Studium Reviewed: Physikalisches Anfängerpraktikum Teil 1

Liebes Studiumstagebuch,
Auch das zweite Semester dieses Physikstudiums zog also ins Land. Leider werden wir nicht offizielle Elite, aber inoffiziell sind wir es sowieso schon lange. Mindestens seit zwei Semestern jetzt. Ja.

War klausurell betrachtet das letzte Semester auch nicht so erfolgreich wie das Erste, kann ich doch auf ein paar anstrengende Stunden des Studierens zurückblicken. (Der vorurteilsbehaftete Leser mag an dieser Stelle anmerken „Moment. Sind Studenten nicht die, die spät alkoholisiert ins Bett fallen, ihren Rausch zur Hälfte zu Hause und zur anderen Hälfte im Vorlesungssaal aussschlafen um schließlich Prüfungen durch möglichst kreatives Herumgeblabbere doch noch irgendwie zu bestehen?“. Aber eben das macht es ja so schwer!)
Das wirklich Anstrengende wurde uns schön für das Ende des Semesters aufgespart. Im letzten Monat der Semesterferien Vorlesungsfreienzeit durften wir das „Physikalische Anfängerpraktikum Teil 1“ bestreiten.
Ganz großes Tennis.
Strukturell ging das nach folgendem Schema von statten:
Tag 1 – Versuch vorbereiten. Formeln reinpfeifen, Versuchsdurchführung durchsprechen, mögliche Fehlerquellen diskutieren.
Tag 2 – Im Institut den jeweiligen Versuch durchführen. Vorher allerdings anderthalb Stunden abgefragt werden. Zu Formeln, Versuchsdurchführung, möglichen Fehlerquellen. Nachmittags: Beginn des Protokollschreibens.
Tag 3 – Protokoll weiter schreiben und fertigstellen, inkl. Formeln, Versuchsdurchführung, Fehler und Auswertung.
Tag 4 – Morgens spätestens bis 10:00 Protokoll im Institut abgeben und um 14:00 Noten für alle Teile (Vorbesprechung, Durchführung, Protokoll) abholen. Dann das Ganze wieder von vorne.
Bei den Versuchen machten wir so crazy Dinge wie die Erdbeschleunigung und den Adiabatenkoeffizienten von „Luft“ zu bestimmen. Oder so fetzige Sachen wie die Überprüfung des Doppler-Effekts (Ihr wisst schon: Die Tonänderung, wenn ein Formel-1-Wagen an einem vorbeirauscht) oder das mehrhundertmalige Aufladen von Kondensatoren.
Das Schlimmste daran war das Erstellen des Protokolls. So gipfelte es beim letzten Versuch in einen 24-Stunden-am-Stück Marathon, der zu allem Überfluss auch noch der Tag meines Geburtstags war und bei dem wir unter Einfluss von mehreren Kilo Koffein fünf Minuten vor Abgabeschluss die Straßen um unser Institut unsicher machten. All die Anstrengung um die mündliche Abschlussprüfung zu umgehen. Kann man nämlich, wenn man Noten im 13+-Bereich hat.
Hatten wir.
Aber letztendlich fehlten dann doch 4 von 104 Punkten und wir durften uns durch das gepflegte Auseinanderfalten vor der Tafel quälen.
Und trotzdem, ich wundere mich da selbst ein wenig, verfluche ich mein Studium immernoch nicht vollstens. Denn, hauptsächlich wohl bedingt in der Tolligkeit meiner Versuchstruppe hat es irgendwie Spass gemacht. Wenn man sich zum tausensten Mal darüber streitet, welchen Fehler im Mikrometerbereich das Maßband hat. Wenn man sich über die Unfähigkeit des Professors ärgert, die schön und schön physikalisch-untypisch formulierten Sätze zu verstehen. Und wenn man um kurz nach halb sechs morgens wiedermal Maple wegen seiner seltsam unverständlichen Eigenheiten verflucht.
Irgendwie hat es Spass gemacht.
Zu sehen, welche Leistungsgrenze man besitzt, zu was man alles fähig ist. Wie relativ simpel manche physikalische Theorien bestätigt werden können.
Hoffentlich ändert sich das auch nächstes Semester beim Teil 2 des Praktikums nicht. Bitte sei nett zu uns, lieber Praktikumsgott.

Wie sich das gehört für uns digitale Menschen, haben wir natürlich alles von diversen Kameras begleitet.
Hier die von uns hochgeladenen YouTube-Videos in chronologischer Reihenfolge und mit großem Showdown am Ende.

Playlist

Versuch 1 (Gravitationskonstante / Kopplungsgrad):


Versuch 2 (Schallgeschwindigkeit, Doppler Effekt):


Versuch 3 (Adiabatenkoeffizient):

Versuch 4 (gekoppelte Schwingkreise):





Schluss:

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