Rezension: Dan Brown „Diabolus“

Nach langer Wartezeit traf vor zwei Monaten endlich die deutsche Übersetzung Dan Browns ersten Buches bei mir ein. „Diabolus“ hörte sich wiedermal toll an, nicht nur vom Titel, auch von dem was ich vorher gelesen hatte. Geheimdienst und so.
Eigentlich war es dann als Osterurlaubslektüre geplant. Eigentlich. Natürlich konnte ich nicht an mir halten und so musste ich das Buch viel früher anfangen zu lesen.
Ich freute mich auf ein pfiffiges Buch, ein schnelles Buch, mit Spannung und Spiel und Spass. Also ein Buch, wie man es sich so wünscht. Aber so sollte es nicht werden. Zuerst.

Susan Fletcher arbeitet bei der NSA. In der Cryptoabteilung der NSA. Sie ist jung, attraktiv und erfolgreich. Wie Titelheldinnen halt so sind. In der Cryptabteilung gibt es den strenggeheimen „Transltr“ (war flickr Trendsetter, oder das Buch?), der kann alle Codes der Welt enschlüsseln. Von allen. Riesen Supercomputer.
Susans Freund ist David Becker. Auch erfolgreich und so. Und Susans Vorgesetzter ist Strathmore. Auch erfolgreich. Überhaupt. Alle sind total super und erfolgreich.
Irgendwer hat es geschafft, einen unknackbaren Code zu entwickeln. Ein GAU für die NSA, die könnte dann ja mit ihrem Transltr nichtmehr alle Codes knacken und die Welt mit Blitzeinsätzen vor Terroranschlägen warnen. Also gilt es für NSA zu verhindern, dass der unknackbare Code weiterverbreitet wird. Einfacher gesagt als getan.

Der Anfang ist sehr schleppend. Es mag an meiner hohen Erwartungshaltung gelegen haben, aber mein Eindruck war: alles läuft, völlig Brown-untypisch langsam ab, eine Person wechselt nur selten, vergleicht man es mit anderen Büchern von ihm, den Ort.
Trotzdem hat es Brown geschafft, mich zu fesseln, wenn auch nur ziemlich locker. Aber die Fessel wurde, je weiter der Roman nach vorne schritt, immer fester.
Irgendwann gefiel mir das Buch wieder richtig, nichtmehr nur so halb wie zu Anfang – das Tempo war wieder da, und David fand sich gerade in der ortswechselreichen Verfolgungsjagd. Erleichterung. Doch noch so wie ich es mir vorgestellt hatte.

Am Ende müssen alle mit vereinten Kräften einen Code knacken. Wäre die Szene in einem Film gewesen, so hätte man mich wohl laut schreiend davor sitzen sehen können „Daaa, man, das liegt doch auf der Hand. Ahh.“ Oder so ähnlich. Mir war ziemlich schnell klar, worauf der Uranunterschied hinauslaufen würde, Immerhin hatte ich knappe 500 Seiten kryptographie Schulung hinter mir – und so quälte ich mich durch die seitenlange Ideenfindung der Cryptoabteilung. Trotzdem wollte ich immer mehr, ich wollte wissen, wie sie es nach diesem anstrengenden Tag schaffen würden, den Code zu knacken. Und um so froher war ich, als dann schließlich der sympathische NSA-Aussenseiter David Becker den richtigen Anstoß gab.

Meine Empfehlung lautet: Lesen. Lasst euch nicht von der anfänglichen Langsamkeit des Buches beirren. Es wird besser. Bestimmt.
Eigentlich wollte ich das ja vermeiden, aber ich muss es doch tun. Der Vergleich zu zuletzt gelesenem Buch. Zu „Der Schwarm“.
Diabolus war wesentlich dünner. Diabolus war wesentlich leichter. Diabolus war wesentlich platter. Ja, Der Schwarm hatte mehr Tiefgang, einen Tick sympathischere Charaktere und eben auch Sinn. Dan Brown mag sich auch mit ehemaligen Geheimdienstlern unterhalten haben, ok, aber bei Schätzing ging trotzdem die Welt unter, ein paar Mal.
Diabolus ist Entertainment. Nicht mehr. Leichtes Entertainment.