MeinProf.de ohne die RWTH-Aachen

Vor sechs Monaten hatte ich auf das damals ziemlich neue Projekt „MeinProf.degelinkt. Dort kann man Professor und Kurse bewerten. Mittlerweile nach Registrierung und natürlich völlig subjektiv. Aber das macht es ja gerade aus.
Nun begann jetzt mein zweites Semester und ich wollte mir meine neuen Professoren anschauen. D.h. das, was andere Leute über sie geschrieben haben. MeinProf.de angesurft, RWTH eingetippt. Und… Pustekuchen. Nichts. Nada.
Die RWTH ist nichtmehr bei MeinProf.de vertreten.
Ein bisschen googlen brachte mich zu einem belebten Usenetthema in ‚rwth.general‚ wo, neben verworrener und kreisdrehender Äußerungen sich auch tatsächlich weiterführende Informationen finden ließen.
Herr Hans Görtz, seines Zeichens Datenschutzbeauftragte der RWTH schrieb das Team von MeinProf.de an und forderte die Entfernung der Daten aller RWTH-Professoren ein. Aus datenschutzrechtlichen Gründen.
„Moment“, mag der ein oder andere sagen, „Moment, die Namen der Professoren sind doch im Internet frei zugänglich? Und auch die Vorlesung lässt sich ebenso einfach herausfinden“. Genau.
Herr Hans Görtz bezieht sich aber auch auf „personenbeziehbare Daten in Form von Bewertungskriterien (Fairness, Unterstützung, Verständlichkeit, Spaß, Interesse etc.)“. Personenbeziehbare Daten. In Form von Bewertungskriterien. Nun bin ich wahrlich kein Rechtexperte, doch brachte man mir zumindest ein gewisses Rechtsverständnis bei. Und da muss ich doch ganz klar einmal sagen: Hä?!
Ist es mir verboten, meine eigene Meinung über eine Person kund zu tun? Sie damit zu bewerten? Denn eines sollte doch klar sein: Immer wenn ich einen Professor auf MeinProf.de bewerte, gebe ich nur meine, meine persönliche Meinung preis. Über so empirische Indikatoren wie „Spass“ oder „Interesse“ gibt es keine absoluten Werte, gibt es kein null, kein acht und besonders kein fünfzehn.
Wir folgern also: Skandal! Jawohl, Skandal.

Nun waren die Usenetinformationen alles nur Sekundärinformationen. Was macht man als interessierter Investigativbloggermensch? Jenau, man jeht an die Quelle. Und das war für mich in dem Fall das MeinProf.de-Team.
Sehr schnell, sehr ausführlich und vor allen Dingen sehr nett wurde mir auf meine E-Mail geantwortet.
Herr Hans Görtz bezog sich, so antwortete mir Thomas, ausdrücklich auf (sowas wollte ich schon immer einmal schreiben!) 29 BDSG, 4 BDSG, 6 HG, 2 & $9 TDG. (Hammer. Sieht klasse aus.) Faktisch also auf das Bundesdatenschutzgesetz, das Hochschulgesetz und das Teledienstegesetz. Einzig relevant und nicht bloßes Paragraphengedresche sind dabei allerdings nur die beiden Abschnitte im Datenschutzgesetz.
Aber selbst diese sollten mit dem Recht auf Meinungsfreiheit und dadurch, dass es sich bei MeinProf.de um einen e.V. handelt irrelevant sein.
Ein mir vorliegendes, von MeinProf.de in Auftrag gegebenes „Kurzgutachten zur Zulässigkeit“ von MeinProf.de kommt zum selben Ergebnis.

„Dem Internetportal ‚meinprof.de‘ kann als Meinungsforum nicht unter Hinweis auf datenschutzrechtliche Bestimmungen untersagt werden, Bewertungen über Lehrveranstaltungen […] zu sammeln“.

Update: Tobias machte mich darauf aufmerksam, dass die RWTH tatsächlich wieder aufgenommen ist. Alles nach dem folgendem more-Link ist damit hinfällig :).
Demnach steht der Wiederaufnahme der RWTH, die übrigens bei ‚Gesamtzahl der Bewertungen‘ an zweiter Stelle stand, ins MeinProf.de-Verzeichnis ja eigentlich nichts mehr im Weg. Sag ich mal.
Verständlicherweise kann ich mir aber vorstellen, dass das MeinProf.de-Team nicht ausdrücklich gegen den Wunsch von Herrn Hans Görtz handeln will und daher auf eine einvernehmliche Lösung aus ist. Sollte es nämlich doch zu einem Rechtsstreit kommen, so hätte das kleine MeinProf.de wohl eher schlechtere Karten als die RWTH.

Vielleicht hilft es ja, wenn wir, so called Studenten, mit den Profs einmal reden. Oder auf den nächsten Evaluationsbögen, die übrigens lustigerweise nicht zentral veröffentlicht werden, ganz viele, in die Richtung gehende Kommentare machen. Oder vor dem Hauptgebäude protestieren. Und uns an Schienen ketten.

Oder einfach über ein Ich-finde-Professor-X--Blog nachdenken.

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