StudiVZ.net – andisblog.de Studentennetzwerktest Teil 2

Den viel zu lange angekündigten offiziellen andisblog.de Studentennetzwerk-Test möchte ich nun offiziell mit dem ersten Netzwerk beginnen. Offiziell.
Moooment: Mit welchem Netzwerk beginnen? Mit einem Statisten starten und dann mit dem Hauptakteur begleitet von einem großen Knall enden? Oder die Pointe am Anfang verfeuern und in bester Hollywood-Manier bei den Fortsetzungen davon dahindümpeln? Ich habe mich für letztere Variante entschieden. Aber aus einem speziellen Grund: Vergleichbarkeit. Der Netzwerkstar ist nicht umsonst der Star er hat die Qualitäten, an denen sich der Rest messen muss.
Lieber Herr Kapellmeister, bitte starten sie den Trommelwirbel.
studiVZ.net
500.000 600.000 registrierte Benutzer. Das sind ein viertel der gesamten Studentenbelegschaft dieses Landes. Von der halben Million sind täglich zwei drittel online. Besonders bei den großen Hochschulstädten wie Münster und Tübingen, dort ist die Ich-bin-drin-Dichte noch höher. Innerhalb der letzten zwei Monate hat studiVZ die Reichweite knapp verdreifacht. Es wächst schneller als Großvater openBC. Und kein Ende in Sicht.
Knallharte, geradezu niederschmetternde Fakten.
Aber first things first.
Die Funktionen.
Gestartet mit was-man-eben-gerade-so-für-eine-Social-Network-Plattform-braucht, entwickelte sich das Studiverzeichnis (so hieß das damals noch sogar offiziell!) in bester Web-2.0-Manier laufend weiter. Die von mir bemängelte, etwas zu kurz gekommene AJAXization, wie auch das fehlende Blog entsprechen beide so nicht mehr der Realität: AJAX an vielen Stellen (eigentlich fast überall!?) und auch ein gut gefülltes Blog erweitern die Web-2.0-Checkliste.
Zu den Standardfeatures, die hier allerdings einmal Erwähnung finden sollen: Jeder Mensch hat seine eigene Vorstellungsseite mit statischer URL (meine!). Dort zu finden sind natürlich Infos zur Hochschule und zum Studiengang, aber auch so bezeichnende Felder wie Religion, politische Richtung, oder etwas Langweiliges wie Musikgeschmack und Homepage. Auf das Profil kann man kommentieren, wenn es denn in den Einstellungen unter Privatsphäre für die Öffentlichkeit zugänglich ist, oder man zum ersehnten Kreis der Freunde der Person gehört. Freundschaftseinladungen schickt man weg und müssen akzeptiert werden, damit eine Person in den weiten der Datenbank sich zu einem Freund verwandelt. Es gibt die an anderer Stelle erwähnte verbunden-über-Funktion, gibt die Möglichkeit, einer der tausenden Gruppen beizutreten, bei denen ich mich immer Frage: für was bitte kann man noch eine Gruppe gründen?, es gibt Fotoalben, auch mit Kommentarmöglichkeit und seit nicht all zu langer Zeit mit Tagging-Feature (Welche Person ist auf diesem Bild). Puh. So. Ich hoffe ich habe nichts Weltbewegendes vergessen.
Die Anmeldung ist soweit so unspektakulär. Man immatrikuliert sich. Schreibt sich also ein, mit all seinen Daten die man auch sonst immer in die mit Sternchen für must-sign gekennzeichneten Felder so reinhaut. Man unterzeichnet keinen Waschmaschinenkaufvertrag, auch nicht die Zustimmung zum Erhalt mehrerer wöchentlicher Medikamentenupdatenewsletter. Man stimmt nur den AGB zu. Die sind wie immer lang und klein und ätzend. Eine Überfliegung meinerseits brachte aber nichts ungereimtes (nicht im Sinne von Poesie, mehr im Sinne von Waschmaschinenverkäufern) zu Tage.
Zur Userdichte gibt es auch nicht viel zu sagen. Das Flaggschiff ist nun mal das Flaggschiff. Aus meinem studierenden Umfeld, und sogar leicht darüber hinaus, befindet sich jeder im studiVZ. Leider kann ich nicht sagen, wie viele Leute von der RWTH Aachen überhaupt dort sind, die Suche schneidet bei mehr als 300 Treffern ab.
