Der norddeutschpolnisch kölnisch sprechende Öltankbefüller

Neun Uhr. Nach absolut erholsamen weil lecker warmen fünf Stunden Schlaf weckte mich mit sanfter Celine-Dion-Musik heute morgen mein Wecker. Gedanke, noch etwas weiter zu schlafen, direkt verworfen. Mit leichtem Katergefühl in die Dusche.
Neun Uhr zwanzig. Halbnackt im Badezimmer. Von Weitem ein tiefes Brummen, ein neugieriger und schlimmes ahnender Blick aus dem Fenster, bestätigt durch ein gedoppeltes Hupen. Jeden, der um diese Zeit hupt, verfluche ich normalerweise mit diversen traumdurchmischten Fantasien. Aber dafür war jetzt keine Zeit. Schnell was anziehen und runter.
„Ja, tach, Pauli. Öllieferung. Isch bin da schon watt früher da, klasse watt? Han misch beeilt.“ Was? Du $%!/=)//“$(! Wieso beeilst du dich? Zehn ist zehn ist zehn ist zehn! „Ehm ja ehm klasse. Warten Sie, Moment.“
Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Ungefrühstückt lässt sich dieser Mann zwei Stunden lang noch schwerer ertragen, als sowieso schon. Aber ich hielt es nicht für nötig mich um Nahrungsaufnahme zu kümmern.
Während ich dann weitere Tankanschlüsse suchend den Mann von Haus zu Haus derigierte und die Zeit vor den Öltanks mit ihm verbringen musste – das nahezu alleine! – erfuhr ich einiges. Über den tollen neuen Zug. „Zug?“ „Der Wajen dadraußen. Klasse Jerät. Janz neu. Und fasst mehr als dem meine Kollegen seine, ne? Ich han den Neusten. Passen 32.000 Liter rein, ne?“ Das war nur der Anfang. Ich bekam eine Kompletteinführung in das Berufsfeld des Öltankbefüllers, garniert mit Betriebsinternproblemen. Zum Nachtisch dann nochmal eine ordentliche Portion Privatleben. Achja, und natürlich über den Zug. „Zug?“ „Draußen, de Maschine, weißte doch …“ „Eeeehm, achso, klar!“.
Akustisch wunderbar verpackt waren diese voller Emotionen, Mitgefühl und aus ganzem Herzen erzählten, öltankbibelartigen Weisheiten von Herrn E. (Ich wollte auch mal einen Herrn X-Punkt integrieren) nicht nur in dem hier in den lokalen Gebieten durchaus weit verbreiteten und tief sitzenden kölnischen Akzent, nein, die Schleife des Paketes bildete eine durchaus noch viel wunderbare Akzentuierung, wie ich sie bisher nur aus Polen kannte. In diesem Fall war es aber eher ein norddeutscher Polnischer Akzent, der da dem Kolnischen Gesellschaft leistete. Mag jetzt verwirrend klingen, investigative Beobachtunegn meinerseits ließen keine Zweifel offen. Diese seltene Akzentkombination, die man durchaus auch als Rarität bezeichnen könnte, machte das Zuhören zu einem noch größeren Tennis. „Jenau“ war nich ein einfaches „Jenau“, es war ein „Jeeenauu“, wobei das Jott wie ein ye beim englischen yeah gesprochen wird. Sehr kompliziert, ja. Aber glaubt mir, es war schlimm. Hatte ich euch eigentlich schon vom Zug erzählt?
Nachdem alle Tanks voll waren, das Loch im Magen langsam immer größer wurde, verabschiedete Herr E. sich neben zwei tollen Ferrari-Formel1-Schlüsselbundanhängern mit einem „Alles klar dann, ne? Bis zum nächsten Mal!“
Mag sein, aber nicht mit mir. Nein.

2 Gedanken zu „Der norddeutschpolnisch kölnisch sprechende Öltankbefüller

  1. Hm cool. Eine solche begegnung habe ich seit glaube 2-3 Monaten schon verarbeitet. Geht relativ schnell… Manchmal wird man nachts noch wach, während besonders das norddeutschpolnische dein Gehirn zermartert, aber irgendwann kannst auch du wieder ruhig schlafen.
    Falls du noch weitere Hilfe brauchst, kannst du mich gerne anrufen. Domian hat ja Ferien, aber wozu sind Freunde da….
    (Bitte melde dich würde Frank jetzt sagen.)

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