Superbösewichte, die die Handlung etwas hinauszögern, sonst ist euer Zeitreisefilm zu kurz und Mutti hätte auch ein Din-A5-Blatt nehmen können.
Der traurig-deterministische Ansatz: Diese Möglichkeit ist die etwas heiklere. Die Person kommt in der Vergangenheit an und merkt, dass sie nichts ändern kann, sondern dass alles bereits geschehen ist. Hier habt ihr die Möglichkeit, den Zauberkasten noch mal unter dem Bett hervorzuholen: Ihr könnt euren Zeitreisefilm so basteln, dass der aufgeweckte Zuschauer rückwirkend bereits vorher im Film leicht angedeutete Zeichen zu verstehen beginnt. Crazy, was? Letztendlich könnt ihr dann euren Film damit beenden, dass der Protagonist aufgibt und sich resigniert der Physik beugt, oder aber -und das wird euch vom Standardzeitreisefilmautor unterscheiden!- ihr schwenkt im letzten Moment noch auf die erste Möglichkeit um und dem Protagonisten gelingt es mit aller letzter Kraft (Zittern! Schweiß!) doch noch den Lauf der Geschichte zu beeinflussen. Ende-Tipp: Er reitet dann mit seinem Pferd bei flackernder Luft dem Sonnenuntergang entgegen.
Der paradox-detonische Ansatz: Die dritte Möglichkeit erfordert etwas Wagemut. Ungefähr so, als würdet ihr von einer Schaukel springen. Seid ihr schon einmal von einer Schaukel gesprungen? Gut! Euer Protagonist reist in der Vergangenheit zurück, alles funktioniert nach Plan. Allerdings kann er, nachdem er immer knapper seinem Vergangenheitsich ausgewichen ist, die Zusammenkunft jetzt nicht mehr umgehen. Zukunftsprotagonist und Vergangenheitsprotagonist stehen sich gegenüber. Die Erde explodiert. Oder zumindest beide Protagonisten. Das heißt wenigstens einer von beiden. Ok, vielleicht auch keiner. Aber irgendwie macht sich halt das Großvaterparadoxon bemerkbar – seid kreativ!

Wie oben schon angedeutet, versucht so stark wie möglich eine Liebesgeschichte einzubauen. Auch wenn ihr im ersten Moment meint, es würde nicht passen. Egal! Liebesgeschichte muss immer. Die Leute mögen das.
Gerne könnt ihr auch euren Zeitreisefilm durch besondere Zugaben aufwerten! Ihr könnt z.B. den Rückreisezeitraum beschränken. Oder nur Licht reisen lassen. Auch hier sind eurer Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Hat wieder euer großer Bruder euer Schnitzel gegessen und ihr seid deswegen unkreativ? Das ist gar nicht schlimm. Denn hier, wie auch sonst im Film gilt die Regel: „Weniger Story? Mehr Action!“. Es müssen nicht immer die brillanten Ideen sein. Hauptsache es macht krach, ist hell und häufig das Bild orange-rot-gelb-getränkt. Ihr könntet dann auch euer teuer bezahltes Hanszimmergedächtnisorchester wieder spielen lassen!

Viel Glück beim Basteln, schneidet euch nicht in den Finger und fallt nicht in ein Zeitloch – wir sehen uns nächste Woche wieder, wenn es heißt „Andi bastelt“.

7 Gedanken zu „Andi bastelt: Einen Zeitreisefilm

  1. Zurück in die Zukunft(War einfach), Supermann, Futurama, Bill & Ted’s verrückte Reise durch die Zeit, Twelve Monkeys, Sliders, Star Trek: First Contact, Star Trek: Voyager, Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart, Contact, 2001: A Space Odyssey, Terminator

    Bei Time Cop bin ich mir nicht so sicher. 🙂 und vielleicht auch ein wenig Timeline!

  2. An „Bill & Ted’s verrückte Reise durch die Zeit“, Sliders und Terminator dachte ich garnicht ;). Den ersten kenne ich glaube ich sogar noch nicht mal :).
    Du hast noch zwei vergessen, die ich meine ;). (Eine Serie und ein relativ aktueller Film) – aber kann natürlich sein, dass sie genau durch die oberen hier abgedeckt sind…

  3. An Deja Vu hatte ich auch kurz gedacht, aber verworfen. Als Serie kämen dann noch Zurück in die Vergangenheit, die hab ich schon ewig nicht mehr gesehen und gestern total vergessen.

    Die Filme von Bill & Ted kann ich dir nur empfehlen! 🙂

  4. Ha, Deja-Vu war ja klar, und die Serie wird mit einem Augenzwinkern von Andi angedeutet – es handelt sich um eine der besten, aktuell am laufenden Serien:

    Heroes!

  5. Oh, ich sehe grade, dass ich den letzten Beitrag von Andi nicht komplett gelesen habe – Seven Days kenn ich wohl, aber dann hätten noch zwei Serien gefehlt, denn bei Heroes bin ich mir 100%ig sicher 🙂

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