Warum ich kein Hobbyastronom werde…

Ich muss mich bereits zu Anfang bei der wahrscheinlich größer als angenommen Anzahl der Leute, die so gar nicht in mein klischeebehaftetes Bild passen, entschuldigen. Mein Eindruck beruth auf einer kleinen Gruppe. Entschuldigung. Aber das ist nun mal ein zeichnender Eindruck.
Letzten Samstag, das war einer der ersten Tage mit druchgängig sonnigem und klarem Wetter, beschritt ich, nach einem anstrengenden Feierfreitagabend, ein für mich völlig neues Terrain. Ich weiß nicht was mich geritten hatte, es auf Alternativlosigkeit oder spontanen Geschmacksverlust zurückzuführen, wäre wohl vor der Wahrheit versteckt. Ich glaube, ich war einfach nur neugierig.
Und so nahm ich das Angebot von Katharina an, einmal mit zu ihrem Astronomiekurs in die Nähe Jülichs zu fahren. Nebst ihrer selbst sollten noch zwei ihrer Freundinnen die astronomische Passion miterleben.

Wie bereits visonär angenommen, waren wir zu früh da. Egal. Noch etwas den Einslive Zehnjahres Top Hundert lauschen.
Dann, direkt nach Robbie Williams, nach Acht ging es aber schnell, naja, oder auch nicht.
Eine komische Person nach der anderen traf ein, die sich alle in ihrem Auftritt durch Nerdigkeit (Ich trendsette hiermit dieses Wort) überboten. Nungut, das mag etwas übertrieben sein, trotzdem kam ich mir ein wenig fehlplaziert vor.
Aber ich wollte ja astronomisch entjungfert werden, das erste mal Sterne durch (gute) Teleskope beobachten, und nicht nur auf billigen Bildschirmen. Also hielt ich durch, ließ aber schon Idee über Idee zur späteren Flucht heranreifen.
Irgendwann war man versammelt, schloß die Schule auf und ging in einen extra Astronomieraum. Mein erster Blick, jaja, die Nerdigkeit, fiel auf die Rechner in diesem Raum. In unserer Schule hatten wir selbst im Computerraum nicht solch modernes Equipment. Aber da standen auch schon Teleskope. Schön anzusehen. Super! Aufbauen! Los! Will Sterne sehen!
Von Wegen. Zu erst einmal musste über 45 Minuten lang der Grund für das Nichtfunktionieren des Stroms im Raum gesucht werden. Dabei stellte sich der einzige vorhandene Schlüsselbund als echtes Problem dar. Da musste einer ein Mikroskop aus der Biologie holen (um, so sollten wir später verwundernd erfahren, seine Mittelohrentzündung zu untersuchen…), da mussten andere auf die abgeschlossenen Toiletten. Natürlich benutzen sie dazu immer den Schlüsselbund, der auch zur Entriegelung der fünf (!) im Raum verteilten Schutzschalter vorgesehen war.
Irgendwann hatten wir Strom, tatsächlich. „Doch“, und das wird sich der Ein oder Andere jetzt fragen, „funktionieren Teleskope nicht auch ohne Strom?“ Richtig. Strom brauchte der archetypische Lehrer zum Testen der Autoausrichtungseinheiten. Nur so, zum Testen. Sein treuer Pfiffikus probierte und probierte. Wie es letztlich Ausgegangen ist, es stellte sich nämlich ein Problem bei der Busansteierung und den verwandten Kabeln herraus, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass es weitere 20 Minuten in Anspruch genommen hat. Aber dann. Jetzt können wir ja gucken. Ist jetzt sogar schon dunkel draußen.
Stopp. Man hatte ein neues, großes Teleskop, das man zum ersten Mal ausprobieren wollte. Toll. Noch länger warten, noch länger einfach Nichts tun können und den komischen Leuten beim Abgehen auf ihre Arbeiten (entschuldigt diesen slangbelasteten Ausdruck) zugucken. Aber dafür verspricht der Kursleiter suuuper Bilder und ’ne klasse Klarheit und so.
Also wieder warten. Teile zusammensuchen, schonmal gucken wo passt und dann, endlich, nach draußen. Kurzzeitig feststellen, dass man tatsächlich zu kalt angezogen ist, aber nur um dem komischen Lehrer, sei es nur innerlich, nicht recht geben zu müssen, die Kälte ignorieren. Du bist stärker als die Kälte. Du bist stärker als der Schmerz. – Soviel dazu.
Draußen mussten die Teile, auch hier zum ersten Mal, d.h., dann doch nicht zum ersten Mal, weil in der Schweiz schonmal benutzt, zusammengebaut werden. Das dauert. Mir ist nicht kalt.
Und das war es noch nicht. Bevor wir in den Genuss der superspitzen Bilder kommen können sollten, muss sich das Ding erst kalibirieren. Tolles Wort übrigens.
Das dauerte wieder. Gefühlte 30 Minuten. Der dadurch soviele Sympathiepunkte, wie an keiner Stelle des Abends zuvor gewonnene Lehrer verteilte Schokolade. Hatte er anfangs schon angekündigt. Bräuchte man.

