Pocher und der Witz, der einer war

So langsam habe ich das Gefühl, es wird Zeit auch in Deutschland den legendären Keine-Katze-in-diese-Mikrowelle-Hinweis in Handbücher sämtlicher elektronischer Geräte einzubauen.
Oliver Pocher hat am Samstag bei „Wetten Dass“ einen seiner spitzen Kommentare über eine andere Person gemacht. Und die hat ihn dann auf Schmerzensgeld verklagt. So ging das durch die Presse.

Seine Mandantin, die in einer Kleinstadt lebe, werde seit dem Vorfall dauernd auf der Straße angesprochen, sagte Bredemeier. In Internetforen werde die Frau lächerlich gemacht, allerorten werde über sie hergezogen.

Daran, dass Pocher sie als altaussehend bezeichnet hat, lag das bestimmt nicht.
Wer aus einer Mücke einen Albatros macht und noch dazu nicht mückisch versteht, ist selber Schuld wenn er abstürzt.
Und 35.000 Schmerzensgeld? Ja, hallo? Was soll das denn? Wie kann so jemand im Ernst für einen Spruch, der zweifellos Satire war, derart viel Geld als Entschädigung einklagen? Für nachhaltige Schäden am Körper, die durchaus tatsächlich behindernd sein können, ist der gesetzliche Regelbetrag meines wissens nicht mal ein Zehntel so hoch.
Wo sind wir hingekommen, dass Spass nichtmehr Spass bleibt…

Ein Gedanke zu „Pocher und der Witz, der einer war

  1. Zunächst einmal ist „Wetten… dass?“ – wie in der Tat jeder weiß – keine Satire-Sendung. Sie witrrd es auch nicht durch einen fragwürdigen Auftritt des Oliver Pocher.

    Ich denke, es ist eine Niveaufrage, ob man würdigend mit anderen Menschen umgeht oder nicht. Freilich kann es nicht jedem schrägen Vogel überlassen bleiben, ob und wie er sich auf Kosten anderer mangels eigener Substanz öffentlich zu profilieren sucht. Oder wenn wie hier ein Pocher sich darüber hinwegsetzt, dann hat er Entschädigung zu zahlen und nicht zu knapp. Bemerkenswert ist schon, dass angeblich „harte Burschen“ wie er bei der Konsequenz des eigenen Handelns das Jammern anfangen. Mit gutem Grund ist bei der Entschädigungshöhe zu unterscheiden etwa zwischen einer dummen Bemerkung im Suff in der Kneipe an der Ecke oder einem persönlich beleidigenden und herabsetzenden Angriff vor einem Millionenpublikum zur besten TV-Sendezeit. Natürlich spielt im „Fall Pocher“ das ZDF eine zweifelhafte Rolle, das für die peinliche Plattform des Pocher erst sorgte und sich dann herauszuhalten versucht.

    Ich finde Pocher passt wunderbar zu den dumpfsten Kommerz-TV-Kanälen, da sollte er auch bleiben. Wie schon ein Stefan Raab weiß, gibt es jedoch auch dort weder Freibriefe des schlechten Geschmacks noch Garantien nicht zahlen zu müssen.
    Jedem das Seine eben.

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