Wie ich mich an japanischem Essen versuchte

Es war ein Wintertag nach einer nicht wirkich leichten Klausur. Wir wollten etwas feiern gehen, vorher allerdings noch grundlegende Nahrung zu uns nehmen. Zur Feier des Tages kam meinen Kommolitonen der Gedanke, die studentische Dekadenz auszuleben und ein Sushi-Restaurant namens MOushi (Dieser grandiose Gag musste einfach sein), von mir im Weiteren fortdauernd, aber liebevoll Uschi genannt, aufzusuchen. Moment. Sushi. Fisch? Schluck. An dieser Stelle soll erwähnt sein, dass ich genau das Gegenteil eines Fischliebhabers bin. Gegen Fische habe ich nichts, aber deswegen muss man sie ja noch lange nicht Essen, für mehr: mögen. Das ist so… so… fies. Ja, fies. Völlig irrational, aber es sei zusammengefasst, mir schmeckt partout kein Fisch.
Aber genau den wollten wir essen gehen. Noch dazu rohen.
Na klasse.
Ich wehrte mich Händen und Füßen (eigentlich nur mit gestammelten Worten), konnte aber das erschlagende Argument „Da gibt’s auch genug ohne Fisch“ nicht entkräftigen und so befanden wir uns keine halbe Stunde später bei Uschi.
Wie sich das für einen Sushi-Laden gehört, war Uschi völlig durchgestylt. Viel Stoff, viel rot und hübsche Musik.
Ein Blick auf die Speisekarte eröffnete dann aber … nichts. Denn ich verstand bis auf die in Euro gehaltenen Preise … nichts. Alles waren selstsame japanisch angehauchten Wortkombination, denen alle das Sternchen mit Erklärung als Fussnote fehlte. Zum Glück hatte jemand der Mitgekommenen einen „Japanisch für Sushikonsumenten“-Kurs besucht und konnte mich bei der kulinarischen Lektüre beraten.
Nach der nahezu vollständigen Übersetzung des Essenslexikon offenbarte sich mir aber, dass das nonfish-Angebot (tolles Wort, übrigens) sich auf eine sehr geringe, zu einem hohen Prozentsatz aus Salat bestehenden Anzahl beschränkte. Ok, das ist nicht unbedingt schlecht. Eigentlich bin ich ja Freund von Salat. Schöner Kopfsalat mit Gurke, Tomaten, Rocula und so. Hmmjam. Also einen Salat bestellt – der Name war viel zu abgedreht, um ihn zu behalten. Jedenfalls war er nicht billig, war auch zu erwarten war, bei viel Stoff, viel rot und hübscher Musik. Bei Uschi.
Gleichzeitig mit dem Salat traf dann aber auch Ernüchterung ein. Salat!? Von wegen! Das war Seegras. Oder so.
Eine in dünne Streifen geraspelte, weiße Hauptsubstanz (von der Form her durchaus mit Kohlrabi verwechselbar), überdeckt von kleinen grünen Blätterschnipsel und Erdnussbrösel. Garniert mit Dressing. Oder so.
Seltsames Essen, das. Aber man ist ja aufgeschlossen für alles Neue, und so tat ich in meiner postklausurellen Kühnheit unvorstellbares und probierte etwas von dem Trendfraß.
Fehler.
Ein ordentlicher Gabelhieb nahm nämlich nicht nur das weiße Gemüse und die Erdnussstückchen auf, sondern auch den Grünkram. Und der war scheußlich. Eine Mischung aus Brennnessel, Minze und X (Nein, kein Bier). Schlimm. Also musste erst in bester, analytischer Methodik einmal sortiert werden. Logisch. Erdnüsse links, Grünkram rechts, weiße Trägersubstanz in die Mitte.
Nun wurden immer Erdnussdinger mit Weißgemüsdinger zusammen verspeist. Das ging auch gut, solange noch Erdnussstückchen ausreichender Größe vorhanden war, um den nicht sehr großen, aber trotzdem vorhandenen Eigengeschmack des Weißkramsda zu überdecken. Aber eben nur solange.
Nachdem meine Tischgenossen alle ihre Fischreishäppchen verspeist hatten, meinen ‚Salat‘ probiert und ihn, ich vermute nur aus Rrechtfertigung, mich zu Uschi geschliffen zu haben, als „garnicht so schlimm“ beurteilt hatten ging schließlich ein halb-voller, weißgrüner Teller zurück an den Kellner. „Hat es geschmackt?“ „Eeeeehm…“.

Ein Kommolitone und ich sind danach erstmal zum Chinesen gegangen und haben uns eine ordentliche Portion Huhn-Chop-Suey geholt.

Uschi ist jetzt jedenfalls gestorben für mich.

3 Gedanken zu „Wie ich mich an japanischem Essen versuchte

  1. Ich hab übrigens auch lieber Fleisch … so ein richtig schönes, saftiges, innen noch blutiges Steak *schwärm* … wo bleibt eigentlich die Grillsaison?

  2. Das kommt wahrscheinlich, vom übermässigen Fischstäbchen Konsum, in deiner Kindheit. Man könnte fast sagen: ein Kindheitstrauma.

Kommentare sind geschlossen.