Atombomben: TNT-Zug von Köln bis Moskau

Ein verdammt eindrucksvolles und zugleich bedauerhaftes Video, was auf daemlich.net mit „Explosion der ersten Wasserstoffbombe …“ getaggt war, hat mich mal etwas angeleitet in die Richtung weiter zu recherchieren.
Zu sehen ist die propagandistische Vorführung der Amerikaner einer Wasserstoffbombe, die übrigens eine Untergruppe der Atombomben sind, im Abspann unschwer zu erkennen mit dem Namen „Ivy Mike„. „Ivy Mike“ war mit 10,4 Metatonnen TNT-Äquivalent die viertgrößte Atombombe, die die USA jemals gebaut haben.
Demnach stammt das Video von 1952 – also nach den beiden Atombomben von Hiroshima und Nagasaki (die bei der Wikipedia übrigens unter Atombombentest geführt werden, weil „keine militärische Notwendigkeit für einen Atombombeneinsatz bestand“. Selbiges ‚Ergebnis‘ hätte man auch mit konventionellen Methoden erreicht).
Bis zum Atomwaffensperrvertrag 1996 testeten die Atommächte munter weiter. Das Ranking mit der Anzahl der Tests wird angeführt von, wer hätte es gedacht, den USA mit 1039 Atombombentests, davon ein Großteil in den 50er und 60er Jahren. Darauf folgt die Sowjetunion mit deutliche wenigeren 718, und dann kommt mit wirklich deutlich wenigeren 198 Frankreich. Mit den noch weniger aktiven Testländern wurden bis dato über 2050 Atomwaffentests durchgeführt. Und das schließt nicht die geheim gebliebenen mit ein.
Die stärkste Atombombe der Amerikaner war die Bravo Atombombe aus der Castle Testreihe (also „Castle Bravo“ genannt). Sie hatte 15 Megatonnen Sprengkraft als sie am 28.2.1954 auf dem Bikini-Atoll im Pazifik hoch ging. Und als sie 100 Kilometer entfernte Schiffer verstrahlte. Man hatte die Sprengkraft der ersten Bombe einer neuen Bauart schlichtweg falsch berechnet. Passiert.
Die stärkste jemals gezündete Kernwaffe kam aus den UdSSR. Das war die 1961 gezündete Zar-Bombe. Gezündet wurde sie dann in der Luft über dem nördlichen Eismeer, nachdem sie von einem Flugzeug in 10.000 Meter Höhe abgeworfen, und dann mit einem Fallschrim (der war übrigens bei 27 Tonnnen Traggewicht die schwierigste Entwicklung) abgebremst wurde, damit das Flugzeug Zeit hatte, zu ‚entkommen‘. Auch sie war eine Bombe von einer neuen Generation, und erreichte 57 Megatonnen Sprengkraft. Auch wenn sie (nur) zur Machtdemonstration eingesetzt wurde, war sie nur ein ‚Light‘-Modell. Ursprünglich sah man vor, einen weiteren Nuklearmantel um die Bombe zu bauen, die die Sprengkraft auf 150 Megatonnen erhöhte. Hat man dann aber sein gelassen. Hätte nämlich auch nur den erstaunlich geringen radioaktiven Fallout von 3% erhöht, und die „weltweite radioaktive Belastung durch Atomtests um ca. 25% erhöht“. Also auch die Belastung der Russen.
Aber 57 Megatonnen Sprengkraft, was heißt das eigentlich?
Nun, man spricht von TNT-Äquivalent, von der freiwerdenden Gesamtenergie in Bezug auf TNT. 57 Megatonnen TNT-Äquivalent entspricht einer Energie von fast 250*10^15 Joule. Und weil man sich darunter nichts vorstellen kann, will ich hier mal ein bisschen weiter rumrechnen.
Ich will die 57 Megatonne mal mit dem vergleichen, was man an TNT bräuchte, um eine ähnlich starke Explosion zu erreichen. Das ist nur begrenzt möglich, soll also nur ein wenig der Visualisierung dienen.
57 Megatonnen TNT sind 57.000.000 Tonnen TNT. Nehmen wir mal einen handelsüblichen Transportlastkraftwagen, wie er mautbezahlend zu hunderten auf unseren Autobahnen herumfährt, einer mit 25 Tonnen Ladung, also keiner von den ganz großen, einer von den normalen, dann bräuchten wir 2.280.000 LKW. Also über zwei Millionen LKW. Gehen wir der Einfachheit halber von einer Länge von 10 Meter pro LKW aus, dann hätten wir eine lückenlose Aneinanderreihung von LKWs mit einer Länge von 228022.800 Kilometer. Ungefähr einmal halb um die Erde herum. Verdammt lang also. Und verdammt viel TNT.
Die Zar-Bombe bot soviel Zerstörungpotenzial, dass ihr Konstrukteur zum Atomwaffengegner wurde.

Eigentlich müssten wir jedem einzelnen Atomwaffengegner, jedem einzelnen der damals gegen Atomwaffen demonstriert, der auf die Straße gegangen ist persönlich die Hand schütteln und danken.
Danke.

8 Gedanken zu „Atombomben: TNT-Zug von Köln bis Moskau

  1. Hallo.
    Wollte nur bescheid sagen, dass 2.280.000 Lkw bei einer jeweiligen länge von 10m eine Gesamtlänge von 22.800.000m (22.800km ergibt. Die ganzen Lkw-Fahrer können sich also in einer 10er-Reihe von Köln nach Moskau stellen.
    MfG Jan

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