Datenschutz.
Das studiVZ weiß, wie heikel dieses Thema, besonders bei derart bereitwilligen Communities ist, und hält einen eigenen Punkt bereit. Auch dort steht nichts Böses. Mit den Daten wird sorgsam umgegangen, es wird nichts an Werbeunternehmen weitergegeben etc. pp. Im passenden Punkt in den AGB findet sich noch der völlig verwunderliche Hinweis, dass die Daten digital gespeichert werden. Bis auf böse Profil-Crawler, bösere Datenbankhacker oder noch bösere Sicherheitslöcher sind die Daten also sicher. Ihr könnt also beruhigt schlafen.
Aber Moment.
Auf der Seite ist keine Werbung, es wird explizit davon gesprochen, dass die Daten nicht herausgegeben werden. Wie zum Teufel finanziert sich der Verein denn?
Zu aller erst: Das ist kein Verein – mittlerweile gibt es die StudiVZ Ltd. Aber zur Finanzierung: Bis auf ein wahrscheinlich nicht zu knapp ausgefallenes Investment einer Foundation (Kein Knight Rider, doh!), dazu aber später mehr, und der Unterstützung durch Spreadshirt.de-Gründer Lukasz Gadowski möchte sich studiVZ langfristig über Media-Leistungen finanzieren. Ob damit Werbung im klassischen, oder doch etwas anderes gemeint ist, ist nicht ganz klar. Kommen soll es jedenfalls erst viel später. Man plant noch eine Zeit bannerfrei zu bleiben. Die Hörer User mögen das. Und was die User mögen
Gegründet wurde Studiverzeichnis Ende 2005 von Dennis Bemman und Ehssan Dariani. Wobei letzterer wohl für die öffentlichen Relationen zuständig sein sollte. Jedenfalls ist er die Persönlichkeit, die in der Öffentlichkeit häufig den Kopf hinter studiVZ herausstreckt. Wie schon erwähnt beides, Studenten, der eine in Berlin, der anderer eigentlich in der Schweiz.
Aber wer hats erfunden?
Eine klare Antwort: Nunja.
Da ist diese Sache mit Facebook.com. Bereits seit Anfang 2004 gibt es dieses Verzeichnis, in das sich bereitwillig jeder eine Vielzahl der amerikanischen Studenten einträgt. Soweit so gut. Schaut man sich Screenshots von Facebook an so kann man etwas erkennen. Nämlich Ähnlichkeit. Ich möchte ja nicht von Kopie sprechen, aber besonders das Studiverzeichnis erster Stunde (Also Version 1.x) orientierte sich dann doch stark in Struktur an Facebook. Aber, wie die Macher von studiVZ schon zu unzähligen Blogposts kommentieren: Das ist alles OK so, man hat nichts geklaut, nur im Rahmen der normalen Designrichtlinien nachgeahmt. Und das geben sie, verstehe ich das zumindest richtig, offen zu. Also: Alles gut, alle glücklich.
Nunja.
Da gibt es diese Sache mit dem European Founders Fund. Der hat ordentlich in studiVZ investiert. Soweit ok, aber warum ist das eine Sache? Nun, hinter diesem Fund stehen keine anderen Persönlichkeiten als die unglaublichen Samwer Brüder. Sagt euch nichts? Das waren die, die Jamba! gegründet haben. Also die, die mein Musikfernsehen weggenommen haben. Quasi. Aber das ist eigentlich nur ein Nebeneffekt. Eigentlich, liebe Kinder, sind die Samwer-Brothers nämlich nur clevere Geschäftsmänner. Erst kamen sie aus dem Silicon Valley von drüben und gründeten Alando, als eine europäische eBay-Version. Erinnert sich da noch einer dran? Das war damals. Alando wurde dann für ein paar Steinchen an eBay verkauft. Nach einiger Zeit dann wurde Jamba! gegründet. 2004 dann aber auch für ein paar mehr Steinchen an VeriSign verkauft. Mit ihrem Fund unterstützen die Herren jetzt junge und frische Start-Ups. Darunter auch studiVZ.
Allerdings werden sie keinen großen Einfluss auf die Geschehnisse bei studiVZ haben, wie leev Marc allgemein in einem Interview, aber auch studiVZ-Mitarbeiter in Kommentaren sagten.
Also alles nicht so schlimm.

