Andi erklärt: Der Castortransport

Heute, liebe Kinder, erklärt Andi, was ein Castor-Transport ist.

Damit ihr euch nach dem Duschen nicht erkältet hat ein kluger Mensch den Fön erfunden. Damit ihr und die Menschen um euch auf der Straße euren Lieblings-Ghetto-Hiphop-Song hören könnt, hat ein kluger Mensch das Handy erfunden. Und damit der Fön föhnt, das Handy laut krawumm macht, hat ein viel klügerer Mensch den Strom erfunden. Jemand anders hat dann erst die Maus erfunden, die in einem Laufrad immer weiter gelaufen ist und Strom gemacht hat. Bald hat derjenige aber festgestellt, dass so eine Maus ziemlich schnell außer Atem ist. Noch ein anderer hat sich dann gedacht: Hey, wieso nicht Atome aufeinander schießen und mit der Energie die Haare trocken machen?
Geniale Idee.
Das Atomkraftwerk war erfunden.
Aber so ganz super klasse war die Idee doch nicht, auch wenn das manche Menschen mit total tollen Krawatten und schicken Autos immer noch denken.
Denn das, was bei der Maus hinten raus kommt und so stinkt, das kommt auch bei einem Atomkraftwerk hinten raus. Nur stinkt das nicht. Wenn man daran riecht, dann riecht man danach an nichts mehr: Das Zeug strahlt und macht kaputt. Ungefähr so, als würdet ihr eure Maus in die Mikrowelle setzen und sie anschalten (Bitte nicht zu Hause nachmachen!). Das super-blöde ist aber: Auch noch nach mehreren hundert Jahren strahlt der radioaktive Müll (so nennt man den mäusetötenden Kram) so wie am ersten Tag.
Aber weil die Menschen mit der tollen Krawatte und dem schicken Auto Atomkraft trotzdem voll crazy finden, haben sie sich was überlegt. Die fahren den Müll einfach zu den blöden Franzosen oder den noch blöderen Engländern! Die haben da nämlich super-moderne Anlagen, in denen die den bösen Müll nicht mehr ganz so böse machen können. Der bleibt dann zwei-drei-vier-fünf Jahre da und kommt dann zurück zu uns. Blöd eigentlich, das haben sich auch die Menschen mit den Krawatten und den Autos gedacht. Aber auch für das Problem hatten sie eine crazige Lösung: Einfach den nichtmehrganzsobösen Müll in ein Zwischenlager packen und dann … und dann … ach dann mal schauen. Dann in ein Endlager fahren, oder, ach, vielleicht lassen wir ihn auch einfach im Zwischenlager liegen.
Der Transport zwischen einzelnen Stationen ist immer so eine Sache. Der Müll strahlt nämlich immer noch und würde ganze Mäusekolonien brutzeln lassen. Aber für alle Mäuse dieser Welt hat man dann auch hierfür etwas erfunden: Den Castor und den Castortransport. (Endlich, liebe Kinder, kommen wir zum Interessanten!)
Castor steht für „cask for storage and transport of radioactive material“. Das ist Englisch und heißt „Behälter für Lagerung und Transport von radioaktivem Material“. Der Castorbehälter ist eine große Rolle aus total schwerem und total festem Metall – er wiegt 120 Tonnen! Er wird mit ganz viel Geld hergestellt und geprüft. Theoretisch zumindest, praktisch Prüfen würde nämlich zuviel Geld kosten. Hinein kommt der radioaktive Müll und nichts von der Strahlung kommt durch das total feste Metall wieder raus. Er kann jetzt von Deutschland nach Frankreich und wieder zurück nach Ahaus oder Gorleben gefahren werden.
Aber weil das alles viel zu einfach wäre, haben ein paar Menschen mit alten Klamotten, zerzausten Haaren und langem Bart im Gesicht die Gefahr erfunden. So ein Behälter könnte undicht sein, der Zug, mit dem er transportiert wird kännte verunglücken oder, seitdem dieser Mann mit dem blöden Hut in Amerika an der Spitze ist, könnten auch fiese Männer mit noch längeren Bärten und Stofftüchern um den Kopf gewickelt gemeine Terroranschläge auf den Zug ausüben.
Um das zu verhindern läuft immer eine große Anzahl an Polizisten im Gleichschritt neben dem Zug her, fliegen Hubschrauber durch die Luft, werden Straßen und Bahnstrecken gesperrt. Das kostet den ein oder anderen Euro, mehr als den Lutscher, den ihr euch eben an dem Kiosk an der Straßenecke gekauft habt jedenfalls.
Und weil die Menschen mit den Klamotten, den Haaren und dem Bart Atomkraft voll doof finden, weil der ganze Spass soviel Geld kostet (mehr als ihr auf einem kompletten Wochenende Kirmes ausgeben könntet!) und weil sowieso alles blöd ist demonstrieren die Menschen gegen den Transport. Das Ganze ist so wie Karneval mit Sinn und ohne Alkohol. Die ketten sich dann total crazy an die Schwellen, schweißen Stahlplatten auf die Schienen, zünden Autoreifen und Strohballen an. Wie an Karneval gibt’s hier auch Langweiler: Die halten dann einfach nur Schilder hoch und rufen laut „Atomkraft ist bläd“. Oder sowas. Über den Transport, wie viel das alles kostet, wie die Menschen mit den Schildern „Atomkraft ist blöd“, oder sowas, rufen, darüber berichten dann alle Zeitungen, alle Fernseh- und Radiostationen.
Wenn der Zug angekommen ist, dann ketten sich die Leute, die immer noch auf der falschen Route auf den Zug warten, los, dann packen die Menschen die Schilder ein und hören auf zu rufen. Dann läuft im Fernsehen wieder Werbung für Klingeltöne, im Radio das Beste der 80er, der 90er und von heute und in den Zeitungen findet man nur noch auf Seite 82 einen Kommentar des Lokalreporters über das Wetter am Transporttag in Ahaus.
Das bleibt auch so, bis der Zug ein paar Monate später wieder anfängt zu rollen.

Wie man den Transport sicherer machen kann, wie es mit dem Müll, wenn er einmal im Lager angekommen ist, weiter geht und wie alle Energieprobleme dieser Zeit gelöst werden können, das erfahrt in der nächsten Folge von „Andi erklärt“.

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