Saturn
Der Saturn, mit Phantasie

Kalt. Nein. Doch.
Wahre 5 Minuten.
Aber dann. Jupiter anpeilen.
Erwartung.
Drankommen. Durchgucken.
Ernüchterung.
Der weiße Punkt am Himmel war jetzt etwa Fünfmal so groß wie vorher. Mit ein wenig Phantasie konnte man Wolkenbänder erkennen. Mit Phantasie. Achja: Man sah außerdem Monde. Toll.
Neuausrichtung des Teleskops. Gen Saturn. Neues Okular aufstecken. 600fache Vergrößerung, oder so. War mir mittlerweile egal.
Durchgucken. Naja. Ging so. Cassinis Bilder waren toller.
Trotzem rangezoomt und fotografiert. Mit ein wenig Phantasie…

Nachdem wir uns noch uuunbedingt die Whirlpoolgalaxie (zwei um Nuancen hellere Flecken am teleskopierten Himmel) angeschaut hatten, wartete unsere spontanerweise gefundene, gemeinese Freundin auf ihrer Geburtstagparty auf uns. Das war der langweiligste Fluchtplan, den ich mir über die Zeit ausgedacht hatte. Aber er passte wenigstens auf alle.

Irgendwann dazwischen war noch der Papst gestorben.

Teleskopieren muss etwas für gleichsam geduldige wie nerdig freakige (noch ein toller Neologismus) Menschen sein. Nun, eigentlich zähle ich mich generell zu beiden Gruppen. Aber Hobbyteleskopierer müssen verdammt geduldige und verdammt nerdig freakig sein. Ich meine jetzt über normale Maßen…
Was man sah, war doch sehr unspektakulär. Oder meine Erwartung zu hoch.
Ich werde jedenfalls bei Bildern von Hubble und Consorten bleiben. Die sind schön.

Aber hey, es gab wenigstens Schokolade.

Ein Gedanke zu „Warum ich kein Hobbyastronom werde…

  1. Höhöhö … goil 🙂
    Weisste was? Ich schreibe gerade einen kleinen Einsteiger-Infoflyer, denn ich bin so ein nerdig Freak-i-ger, der nicht alle Nächte mit der Freundin verbringt, sondern krasserweise ab und an eine Webcam an ein optisches System ranfummelt und so bunte Planetenbildchen produziert 😉
    Ahso .. und ich habe nach einem, doch spassigen, Gedicht namens „Der Hobbyastronom“ gegoogelt und worauf stosse ich … Dein Blog 🙂

    Aber ma ernst … ich find Dein Statement witzig und Du hast – leider, leider – bei einer handvoll Vertreter unseres zünftigen Standes durchaus recht *snief*. Man kann hier schonmal einer Herde Nerds begegnen, das sind jedoch eher Ausnahmen (mal abgesehen von rein nerdig-kontrollierten Schul-AG’s).

    Nun, ich will noch ein positives Wörtchen verlieren. Wir Hobbyteleskopierer (nettes Wort!) sind im wesentlichen normal-geduldig, nicht nerdig und pflegen auch allerhand soziale Kontakte … nein, auch nicht über suchmirwaskuscheliges24.de!

    Ya know what I mean?

    In diesem Sinne weiterhin viel Spass mit Deinem Blog!
    Flippos

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