Wieso ich studiVZ für das Flagschiff halte? Ich möchte gar nicht von so offen liegenden Gründen wie der hohen Userzahl/-dichte sprechen. Für mich sind es andere Sachen, die einen Dienst sympathisch machen.
studiVZ kam komplett ohne eigene Werbung aus. Allein virale Werbung verhalf zu diesem überragenden Nutzerstamm (Für alle Nichtwerbefachmänner: Früher nannte man das Mundpropaganda). Es wird also weiter empfohlen, weil man es gut findet. Man bekommt es weiter empfohlen, weil es sein Freund gut findet. studiVZ kommt komplett ohne Werbung oder Anmeldegimmicks, wie bei den andren Netzwerken der Fall, aus.
Gestartet ist es einfach nicht mit einer derart kommerziellen Ausrichtung und das merkt man.
Zu Anfangszeiten hatte ich die Möglichkeit, etwas mit Ehssan zu mailen. Er schien mir vielleicht etwas yuppilastig (benutzt man so ein Wort heute eigentlich noch?), aber vor allen Dingen sympathisch und nett. Seine Blogposts und die zugegebenermaßen etwas seltsamen Videos unterstreichen das. Aber er ist eloquent. Und das mag ich.

Wahrscheinlich könnte ich noch weitere Seiten mit Themen zum studiVZ füllen. Von Alternativ-Datingservicen, von alten Klassenkameraden, von Definition von Freund oder von Pressesprechern berichten. Vielleicht mache ich das auch mal.
Aber für heute soll das erstmal reichen.

15 Gedanken zu „StudiVZ.net – andisblog.de Studentennetzwerktest Teil 2

  1. Über der Definition Freund kann man wohl ganze Abhandlungen schreiben, im normalen Leben und StudiVZ. Vielleicht könnte man mit einer zweiten Kategorie „Bekannte/r“ es ein wenig auflockern.

    Irgendwo hab ich mal gelesen das jeder nur 1-5 richtige Freunde hat, alles andere wären nur nähere Bekanntschaften.

    p.s.: Cooler Beitrag! Wie lange hast du dafür gebraucht?

  2. Runtergetippt hatte ich das in ein einhalb Stunden. Das war allerdings in der Nacht von Sa. auf So. ;).
    Dann noch mehrmals Korrektur gelesen, Ergänzungen gemacht, etc.
    In der Summe würde ich auf 3-4 Stunden tippen? 🙂

    Und, ja, das meinte ich mit der Freunde-Sache…

  3. Nett geschriebener Ueberblick vom StudiVZ. Mir fehlt da jedoch etwas die kritische Perspektive an dem ganzen hippen social-network Web 2.0 Gedoens.
    Muss Student wirklich so selbstdarstellerisch sein, was kann man mit den Daten (und ihren Relationen!) alles anstellen, womit kann man die noch verknuepfen und wer kann das alle ueberhaupt kontrollieren? Ein post zu dem thema ist z.B.: http://seclog.de/2006/09/04/studivznet-facebookorg-oder-die-drohende-gotterdammerung-des-social-networking/

  4. Kommt noch, kommt noch :). Gehört ja nicht zum Thema „StudiVZ“, sondern zum Thema „Networking“. 🙂

    Übrigens: Schön von dir zu hören! Wann gibt’s dich wieder? Also rein textlich internettiger Natur. 🙂

  5. tach allerseits!
    hey, cool, danke für diesen – wenn ich die gesamtaussage richtig interpretiere – positiven beitrag über unser kleines projekt… 😉
    gehöre zum VZ-team (wenn auch z.Z. im auslandssemester in korea) und kann vielleicht noch ein paar ergänzungen zur finanzierung bzw. den herren samwer beisteuern wenn es der transparenz dient:

    also natürlich werden wir irgendwann „media-leistungen“ anbieten um dat dingens zu fiannzieren. Da wir aber trotz allem keinen bock haben uns die seite mit glitzerkrams und 10.000 pop-ups zu zerschießen, denken wir das letztendlich ein kleiner banner am unteren ende der seite ausreichen dürfte. ich bin selber immer furchtbar genervt von sites auf denen man vor lauter viagra-werbung nicht mehr seinen beitrag findet, insofern glaube ich müsst ihr euch da keine sorgen machen… (sag ich mal einfach so!)
    und naja, bis es eben soweit ist, helfen uns verschiedene gruppierungen wie bspw. der EFF, ohne jetzt aber tweetie auf der startseite zu verlangen oder ähnliches!

    @benedikt: nun ja, früher haben sich die leute halt aufs forum gestellt und dort ihr klein bisschen narzissmus unter die leute gebracht… 😉
    ernsthaft: wer nicht will muss ja nicht und ich denke über privatsphäre und ähnliche massnahmen (email-ads nur als bilder gesichert usw.) haben wir einiges dafür getan, das ganze so sicher wie möglich zu halten.

    viele grüße,

    julian

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