Man fühlt sich, als habe man Köln erfunden

Am Samstag kamen nicht nur Tomte in die Live Music Hall nach Köln, nein, auch ich.
Die Band, die seit Album-Release von „Buchstaben über der Stadt“ bei mir in Mehr-als-heavy-rotation lief, in letzter Zeit allerdings überhörungspräventionsbedingt etwas seltener, kehrte, wie das Publikum später erfahren durfte, in des Frontsängers Studiumsstadt zurück.
Bevor allerdings Tomte, was übrigens nicht nur ein Kinderbuch Astrid Lindgrens ist, sondern, wie mir meine persönliche Fremdsprachenbeauftragte zu erklären wusste, auch Wichtel auf Schwedisch heißt, aufliefen, mussten wir, das Publikum, vorher eine Band namens „Walking Concert“ ertragen. War das zu hart formuliert? Ok, anders: Hatten wir das Glück, die Band „Walking Concert“ hören zu dürfen. Walking Concert #1Nein. Auch scheiße. Jedenfalls spielten „Walking Concert“. Schlecht abgemischt, komische Lieder und nochmal seltsamerer Bassist. Wann wird das Buch „German for Concert-Artists“ eigentlich mal veröffentlicht?
Nach kurzer Umbauphase und schier endlosem Gitarren pluggen, unpluggen, pluggen, stimmen und schließlich wieder unpluggen dann „Hallo, wir sind Kettcar. Unser erster Song ist ‚Landungsbrücken raus‘.“. War natürlich gelogen. Aber ich Fuchs hab’s gemerkt. Natürlich.
Tomte #4: In redLustig war’s trotzdem und die folgenden Lieder klasse. Zwar kannte ich aufgrund meiner noch zu geringen Alternativigkeit und wiederum Tomtes noch zu geringere Mainstreamigkeit (An dieser Stelle sei ein weiser Mann zitiert, der einmal jemand anderes zitierte mit „As soon as you belong to the mainstream you are dead.“. Von wegen.) konnte ich in gleichmäßigem Takt immer nur jedes zweite Lied mitsingen.
Großartig, wie das Ende eines Tomte-Lieds (welches war es noch gleich) in „We formed a Band“-Art-Brut metamorphierte, oder wie erste Akkorde eines auf Publikumszurufe spontan initiierten Songs kreativer weise gefreestyled komponiert wurden.
Tomte #3: Thees UhlmannUnterbrochen wurden die Stücke von sogenannten Gitarrenwechselpausen, die vom Sänger zum Weintrinken und fannahem Annekdotenerzählen, vom Publikum mit „Hannes“-rufen und von beiden zum „Arschloch“-einüben genutzt wurden.
So ganz verstehe ich diese Musik, nein, die Menschen die diese Musik hören, allerdings nicht. Wie kann man zu Tomte pogen? Das ist wie Papier mit der Stichsäge schneiden.
Wie kann man 20 Euro für eine Karte bezahlen um danach strunzhagelvoll in sämtliche Richtungen zu kippen und im Gesichtsausdruck ungefähr so Abwesend sein, wie Napoleon beim Mauerfall?

Kleine Wermutstropfen auf dem heißen Stein, denn die Show hat es nur kurzzeitig getrübt. I’ll be back, liebe Wichtel.
(Mehr Bilder gibt’s in meinem Flickr-Account)
(Die Überschrift ist übrigens in beste Bloggermanier schamlos von Eay aus seinem Blog geklaut. Danke nochmal.)

2 Gedanken zu „Man fühlt sich, als habe man Köln erfunden

  1. Wirklich ein netter und lesenswerter Konzertbericht. Dafür hab ich dein Blog direkt mal in meinen Feedreader gesteckt 😉

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