Warum der blöde Weltjugendtag toll war

(Bewusst von meinem Erlebnisberichttrilogiepost getrennt, man möchte ja nicht unnötig zum Lesen aufzwingen)
Wieder in der Heimat angekommen (nicht, dass ich sie glücklicherweise überhaut großartig verlassen hätte…) wurde ich häufig gefragt: „Wie war’s denn auf dem Weltjugendtag?“
Eigentlich gebe ich immer eine Antwort: „Genial. Eine tolle Erfahrung.“

Das mag für den normalen weltjugendtagsgenervten Rheinländer und den Ichbindagegenbesonderswennsumgottgeht-Menschen, wie sie sich wohl großteilig hier im Netz rumtreiben, unverständlich sein.
Ja, mich haben diese haufenweise rumtrollenden Menschenmassen auch manchmal genervt. Besonders die blöden Italiener. Mit ihren andauernden „Be-ne-detto“-Rufen. Ich fand es auch nicht toll, über eine halbe Stunde von der Domplatte bis zum Bahnhof zu brauchen. Um dann mit gnadenlos überfüllten S-Bahnen zu fahren. Auch der Medienrummel der betrieben wurde, nur um eine einzelne Person Willkommen zu heißen, jeden noch so kleinen Schritt von ihm zu dokumentieren, nur weil er sich selbst „Der direkte Nachfolger von Petrus“ nennt. Und deswegen meint alles bestimmen zu können. Ja, ich hasse diesen Personenkult um Papst Benedikt mittlerweile sogar.
Und auch die Organisation war mehr als dürftig. Um bewusst ’schlecht‘ als Wort zu umgehen…

Aber der Weltjugendtag war für mich mehr als das.
Ich fand es genial, empfand es als tolle Erfahrung wie Menschen verschiedenster Länder und Kulturen sich verstehen können. Zusammen Spass haben können. Vereint sind. Irgendwie.
Wie sich soviele Leute einig sind, mit dem was sie da tun. Dass das Glauben im Namen der Kirche ist, ist doch unwichtig!
Es war bewegend durch die Düsseldorfer Altstadt zu laufen, überall Pilger, im Besonderen Pfadfinder zu sehen, die sich spontan auf irgendwelchen Plätzen zu Kreisen tummelten und anfingen, irgendwelche Spielchen zu spielen oder Lieder zu singen. Zu beobachten, wie Menschen aus anderen Ländern dazu kamen und ungeniert einstiegen. Einsteigen konnten.

Und natürlich war es genial, war es eine tolle Erfahrung ein Zeltlager für über 7000 Leute mit begleiten zu dürfen. Etwas hinter die Kulissen eines solchen Riesenprojekts zu sehen. Mit anzupacken. Freiwillig. Einfach so sich von komischen Leuten beschimpfen zu lassen. Dann aber denken: ‚Hey, scheiß drauf. FU!‘
Und auch die schlechte Organisation kann man ein wenig verstehen. Hallo? Da sind einfach mal so knapp 600.000 Menschen zusätzlich in einer ziemlich kleinen Region, die so gut wie möglich versorgt werden soll. Eine größere Stadt mehr im Land. Für ein paar Tage! Natürlich hätte man das besser machen können. Besser machen müssen. Aber – hey – it worked!

Der Weltjugendtag war mehr als ein Haufen ihres Landes aussätziger Gläubige, die ein paar Tage lang ein fremdes Land mit möglichst lauten und möglichst monotonen Schreihen erobern zu versuchen um dann in Anschluss ihrem weltverzogenen Popidol möglichst laut und möglichst monoton schier endlos zu huldigen.
Wer das nicht sieht, ist selber schuld.

Bilder gibt’s in meinem Flickr Set: World Youth Day 2005
Die in diesem Beitrag erwähnten Blogs sind nur ein kleiner Querschnitt. Es sind die Personen, bei denen ich mir fast sicher bin, dass sie es mir nicht übel nehmen, sie an dieser Stelle zu erwähnen 🙂

2 Gedanken zu „Warum der blöde Weltjugendtag toll war

  1. Ich fand es auch eine sehr, sehr gute Erfahrung – auch mir sind einige Sachen aufgefallen, die besser hätten Organisiert sein müssen (zu wenig Toiletten auf dem Marienfeld, viel zu wenige Wasserstellen, chaotische Abreise der Pilger am So.. ) – aber es waren verschmerzbare Schwächen für das Erlebnis so viele aufgeschlossene, singende, fröhliche, fahnenschwenkende Jugendliche aus aller Welt zu sehen und kennen zu lernen.

    Und selbst der lange Marsch den wir zu absolvieren hatten (erst vom Marienfeld 5KM nach Horrem, von da 7,5KM nach Frechen) war letztlich eine schöne Erfahrung – wahrscheinlich nicht trotz, sondern wegen der Beine die geschmerzt haben wie Hölle – nach einer durchge’standenen‘ Nacht, der An’reise‘ und der Messe…

    Gerade deswegen wirklich unvergesslich 🙂

  2. Ich oute mich jetzt mal als Volunteer, der es geschafft hat, einen der leeren ViP Bus Plätze zu ergattern, hatte ich mir nach über 30 Stunden ohne Schlaf aber auch verdient 😉 Alles in allem werden wahrscheinlich die positiven Erfahrungen überwiegen, auch wennn man viele, nicht ganz so tolle Sachen durchzustehen hatte.

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